Anleger schöpfen etwas Hoffnung

Stand: 13.09.2011, 20:02 Uhr

Die Hoffnung auf weitere Rückendeckung für Griechenland hat den Abwärtstrend unterbrochen und die Aktienmärkte auf Erholungskurs geschickt. Doch die Verunsicherung der Anleger bleibt hoch.

Der Dax schließt 1,85 Prozent fester bei 5.166 Punkten, nachdem er zeitweise um zwei Prozent auf 4.969 Punkte abgerutscht war. Am Vormittag hatten noch heftige Kursverluste französischer Bankenaktien die europäischen Börsen in die Tiefe gezogen. Der Dax rutschte zeitweise auf 4.969 Punkte ab, nachdem das "Wall Street Journal" einen Manager der größten französischen Bank BNP Paribas Bank mit der Aussage zitiert hatte, dass das Geldhaus Probleme habe, an Dollar zu kommen. Am Abend sind diese Sorgen vergessen und der Leitindex legt sogar noch kräftiger zu als im Xetra-Handel. Er schließt bei 5.200 Punkten, 2,7 Prozent höher als gestern.

Wodurch die Trendwende letztlich ausgelöst wurde bleibt unklar. Bei den Anlegern hat sich offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Bundesregierung, allen Unkenrufen zum Trotz, Griechenland vorerst doch nicht in die Insolvenz laufen lassen wird.

Telefonkonferenz mit Papandreou geplant
Hoffnung macht den Anleger offenbar die Ankündigung, dass Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch über die Schuldenkrise des südeuropäischen Landes beraten wollen. Dabei sollen Merkel und Sarkozy auf die Umsetzung der versprochenen Reformen der Athener Regierund drängen, damit die nächste Tranche der Hilfsgelder ausgezahlt werden könne.

Dass das ebenfalls wegen hoher Schulden in der Klemme steckende Italien auf Hilfe aus China hoffen kann, wie am Morgen behauptet wurde, hat sich allerdings als bloße Hoffnung entpuppt. Der chinesische Staatsfonds sei allenfalls an einer Beteiligung an italienischen Unternehmen bereit, ein Ankauf italienischer Staatsanleihen sei aber nicht erörtert worden, verlautete am Abend aus Rom.

Die Anleger an der Wall Street lassen sich von dem Optimismus der Anleger in Europa erst spät anstecken. Der Dow-Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt nach anfänglichen Verlusten rund ein halbes Prozent höher bei 11.110 Punkten. Kursgewinne von Intel, Oracle und Apple animierten die Investoren zu Aktienkäufen und drängten die Schuldenprobleme in Europa etwas in den Hintergrund.

Ein ähnliches Auf und Ab hat auch den Euro bewegt. Er steigt am Abend wieder über die Marke von 1,37 Dollar und ist damit deutlich stärker als gestern.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,08
Differenz relativ
-1,40%

Banken drehen ins Plus
Nach den heftigen Verlusten der vergangenen Tage rückt die Aktie der deutschen Bank heute um über acht Prozent vor und ist damit der mit Abstand stärkste Wert im Dax. Händler sprechen von einer technischen Gegenreaktion auf das Minus der Vortage. Auch die Commerzbank schafft bis zum Ende des elektronischen Handels ein Plus von 3,8 Prozent.

Auch die Papiere französischer Banken können heute deutlich zulegen. Die Papiere der Société Générale klettern um 15,6 Prozent, Crédit Agricole legt mehr als 6,2 Prozent zu. Auch BNP Paribas verlassen den roten Bereich und lagen zum Börsenschluss mit 4,5 Prozent im Plus. Noch am Vortag hatten die Kurse aller drei Geldinstitute heftige Verluste von um die 10 Prozent verbucht.

VW und Porsche mit Plan B
Nach dem Rückschlag der Fusion von Volkswagen und Porsche setzen die beiden Autobauer nun auf Plan B. Demnach könnte VW von Ende 2013 an seine Kaufrechte einlösen und nur das operative Sportwagengeschäft des Porsche-Konzerns unter sein Dach holen, wie Porsche-Chef Matthias Müller auf der Automesse IAA in Frankfurt sagte. Die milliardenschweren Altlasten der Porsche-Dachholding, der Porsche SE, blieben dabei außen vor. Sie hatten den ursprünglichen Plan für eine komplette Fusion der beiden Seiten jüngst platzen lassen. Die Anleger interessiert dieses Szenario heute gar nicht.

SAP bietet 20 Millionen
Im Datenklau-Streit mit Konkurrent Oracle bietet SAP Unternehmenskreisen zufolge jetzt eine Zahlung von 20 Millionen Dollar an, um eine drohende Klage abzuwenden. Die Abmachung soll am Mittwoch getroffen werden. Das US-Justizministerium und SAP haben hat sich nicht offiziell geäußert. Eine Richterin hatte die ursprüngliche Forderung von Oracle in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar bereits auf 272 Millionen Dollar reduziert. Die SAP-Aktie verliert dennoch.

Telekom gefragt
Zu den kräftigsten Gewinnern im Dax gehört dagegen die Aktie der Deutschen Telekom. Nach einem Bericht des "Handelsblatts" hat sich Bundeskanzlerin Merkel bei US-Präsident Obama für den Verkauf des Telekom-US-Geschäfts stark gemacht. Die Regierung wies den Bericht allerdings als unwahr zurück. Der Bund hält 32 Prozent am Bonner Unternehmen und ist damit größter Aktionär.

Lufthansa schwächelt
Ans Dax-Ende gerutscht sind dagegen die Papiere der Lufthansa. Dabei hat die Airline offenbar mehrere Interessenten für die zum Verkauf stehende britische Tochtergesellschaft BMI gefunden. Laut Analyst Stephen Furlong von Davy Stockbrokers können neben British Airways noch Virgin Atlantic, Aer Lingus oder eine Fluglinie aus dem mittleren Osten als Käufer in Frage kommen.

Daimler hält an EADS fest
Auch die Daimler-Aktie legt leicht zu. Der Autohersteller will bei dem Luftfahrtkonzern EADS die industrielle Führung zu behalten. Daimler hält 15 Prozent an EADS und hat weitere 7,5 Prozent bei Banken geparkt. Auch der französische Staat hält 15 Prozent, hinzu kommen 7,5 Prozent beim Modeunternehmen Lagardere. Spätestens Ende 2012 könne die Banken ihre Anteile verkaufen. Daimler sei weiter an einer ausbalancierten Aktionärsstruktur interessiert, hieß es in dem Bericht weiter.

Kaufgerüchte um ElringKlinger
Übernahmegerüchte haben die im MDax notierten Aktien von Elringklinger nach oben getrieben. Die Aktien des Autozulieferers steigen um mehr als elf Prozent. Sie sind damit die Favoriten im MDax. "Es gibt Gerüchte, dass der US-Autozulieferer BorgWarner mit einem Aufschlag von 30 Prozent pro Aktie für ElringKlinger bieten könnte", sagten zwei Händler. ElringKlinger war davon allerdings nichts bekannt.

Patrizia kauft zu
Die Immobiliengesellschaft Patrizia hat im ersten Halbjahr 2011 kräftig in neue Wohnungen für ihre Spezialfonds investiert. Es seien 576 Objekte für insgesamt 126 Millionen Euro erworben worden, teilte der Augsburger Konzern mit. Die Wohnungen lägen in Berlin und Potsdam, Bremen, Hamburg sowie Hannover. Die entsprechende Patrizia-Anlagegesellschaft hat damit für fünf Fonds rund 800 Millionen Euro investiert, die gleiche Summe soll nochmal hinzukommen. Die im SDax notierte Aktie von Patrizia gibt gut zwei Prozent nach.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"