Anleger streichen Gewinne ein

Detlev Landmesser

Stand: 15.10.2007, 20:02 Uhr

Diese Woche stehen noch so viele Quartalszahlen an - warum nicht die jüngsten Gewinne mitnehmen? So dachten am Montag viele - was den Dax wieder unter 8.000 Punkte schickte. Dazu kam ein rekordhoher Ölpreis.

Der L-Dax schloss 0,8 Prozent tiefer bei 7.963,44 Punkten. Eine ganze Weile hatte der deutsche Leitindex nur moderat im Minus gelegen. Doch dann setzten an der Wall Street Gewinnmitnahmen ein. In dieser Woche legen 80 der 500 im S&P-Index notierten US-Unternehmen ihre Ergebnisse vor. Angesichts der damit verbundenen Unwägbarkeiten gingen viele Anleger auf Nummer sicher und verkauften.

Zunächst hatten die US-Investoren die Quartalszahlen der Citigroup erleichtert aufgenommen. Der Gewinn der größten US-Bank war im dritten Quartal angesichts der Subprime-Krise zwar massiv eingebrochen, jedoch nicht so schlimm wie erwartet. Vorbörslich hatte das Dow-Schwergewicht noch zugelegt, geriet dann aber ins Trudeln.

Sonderfonds soll Kreditkrise bewältigen

Auslöser war auch der Plan mehrerer US-Großbanken - darunter die Citigroup -, einen gemeinsamen Not-Fonds aufzulegen, mit dem marode Hypothekendarlehen zurückgekauft werden könnten. Damit sollten größere Schäden an den internationalen Finanzmärkten im Zuge der Kreditkrise verhindert werden. An der Wall Street ist von einem Volumen von bis zu 100 Milliarden Dollar die Rede. Die Anleger nahmen die Nachricht jedoch kritisch auf. Sie signalisiere, dass die Banken noch immer besorgt seien, was die Hypotheken- und Kreditthemen angehe, meinte ein US-Börsianer.

Zunächst hatte auch eine positive Überraschung von der US-Konjunktur die Kurse gestützt. Der viel beachtete "Empire State Manufacturing Index", der Konjunkturindex für den Staat New York, ist im Oktober überraschend gestiegen. Der Index sprang auf plus 28,75 Zähler von 14,70 Punkten im Vormonat. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen im Schnitt mit einem Rückgang auf 13,0 Zähler gerechnet.

Rohöl so teuer wie nie
Der weiter haussierende Ölpreis wurde als weiterer Belastungsfaktor angeführt. Ein Barrel leichtes US-Öl der richtungsweisenden Sorte WTI zur Auslieferung im November kostete am Mittag erstmals über 85 Dollar, und kletterte bis zum Abend weiter. Händler verwiesen auf den geplanten türkischen Militäreinsatz gegen die kurdischen Rebellen im Nordirak.

Biogen Idec will nicht mehr allein sein
Die Aktie von Biogen Idec sprang um rund 20 Prozent nach oben. Der amerikanische Biotech-Riese bietet sich zum Verkauf an. Man habe Goldman Sachs und Merrill Lynch mit der Käufersuche beauftragt. Der Milliardär Carl Icahn, der seit August an dem Unternehmen beteiligt ist, habe bereits Interesse angemeldet. Davon profitierte auch die Aktie von BB Biotech. Das Schweizer Beteiligungsunternehmen hat per 30. September 9,5 Prozent seines Portfolios in dem US-Konzern angelegt.

Eon macht Russen-Deal perfekt
Am Ende der nervösen Sitzung behielt die Eon-Aktie die Oberhand im Dax. Bei den deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Wiesbaden hat der Energiekonzern die Übernahme der Mehrheit an der russischen Kraftwerksgesellschaft OKG-4 für 4,1 Milliarden Euro perfekt gemacht. Eon halte nun 69,34 Prozent an OGK-4, teilte der Konzern am Nachmittag mit. OKG-4 betreibt vier Gaskraftwerke und ein Kohlekraftwerk.

VW-Aktie atmet aus
Gewinnmitnahmen ließen die Aktie von Volkswagen etwas zurückfallen. Der Autohersteller meldete, dass er im September weltweit 7,6 Prozent mehr Fahrzeuge seiner Kernmarke VW verkauft hat als vor Jahresfrist. Im Neunmonatsvergleich ergibt sich ein Plus von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Mit seinem breiten Modellangebot gehe VW zielstrebig auf den Verkaufsrekord von mehr als 3,5 Millionen Volkswagen-Pkw in diesem Jahr zu, sagte Konzern-Chef Martin Winterkorn.

Um die Kursschwäche von Siemens zu erklären, verwiesen Händler auf den niederländischen Elektronikkonzern Philips. Dessen am Montag veröffentlichtes Quartalsergebnis kam an der Börse sehr schlecht an.

Celesio strebt nach Russland
Auch Celesio blickt nach Osten: Der Pharmagroßhändler will den russischen Branchenkollegen OAO Protek stufenweise übernehmen. Dazu seien exklusive Verhandlungen mit dem Mehrheitsgesellschafter vereinbart worden.

Wen will BMW?
Ein Bericht der "Wirtschaftswoche", BMW erwäge den Kauf eines Automobilzulieferers, bewegte zu Wochenbeginn einige Kurse. Ein mögliches Objekt sei ein Ingenieurdienstleister, von der sich der Autokonzern eine schnellere Entwicklung schadstoffarmer Autos und geringere Kosten verspreche. Aktien von Unternehmen wie Bertrandt und Rücker entwickelten sich stärker als der Markt. Auch die im MDax notierte Leoni-Aktie profitierte von den Spekulationen.

Schöner Tag für Ersol
Die "Öko-Titel" im TecDax entwickelten sich am Montag recht unterschiedlich. Größter Indexgewinner war die Aktie von Ersol-Aktie nach einer positiven Ersteinschätzung. Das Analysehaus Equinet hat den Solartitel mit "Buy" und einem Kursziel von 90 Euro in die Beobachtung aufgenommen. Der zuständige Analyst Sebastian Growe rechnet damit, dass andere Analysten ihre Gewinnerwartungen anheben werden, da die Durchschnittsschätzung der Experten unterhalb der Unternehmensvorgabe liege. Growe wies zudem auf Übernahmefantasien wegen der 50-prozentigen Beteiligung des Private-Equity Investors Ventizz hin.

Volle Bücher für Nordex
Im TecDax war die Aktie von Nordex gut aufgelegt. Der Windkraftanlagenbauer sei für die nächsten zwei bis drei Jahre komplett ausgebucht, hatte Vorstandschef Thomas Richterich, der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. Sein Unternehmen müsse derzeit Aufträge ablehnen.

Conergy fällt - trotz Prognose-Bestätigung
Am TecDax-Ende notierte die Aktie von Conergy, und setzte damit ihre Verlustserie fort. Das Anleger-Blatt "Euro am Sonntag" hatte gemeldet, die Geschäfte des Solarunternehmens liefen schlechter als gedacht. Das Blatt bezog sich dabei auf interne Informationen, nach denen man nicht mit den Zahlungseingängen und der Profitabilität zufrieden sei. Ein Sprecher des Hamburger Unternehmens bekräftigte dagegen die Umsatz- und Gewinnprognosen für 2007. Es gebe derzeit keinen Grund, von den Zielen Abstand zu nehmen. Conergy peilt einen Umsatz von 1,25 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 60 Millionen Euro an. "Da sind viele einfach nervös, nachdem der Finanzvorstand vorige Woche ausgetauscht wurde", begründete ein Händler den Unmut der Anleger.

Bei Curanum drängen sich die Investoren
Im späten Geschäft kam Musik in die Curanum-Aktie. Laut einem Vorab-Bericht des "Handelsblatts" aus seiner Dienstagausgabe steigt auch der US-Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte bei dem Münchener Pflegeheimbetreiber ein. Wyser-Pratte sagte dem "Handelsblatt", er beteilige sich mit fünf Prozent an Curanum, einem der fünf größten deutschen Heimbetreiber. Die Branche sei in Deutschland weit stärker zersplittert als in anderen Ländern, begründete er seinen Einstieg. "Curanum muss diese Konsolidierung entweder aggressiv vorantreiben oder selbst konsolidiert werden", sagte Wyser-Pratte. Mehrere Firmen hätten an einer Verschmelzung mit Curanum Interesse. Erst am Morgen war bekannt geworden, dass die US-Investmentbank Lehman Brothers einen Anteil von 7,98 Prozent hält. Auch die Investmentfirma Vatas hat sich neun Prozent gesichert. Die niederländische Navitas hält 15 Prozent.

Baader kommt...
Die Baader Wertpapierhandelsbank meldete nach vorläufigen Zahlen ein Neunmonatsergebnis nach Steuern von 21,0 Millionen Euro, was 16 Prozent über dem Vorjahreswert liegt. Das sei auch auf die gestiegenen Handelsaktivitäten infolge der US-Hypothekenkrise zurückzuführen. Aufgrund des bisherigen Geschäftsverlaufs im Oktober gehe der Vorstand auch im vierten Quartal von einem Gewinn aus, teilte das Handelshaus mit.

Rätselraten um Maxdata
Erneut fiel die Aktie des Computerherstellers Maxdata auf. Das im Geregelten Markt geführte Papier sprang um bis zu 39 Prozent nach oben, ohne dass Börsianer einen aktuellen Grund dafür anzugeben wussten.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"