Anleger sehnen Klarheit herbei

Thomas Spinnler

Stand: 18.03.2011, 19:59 Uhr

Der Dax geht am Ende einer schweren Woche mit minimalen Gewinnen aus dem Handel. Für Erleichterung hatten Nachrichten über eine Kampfpause in Libyen gesorgt, an der 6.700er Marke scheiterte der Leitindex dennoch.

Die Situation an den Aktienmärkten hat sich etwas entspannt, von Entwarnung kann gleichwohl keine Rede sein: Der Dax rettete ein Plus von sieben Punkten ins Ziel und schloss bei 6.664 Zählern. Auf Wochensicht büßte der Dax 4,5 Prozent ein. Die schwächsten Einzeltitel waren Eon und RWE, die jeweils mehr als neun Prozent verloren. Der Late Dax blieb ebenfalls fast unverändert.

Zeitweise hatte der Leitindex am Freitag mehr als 1,5 Prozent zugelegt und seinen Tageshöchststand bei 6.761 Punkten markiert. Nachrichten über eine geplante Waffenruhe in der Krisenregion Libyen sorgten für Erleichterung. "Die Entwicklung in Libyen hat spürbar für Bewegung gesorgt", sagte Giuseppe Guido Amato, Marktstratege bei Lang & Schwarz, zu boerse.ARD.de. Dennoch bleibe die Risikoaversion der Investoren hoch, deshalb habe der Dax die Gewinne nicht verteidigen können.

Möglicherweise hätten sich einige für Gewinnmitnahmen entschieden, vermuteten auch andere Marktteilnehmer. Ein Händler sagte, es sei bemerkenswert, dass Investoren angesichts der nur schwer vorhersagbaren Entwicklung in Japan vor diesem Wochenende überhaupt noch in den Markt eingestiegen seien.

Die Börse mag keine Unsicherheit
Das Thema Japan wird die Märkte auch in der kommenden Woche beschäftigen: "Dort ist noch alles im Fluss, eine Bestandsaufnahme ist noch nicht möglich - das mag die Börse nicht", stellte Amato fest. Am Montag bleibt die Tokioter Börse wegen eines Feiertages geschlossen.

Ähnlicher Meinung wie Amato sind die Experten der DZ Bank. "Einen Crash erwarten wir nicht, kurzfristig sind aber erneute Rücksetzer aufgrund negativer Meldungen aus Japan immer wieder wahrscheinlich", schrieben sie in einer Studie.

Die Stimmung auf dem Parkett war dennoch etwas optimistischer, weil die G7-Staaten beschlossen hatten, gemeinsam gegen die Aufwertung des Yen vorzugehen: Der Yen verlor zum Dollar deutlich an Boden. Zuletzt mussten für einen Dollar 81,085 Yen bezahlt werden. Der Euro stieg am Freitag auf den höchsten Stand seit Anfang November 2010 und übersprang dabei die Marke von 1,41 US-Dollar.

Autobauer auf dem Vormarsch
Daimler-Papiere gewannen an der Dax-Spitze 2,3 Prozent. Börsianer verwiesen auf Aussagen von Spartenchef Andreas Renschler, wonach im Lkw-Markt mit signifikantem Wachstum zu rechnen ist, insbesondere für mittlere und schwere Lastwagen. Aktien von BMW gewannen 2,2 Prozent.

Analystenstimmen stützen Siemens
Unternehmensnachrichten sind zum Wochenschluss Mangelware, deshalb interessieren sich die Investoren besonders für die Bewertungen der Analysten: Siemens-Aktien notieren an der Dax-Spitze mit einem Aufschlag von fast drei Prozent, weil die Deutsche Bank den Titel zum Kauf empfiehlt. Ein anderer Börsianer verwies auf die gute Positionierung des Konzerns im Geschäft mit alternativen Energien. Sowohl bei Windenergie als auch bei klassischen Öl- und Gaskraftwerken sei der Konzern stark vertreten.

Allianz fällt zurück
Die Allianz rechnet damit, dass das Ergebnis auch 2012 steigen wird. Der Versicherungskonzern äußerte sich zudem zu den Kosten zweier Naturkatastrophen in diesem Jahr. Die Allianz bezifferte die Nettoschadensbelastung durch die Überschwemmung der australischen Westküste Anfang des Jahres mit etwa 87 Millionen Euro, die Kosten aus dem Zyklon "Yasi" im Januar dürften etwa 37 Millionen Euro betragen. Die Aktie schloss mehr als ein Prozent leichter.

Freundliche Worte für HeidelbergCement
HeidelbergCement kommt seiner Wunscheinstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ein Stück näher. Der drittgrößte Baustoffkonzern der Welt baue konsequent seine Schulden ab und werde daher auf "BB" von "BB-" hochgestuft, teilte S&P am Freitag mit. Wenn der Kurs beibehalten werde, könne HeidelbergCement auch noch weiter hochgestuft werden - der Ausblick für die Kreditwürdigkeit sei deshalb "positiv". Die Aktie rückte im positiven Marktumfeld um mehr als ein Prozent vor.

Nike-Zahlen belasten Adidas
Adidas leidet unter dem Geschäftsbericht des amerikanischen Konkurrenten Nike. Dieser hat im dritten Geschäftsquartal (bis Ende Februar) zwar Umsatz und Gewinn steigern können, verfehlte aber trotzdem die Erwartungen. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar, der Nettogewinn legte um fünf Prozent auf 523 Millionen Dollar zu. Nike verwies auf die höheren Beschaffungskosten, die Aktie verlor nachbörslich noch fünf Prozent. Die Adidas-Aktie verliert mehr als ein Prozent, Puma-Titel sackten leicht ab.

MAN und Scania kommen später zusammen
Die geplante Übernahme von MAN durch die VW-Tochter Scania wird Kreisen zufolge wohl frühestens im zweiten Halbjahr kommen. Dabei stehe der Fusion nicht nur die Ferrostaal-Affäre im Weg, sondern auch die bis Ende Mai geplante Kapitalerhöhung bei Porsche, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. VW- und MAN-Aktien legten rund ein Prozent zu.

Ist Pfleiderer gerettet?
Der schwer angeschlagene Holzverarbeiter Pfleiderer sieht sich als gerettet an. Mit den Kreditgebern habe man sich auf Eckpunkte der finanziellen Restrukturierung geeinigt, teilte das bayerische Unternehmen am Freitag mit. Damit ist eine Insolvenz, die dem mit rund einer Milliarde Euro verschuldeten und mit hohen Verlusten kämpfenden Konzern sonst gedroht hätte, vorerst abgewendet. Viele Investoren sehen das ähnlich, die Aktie schloss mit einem Aufschlag von mehr als zehn Prozent.

Gagfah bleibt das Schlusslicht
Die Papiere des Immobilienunternehmens gaben gegen den Markttrend zeitweise um mehr als zwei Prozent nach. Die Deutsche Rentenversicherung prüft laut "FTD", ob sie sich einer möglichen Klage der Stadt Dresden gegen den Konzern wegen Nichteinhaltung von Mieterschutzklauseln anschließt. "Die Negativschlagzeilen reißen nicht ab. Das hilft nicht gerade, die Stimmung bei den Anlegern zu verbessern", sagte ein Händler. Seit Monatsbeginn haben Gagfah gut 20 Prozent an Wert verloren.

Anlegern missfallen Zahlen von Air Berlin
Die Fluggesellschaft Air Berlin legte bereits gestern Abend ihre Jahreszahlen vor. Der Verlust von 97,2 Millionen Euro resultiere aus den außergewöhnlichen Belastungen durch den Vulkanausbruch in Island, den strengen Winter in Europa sowie den Fluglotsenstreik in Spanien, ließ das Unternehmen mitteilen. Der Umsatz stieg um knapp 15 Prozent auf 3,72 Milliarden Euro. Die Aktie notiert mehr als drei Prozent höher.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen