Anleger schöpfen Hoffnung

Lothar Gries

Stand: 28.01.2008, 20:02 Uhr

Die letzte Zinssenkung der US-Notenbank ist gerade erst eine Woche alt. Doch schon hoffen die Anleger auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik - und plötzlich drehen die Märkte wieder ins Plus.

Am Ende eines äußerst nervösen und von großen Ausschlägen geprägten Handelstages verzeichnet der Dax ein ordentliches Plus von 105 Punkten bei 6856 Zählern. Grund für den kräftigen Zugewinn ist die Hoffnung auf eine erneute Senkung der Leitzinsen in den USA an diesem Mittwoch.

Dabei hatte es am Morgen noch ganz düster ausgehen. Der Dax war mit Verlusten von drei Prozent in die neue Woche gestartet und hatte sich erst im verlauf des Tages wieder etwas berappeln können bevor er am Nachmittag erneut um mehr als 100 Punkte auf 6700 Zähler abstürzte. Ausgelöst wurde der Schwächefall von neuen Zahlen aus Amerika. Danach ist der Absatz neuer Eigenheime im Dezember stärker zurückgegangen als erwartet. Die Jahresrate belief sich auf 604.000 verkaufte Häuser nach revidierten 634.000 im November. Experten hatten hingegen mit 640.000 verkauften Häusern gerechnet.

Unterdessen warnte Finanzminister Peer Steinbrück die Finanzmärkte vor Überreaktionen wegen der von den USA ausgehenden Kreditkrise. Die hohe Nervosität und starken Schwankungen an den Börsen seien nicht hilfreich, sagte der SPD-Politiker am Montagabend beim Neujahresempfang der Deutschen Börse.

Zu den größten Tagesverlierern gehörten die Titel der Postbank, gefolgt von Infineon und den unter Rezessionsängsten leidenden Aktien von ThyssenKrupp. Kräftige Gewinne verzeichneten dagegen die Papiere der Allianz. Der Versicherungskonzern profitierte von Spekulationen über einen bevorstehenden Verkauf der Tochter Dresdner Bank. Die Gerüchte wurden zwar umgehend dementiert, doch die Papiere stiegen trotzdem.

Deutsche Börse will im Ausland wachsen

Die Deutsche Börse will in den nächsten Jahren stark im Ausland expandieren, vor allem in Asien und Osteuropa, und setzt dabei neben Zukäufen auch auf Kooperationen. "Unsere Maxime für das laufende und die kommenden Jahre lautet: Wachstum, Wachstum und nochmals Wachstum - und zwar im Binnenmarkt ebenso wie im außereuropäischen Ausland", sagte Börsen-Chef Reto Francioni am Montag laut Redetext auf dem Neujahrsempfang in Frankfurt. "Je nach Land und je nach Situation wählen wir dafür das am besten geeignete Format - sei es einen Merger, wie im Fall der ISE, oder eine offenere Form der Kooperation, wie im Fall der Bombay Stock Exchange, oder auch den Aufbau lokaler Strukturen", erläuterte Francioni.

Fraport-Aktie unter Druck
Die Aktie des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport leidet unter dem kräftigen Linksruck bei den gestrigen Hessen-Wahlen. Die Papiere büßten zeitweilig knapp sechs Prozent ein bevor sie ihre Verluste am Nachmittag wieder verringern konnten. SPD und Grüne hatten sich im Wahlkampf gegen einen Ausbau des größten deutschen Fughafens ausgesprochen. Auch

Kali + Salz leidet unter Hessen-Wahl
Die Verluste von knapp fünf Prozent bei K+S begründeten Händler damit, dass das Unternehmen "ein Opfer der Wahl in Hessen" sei. "Einige Investoren vermuten, dass die Genehmigung für das Pumpen von Salzlaugen in die Werra nicht verlängert wird. Dann müssten sie eine Pipeline an die Nordsee bauen und das kostet Geld", sagte ein Börsianer. Die aktuelle Genehmigung läuft nach Angaben von K+S noch bis 2012. Danach darf die Firma salzhaltige Abwässer in die Werra leiten, solange der Grenzwert von 2.500 Milligramm Chlorid pro Liter nicht überschritten wird.

Aktionäre gegen Tui-Pläne
Die Papiere des Reisekonzerns verlieren gut zwei Prozent nachdem bekannt wurde, dass die Großaktionäre eine Verschmelzung der Konzernholding mit der Schifffahrtstochter Hapag Lloyd verhindern wollen. Der norwegische Milliardär Frederiksen forderte sogar, die Pläne zu stoppen. US-Investor Guy Wyser-Pratte sagte, er sehe eine Möglichkeit, mit Federiksen eine Allianz gegen Tui-Chef Michael Frenzel zu bilden.

RWE: Keine Übernahmepläne
Der Stromversorger RWE hat Medienberichte dementiert, wonach der französische Energiekonzern EdF die Übernahme von RWE plane. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin "Spiegel" gemeldet, dass der staatliche französische Energieversorger offenbar stärker als bisher bekannt an RWE interessiert sei. RWE-Papiere legen dennoch leicht zu.

Eurex informierte SocGen bereits im November
Die Terminbörse Eurex, die Derivatetochter der Deutschen Börse, hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft die französische Société Générale bereits im November 2007 vor fraglichen Positionen des Händlers Jérôme Kerviel gewarnt. Dies habe die Untersuchung ergeben, sagte der Pariser Staatsanwalt Jean-Claude Marin am Montag. Die Bank habe Kerviel darauf angesprochen. Der Händler habe aber ein gefälschtes Dokument vorgelegt, das eine Abdeckung der Risiken vorgetäuscht habe. Der 31-Jährige hat am Wochenende ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Kerviel wird beschuldigt, durch den Handel mit Futures der Bank einen Schaden von mehr als vier Milliarden Euro zugefügt zu haben.

Wincor Nixdorf steigert Gewinn und Umsatz
Der im MDax notierte Geldautomaten- und Kassenhersteller Wincor Nixdorf hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres Umsatz und Gewinn erhöht. Der Erlös stieg um zehn Prozent auf 602 Millionen Euro, das Ergebnis (Ebita) erhöhte sich auf 52 Millionen Euro. Beim Gewinn schlug Wincor Nixdorf die Analystenprognose leicht, beim Umsatz lag der Konzern deutlich über der Expertenprognose. Anleger honorieren die gute Bilanz nicht, die Wincor Nixdorf-Aktie verliert..

Medion ist optimistisch
Der Elektronikhändler Medion hat 2007 mehr verdient und umgesetzt. Der SDax-Konzern erzielte einen Jahresumsatz von 1,66 Milliarden Euro, 3,3 Prozent mehr als 2006. Das Ebit wuchs auf 28 Millionen Euro, was einer Umsatzrendite von 1,7 Prozent entspricht. Für 2008 erwartet Medion ein Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent, die Ebit-Marge soll sich auf 2 bis 2,5 Prozent verbessern. Die Aktie fällt trotz der recht guten Bilanz kräftig.

Weitere Bilanzen
Der Technologiekonzern Jenoptik hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 520 Millionen Euro erwirtschaftet. Dies entspricht einer Steigerung von etwa sieben Prozent im Vergleich zu 2006, teilte das Unternehmen mit. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern betrug 34 Millionen Euro und entsprach damit den Erwartungen. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern eine weitere Umsatzsteigerung auf 550 Millionen Euro.

Auch von dem Heizungs- und Lüftungstechnikspezialist Centrotec gab es eine (vorläufige) Jahresbilanz. 2007 setzte das Unternehmen aus Brilon etwa 405 Millionen Euro um. Das Ebit soll, wie erwartet, etwa bei 29 bis 31 Millionen Euro liegen. Für 2008 erwartet Centrotec, dass der Konzernumsatz erneut im oberen einstelligen Prozentbereich wächst. Die Aktie verliert etwa 0,5 Prozent.

Der Elektronikhersteller Loewe hat im vergangenen Geschäftsjahr sowohl Umsatz als auch Gewinn gesteigert. Der Umsatz kletterte um neun Prozent auf 373 Millionen Euro, teilte das Unternehmen mit. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen verbesserte sich um 60 Prozent auf 21 Millionen Euro. Die Aktie gewinnt 1,7 Prozent.

Pfleiderer schließt Vergleich
Der im MDax notierte Möbel- und Bauzulieferer Pfleiderer hat mit der Kunz Holding und den anderen Verkäufern der Kunz-Holzwerkstoffgruppe einen außergerichtlichen Vergleich geschlossen. Die Beteiligten hätten damit ihren Streit über wechselseitige Ansprüche aus dem Unternehmenskaufvertrag vom 15.Juli 2005 beigelegt, teilte Pfleiderer mit. In dem Kaufvertrag war eine zweite Kaufpreisrate von 23,8 Millionen Euro vorgesehen gewesen, hieß es weiter. In dem Vergleich wurde nun eine verringerte Zahlung von Pfleiderer an die Kunz Holding in Höhe von 11,25 Millionen Euro vereinbart. Die verliert über vier Prozent.

Phoenix Solar veröffentlicht Prognose
Das Solarunternehmen Phoenix Solar hat die Prognose für das laufende Geschäftsjahr präzisiert. Der Konzern geht demnach von einem Konzernumsatz von deutlich über 300 Millionen Euro, erwartet ein Ebit von rund 18 Millionen Euro und eine so genannte Modulverfügbarkeit von rund 100 Megawatt Spitzenleistung aus. Mehr als die Hälfte dieser Solarmodule seien innovative Dünnschichtmodule, teilte Phoenix Solar weiter mit. Die Aktie steigt um 0,25 Prozent.

Fortis reduziert Gewinnprognose
Der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis hat seine Gewinnerwartungen für 2007 deutlich nach unten korrigiert. Die Bank erwartet wegen der US-Hypothekenkrise jetzt einen Nettogewinn von drei Milliarden Euro, gegenüber vier Milliarden Euro in der ursprünglichen Prognose. Die Zeitung "Der Standard" berichtet, dass Fortis etwa ein bis zwei Milliarden Euro an Subprime-Anlagen abschreiben müsse. Die Aktie legt kräftig zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr