Marktbericht 20:02 Uhr

Dax kaum verändert Anleger sind wie gelähmt

Stand: 14.09.2015, 20:02 Uhr

Vor der wohl wichtigsten Zinsentscheidung der US-Notenbank seit langem haben sich die Anleger am Montag zurückgehalten. Trotzdem fuhren die Kurse an der Frankfurter Börse Achterbahn.

Erst geht es bis auf 10.225 Punkte in die Höhe, danach wieder bergab, bis hinunter auf 10.084 Punkte und damit in den roten Bereich. Am Nachmittag sorgt die Europäische Zentralbank mit ihrer Aussage, in der Vorwoche mehr Staatsanleihen gekauft zu haben als zuvor, nochmal für ein kurzes Aufbäumen. Insgesamt jedoch fehlen dem Leitindex am Montag die Impulse -und der Mut der Anleger sich zu positionieren.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Am Ende schließt der Dax bei 10.131 Punkten, ein Plus von bescheidenen acht Punkten. In New York dreht der Dow Jones Index sogar ins Minus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow 0,25 Prozent tiefer bei 16.391 Punkten.

Warten auf den US-Zinsentscheid

Es ist natürlich vor allem der Zinsentscheid der US-Notenbank an diesem Donnerstag, der die Anleger vorsichtig agieren lässt. Zwar mehren sich die Aufrufe namhafter Ökonomen und Institutionen an die Fed, auf eine Zinswende zu verzichten. Auch rechnet eine Mehrzahl der Marktteilnehmer inzwischen nicht mehr mit einem Zinsschritt auf der Sitzung in dieser Woche. Die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Anhebung des Schlüsselsatzes sei in den vergangenen Wochen auf 40 von 60 Prozent gesunken, berichtet Reuters. Dennoch trauen sich die Anleger nicht aus der Deckung. "Zinswende im September oder doch erst später, mehr interessiert die Börse bis zum Donnerstag wohl leider nicht", meint Andreas Paciorek von CMC Markets.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gleichzeitig halten enttäuschende Konjunkturdaten aus China die Investoren zu Wochenbeginn von größeren Aktienzukäufen ab. Die Industrieproduktion in der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt legte im August zwar um 6,1 Prozent zu, das ist aber weniger als erwartet. Zudem schwächeln die Investitionen. Ökonomen rechnen daher in China mit zusätzlichen Schritten zur Stützung des Wachstums. In Shanghai sind die Kurse dennoch um 2,67 Prozent zurückgegangen.

Euro etwas schwächer

Auch der Euro hat am Montag langsam aber stetig an Wert eingebüßt. Bei Börsenschluss kostete die Gemeinschaftswährung 1,1306 Dollar, nachdem sie am späten Nachmittag sogar unter die 1,13 gefallen war. Im Tageshoch hatte sie 0,75 Cent mehr gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1305 (Freitag: 1,1268) Dollar fest.

Deutsche Bank vor massivem Stellenabbau

Die Deutsche Bank will die Zahl ihrer Beschäftigten in den nächsten Jahren um rund ein Viertel verringern. Der neue Vorstandschef John Cryan wolle die Belegschaft auf maximal 75.000 reduzieren, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Derzeit beschäftigt die Bank 98.000 Mitarbeiter. Allein 15.000 davon fallen durch den Börsengang der Postbank weg, der für das kommende Jahr geplant ist.

Apple mit Rekordnachfrage nach neuem iPhone

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Apple verzeichnet eigenen Angaben zufolge eine sehr starke Nachfrage nach seinem neuen iPhone. Der mit dem Vorgängermodell im vergangenen Jahr aufgestellte Rekord von zehn Millionen Vorbestellungen am ersten Wochenende könne übertroffen werden, teilte das US-Unternehmen am Montag mit. An der New Yorker Börse legt die Aktie gegen den Trend um bis zu 2,0 Prozent zu.

Infineon vorn

Stärkster Wert im Dax ist bis zum Handelsende die Infineon-Aktie. Der Chiphersteller profitiert von einem positiven Bericht im US-Anlegermagazin "Barron's". Danach ist der jüngste Kursrutsch bei Infineon nicht gerechtfertigt, da die Investitionen in fortgeschrittene Wafer-Technologien und der Fokus auf den Automarkt sich auszahlen sollten.

RWE bleibt auf Talfahrt

Dagegen geben die Papiere von RWE weiter nach, fallen zeitweise auf neue Rekordtiefs. Die Eon-Aktie kann sich bis zum Mittag von ihrem Tief etwas erholen. Trotzdem haben die Titel von Eon und RWE allein seit Monatsbeginn um bis zu 15 Prozent eingebüßt.

VDA senkt Prognose für China

Wegen der Automesse in Frankfurt (IAA) stehen in dieser Woche vor allem die Autowerte unter Beobachtung. Nach Einschätzung des Branchenverbandes VDA könnte der weltgrößte Pkw-Markt China dieses Jahr im ungünstigsten Fall nur noch auf der Stelle treten. Nachdem die Neuwagenverkäufe im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum noch um fünf Prozent zugelegt hatten, lasse das Tempo in der zweiten Jahreshälfte nun merklich nach, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Montag. Damit steuere der Markt auf Jahressicht ein Wachstum von "0 bis maximal 4 Prozent" gegenüber Vorjahr an.

MüRü von Tianjin-Explosion betroffen

Auch die Münchener Rück bleibt unter Druck. Der Konzern erwartet, dass die verheerende Explosion im Hafen der chinesischen Großstadt Tianjin die Versicherungsbranche bis zu drei Milliarden Dollar kosten wird. "Das wird ein Großschaden für uns und viele andere im Markt", sagte der für das Rückversicherungsgeschäft zuständige Vorstand Torsten Jeworrek. Um genaue Zahlen zu nennen, sei es noch zu früh. Abstriche an der Gewinnprognose werde die Münchener Rück aber wegen der Katastrophe in Tianjin nicht machen müssen, so Jeworrek.

Gerry Weber: Analysten senken den Daumen

Düster sieht es erneut für die Aktien von Gerry Weber aus. Wegen der zuletzt schwachen Geschäftszahlen hat die DZ Bank die Aktie des Unternehmens von ihrer Empfehlungsliste "Equity ideas long" gestrichen. Da hilft es auch nicht, dass die langfristige Einstufung bei "Kaufen" bleibt. Die Deutsche Bank befürchtet zudem, dass der Modekonzern die Talsohle noch nicht erreicht hat. Da Kursziel wurde von 17 auf 15 Euro gesenkt.

Carl Zeiss Meditec hat noch Potenzial

Ganz anders bei Carl Zeiss Meditec. Das im TecDax notierte Papier profitiert von einer Heraufstufung durch die Berenberg Bank. Die hat ihr Kursziel von 18 Euro auf 26,50 Euro angehoben. Das Unternehmen verfüge über ein Geschäftsmodell, das eine hohe Qualität und hohe Erträge verspreche. Die jüngsten Produkteinführungen dürften den technologischen Vorteil von Carl Zeiss mittelfristig sichern.

SMA holt Verluste auf

Noch kräftiger voran, um fast zehn Prozent, geht es mit der Aktie von SMA. Damit knüpft sie wieder an ihren positiven Jahrestrend an, nachdem das Papiere des Herstellers von Solar-Wechselrichtern in der Vorwoche mit einem Abschlag von 5,50 Prozent noch die rote Laterne im Technologie-Index gehalten hatte. Seit Jahresbeginn haben sich SMA-Papiere mehr als verdoppelt.

Tele Columbus kauft zu

Im SDax macht Tele Columbus auf sich aufmerksam. Deutschlands drittgrößter Kabelnetzbetreiber übernimmt den kleineren Konkurrenten Pepcom. Der Kaufpreis liegt bei 608 Millionen Euro vor Schulden und anderen Posten. Pepcom ist der viertgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber.

DBAG läuft gut

Die Deutsche Beteiligungs AG hat ihre finanziellen Ziele für das laufende elfmonatige Rumpfgeschäftsjahr (November 2014 bis September 2015) bereits nach drei Quartalen erreicht. Der Gewinn von 28,3 Millionen Euro übertrifft den für das gesamte Geschäftsjahr erwarteten Betrag.

lg

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"