Anleger spekulieren auf Übernahmen

Stand: 11.10.2010, 20:08 Uhr

Insgesamt ist es an der Börse momentan eher ruhig. Aber bei einigen Aktien ist ordentlich was los, Übernahmen und ebensolche Fantasien elektrisieren die Anleger. Hochtief, Demag Cranes, K+S und Puma - bei allen gibt es wieder Gesprächsstoff.

Bei Puma und K+S gehören die Geschichten um eine mögliche Übernahme wahrscheinlich in das Reich der Fantasie, so zumindest die Experteneinschätzung. Bei Puma ist schon häufiger das Gerücht zu hören gewesen, Mehrheitsaktionär PPR habe Interesse an mehr. Der dementierte aber auch jetzt wieder umgehend, er wolle Puma nun komplett übernehmen. Die K+S-Aktie profitierte davon, dass der Minenbetreiber Rio Tinto sich im Düngemittelsektor nach einer Kaufgelegenheit umschaut. Daraus entstand das Gerücht, Rio Tinto könnte 58 Euro je Aktie bieten.

Hochtief alarmiert die Branche
Aber auch handfeste Übernahmeversuche beherrschen das Parkett, so der spanische Vorstoß von ACS in Richtung Hochtief. Hochtief wehrt sich mit Händen und Füßen. Die deutsche Bauindustrie ist alarmiert. Der Vorstoß der Spanier könnte zum Vorbild für europäische Baufirmen werden, sich ebenfalls nach günstigen Kaufgelegenheiten in Deutschland umzusehen, fürchtet der Chef des Bauhauptverbands, Michael Knipper. "Deutsche Unternehmen sind aufgrund der fehlenden Basis im Stammmarkt und aufgrund der geringen Renditen im Land anfällig für Übernahmen", sagte Knipper der "Financial Times Deutschland". "Meine große Sorge ist, dass von einer deutschen Bauindustrie im Weltformat kaum noch etwas übrig bleibt."

Demag Cranes wird fallengelassen
Nach dem 30-prozentigen Kursplus der letzten Tage entwich bei Demag Cranes heute ein wenig Luft. Einerseits wollen Anleger ihre jüngsten Gewinne sichern. Andererseits kamen Zweifel auf, ob Konecranes einen solchen Zukauf wirklich stemmen könnte, als die Finnen die Übernahme der indischen WMI Cranes für 28 Millionen Euro bekannt gaben.

Anleger warten ab
Abseits dieser Übernahmegeschichten gab es kaum bewegende Geschichten auf dem Parkett. Entsprechend auch die Börsenstimmung: Der Leitindex Dax beendete den elektronischen Xetrahandel mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 6.310 Punkten, der L-Dax auf gleichem Niveau. Anleger brauchen offenbar noch ein paar mehr Quartalsberichte und Firmenausblicke, um beurteilen zu können, wie die Geschäfte laufen. Immerhin schloss der Dax nun schon den fünften Tag in Folge im Plus.

Wall Street hofft auf die Fed
Leicht positive Impulse kamen Händlern zufolge aus den USA, wo die Hoffnung auf weitere Maßnahmen der Notenbank Fed zur Belebung der Konjunktur die Notierungen an der Wall Street etwas stützten. Der Dow Jones liegt im New Yorker Nachmittagshandel 0,1 Prozent im Plus und notiert bei 11.020 Punkten.

Begrenzt wurde der Anstieg von der Nachricht, dass China Kreisen zufolge im Bankensektor überraschend noch einmal die Zügel anzieht. Demnach sollen die Mindestreserve-Anforderungen für sechs Großbanken vorübergehend verschärft werden. Mit dem Schritt wolle die Volksrepublik Barmittel aus der Wirtschaft abziehen und die Kreditvergabe dämpfen. Das Schwellenland wächst auch in diesem Jahr unverändert stark mit einer fast zweistelligen Prozentzahl.

Euro fällt zurück
Der Euro hat nach seiner jüngsten Aufwärtsbewegung am Montag eine Verschnaufpause eingelegt. Die europäische Währung fiel gegenüber dem Freitagsschluss um etwa ein US-Cent auf 1,3867 Dollar. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank hatten sich am Wochenende nicht auf Maßnahmen gegen den globalen Abwertungswettlauf einigen können, der seit Wochen die Gemüter erhitzt. "Die Tagung der Finanzminister und Notenbankchefs hat die Investoren etwas orientierungslos zurückgelassen, die Geschäfte sind stark zufallsgetrieben", sagte ein Händler.

Gegenüber dem Yen konnte der Dollar im Laufe des Tages wieder an Boden gut machen, nachdem er zunächst auf ein 15-Jahres-Tief von 1,8137 Yen gefallen war. Im späten Handel notierte der Greenback dann bei 82,06 Yen. "Erholungstendenzen beim Dollar dürften jedoch nur von kurzer Natur sein," sagte ein Händler. "Der Dollar ist und bleibt unter Druck, gerade weil eine neue Lockerungsrunde der Geldpolitik durch die US-Notenbank immer wahrscheinlicher wird." Man warte nur auf neue, vermutlich enttäuschende Konjunkturdaten, die den Spekulationen neuen Auftrieb geben dürften. Im Blick haben die Anleger vor allem die am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden US-Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und zum Verbrauchervertrauen.

Dax im Seitwärtsschritt
Unter den Dax-Aktien verbuchten Linde Kursgewinne. Im Vorfeld der Quartalszahlen erhöhte die Deutsche Bank ihr Kursziel von 105,00 auf 115,00 Euro und bekräftigte ihre Kaufempfehlung. Der Industriegase-Produzent dürfte ein weiteres gutes Quartal verzeichnen, schrieb Analyst Tim Jones. Siemens-Aktien legten ebenfalls zu. Der Konzern will im Geschäft mit Windkraftanlagen in die Weltspitze vordringen.

Neue Studien bedrängen Merck und Roche
Als schlechtester Wert im Dax schnitt die Aktie des Pharma- und Chemieunternehmens Merck KGaA ab. Die Reaktion auf eine kleine unabhängige Studie, die auf einem Krebs-Kongress vorgestellt wurden und die am Nutzen von Erbitux zur Behandlung von Darmkrebs zweifelt. In der Studie wurde auch Roches Avastin kritisch gesehen - und auch die Aktie der Schweizer gab heute nach.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,17
Differenz relativ
+1,13%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,22
Differenz relativ
+3,09%

Die Aktie der Lufthansa konnte von dem neuesten Bericht der Airline zum Septembergeschäft nicht profitieren. Dabei laufen die Geschäfte für die Fluglinie inzwischen wieder so gut wie vor der Krise. Auch die Titel der Deutschen Bank standen auf den Verkaufslisten der Anleger. Sie sind wenig begeistert, dass sich die zum Verkauf stehende BHF-Bank als Ladenhüter entpuppt. Statt des ursprünglich anvisierten Erlöses von 650 Millionen Euro kann wohl realistischer Weise nur ein Preis von 450 bis 500 Millionen Euro erzielt werden.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
151,10
Differenz relativ
+1,93%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,32
Differenz relativ
+0,99%

Autoaktien an der Spitze
An der Dax-Spitze versammelten sich heute vor allem Automobiltitel, die europaweit gesucht waren. MAN, Daimler, VW legten um ein bis zwei Prozent zu. Für die VW-Vorzüge rührte WestLB-Analyst Adam Hull die Werbetrommel, er hob das Kursziel von 110 auf 120 Euro und erneuerte seine Kaufempfehlung. Der Experte bewertet die Joint Ventures der Wolfsburger in China nun aussichtsreicher. Händler verweisen zudem auf den jüngsten Absatzrekord der Tochter Skoda.

Aus dem MDax
Unter den Nebenwerten fielen die Kursgewinne von Lanxess und Salzgitter aus. Die Titel des Spezialchemiekonzerns wurden durch Barclays geadelt. Analyst James Knight nahm die Bewertung der Lanxess-Aktien in einer Branchenstudie mit "Overweight" auf. Den gesamten Chemiesektor bewertete der Analyst ebenfalls positiv. Der Sektor reagiere schneller auf Konkurrenz und zyklische Veränderungen. Aggressive Kostensenkungen stützten ebenfalls.

Die Begeisterung für Salzgitter wurde durch Finanzvorstand Heinz Jörg Fuhrmann entfacht. In einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" sprach er von steigenden Einnahmen, nachdem der zweitgrößte deutsche Stahlkonzern die Preise erhöht hatte. Die Aktien des Chemiekonzerns Lanxess führten. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl gab außerdem Daten zum September-Geschäft heraus. Demnach haben die Stahlkocher in Deutschland 3,3 Millionen Tonnen Rohstahl produziert, vier Prozent mehr als vor einem Jahr, aber vier Prozent weniger als im August.

Kleine Quartalsbilanzen
Aus den hinteren Reihen gab es noch ein paar Quartalsbilanzen. So von Ceo Tronics. Das Unternehmen klebt im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2010/11 in der Verlustzone. Das Konzernergebnis belief sich wie im Vorjahr auf ein Minus von rund 300.000 Euro. Belastet wurde das Ergebnis durch Sondereffekte. Der Umsatz stieg dagegen deutlich. Außerdem präsentierte noch Helma Eigenheimbau seinen Auftragseingang per Ende September, der um sieben Prozent auf 69,9 Millionen Euro gestiegen ist.

Die Valora Effekten Handelhat ihren in Wertpapieren um 72 Prozent auf rund 3,1 Millionen Euro steigern können. Die Einnahmen aus Handelsgebühren lägen im Planniveau. Völlig unvorhersehbar habe jedoch das so genannte "Mayday-Update" von Google Ende des Halbjahres 2010 rund 30 Prozent der Besucher im Ökoportal gekostet. Daher arbeite Valora nun intensiv an der Optimierung dieser Seiten. Diese Änderung habe die Planungen aber um mindestens ein Jahr zurück geworfen.

LDK Solar hebt Prognose
Dank eines besseren Absatzes von Wafern und anderen Bauteilen für Solaranlagen rechnet die chinesische Firma LDK Solar für das abgelaufene Quartal mit einem höheren Umsatz als bislang gedacht. Der Lieferant des deutschen Solarzellenherstellers Q-Cells schraubte für das dritte Quartal seine Umsatzprognose auf 610 bis 640 Millionen Dollar nach oben. Bislang war die Firma von 570 bis 600 Millionen Dollar ausgegangen. LDK Solar legt am 22. November die Zahlen für das dritte Quartal vor. Im Xetra-Handel kletterte das Papier um 17Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"