Anleger sind Konjunkturpessimisten

Stand: 06.03.2009, 20:05 Uhr

Als am Freitag die jüngsten Arbeitsmarktdaten in den USA veröffentlicht wurden, meldete sich kurz die kleine Schar der Anleger, die in schlechten Nachricht die Talsohle des Abschwungs erkennen, zu Wort. Aber die Kurse zuckten nur kurz nach oben.

Kurz sah es aus, als könne sich der deutsche Aktienmarkt am Ende einer haarig verfahrenen Woche zu Kursgewinnen hinreißen lassen. Nämlich da, als die Arbeitsmarktdaten aus den USA kamen und es in ersten Kommentaren hieß, es hätte ja noch viel schlimmer kommen können.

Die Mutigen sahen in 651.000 verlorenen Jobs im Februar und 8,1 Prozent Arbeitslosigkeit, dem höchsten Stand in den USA seit 1983, so etwas wie Hoffnung, vielleicht Licht am Ende des Tunnels. Die Kurse stiegen deshalb am frühen Nachmittag, der Dax legte bis auf 3.769 Punkte zu.

Als die Handelssitzung in den USA begann und die Kurse dort nach kurzem Hoch unter den Vortagesschluss fielen und bis zum Ende des elektronischen Handels in Deutschland dort verharrten, war es mit der Hoffnung vorbei. Denn die Arbeitsmarktdaten aus den USA bestätigten vor allem eines: Dass die Wirtschaft der größten Volkswirtschaft der Erde in ernsthaft beschädigtem Zustand ist, und dass ein derartig beängstigend rascher Abbau von Arbeitsplätzen unbedingt Besorgnis erregend ist.

Dass die OECD am Freitag warnte, dass es in Bezug auf die Wirtschaftsaussichten keine Anzeichen einer baldigen Stabilisierung gebe, verbesserte die Stimmung an den Aktienmärkten selbstredend ebenfalls nicht.

Im späten Parketthandel rutschte der Dax weiter ab, von 3666 Punkten, die er beim Xetra-Schluss erreichte, auf 3.642 Zähler, minus 1,5 Prozent.

Gewinner im Dax
Die Aktien von Daimler und BMW beendeten den Handel am Freitag mit Aufschlägen von 2,2 beziehungsweise 2,7 Prozent. Die Aktien machten damit einen Teil ihrer in den vergangenen Tagen erlittenen Verluste wett. Von Daimler gab es die Absatzzahlen für Februar: 72.200 Pkw setzte Mercedes Benz ab, 25 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die Eon-Aktie gewann ebenfalls hinzu, sie schloss ein Prozent fester. Die Aktie könnte von der neuen Dax-Gewichtung, die am 23. März in Kraft tritt, profitieren. Eine LBBW-Analyse geht davon aus, dass die Eon-Gewichtung dann von 9,7 auf 10 Prozent steigt.

Infineon verlor zweistellig
Die Entscheidung der bayerischen Landesregierung, kein Geld für die Rettung der angeschlagenen Infineon-Tochter Qimonda locker zu machen, lastete erheblich auf der Aktie des Mutterkonzerns. Infineon-Papiere verloren im Tagesverlauf 12,8 Prozent auf 0,41 Euro.

Das Briefgeschäft und die Post
Die Deutsche Post wird in Zukunft nicht zu einem reinen Logistikkonzern umgekrempelt. Der Konzern wolle sich nicht, wie von manchen Experten gefordert, vom Briefgeschäft trennen, berichten mehrere Medien. Vielmehr habe Post-Chef Frank Appel eine Reihe kleinerer Schritte geplant, um "die Performance zu verbessern". Das Briefgeschäft ist noch profitabel, dürfte aber langfristig durch die elektronische Kommunikation weiter an Bedeutung verlieren. Die Post-Aktie verlor am Freitag 3,2 Prozent.

Siemens und die Windkraft
Siemens hat von dem dänischen Windkraftkonzern Dong Energy einen Großauftrag für den Bau von 500 Windkraftturbinen mit einer Leistung von bis zu 1.800 Megawatt erhalten. Dies sei der weltweit bisher größte Auftrag dieser Art, teilte Siemens mit, ohne aber finanzielle Details zu nennen. Schätzungen zufolge dürfte der Auftrag bis zu drei Milliarden Euro schwer sein. Die Siemens-Aktie verlor 1,5 Prozent.

Gruenberg macht bei Conti den Weg frei
Zwei Nachrichten bewegten die Continental-Aktie, die im Tagesverlauf 3,5 Prozent zulegte. Zum einen beflügelte die Absage der bayerischen Staatsregierung, der neuen Contimutter Schaeffler keine Finanzhilfen zur Verfügung zu stellen, die Hoffnungen der Aktionäre auf eine baldige Trennung der beiden Konzerne. Zum anderen teilte Conti am Nachmittag mit, dass Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg sein Amt, wie von Schaeffler gefordert, niedergelegt habe.

Tui plant Kurzarbeit
Die Aktie des Reise- und Logistikkonzerns Tui verlor 8,2 Prozent. Die Gesellschaft will offenbar ab Mai Kurzarbeit einführen. Ein Firmensprecher sagte, Entscheidungen seien noch nicht gefallen, die Verhandlungen hätten noch nicht begonnen. Die Wirtschaftswoche hatte zuvor berichtet, dass Tui möglicherweise alle 1.600 Mitarbeiter der Tui Deutschland GmbH kurzarbeiten lassen wolle.

Takkt und Böwe Systec brachen ein
21 Prozent verlor die Aktie des Büromöbelversandhändlers Takkt. Das SDax-Unternehmen hat in den ersten beiden Monaten des Jahres 30 Prozent weniger umgesetzt. Außerdem erwartet Takkt ein schwieriges Jahr 2009. Eine Trendwende werde es zunächst nicht geben, die Firma schickt deshalb Mitarbeiter in Kurzarbeit.

17 Prozent im Minus schloss die Aktie des Kuvertiermaschinenherstellers Böwe Systec. Man werde in diesem Jahr keine Dividende zahlen, teilte Böwe mit. Nach vorläufigen Zahlen hat die Firma im vergangenen Jahr 450 Millionen umgesetzt und 34 Millionen Euro Gewinn gemacht. Damit lag Böwe unter seiner zweimal gesenkten Prognose. Bei seiner US-Tochter schrieb der Konzern zudem 33,5 Millionen Euro ab.

Arques trennt sich von Rohe
Die Beteiligungsgesellschaft Arques hat ihre Beteiligung am Tankstellendienstleister Rohe mit Verlusten an einen Münchner Finanzinvestor verkauft. "Durch den Verkauf entsteht für Arques im Konzernabschluss 2008 ein außerplanmäßiger Abschreibungsbedarf in Höhe eines niedrigen einstelligen Millionenbetrags", teilte die Firma mit. Anleger begrüßen den Verkauf dennoch, die Arques-Aktie stieg um 7,5 Prozent.

CTS beruhigt, Aktie fällt trotzdem
Der Ticketvermarkter CTS Eventim hat Befürchtungen entschärft, seine Zusammenarbeit mit dem Konzertveranstalter Live Nation sei in Gefahr. Die gerade beschlossene Fusion von Live Nation mit dem CTS-Rivalen Ticketmaster habe keinen Einfluss auf die Kooperationsverträge mit Live Nation, beruhigte CTS. Die Anleger blieben skeptisch, die Aktie verlor 3,5 Prozent.

Conergy-Kursziel halbiert
Zehn Prozent verlor die Conergy-Aktie im TecDax. Equinet halbierte das Kursziel für Aktien des Solarunternehmens von 0,50 Euro auf 0,25 Euro und bestätigte das Rating mit "Sell". Equinet verwies auf das schwierige Marktumfeld und die praktisch nicht vorhandene Nachfrage.

Sino und Comdirect
Der Onlinebroker Sino hat im Februar seinen großen Konkurrenten Comdirect klar geschlagen. Sino führte 104.000 Orders aus, 17 Prozent mehr als vor einem Jahr. Comdirect erreichte 544.000 Aufträge, was aber 24 Prozent weniger waren. Im Vergleich zu gesamten Handelsaufkommen, das im Februar bundesweit um 55 Prozent zurück ging, schlugen sich beide Broker beachtlich.

Stratec rechnet mit Wachstumsschub
Das Medizintechnikunternehmen Stratec Biomedical hat im vergangenen Geschäftsjahr zehn Prozent weniger oder 61 Millionen Euro umgesetzt. Der Gewinn brach nach vorläufigen Berechnungen sogar um 39 Prozent auf 6,1 Millionen Euro ein. Das Unternehmen rechnet in den nächsten zwei Jahren aber mit einem Wachstumsschub. Außerdem will Stratec die Dividende erhöhen, die Aktie stieg um 15 Prozent.

Evotec hat einen neuen CEO
Das Biotechunternehmen Evotec hat einen Nachfolger für den im Dezember zurückgetretenen Jörn Aldag gefunden. Der neue Chef Werner Lanthaler war zuletzt Finanzvorstand der Intercell AG. Die Anleger versprechen sich viel vom Neuzugang, die Aktie steigt bei hohen Umsätzen um 14,8 Prozent.

Curanum erreicht eigene Prognose nicht
Der Senioren- und Pflegeheimbetreiber Curanum hat das vergangenen Jahr mit einer enttäuschenden Bilanz beendet. Der Umsatz stieg um 11,8 Prozent auf 257,1 Millionen Euro, das Ebit verringerte sich leicht auf 19,7 Millionen Euro. Vor allem im vierten Quartal entwickelte sich das Geschäft schlechter als erwartet. Die Curanum-Aktie, die auf Xetra drei Prozent im Plus schloss, verlor im späten Handel noch 2,6 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen