Marktbericht 20:02 Uhr

Wann kommt die Zinswende? Anleger tasten sich vor

Stand: 17.09.2014, 20:02 Uhr

Wann läutet die amerikanische Notenbank die Zinswende ein? Diese Frage beschäftigte am Mittwoch die Anleger weltweit. An einigen Plätzen wie in Frankfurt überwogen die Optimisten.

In Frankfurt gingen die meisten Anleger davon aus, dass die US-Notenbank ihren jetzigen Kurs noch eine ganze Weile beibehält und die Zinsen noch weit ins nächste Jahr hinein unverändert bleiben. Für Fed-Chefin Janet Yellen gebe es keinen zwingenden Grund, eine vorzeitige Zinserhöhung anzudeuten, so die mehrheitliche Meinung der Marktexperten.

Der Dax kann deshalb bis zum Handelsende einen Teil seiner Tagesgewinne halten und schließt bei 9.661 Punkten, 0,3 Prozent mehr als am Dienstag. Am Vormittag war der Leitindex sogar bis auf 9.695 Punkte geklettert, nachdem sich an der Wall Street die Überzeugung durchgesetzt hatte, dass die US-Notenbank vorerst keine neuen Hinweise auf eine frühzeitige Zinswende geben werde.

Danach setzten dann Gewinnmitnahmen ein. Am Abend dürfte Fed-Chefin Janet Yellen dann endlich für Klarheit sorgen. Auf einer um 20:30 Uhr beginnenden Pressekonferenz wird die Notenbankerin die Entscheidung ihrer Mannschaft erläutern.

Nach einer Serie guter Wirtschaftsdaten in den USA ist der Druck auf die Zentralbank zuletzt gestiegen, den geldpolitischen Kurs nach dem Ende des Tapering weiter zu verschärfen. Allerdings istl die jährliche Inflationsrate in den USA zuletzt von 2,0 Prozent auf 1,7 Prozent und damit wieder unter den langfristigen Zielwert der US-Notenbank. Damit sank zumindest von dieser Seite der Druck auf die Fed, verstärkt über eine Leitzinswende nachzudenken.

Auch an der Wall Street, wo die Kurse bereits gestern in Erwartung einer unveränderten Geldpolitik gestiegen waren, kommt es am Mittwoch zunächst weitere Kursgewinne. Der Dow Jones-Index eröffnet im Plus und steigt kurz auf ein neues Rekordhoch von 17.173,49 Punkten. Dnach bröckeln die Gewinne aber wieder ab und der Dow tritt auf der Stelle.

Euro souverän über 1,29 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hält sich wacker über der Marke von 1,29 Dollar. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,2955 Dollar und war damit so teuer wie am Morgen. Mittelfristig rechnen die deutschen Privatbanken aber mit einer spürbaren Abwertung des Euro. Bis Ende 2015 dürfte die Gemeinschaftswährung nur noch 1,20 Dollar wert sein, sagte Stefan Schilbe, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik beim Branchenverband BdB. Der Wechselkurs sei aber nicht im freien Fall, sondern werde eher allmählich nachlassen. Hauptgrund sei, dass die US-Notenbank wohl im Frühjahr oder im Frühsommer 2015 die Zinswende einleiten werde

Hedgefonds bei Adidas?

Bei den Einzelwerten im Dax sticht die Adidas-Aktie heraus. Wie das "Manager Magazin" berichtete, erwägen milliardenschwere und als aggressiv geltende angelsächsische Finanzinvestoren eine Beteiligung an Adidas. Ihr Ziel sei ein radikaler Kurswechsel bei dem Unternehmen, das zuletzt wegen seines Russlandgeschäfts und Problemen bei der Golfsparte seine Gewinnprognose drastisch gesenkt hatte. Sie fordern den Angaben zufolge eine Ablösung von Vorstandschef Herbert Hainer, den sie für die jüngsten Probleme des Sportartiklers verantwortlich machen.

Fedex beflügelt Post

Zu den stärksten Werten im Dax gehört auch die Aktie der Deutschen Post. Sie profitiert von den guten Zahlen des Konkurrenten Fedex. Der hat im ersten Quartal die Prognosen der Analysten leicht übertroffen und seine Jahresprognose bestätigt. Danach peilt der Konzern einen Gewinn je Aktie von 8,50 Dollar bis 9 Dollar an.

US Steel macht Thyssen Beine

Die Aktie von ThyssenKrupp gehört ebenfalls zu den Gewinnern - dank den Aussagen des Konkurrenten US Steel. Der hat seine Prognosen nach oben korrigiert und will die bisherigen Planungen in punkto Gewinn "deutlich" übertreffen. Die Aktie war daraufhin in New York um sieben Prozent geklettert. Auch KlöCo und Salzgitter im MDax gewinnen

Bayer investiert eine Milliarde

Kaum voran geht es mit der Bayer-Aktie. Dabei wollen die Leverkusener eine Milliarde Euro in die Suche nach neuen Pflanzenschutzmitteln investieren. Das sagte der Chef der Sparte "Crop Science", Liam Condon, am Mittwoch. Der Weltmarkt für Saatgut werde bis 2020 auf 100 Milliarden Euro wachsen, so der Manager. Der Bayer-Bereich hat im vergangenen Jahr 8,8 Milliarden Euro umgesetzt.

Weniger neue Autos im August

Die Nachfrage nach Neuwagen in der Euro-Zone ebbt langsam ab. Laut dem europäischen Autoverband ACEA lag der Zuwachs im August mit 2,1 Prozent zum Vormonat deutlich unter dem des Juli. In den großen Absatzmärkten wie Deutschland und Frankreich wurden sogar weniger Wagen verkauft. Zu den Gewinnern zählt vor allem die BMW-Aktie.

UBS befeuert Stada

Im MDax hält gewinnt die Aktie des Generikakonzerns aus Bad Vilbel bei Frankfurt besser als der Gesamtmarkt. Die Analysten der Schweizer UBS haben den Titel zum Kauf empfohlen und ein Kursziel von 38 Euro ausgegeben. Die Experten verweisen vor allem auf Wachstumsimpulse durch die Übernahme den Konkurrenten Thornton & Ross.

Dialog ist ein Kauf

Im TecDax springen Dialog-Aktien um mehr als vier Prozent in die Höhe und sind damit der stärkste Wert in dem Index. Grund ist eine Kaufempfehlung der Commerzbank. Das Produktportfolio des als Apple-Zulieferer geltenden Halbleiterkonzerns dürfte von einer starken Dynamik profitieren, schrieb Analyst Thomas Becker.

BVB-Aktie glänzt

Im SDax honorieren die Anleger den Sieg von Borussia Dortmund (BVB) über Arsenal London mit einem Kursplus von mehr als zwei Prozent. Mit dem Sieg habe der Club Fans und Investoren beruhigt, so Daniel Saurenz von Feingold Research.

Sony sieht tiefrot

Der japanische Elektronik-Konzern schockte am Morgen die Anleger mit einer neuerlichen Gewinnwarnung. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Sony nun mit einem deutlich höheren Verlust von umgerechnet 1,66 Milliarden Euro. Das ist mehr als das Vierfache an Minus gegenüber der bisherigen Prognose. Vor allem das Smartphone-Geschäft läuft schlechter als erwartet.

Inditex enttäuscht

Die spanische Zara-Muttergesellschaft Inditex hat am Morgen Zahlen zum ersten Halbjahr 2014 vorgelegt. Danach stieg der Nettogewinn auf 928 Millionen Euro und lag damit deutlich über den Analystenschätzungen von 910 Millionen Euro. Beim Umsatz erreichte das Unternehmen ein Plus von sechs Prozent auf 8,01 Milliarden Euro.

Adobe enttäuscht

Adobe: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Am Dienstagabend nach US-Börsenschluss hatte der Software-Konzern Abobe Zahlen zu seinem dritten Geschäftsquartal vorgelegt. Die Aktie büßte im nachbörslichen Handel deutlich ein, weil Adobe einen Gewinneinbruch von 83 auf 44,7 Millionen Dollar verbucht hat. Der Umsatz legte um ein Prozent auf 1,01 Milliarden Dollar zu.

lg

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