Marktbericht 20:06 Uhr

Dax schließt so hoch wie nie Anleger sehen Griechen-Drama gelassen

Stand: 19.02.2015, 20:06 Uhr

Das Hin und Her im griechischen Schuldenstreit hat am Donnerstag die Börsen auf Achterbahnfahrt geschickt. Letztlich aber schlossen Dax & Co doch noch im Plus. Die Anleger glauben an eine Einigung im Griechen-Drama.

Kein Wunder, dass die Griechen das Drama erfunden haben. Seit Tagen halten sie Europa und die halbe Welt in Atem. Unklar ist, ob das griechische Drama in einer Tragödie endet. Am Donnerstag wurde wieder kein Happy-End erreicht.

Die (griechische) Post ist da!

Dabei sah es zunächst ganz vielversprechend aus. Nachdem die griechische Regierung endlich den seit Tagen erwarteten Antrag auf eine Verlängerung der Kredithilfen abgeschickt hatte, machte sich unter den Anlegern Erleichterung breit. Der Dax drehte klar ins Plus und erreichte mit 11.022 Punkten ein neues Rekordhoch. Dann aber folgte die Ernüchterung. Deutschland sagte "Nein" zum Antrag aus Athen. "Der Brief aus Athen ist kein substanzieller Lösungsvorschlag", erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. In Wahrheit ziele er auf eine Brückenfinanzierung, ohne die Anforderungen des (Hilfs-)Programms zu erfüllen. Prompt schmolzen die Kursgewinne an Europas Börsen wieder dahin.

Später Schluss-Spurt an Europas Börsen

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 14.00 Uhr

Doch am späten Nachmittag setzte sich erneut die Hoffnung auf einen Kompromiss in letzter Minute beim Treffen der Finanzminister aus den Euro-Ländern am Freitag in Brüssel durch. "Jeder glaubt schlussendlich an eine Einigung- Schäubles Nein hin oder her", sagte Marktanalyst Jens Klatten von FXCM. Aus der EU-Kommission hieß es, der Brief aus Athen könne den Weg zu einem Kompromiss ebnen. So erholten sich die Aktienkurse wieder kurz vor Börsenschluss: Der Dax gewann 0,4 Prozent und schloss erstmals in seiner Geschichte über 11.000 Punkten. Der EuroStoxx50 stieg um 0,6 Prozent auf den höchsten Schlussstand seit Sommer 2008. Und der französische Cac40 kletterte auf den höchsten Stand seit fast sieben Jahren.

Trübe Konjunktursignale aus den USA

Nur an der Wall Street ging es abwärts. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,2 Prozent tiefer. Der gesunkene Ölpreis und schwache Konjunkturdaten trübten die Stimmung. Der Philly-Fed-Index sank überraschend auf 5,2 Punkte. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf 9,0 Punkte gerechnet. Auch die Frühindikatoren stiegen nicht so stark wie erhofft - um nur 0,2 Prozent. Die Prognosen der Volkswirte lagen bei plus 0,3 Prozent. Andererseits gab es vom Arbeitsmarkt positive Zahlen. Die wöchentlichen Arbeitslosenhilfen-Erstanträge fielen stärker als erwartet - um 21.000 auf 283.000. Volkswirte hatten mit 290.000 Anträgen gerechnet.

Fed wartet mit Zinswende weiter ab

Da half auch die Aussicht auf eine spätere Zinswende in den USA nicht. Laut dem Fed-Protokoll der letzten Sitzung will die US-Notenbank aus Rücksicht auf die Konjunktur die Zinsen nicht zu früh erhöhen. Bislang war man an den Märkten davon ausgegangen, dass die Fed im Sommer an der Zinsschraube drehen werde. "Einige vermuten jetzt, dass die Notenbanker erst später die Zinsen erhöhen", sagte ein Börsianer.

Euro und Ölpreise unter Druck

Das "Nein" aus Berlin setzte dem Euro zu. Nach einer Erholung am Vormittag rutschte er unter die Marke von 1,14 US-Dollar. Die Ölpreise nahmen ebenfalls ihre Talfahrt wieder auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich auf unter 60 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel um fast ein Dollar auf 51,19 Dollar. Als Grund wurden die Rohöl-Lagerbestände der USA genannt, die in der vergangenen Woche auf ein Rekordniveau stiegen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Adidas peilt neue Marken an

Star des Tages im Dax war Adidas. Mit einem Plus von über vier Prozent führte die Aktie die Liste der Gewinner an. Vorstandschef Herbert Hainer äußerte sich in einem Brief an die Mitarbeiter zuversichtlich über die Geschäfte zum Jahresauftakt. Laut "Manager-Magazin" will der Sportartikel-Ausrüster seinen Umsatz bis 2020 von derzeit 14,8 Milliarden auf 20 Milliarden Euro steigern.

Francioni verabschiedet sich mit guter Bilanz

Die Deutsche Börse hat im vergangenen Jahr ihre Durststrecke beendet. Die neuen Schwankungen an den globalen Finanzmärkten belebten seit Sommer die Geschäfte auf den Handelsplätzen des Börsenbetreibers. Das ließ die Nettoerlöse um rund sieben Prozent auf gut zwei Milliarden Euro steigen. "Die Zahlen sprechen für sich", sagte der scheidende Vorstandschef Reto Francioni. Die Aktie des Börsenbetreibers legte um 1,3 Prozent zu.

Wird Bayer sein Diabatesgeschäft los?

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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75,82
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+2,42%

Bayer steht Kreisen zufolge unmittelbar vor dem Verkauf seines Diabetes-Geschäfts an die japanische Panasonic Healthcare. Eine entsprechende Mitteilung könnte im Laufe des Abends veröffentlicht werden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Früheren Informationen zufolge könnte ein Verkauf der Sparte ein bis zwei Milliarden Euro einbringen. Bayer-Titel reagierten im nachbörslichen Handel zunächst kaum.

Autosparte rettet Rheinmetall

Im MDax kletterte Rheinmetall an die Spitze mit einem Plus von fast acht Prozent. Der Rüstungs- und Autozulieferer-Konzern hat bessere Zahlen vorgelegt als befürchtet. Verluste und Einmalbelastungen im Rüstungsgeschäft haben Rheinmetall 2014 einen Gewinnrückgang eingebrockt. Während die Rüstungssparte ein Minus von neun Millionen Euro verbuchte, fuhr die Automobilzulieferung mit 184 Millionen Euro einen Rekordwert ein.

Stada-Gewinn im Russland-Sog

Auf der Verlierer-Seite im MDax befand sich dagegen Stada mit einem Minus von 0,7 Prozent. Der Generika-Hersteller hat wegen des schwächelnden Russland-Geschäfts 2014 unter dem Strich deutlich weniger verdient. Der Konzerngewinn brach um 47 Prozent auf 64,6 Millionen Euro ein. Der Vorstand schlägt für 2014 eine unveränderte Dividende von 66 Cent je Stammaktie vor.

Gewinnmitnahmen bei Dialog

Der im TecDax notierte Halbleiterhersteller verdiente dank des Smartphone-Booms unter dem Strich 122 Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch gaben die Aktien von Dialog knapp ein Prozent nach. Die Titel haben bereits einen Höhenflug hinter sich und erreichten erst am Mittwoch mit 36,43 Euro den höchsten Stand seit Anfang 2000.

Greift ProSiebenSat.1 nach Verivox?

ProSiebenSat.1 ist einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge an einem Einstieg beim Vergleichsportal Verivox interessiert. Der MDax-Konzern verhandele im Zuge des geplanten Ausbaus seines Internetgeschäfts derzeit über einen Einstieg. Verivox gehört zu 51 Prozent der Beteiligungsgesellschaft Oakley sowie zu 49 Prozent den beiden Unternehmensgründern.

Takkt gibt den Takt vor

Spitzenreiter im SDax war Takkt mit einem Plus von über drei Prozent. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen etwas besser abgeschnitten als von Analysten erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen uns Steuern (Ebit) stieg um 15,6 Prozent auf 111 Millionen Euro. Die Umsatzrendite verbesserte sich damit um gut einen Prozentpunkt auf 11,3 Prozent.

Tom Tailor schafft die Wende

Tom Tailor: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-16,63%

Um zwei Prozent höher schloss die Aktie von Tom Tailor. Der SDax-Konzern ist zurück in den schwarzen Zahlen. Dank der gestiegenen Ertragskraft der Mitte 2012 übernommenen Modekette Bonita verbuchte die Hamburger Firma im vergangenen Jahr netto einen Gewinn von 10,8 Millionen Euro nach einem Verlust von 16,2 Millionen Euro.

Berenberg treibt Zooplus an

Zu den größten SDax-Gewinnern zählte auch Zooplus- dank eines positiven Analystenkommentars. Die Privatbank Berenberg hob ihr Kursziel für die Papiere des Online-Tierfutter-Händlers von 63 auf 116 Euro an und bestätigte ihre Kaufempfehlung. Berenberg hob die Kostenvorteile von Zopoplus gegenüber den Wettbewerbern hervor.

Aurelius setzt auf Handarbeit

Am Abend gab Aurelius eine neue Übernahme bekannt. Die Beteiligungsgesellschaft erwirbt die Handarbeitssparte der britischen Coats, dem führenden Anbieter von Handarbeitsprodukten in Europa. Die Sparte erzielte 2013 einen Umsatz von knapp 151 Millionen Dollar. Die Aktie von Aurelius schloss leicht höher.

Deutsche Wohnen kommt bei Comwert voran

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen hat sich bereits mehr als 30 Prozent an dem kleineren Rivalen Conwert gesichert. Conwert-Großaktionäre hätten bereits zugesagt, diese Anteile abzugeben. Ziel der Deutsche Wohnen ist, mindestens 50 Prozent plus eine Aktie zu kaufen. Die Immobilienfirma hatte am Sonntagabend angekündigt, Comwert für 1,15 Milliarden Euro übernehmen zu wollen.

Kunden strömen wieder zu Wal-Mart

Walmart: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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81,30
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Aus dem Ausland meldeten eine Vielzahl von Konzerne ihre Quartalszahlen, darunter Wal-Mart. Der weltgrößte Einzelhändler profitierte von den niedrigeren Spritkosten für Verbraucher. Diese nutzten ihre Einsparungen für "Shopping" im Supermarkt. Der Umsatz von Wal-Mart erhöhte sich im abgelaufenen Quartal um 1,4 Prozent auf 131,57 Milliarden Dollar. Der Gewinn zog gar um zwölf Prozent an. Der Ausblick enttäuschte aber die Anleger. Die Aktie büßte rund zwei Prozent ein.

Schneider übertrifft Prognosen

Der französische Elektronikkonzern Schneider Electric kauft in den kommenden zwei Jahren Aktien für bis zu 1,5 Milliarden Euro zurück. Den Nettogewinn steigerte das Unternehmen vergangenes Jahr um 2,8 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro - etwas mehr als von Analysten geschätzt. Der Umsatz kletterte auch dank des Zukaufs des Technologieunternehmens Invensys um 6,6 Prozent auf 24,94 Milliarden Euro. Die Aktie stieg um zwei Prozent.

Air France-KLM fliegt ins Minus

Wegen des Pilotenstreiks 2014 sackte das operative Ergebnis auf minus 129 Millionen Euro ab. Unter dem Strich konnte Air France-KLM den Verlust eindämmen. Dort stand ein Nettoverlust von 198 Millionen Euro, nachdem Abfindungen für entlassene Mitarbeiter und eine hohe Steuerlast dem Konzern im Vorjahr ein Minus von 1,8 Milliarden Euro eingebrockt hatten. Beim Umsatz musste Air France-KLM einen Rückgang von über zwei Prozent hinnehmen.

China bremst Nestlé-Wachstum

Nestlé: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,88
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+1,76%

Der Verkauf der Beteiligung am französischen Kosmetikkonzern L'Oreal hat Nestlé einen Gewinnsprung gebracht. Der Reingewinn stieg 2014 um 4,4 Milliarden auf 14,5 Milliarden Franken. Ohne den Sondereffekt stagnierte das operative Ergebnis. Der Umsatz sank leicht auf 91,6 Milliarden Franken. Das oranische Wachstum ging auf 4,5 Prozent zurück. Ein schleppendes China-Geschäft und die maue Konjunktur in Europa bremste den Nahrungsmittel-Riesen. In Asien "haben wir etwas den Anschluss verpasst", räumte Konzernchef Paul Bulcke ein. Dennoch schloss die Nestlé-Aktie etwas höher.

Swiss Re macht Aktionäre froh

Die Neuausrichtung des Geschäfts hat den Gewinn des Rückversicherungskonzerns Swiss Re im Vorjahr geschmälert. Unter dem Strich stand mit 3,5 Milliarden Dollar ein um 21 Prozent geringerer Reingewinn. Zu Buche schlugen Kosten für die Neuausrichtung der Lebensversicherungs-Sparte und die verlustbringende Trennung von einer Konzerntochter in den USA. Trotzdem will Swiss Re inklusive einer Sonderdividende von drei Franken insgesamt 7,25 Franken je Aktie an die Aktionäre ausschütten.

Samsung mischt mit bei Mobile Payment

Samsung will mit einem eigenen Bezahldienst auf Smartphones den Kampf gegen das Konkurrenzsystem Apple Pay aufnehmen. Der südkoreanische Konzern kauft LoopPay. Das System wendet eine Technik an, die Magnetstreifen von Kredit- und Bankkarten imitiert. Mit dem Dienst sollen Nutzer bestimmter Samsung-Smartphones in Geschäften mit ihrem Handy bezahlen können. Samsung war bereits an LoopPay beteiligt wie auch der Kreditkartenanbieter Visa. Der iPhone-Hersteller Apple bietet seit September einen eigenen Bezahldienst an.

Rüstungsflaute belastet BAE

Der größte europäische Rüstungskonzern BAE Systems hat vergangenes Jahr die schwache Rüstungsnachfrage zu spüren bekommen. Der Umsatz sackte um 8,5 Prozent auf 16,64 Milliarden britische Pfund (22,5 Milliarden Euro) ab. Grund sei unter anderem ein geringerer Absatz von Land- und Panzerfahrzeugen, der mit dem Abzug von US-Truppen aus Afghanistan zurückging.

OMV besänftigt Aktionäre

Der Ölpreis-Verfall und millionenschwere Abschreibungen haben am Gewinn des österreichischen Erdöl- und Gaskonzerns OMV genagt. Um die Aktionäre nicht zu vergraulen, soll dennoch eine stabile Dividende von 1,25 Euro je Aktie ausgeschüttet werden. Unter dem Strich wies der Konzern 2014 einen Gewinnrückgang von 69 Prozent auf 357 Millionen Euro aus.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 21. September

Unternehmen:
Vossloh: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Frankreich: BIP, Q2 detailliert, 8:45 Uhr
London: Markit Einkaufsmanagerindex Euro-Zone (Industrie, Service, Composite) für September, vorläufig, 09:30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt: Bundesbank-Konferenz mit Blackrock-Vizechef Hildebrand und Deutsche-Börse-CEO Weimer