Marktbericht 20:04 Uhr

Dax gibt nach Anleger tauchen ab

Stand: 15.03.2016, 20:04 Uhr

Vor neuen Nachrichten von der amerikanischen Notenbank haben sich die Investoren heute zurückgehalten. Da auch der Ölpreis zurückfiel, musste der Dax einen Teil der jüngsten Gewinne wieder abgeben. Dramatisch waren die Verluste aber nicht.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.331,30
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Der deutsche Leitindex beendete den größtenteils ereignisarmen Handelstag moderat schwächer. Der Index, der in den beiden vorangegangenen Tagen gut gelaufen war, tendierte nachgebend und schloss 0,56 Prozent leichter. Die Schwankungsbreite war dabei deutlich überschaubarer als zuletzt, im Tief stand der Index bei 9.890, im Hoch bei 9.973 Zählern. Im Späthandel erholte sich der Index etwas, der L/E-Dax schloss bei 9,950 Punkten.

Die Verluste gingen quer durch alle Branchen. Zu den größten Verlierern zählten Schlusslicht RWE, Linde, die Deutsche Bank und Volkswagen. Linde gab nach Xetra-Schluss noch den Rückkauf von 26.047 eigenen Aktien bekannt, ohne dass dies den Kurs stark verändert hätte. Insgesamt stehen über 185 Millionen Linde-Aktien aus, der Börsenwert liegt bei 24 Milliarden Euro. Die Gewinner waren klar in der Minderheit, zudem gab es prozentual nur leichte Avancen. Am besten schlug sich noch die Lufthansa, die am Donnerstag ihre Jahreszahlen veröffentlicht. Das LH-Papier stieg um 0,6 Prozent.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,22
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+1,00%
Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
194,30
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+2,53%
Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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23,33
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+0,78%

Alles blickt auf die Fed

Thema des Tages war die heute am Abend MEZ beginnende Zinssitzung der US-Notenbank. Morgen wird dann Fed-Chefin Janet Yellen die Beschlüsse des FOMC-Zinsausschusses verkünden.

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Setzt die Fed ihre moderate Anhebung der Leitzinsen fort, oder verschiebt sich ein solches Szenario eher in die zweite Jahreshälfte? Und mit wie vielen Zinsschritten ist 2016 zu rechen?

Fragen, die den Markt derzeit umtreiben und wie stets zu allerlei Spekulationen führen. Nach zuletzt uneinheitlichen Konjunkturdaten gehen die meisten Experten derzeit mehrheitlich davon aus, dass kein unmittelbares Anziehen der Zinszügel bevorsteht. Zuletzt hatte die Fed im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Leitzinsen leicht auf eine Bandbreite zwischen 0,25 und 0,5 Prozent angehoben.

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Börse 19.00 Uhr

"Die Fed wird die Leitzinsen in dieser Woche wahrscheinlich nicht anheben", sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Es kann aber gut sein, dass sie andeuten wird, bei weiter anziehender Inflation und guten Arbeitsmarktdaten jederzeit zu Straffungen bereit zu sein."

Öl fällt zurück

Als weitere Begründung für den durchwachsenen Handelstag muss mal wieder der Ölpreis herhalten. Er ermäßigte sich für die Nordseesorte Brent um rund drei Prozent und leigt wieder unter 40 Dollar je Fass. In der Vorwoche kostete das schwarze Gold bereits über 40 Dollar nach Hoffnungen, wichtige Förderländer könnten sich auf eine Deckelung der Produktion einigen.

Händler begründeten die fallenden Ölpreise mit der Förderpolitik des Irans. Das Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hatte bei einem Besuch des russischen Ölministers Alexander Nowak in Teheran weiterhin kein Interesse gezeigt, die Fördermenge wie von Russland und Saudi-Arabien angestrebt auf das Januar-Niveau zu begrenzen. Aus Kreisen der Opec hieß es, dass die Gespräche über ein Einfrieren der Fördermenge im April fortgesetzt werden sollen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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"Der Iran weigert sich aus nachvollziehbaren Gründen, zum aktuellen Stand an einer Vereinbarung auf Produktionsobergrenzen teilzunehmen", kommentierten Rohstoffexperten der Commerzbank. Nach Meinung der Experten wendet sich der Markt derzeit wieder stärker dem vorhanden Überangebot zu und weniger dem Rückgang der Förderung in den USA.

Kaum Bewegung an der Wall Street

Ein ganz ähnliches Börsenbild wie bei uns bietet sich derzeit an der Wall Street. Der Leitindex Dow Jones liegt leicht 0,2 Prozent im Minus. Auch in New York wartet alles auf die Fed.

Die heutigen Konjunkturdaten blieben ohne klare Richtung. Der US-Einzelhandel vermeldete im Februar einen Umsatzrückgang von 0,1 Prozent. Das war zwar etwas weniger als die befürchteten minus 0,2 Prozent, vor allem niedrige Benzinpreise bremsen den US-Konsum aber weiter aus. Auch die Erzeugerpreise der Industrie zeigen wenig Preisdynamik.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.758,69
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Besser sieht es im Verarbeitenden Gewerbe aus. Der Empire-State-Index, ein Stimmungsindikator für den Großraum New York, liegt mit plus 0,62 Punkten erstmals seit Juli 2015 im Expansionsbereich. Experten hatten einen Rückgang von glatt zehn Punkten erwartet nach minus 16,64 Punkten im Februar. "Per saldo werden Zinserwartungen bezüglich der Fed in dieser Woche nicht geschürt", kommentierte Helaba-Analystin Viola Julien.

Euro zeigt sich robust

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch am Devisenmarkt dreht sich alles um die Fed-Sitzung. Zinsfantasie für den Dollar kommt aber keine auf, zumal nach den richtungslosen US-Konjunkturzahlen. Der Euro zeigt sich entsprechend von seiner robusten Seite und notiert um die Marke von 1,11 Dollar, allerdings ebenfalls ohne klare Tendenz. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1109 (Montag: 1,1119) Dollar festgesetzt.

VW wird verklagt

Der angeschlagene Volkswagen-Konzern hat ab sofort eine weitere juristische Baustelle. Insgesamt 278 institutionelle Großanleger - darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka - haben den Wolfsburger Autobauer auf Schadenersatz in Höhe von 3,255 Milliarden Euro verklagt. Sie werfen Volkswagen vor, zu spät über die Abgasmanipulation informiert zu haben.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gleichzeitig berichtet der Wolfsburger Konzern, dass er mit seinem Leasing- und Finanzierungsgeschäft im vergangenen Jahr trotz des Abgas-Skandals deutlich mehr Geld verdient hat. Der Gewinn der Volkswagen Financial Services AG (VWFS) kletterte unterm Strich um 35 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, wie die VW-Tochter am Dienstag mitteilte.

Telekom begibt Anleihe....

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Deutsche Telekom hat eine 4,5 Milliarden Euro schwere Anleihe begeben. Das Unternehmen will das Geld unter anderem in Amerika investieren. Dort werden ab Ende des Monats neue Mobilfunkfrequenzen versteigert, die für die sehr erfolgreiche Tochter T-Mobile US interessant sind. die T-Aktie bewegt sich kaum und hält sich damit besser als der Markt.

...ebenso wie die Deutsche Bank

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,77
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kurz nach dem Abschluss ihres Anleihenrückkaufprogramms will die Bank wieder neues Geld einsammeln. Die Frankfurter wollen mit einer dreijährigen Anleihe bei Investoren 1,5 Milliarden Euro einsammeln, berichtet "Reuters". "Sie müssen in kleinen Schritten zurück an den Markt kommen", sagte ein Banker. Er sei gespannt, wie die Platzierung verlaufe. Erst im Februar waren Bankaktien nach Finanzängsten massiv unter Druck geraten. Die Deutsche Bank hatte, um ihre Liquidität zu demonstrieren, daraufhin Anleihen zurückgekauft und die Investoren erst einmal beruhigt.

Aktiensplit bei Jungheinrich

Beim MDax-Unternehmen soll auf der Hauptversammlung am 24. Mai über einen Aktiensplit im Verhältnis 1:3 abgestimmt werden. Dies teilte das Unternehmen nach Xetra-Schluss mit. Ziel ist es, den Handel in Jungheinrich-Aktien weiter zu fördern und die Aktie für Anleger noch attraktiver zu machen. Bei Zustimmung durch die Hauptversammlung erhält jeder Jungheinrich-Aktionär zum Ausgabezeitpunkt ohne Zuzahlung für eine gehaltene Aktie jeweils drei neue Aktien. Derzewit gib es 34 Millionen Stückaktien (18 Millionen Stamm- und 16 Millionen Vorzugsaktien). An den Beteiligungsverhältnissen der Gesellschaft ergeben sich durch den Aktiensplit keine Änderungen.

Sixt gibt viel Geld zurück

Der Autovermieter Sixt will bis zu 50 Millionen Euro einsetzen, um damit eigene Stamm- und Vorzugsaktien zu kaufen. Bei den jetzigen Kursen entspräche das einem Anteil von 2,5 Prozent am Grundkapital. Außerdem plant das Unternehmen nach einem Rekordjahr auch eine rekordhohe Dividende auszuschütten. Aktionäre sollen inklusive einer Sonderausschüttung 1,50 Euro pro Stammaktie und 1,52 Euro pro Vorzugsaktie erhalten. Sixt-Papiere gehörten zu den größten SDax-Gewinnern.

Schaeffler wächst

Der Wälzlagerhersteller Schaeffler hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um neun Prozent auf 13,2 Millionen Euro verbessert. Hilfreich war besonders der schwache Euro. Der Konzerngewinn schrumpfte um knapp zehn Prozent auf 591 Millionen Euro. Grund waren Rückstellungen für mögliche Schadensersatzansprüche in einem Kartellverfahren. Das Management schlägt eine Dividende von 35 Cent je Vorzugsaktie vor. Außerdem soll es eine einmalige Sonderausschüttung von 15 Cent pro Papier geben.

Zeal Network auf Kurs

Der Online-Glückspielanbieter Zeal Network aus dem SDax hat im vergangenen Jahr sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 123 Prozent auf 42,9 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Die Gesamtleistung sank allerdings leicht von 146 auf 141 Millionen Euro. Für 2016 erwartet Zeal eine Gesamtleistung von 140 bis 150 Millionen Euro und ein Ebit von 40 bis 50 Millionen. Die Dividende soll bei mindestens 2,80 Euro liegen.

Neue Großaktionäre bei VTG

Die VTG-Aktie war Tagessieger im Kleinwerteindex SDax. Der Waggonvermieter und Schienenlogistiker erklärte, dass man mit der Joachim Herz Stiftung mit zehn Prozent sowie der Hamburger Bank M.M. Warburg mit fünf Prozent zwei neue Großaktionäre habe. Verkäufer sind die von Finanzinvestor Wilbur Ross gemanagten Fonds, die bisher 35 Prozent an VTG hielten. Ross hatte das Unternehmen 2005 von der Tui übernommen und 2007 an die Börse gebracht. Ross erklärte, nach über zehn Jahren sei nun der Zeitpunkt gekommen, einen Teil des Investments in neue, vertrauensvolle Hände zu legen.

Campari will Grand Marnier schlucken

Der italienische Spirituosen-Hersteller Campari will für 684 Millionen Euro den französischen Konkurrenten Grand Marnier übernehmen. Dies kündigte das Mailänder Unternehmen heute an. Campari, gegründet 1860, ist vor allem durch den gleichnamigen roten Aperitiv, aber auch für seine Aperol-Spritz-Cocktails und mehr als 50 andere Marken bekannt. Grand Marnier ist ebenfalls eine weltweite Likörgröße, die erstmals von Louis-Alexandre Marnier Lapostolle 1880 gemischt wurde. Campari bietet 8,05 Euro für eine Marnier-Aktie, ein Aufschlag von rund 60 Prozent zum gegenwärtigen Kurs.

Schwarzer Tag für Valeant

Die Aktie des kanadischen Pharmakonzerns Valeant bricht nach enttäuschenden Zahlen um fast die Hälfte ein. Mit einem Gewinn von 2,50 Dollar je Aktie lag der Gewinn im vierten Quartal elf Cents unter den Erwartungen. Die Zahlen sind vorläufig und kommen zudem verspätet wegen der Erkrankung von Firmenchef Michael Pearson. "Unser Geschäft läuft nicht auf allen Zylindern", sagte Pearson. Valeant ist auch wegen seiner Geschäfts- und Bilanzierungspraktiken ins Visier der US-Aufsichtsbehörden geraten.

rm

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