Anleger schöpfen wieder Hoffnung

Stand: 20.06.2011, 20:02 Uhr

Die Einigung über die Einrichtung eines europäischen Rettungsfonds hat dem Dax am Nachmittag geholfen, seine Verluste deutlich zu reduzieren. Am Abend gelingt dem Börsenbarometer sogar kurzzeitig ein kleines Plus.

Der Dax beendet schließlich den Abendhandel bei 7.150 Punkten 0,1 Prozent tiefer als am Freitag. Im klassischen Xetra-Handel hatte der Leitindex 0,2 Prozent niedriger geschlossen bei 7.150 Punkten.

Beruhigt hat die Anleger vor allem die Einigung über die Einrichtung eines dauerhaften Rettungsfonds. Der soll 2013 eingerichtet werden und eine Kapitalbasis von 700 Milliarden Euro haben, um Schuldensünder vor der Pleite zu retten. Zugleich entschieden sie, wie geplant den derzeit laufenden Euro-Rettungsschirm EFSF auf 440 Milliarden Euro aufzustocken. "Die heutige Einigung zeigt, dass die Mitgliedsländer entschlossen sind, die Stabilität der Euro-Zone zu gewährleisten", sagte der Vorsitzende der Gruppe der Euro-Länder, Jean-Claude Juncker.

Gestützt wurde der Markt zudem von der Wall Street. Dort der Dow Jones-Index bei Börsenschluss in Frankfurt ein halbes Prozent höher als am Freitag bei 12.065 Zählern. Hoffnungen auf eine baldige Lösung der Griechenland-Krise haben die Börse beflügelt. "Die Europäische Union wird Griechenland wohl nicht fallenlassen", meint Ken Polcari von ICAP Equities in New York.

Börsianer warnen allerdings, dass sich an der Berg- und Talfahrt des Dax so lange nichts ändere bis es zu einer Lösung der Schuldenkrise Griechenlands komme.

Warten auf das Athener Parlament
Zudem hängt die Entwicklung der Börsen vom Votum des griechischen Parlaments ab. Dort entscheiden die Abgeordneten in der Nacht zu Mittwoch über die politische Zukunft von Giorgos Papandreou. Schließlich steht dann auch die Zustimmung zum Sparpaket auf der Kippe. Dem griechischen Parlament müsse klar sein, dass dies unabdingbar sei, sagte Jean-Claude Juncker.

Der enttäuschende Verlauf des Treffens der Euro-Finanzminister hat auch den Ölpreis unter Druck gesetzt. Am frühen Abend fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August um 1,37 Dollar auf 111,84 Dollar. Der Preis für ein Fass Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 0,33 Dollar auf 92,68 Dollar.

Und der Euro? Der Kurs der Gemeinschaftswährung hat sich nach der Einigung auf einen europäischen Rettungsmechanismus (ESM) von anfänglichen Verlusten erholt. Nachdem er am Morgen bis auf 1,4189 Dollar gefallen war steigt bis zum Börsenschluss am Abend auf über 1,43 Dollar.

Versorger am Dax-Ende
Die Versorger sind am Montag im Sog der Atomdiskussion ans Dax-Ende gerutscht. RWE fielen am Indexende um 2,57 Prozent auf 36,940 Euro, Eon verloren 2,36 Prozent auf 18,800 Euro. Die großen Stromkonzerne in Deutschland bereiten laut "Spiegel" Verfassungsklagen gegen die Bundesregierung vor. Sie wollten das Atomgesetz kippen und anschließend Schadensersatzforderungen stellen.

BNP lobt Volkswagen
Größter Favorit im Dax sind die Vorzüge von Volkswagen. Exane BNP Paribas hat die Papiere nach europäischen Zulassungszahlen vom Mai auf "Outperform" mit einem Kursziel von 177,00 Euro belassen. Mit einem Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat übertrumpften die Wolfsburger die meisten anderen Volumenproduzenten, schrieb Analyst Thierry Huon in einer am Morgen vorgelegten Branchenstudie.

Zurich Financial belastet
Nach den schweren Naturkatastrophen im Asien-Pazifik-Raum kommen auf den Schweizer Versicherungskonzern Zurich Financial Services nun auch in den USA ungewöhnlich hohe Schadenkosten zu. Die Unwetter in den Monaten April und Mai schlagen mit schätzungsweise insgesamt 295 Millionen Dollar vor Steuern zu Buche. Häufigkeit und Schwere dieser Unwetterserie lagen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, so der Versicherer.

HeidelDruck rutscht ab
Die Aktie des Druckmaschinenherstellers HeidelDruck ist mit minus 2,6 Prozent einer der schwächsten Werte im MDax. Börsianer verwiesen auf weitere negative Analystenkommentare nach den jüngsten Abstufungen. Nun habe die DZ Bank ihr Ziel nochmal deutlich auf 2,30 Euro gesenkt und die "Verkaufen"-Empfehlung bestätigt, JPMorgan reduzierte das Ziel von 3,50 auf 2,80 Euro und beließ die Einstufung auf "Underweight". Das drücke auf den Kurs. Auch der Chart sehe "katastrophal" aus, sagte ein Händler.

Drillisch und Freenet liegen vorn
Im TecDax liegen die Aktien von Drillisch ganz vorn. Auch die Titel des Konkurrenten Freenet legen zu. Der Grund: Drillisch hat seine Beteiligung am Rivalen Freenet wie geplant erhöht. Das Unternehmen aus dem hessischen Maintal halte inzwischen knapp 22 Prozent, teilte Freenet mit. Drillisch hatte Anfang Mai gut fünf Prozent an Freenet von der Bank of America übernommen und damit die wichtige Schwelle von 20 Prozent überschritten. Ein Zusammenschluss beider Mobilfunkdienstleister steht aber nicht zur Debatte, sagte eine Sprecherin.

Ex Dividende
Die Aktien von Porsche und VTG notieren heute mit Dividendenabschlägen. Nach der Hauptversammlung am Freitag werden bei der VTG-Aktie 0,33 Euro abgezogen, bei Porsche sind es 0,55 Euro.

GSW und Norma verhalten begrüßt
GSW und Norma sind nach ihrem Aufstieg in den SDax von Anlegern verhalten begrüßt worden. Die Titel der Berliner Wohnungsgesellschaft GSW notierten in der Nähe ihres Freitag-Schlusskurses von 23,20 Euro, die Aktien des Verbindungstechnik-Spezialisten Norma verloren 1,4 Prozent auf 20,32 Euro. Die Anteilsscheine der beiden SDax-Absteiger Colonia Real Estate und Homag Group gaben um 1,2 beziehungsweise 3,0 Prozent nach.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"