Marktbericht 20:02 Uhr

Dax verliert deutlich Anleger suchen das Weite

Stand: 24.02.2016, 20:02 Uhr

Hohe Volatilität sorgt derzeit dafür, dass man starke Nerven braucht am Aktienmarkt. Auch heute ging es bei nervösem Handel kräftig zur Sache - und beim Dax in eine Richtung, nämlich nach unten.

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Leitindex beendete den Handel bei 9.167 Punkten, ein kräftiger Abschlag von 2,64 Prozent. Wie nervös die Marktteilnehmer derzeit sind zeigt auch die hohe Schwankungsbreite von fast 300 Punkten. Im Tageshoch stand der Index bei 9.415, im Tief bei 9.125 Zählern. Immerhin erholte sich der L/E-Dax im Späthandel im Gefolge der Wall Street etwas und schloss bei 9.239 Punkten deutlich über dem Xetra-Schluss. Im Mittelpunkt der Anlegersorgen standen heute, wie auch schon in den vergangenen Handelstagen, die Ungewissheit um eine Austritt Großbritanniens aus der EU und mal wieder der Ölpreis.

Brexit-Sorgen und Ölpreis-Jo-Jo

Beide Hauptthemen sind dabei alles andere als neu. Trotzdem werden am Markt mögliche Folgen eines Ausstiegs Großbritanniens aus der EU intensiv und mit immer größeren Sorgenfalten auf der Stirn, diskutiert. Ein solcher Brexit würde zu einer Behinderung der regen Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien und zu einer Phase großer Unsicherheit führen, fürchten die Experten der DZ Bank in einer Studie. Gerade solche politische Hängepartien haben der Börse in der Vergangenheit stets geschadet. Britanniens Premierminister David Cameron will am 23. Juni in seinem Land über die Mitgliedschaft abstimmen lassen.

Nicht nur dies, auch der wieder fallende Ölpreis belastete den Dax heute deutlich. Offensichtlich können sich viele Erdöl exportierenden Staaten doch nicht so einfach auf Förderkürzungen einigen, wie das zuletzt am Markt gehofft wurde. Die Interessenlage der Protagonisten bleibt undurchsichtig, zumal zum Teil völlig gegenläufige geopolitische Interessen verfolgt werden.

Nach wie erwartet ausgefallenen wöchentlichen Daten zur US-Lagerhaltungsdaten erholte sich der Preis nur kurz. Anleger fürchten, dass viele Energiekonzerne angesichts des Preiskollaps beim Öl in die Bredouille geraten und Kreditausfälle die Banken mit in die Tiefe reißen. Nach wie vor übersteigt das Angebot die Nachfrage. Eine Situation, die durch den Markteintritt des Irans nach dem Ende der Sanktionen gegen das Land noch verschärft wird.

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Markttechnik trübt sich ein

Zwischen diesen beiden Marken liegt die wichtige Unterstützungszone zwischen 9.315/9.338 Punkten, die Tiefpunkte vergangener Bewegungen markiert. Technische Analysten warnen davor, dass das Unterschreiten dieser Marke weitere Verluste nach sich ziehen dürfte. Mittelfristig habe der Dax nach dem heutigen Verkaufssignal nun sogar ein Abwärtspotenzial von rund 1.000 Punkten, denn die nächste wirklich ernst zu nehmende Unterstützung sei erst auf Höhe des 2014er-Tiefs (8.355 Punkten) auszumachen.

Wall Street erholt sich etwas

Auch die New Yorker Börse steht ganz im Zeichen der Ölpreisschwäche. Hier werden vor allem Konjunkturängste gespielt, denn ein schwacher Ölpreis gilt als Indikator für nachlassende Wachstumskräfte. Der Leitindex Dow Jones, der schon rund 1,5 Prozent im Minus stand, hat sich aber mittlerweile etwas gefangen und seine Verluste eingegrenzt. Aktuell liegt der Index noch 0,7 Prozent im Minus. Schwächster Wert ist derzeit Boeing, auch Zykliker und Bankaktien stehen unter Druck. Einzig die Aktie des Industrieriesen United Technologies rückt nennenswert vor, nachdem es zuletzt Fusionsgerüchte mit dem Konkurrenten Honeywell gegeben hatte.

Euro erholt sich, Bund-Future auf Rekordhoch

Für den Euro war es ein zweigeteilter Tag. Nachdem die Gemeinschaftswährung zunächst nachgab und unter 1,10 Dollar fiel, erholte sie sich nach schwächer als erwartet ausgefallen Daten vom US-Hausmarkt. Aktuell liegt der Kurs bei 1,1032 Dollar. Trotz der heutigen Zwischenerholung stand der Euro zuletzt unter Druck.

Experten verweisen zur Begründung auf die näher kommende Zinssitzung der EZB. "Es besteht immer weniger Zweifel, dass die EZB weitere Maßnahmen ergreifen wird, um die niedrige Inflation zu bekämpfen", sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Die Aussicht auf ein weiteres Öffnen der Geldschleusen belastet den Euro. Das britische Pfund bleibt angesichts der unischeren politischen Lage weiter angeschlagen, sowohl gegenüber dem Dollar als auch dem Euro.

Der Goldpreis legte hingegen zu - wie immer, wenn an der Börse die Kanonen donnern. Gesucht waren auch wieder Bundeswertpapiere, zehnjährige Bundesanleihen rentieren nur noch mit 0,13 Prozent. Der richtungsweisende Bund-Future stieg zwischenzeitlich auf ein Allzeithoch bei 166,17 Prozent.

Nur Fresenius legte zu, VW am Indexende

Unter den Einzelwerten war die Fresenius-Aktie der einzige Gewinner. Der Gesundheitskonzern hat 2015 einen Rekordgewinn einfahren können. Die Aktionäre dürfen sich deshalb auf die 23. Dividendenerhöhung in Folge freuen: Sie sollen 0,55 Euro je Aktie erhalten – ein Plus von 25 Prozent.

Nicht ganz so gut lief es bei der Dialyse-Tochter FMC, die wegen Problemen in den USA im abgelaufenen Jahr an einer Gewinnsteigerung vorbeischrammte. Das Jahresergebnis sank um zwei Prozent auf 1,03 Milliarden US-Dollar. Die Fresenius-Tochter will trotzdem die Dividende um drei Prozent auf 0,80 Euro anheben. Größter Verlierer war Volkswagen, aber auch alle anderen Autoaktien notierten am Indexende.

Bayer kürt Baumann zum neuen Chef, Dividende steigt

Der Nachfolger für Marijn Dekkers steht fest. Auf der heutigen Aufsichtsratssitzung wurde das Vorstandsmitglied Werner Baumann zum neuen Chef der Bayer AG gekürt. Baumann, der in Branchenkreisen schon lange als Kronprinz gehandelt wurde, soll sein neues Amt bereits zum 1. Mai 2016 antreten.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zudem wurde bekannt, dass die Dividende von 2,25 auf 2,50 Euro steigen soll. Analysten hatten dies im Schnitt erwartet. Es wäre die sechste Erhöhung in Folge. Der scheidende Firmenchef Marijn Dekkers legt am Donnerstag die Jahreszahlen vor. Erwartet wird, dass Bayer seine Ziele erreicht und Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert hat. Dekkers wird ab April in den Aufsichtsrat des Konsumgüterriesen Unilever einziehen, wie am Abend noch bekannt wurde. Der 58-jährige hatte bei Bayer um eine vorzeitige Auflösung seines Vertrags gebeten, weil er mehr Zeit mit der Familie verbringen wollte.

Vonovia hakt Deutsche-Wohnen-Deal endgültig ab

Das Scheitern des 14 Milliarden schweren Deals sei nur eine Frage des Preises gewesen, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch am Abend vor dem Frankfurter Wirtschaftspresseclub. Vonovia sei - anders als bei der Gagfah - nicht bereit gewesen, für Deutsche Wohnen eine Prämie auf den Substanzwert der Aktie zu zahlen.

Vonovia will die Zahlen für das abgelaufene Jahr in der kommenden Woche präsentieren. Buch hielt sich daher bedeckt, machte aber klar, dass er zufrieden sei. Für 2015 hatte der Konzern zuletzt ein operatives Ergebnis (FFO) von 590 bis 600 Millionen Euro in Aussicht gestellt. In diesem Jahr sollen es 690 bis 710 Millionen werden (ohne Deutsche Wohnen).

Aareal Bank steigert Dividende deutlich

Die Aktionäre der auf gewerbliche Finanzierungen spezialisierten Wiesbadener Bank erhalten für das abgelaufene Jahr eine deutlich höhere Dividende von 1,65 Euro. Erwartet waren im Schnitt 1,52 Euro, nachdem im Vorjahr noch 1,20 Euro ausgeschüttet wurde. Zukünftig soll die Ausschüttungsquote weiter steigen. Für 2016 sollen 60 Prozent, für 2017 und 2018 sogar 70 bis 80 Prozent des Gewinns an die Anteilseigner fließen. Die Bank, deren Aktie im MDax notiert ist, legt am Donnerstag ihre Geschäftszahlen vor. Experten erwarten ein Rekordergebnis. Die Aktie legte im Späthandel deutlich zu. Während des regulären Xetra-Handels war sie mit dem Markt 1,27 Prozent gefallen.

Neue Short-Attacke gegen Wirecard

Ein kritischer Bericht der Researchfirma Zatarra zwang die im TecDax notierte Wirecard-Aktie dramatisch in die Knie. Am Ende stand ein Tagesverlust von 21,64 Prozent auf 33,40 Euro. Im Tagestief lag die Aktie bei 31,88 Euro - ein Minus von mehr als 25 Prozent. Der Bericht behauptet, neue Indizien für die Wahrhaftigkeit der alten Vorwürfe gegen Wirecard bezüglich Geldwäsche gefunden zu haben. Wirecard hat die Vorwürfe mittlerweile dementiert und rechtliche Schritte gegen Zatarra eingeleitet. Die Aktie stand damit am TecDax-Ende. Der Technologieindex tendierte mit minus 5,13 Prozent besonders schwach.

Morphosys kauft eigene Aktien zurück

TecDax-Mitglied Morphosys will im Zeitraum zwischen dem 3. und 10. März über die Börse eigene Aktien im Volumen von bis zu 2,18 Millionen Euro zurückkaufen. Dies gab das Biotechunternehmen am Nachmittag bekannt. Die Aktie profitierte aber nur kurz von der Ankündigung und fiel danach wieder zurück. Mit einem Tagesverlust von 6,58 Prozent gehörte das Papier in einem schwachen Gesamtmarktumfeld zu den größten Verlierern.

Airbus: Vorsicht ist die Mutter der Flugzeugkiste

Der Flugzeugkonzern Airbus aus dem MDax zeigt sich für das laufende Geschäftsjahr trotz eines Rekordauftragsbestands von erstmals einer Billion Euro zurückhaltend: Das operative Ergebnis werde 2016 in etwa stagnieren. 2015 hatte Airbus ein Ebit vor Sondereffekten von gut 4,1 Milliarden Euro verbucht, nur wenig mehr als das Jahr zuvor.

Hugo Boss: Das war noch nicht alles!

Die Aktien von Hugo Boss waren nach dem tags zuvor mit Enttäuschung aufgenommenen Geschäftsausblick auch am Mittwoch der größte Verlierer im MDax. Die Papiere waren am Dienstag im späten Handel eingeknickt und hatten bis zum Schluss des Xetra-Hauptgeschäfts rund ein Fünftel ihres Wertes verloren. Heute ging es über Acht Prozent weiter bergab.

Gewinneinbruch bei MLP

Nach Börsenschluss legte noch der SDax-Finanzdienstleister MLP seine Zahlen vor. Danach brach der Gewinn wegen schwächerer Nachfrage der Kunden nach Altersvorsorgeprodukten um ein Drittel auf 19,8 Millionen Euro ein. Das Ebit sank deutlich auf 32,5 nach 39 Millionen Euro im Jahr 2014. Die Dividende wird um fünf auf zwölf Cent gekürzt.

Als Konsequenz will Firmenchef Uwe Schroeder-Wildberg den Rotstift ansetzen. Die Kosten sollen deutlich gesenkt werden, auch Stellenstreichungen stehen auf der Agenda. Ab 2017 soll es dann wieder bergauf gehen, so der Plan. In diesem Jahr sei allerdings wegen der für das Sparprogramm veranschlagten Kosten mit Aufwendungen von 15 Millionen Euro zu rechnen, hieß es weiter. Die MLP-Aktie war zu ihren Glanzzeiten Anfang des Jahrtausends sogar für kurze Zeit im Dax gewesen. Heute legte sie gegen den schwachen Markt um 2,39 Prozent zu.

JPMorgan: Investmentbanking läuft schlecht

Der historisch schlechte Jahresauftakt an den Börsen ist auch Gift für das Investmentbanking der US-Großbank JPMorgan. In den ersten Wochen des Jahres lägen die Erträge rund ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau, so der oberste Investmentbanker des US-Branchenprimus, Daniel Pinto.

Peugeot: Rückkehr in die Gewinnzone

Der französische Autobauer Peugeot ist in die Gewinnzone zurückgekehrt. Peugeot erzielt im vergangenen Jahr ein Nettoergebnis von 1,2 Milliarden Euro nach einem Verlust von 555 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Dazu trugen Einsparungen, Preiserhöhungen und die Erholung auf dem Automarkt in Europa bei.

Frankreich fordert Milliarden von Google

Die französischen Steuerbehörden fordern vom US-Internetkonzern Google, der jetzt Alphabet heißt, Steuernachzahlungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Das verlautete am Mittwoch aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen in Paris. Am Abend wollte Google-Chef Sundar Pichai mit dem französischen Wirtschaftsminister Eduard Macron zusammentreffen. Google und andere große US-Konzerne wie Amazon oder Facebook werden immer wieder beschuldigt, mit ihren legalen "Steueroptimierungen" große Summen an Steuern zu sparen - nicht nur in Europa, auch in den USA. Sie wählen als Hauptsitz zum Beispiel Länder, in denen die Besteuerung sehr niedrig ist.

Gleichzeitig gab der Musik-Streamingdienst Spotify bekannt, dass eigene Rechenzentren aufgeben und seine IT-Infrastruktur in Cloud-Angebote von Google verlagert werden. Der Umzug solle binnen 18 Monaten über die Bühne gehen, sagte der zuständige Spotify-Manager Nicholas Harteau dem Magazin "Wired".

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"