Anleger setzen auf Hilfsgesuch Spaniens

Stand: 08.06.2012, 20:01 Uhr

Der Dax hat bis zum Handelsschluss einen Großteil seiner Tagesverluste wettgemacht. Offenbar erwarten die Anleger, dass Spanien voraussichtlich noch am Wochenende einen Hilfsantrag für den angeschlagenen Bankensektor stellen wird.

"Das ist erst einmal eine positive Nachricht, weil die Hängepartie schon viel zu lange gedauert hat", sagte ein Händler. Vor allem der spanische Leitindex Ibex konnte profitieren und beendete den Handel mit einem Aufschlag von 1,8 Prozent. In Frankfurt baute der Dax einen Großteil seines Tagesverlusts ab und schloss nur noch 0,2 Prozent schwächer bei 6130,82 Punkten. Das Tagestief hatte bei 6054 Zählern gelegen. Auf Wochensicht verbuchte der deutsche Leitindex ein Plus von 1,3 Prozent. Auch der Euro erholt sich leicht und steigt über 1,25 Dollar.

Die Meldungen zu Spanien blieben jedoch widersprüchlich. Der EZB-Vizepräsident Vitor Constancio sagte im portugiesischen Rundfunk, es werde erwartet, dass Spanien formell Hilfen für seine Banken beantrage. Auf die Frage, ob dies schon am Samstag passieren könne, sagte der Portugiese: "Alles ist möglich."

Bis zu 100 Milliarden Euro
Dagegen sagte die Vizeregierungschefin Soraya Saenz de Santamaria, die Regierung habe in der Sache noch keine Entscheidung getroffen. Sicher ist jedoch, dass die Euro-Finanzminister in einer Telefonkonferenz am Samstag sich das Thema besprechen wollen. Experten der Ratingagentur Fitch rechnen damit, dass Spanien bis zu 100 Milliarden Euro benötigt, um das angeschlagene Finanzsystem im Land zu stützen.

Zweifel an positiven Effekten
Allerdings bezweifeln Volkswirte, dass ein Hilferuf Spaniens längerfristig einen positiven Effekt auf die Märkte haben wird. Es dürfte bald zu Spekulationen kommen, ob das Land nicht auch für die normalen Staatsfinanzen ein Rettungsprogramm beantragen müsse, prognostizierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Zudem dürften die meisten Anleger den Ausgang der Wahlen in Griechenland und der zweiten Runde der französischen Parlamentswahlen am 17. Juni abwarten.

Der Dax schwankt am Freitag zwischen 6.054 und 6.145 Punkten. Am Morgen hatte die Enttäuschung über klare Hilfszusagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke das Börsenbarometer noch um 1,5 Prozent auf 6.053 Punkte einbrechen lassen. Für einen Dämpfer sorgte zudem die Leitzinssenkung in China. "Hatte die Ankündigung am Donnerstag noch für Begeisterung gesorgt, macht sie die Investoren heute nervös. Denn den meisten ist klargeworden, dass die Konjunktur dort offenbar wirklich schwächelt, wenn die Chinesen so überraschend die Zinsen senken", sagte ein Börsianer.

An der Wall Sreet ist der Dow Jones-Index nach anfänglichen Verlusten ins Plus gedreht und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 12.525 Punkten, 0,5 Prozent höher als gestern.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank und ThyssenKrupp unter Druck
Nach den Kursgewinnen gestern um mehr als fünf Prozent ist die Commerzbank-Aktie heute einer der schwächsten Werte im Dax. Auch die konjunktursensiblen Titel ThyssenKrupp und MAN geben kräftig ab.

Allianz-Aktien notieren ebenfalls im Minus. Dabei wird der jüngste Zukauf in Frankreich von Beobachtern positiv beurteilt. DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel bezeichnet ihn etwa als "strategisch sinnvoll". Die Allianz will das Schaden- und Unfallgeschäft des französischen Konkurrenten Gan Eurocourtage übernehmen. Laut Agenturberichten dürfte der Kaufpreis bei rund 100 Millionen Euro liegen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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VW-Aktie auf Abwegen
Talwärts geht es auch mit den Vorzügen von Volkswagen, nachdem sie gestern noch gesucht waren. Die UBS hat die Titel auf die "Least Preferred List" gesetzt, die Einstufung aber auf "Neutral" mit einem Kursziel von 140,00 Euro belassen. Er sehe wegen der geringeren Kapazitätsauslastung in Europa und China inzwischen größere Gefahren für die Gewinnentwicklung, schrieb Analyst Philippe Houchois in einer Branchenstudie vom Freitag.

Ergo macht MüRü Ärger
Leicht ins Plus gedreht ist dagegen die Aktie der Münchener Rück. Dabei steht dem Konzern Ärger mit ihrer Tochter Ergo ins Haus. Wegen Rufschädigung nach "Lustreisen" von Vertretern nach Budapest will der gefürchtete Investor Clemens Vedder die Ergo auf einen Schadenersatz in Höhe von rund einer Milliarde Euro verklagen. Clemens Vedder war wie zwei Anwälte in der Ergo-Affäre von Ergo wegen Erpressungsversuchs angezeigt worden. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat diese Ermittlungen jetzt eingestellt.

Celesio kommt gut an, Deutz enttäuscht
Im MDax schafft es nur die Aktie des Pharmagroßhändlers Celesio zu einem signifikanten Kursplus. Damit begrüßen die Anleger die Ankündigung, dass Celesio die Führungsstrukturen im Konzern straffen will. Unterstützend wirkt auch eine Hochstufung des Titels durch das Analysehaus Cheuvreux.

Dagegen gehört die Aktie Motorenbauers Deutz nach einer Kurszielsenkung durch die Berenberg Bank zu den schwächsten Werten im MDax. Weit oben auf der Liste der Verlierer im MDax stehen auch die Papiere von Lanxess und Hugo Boss.

KTG Agrar: IPO liegt in der Luft
Das Landwirtschaftsunternehmen will seine Energiesparte noch im Juni an die Börse bringen. KTG Energie ist nach Angaben des Unternehmens einer der führenden Produzenten von Biogas in Deutschland. Die Aktie aus dem Entry Standard legt um knapp zwei Prozent zu.

Nanostart-Aktie macht Freudensprung
Einen Sprung um fast 15 Prozent macht die Aktie der im Prims-Standard notierten Beteiligungsgesellschaft Nanostart. Die Firma hat das Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 2,18 Millionen Euro abgeschlossen, ein leichtes Minus gegenüber den 2,49 Millionen Euro aus dem Vorjahr. Wegen der Kursrückgänge bei den Beteiligungsunternehmen sank der "Net Asset Value", also der Nettoanlagewert deutlich von 70 auf 27 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)