Marktbericht 20:30 Uhr

Dax bröckelt ab Anleger nicht mehr in Kauflaune

Stand: 09.09.2014, 20:30 Uhr

Zwar hat Apple am Abend wie erwartet neue Produkte vorgestellt, die Wall Street bleibt aber skeptisch. Schlechte Unternehmensnachrichten und neu aufgekommene Zinsängste drücken die Stimmung.

Auslöser der jüngsten Zinsängste an der Wall Street war eine Studie der regionalen Notenbank von San Francisco. Darin wundern sich die Ökonomen über die geringen Markterwartungen für Zinserhöhungen. Die New Yorker Börse reagiert mit Abschlägen auf ein solches Szenario, der Dow-Jones-Index steht aktuell fast 0,4 Prozent im Minus. Im Durchschnitt erwartet der Markt erste Zinserhöhungen erst Mitte 2015.

Die Ängste haben auch den Dax am Nachmittag belastet. Nachdem das führende deutsche Börsenbarometer lange vor sich hin gedümpelt war, verstärkten sich die Abgaben. Am Ende schloss der Index bei 9.710 Punkten, ein Minus von rund einem halben Prozent. Der Spätdax schloss zwar etwas höher bei 9.716 Punkten, die New Yorker Börse hat ihre Verluste aber mittlerweile ausgebaut. Der Dow-Jones-Index gibt 0,4 Prozent ab und auch an der Technologiebörse Nasdaq ist ein Apple bisher zu wenig.

Apple-Aktie gefragt

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der Kultkonzern aus Cupertino hat mit dem iPhone6 und der iWatch neue Produkte vorgestellt. Die Aktie reagiert mit deutlichen Kursgewinnen. Da es heute keine Konjunkturdaten oder andere nennenswerte Unternehmensnachrichten gab, war die für 19:00 unserer Zeit erwartete Apple-Präsentation das zentrale Thema der Börsianer.

Das ist für die Märkte deshalb besonders beachtenswert, weil das Apple-Papier im breit aufgestellten S&P-500-Index, der von vielen Fondsmanagern als Benchmark genutzt wird, die Aktie mit dem größten Gewicht (3,5 Prozent) ist. Im Technologieindex Nasdaq 100 ist die Apple-Dominanz mit einem Gewicht von über zehn Prozent sogar noch extremer. Die Apple-Aktie liegt derweil in Amerika gut ein Prozent im Plus.

Der Dollar ist der Star

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch am Devisenmarkt muss die Gemeinschaftswährung wegen der aufkommenden Zinserwartungen in Amerika dem Dollar Tribut zollen. "Die Spekulationen über eine möglicherweise frühere Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank beflügeln den US-Dollar", sagte Devisenexperte Lutz Karpowitz von der Commerzbank.

Damit setzt sich die Talfahrt der Gemeinschaftswährung fort, nachdem die EZB mit ihren jüngsten geldpolitischen Entscheidungen den Euro ohnehin schon geschwächt hatte. Aktuell steht der Kurs bei 1,2911 Dollar, etwas über dem Referenzkurs der Europäischen Zentralbank bei 1,2902 Dollar. Im Tagestief lag er bereits bei 1,2860 Dollar auf einem 14-Monats-Tief. Auch der japanische Yen verlor gegenüber dem Greenback an Boden. "Es gibt nur noch ein Motto: raus aus allem und rein in den Dollar", sagte ein Händler. Schließlich könne man da vielleicht bald eine Rendite erzielen.

Das britische Pfund konnte zum Dollar nur kurz Boden gut machen, hier lastet weiter eine mögliche Abspaltung Schottlands auf dem Kurs. Die Befürworter einer Loslösung aus dem Vereinigten Königreich hatten zuletzt erheblich Boden gutgemacht. Die Abstimmung findet am 18. September statt, der Ausgang ist nach jüngsten Meinungsumfragen offen.

Lanxess auf dem Dax-Thron

Bester Dax-Wert waren Lanxess, die von einem positiven charttechnischen Gesamtbild profitierten. Größter Verlierer waren wegen der Zinsängste Commerzbank mit einem Abschlag von 2,34 Prozent, gefolgt von Beiersdorf. Die Hamburger litten unter einer gesenkten Prognose des französischen Kosmetik-Konkurrenten L'Oréal für die gesamte Branche. Konzernchef Jean-Paul Agon geht nun von einem Plus zwischen drei und 3,5 Prozent aus, sagte er der Tageszeitung "Le Figaro". Zuvor hatte die Spanne zwischen 3,5 und vier Prozent gelegen. Die Aktie, die auch im europäischen Auswahlindex EuroStoxx 50 enthalten ist, gab an der Pariser Börse 1,3 Prozent nach.

Lufthansa streicht Flüge von München

Wenig gefragt war auch die Lufthansa-Aktie. Negative Analystenstimmen von Kepler Cheuvreux und UBS drücken hier ebenso auf die Stimmung wie die drohenden Streiks der Pilotengewerkschaft Cockpit. Am Abend wurde bekannt, dass das Unternehmen am Mittwoch 110 Flüge von München streichen wird. Gestrichen würden lediglich innerdeutsche und europäische Verbindungen, Langstreckenverbindung sollten wie geplant abheben, teilte die Lufthansa am Dienstagabend mit. Insgesamt dürften 13.500 Passagiere von dem Ausstand betroffen sein.

Auch die am Mittag veröffentlichten Verkehrszahlen für den August hatten während des Xetra-Handels nicht geholfen. Der Konzern hat im Ferienmonat die Zahl der beförderten Passagiere um vier Prozent auf 10,475 Millionen erhöht. Der Sitzladefaktor stieg um einen Prozentpunkt auf 86,4 Prozent. Die Frachtmenge ging um 0,7 Prozent auf 156.000 Tonnen zurück.

MüRü unter Druck

Auch Münchener Rück gaben nach zahlreichen Analystenkommentaren nach. Dabei sind sich die Experten allerdings nicht einig. Die Credit Suisse hat den Titel von "Neutral" auf "Underperform" herabgestuft und das Kursziel von 164 auf 145 Euro gesenkt. Die Gewinne der Rückversicherer stünden wegen sinkender Preise erheblich unter Druck, hieß es zur Begründung.

Anders sieht das Analyst Michael Huttner von JPMorgan, der vor allem auf das Dividendenpotenzial der Gesellschaft abstellt und seine Kaufempfehlung bestätigte. Die Deutsche Bank bestätigte derweil ihre Halteempfehlung und ein Kursziel von 161,60 Euro. Analystin Olivia Brindle hob in einer Branchenstudie vom Dienstag die Bedeutung des Lebensrückversicherungsgeschäfts hervor, das am Markt jedoch zu wenig Beachtung finde.

Evotec kommt unter die Räder

Der Aufreger des Tages kam aber aus dem TecDax. Das Biotechunternehmen Evotec sieht seine Ergebnisprognose in Gefahr. Es bestehe die Möglichkeit, dass die Firma eine in diesem Jahr fällige Meilensteinzahlung nicht erhält, erklärte eine Evotec-Sprecherin am Montagabend. Das Unternehmen geht nun von Wertberichtigungen in Höhe von 8,7 Millionen Euro aus. Die Aktien konnten ihr anfängliches Minus von bis zu 24 Prozent im weiteren Handelsverlauf zwar deutlich reduzieren, verloren am Ende aber trotzdem fast 14 Prozent.

Etappensieg für Symrise

Im MDax legte die Symrise-Aktie gegen den Markttrend leicht zu. Heute ging der Streit zwischen Ritter Sport und der Stiftung Warentest um die Kennzeichnung eines Aromas von Symrise vor dem Oberlandesgericht in München in die nächste Runde. Dabei hat das Gericht die Vorinstanz bestätigt und die Berufung von Stiftung Warentest zurückgewiesen.

Telefonica Deutschland startet Kapitalerhöhung

Im TecDax büßte die Aktie von Telefonica Deutschland fast vier Prozent ein. Der Konzern begann heute zur Finanzierung des E-Plus-Kaufs eine Kapitalerhöhung, die rund 3,62 Milliarden Euro einbringen soll. Insgesamt gibt Telefonica Deutschland rund 1,1 Milliarden neue Aktien aus, die rückwirkend ab dem 1. Januar 2014 voll gewinnanteilberechtigt sind. Der Bezugspreis der neuen Aktien beträgt 3,24 Euro je Aktie.

CR Capital Real Estate kräftig gefragt

Die im Entry-Standard der Deutschen Börse notierte Aktie legte deutlich zu. Grund war, dass das Berliner Immobilienunternehmen ein Grundstück verkauft hat und sich im Ausblick zuversichtlich äußerte. Für das laufende Jahr wird ein Jahresumsatz von 18 und ein Jahresüberschuss von 4,5 Millionen Euro erwartet. 2015 soll das Nettoergebnis dann bei sechs Millionen Euro liegen.

Kapitalerhöhung bei Westgrund

Das Immobilienunternehmen hat am Abend nach Xetra-Schluss beschlossen, das Kapital zu erhöhen. Insgeamt sollen 46.666.666 neue Aktien mit einem Anteil am Grundkapital von einem Euro ausgegeben werden. Erlöst werden sollen rund 140 Millionen Euro. Die Preisspanne für das Bookbuilding-Verfahren soll zwischen drei und vier Euro liegen. Die Bezugsfrist soll voraussichtlich am 11. September beginnen und bis zum 24. September dauern.

Mit dem Erlös will die Gesellschaft die Finanzierung des jüngsten Kaufes von 13.300 Wohnungen in verschiedenen Bundesländern finanzieren, des größten Zukaufes in der Unternemensgeschichte. Die Aktie wird unter anderem im regulierten Markt in Düsseldorf gehandelt. Im Späthandel fiel das Papier unter die Marke von vier Euro, der Schlusskurs lag bei 4,01 Euro, ein Tagesplus von 0,75 Prozent.

Gegenwind für McDonalds

Die Verkäufe des Fastfood-Konzerns sind im August mit einem weltweiten Rückgang von 3,7 Prozent unter Druck geraten. "Im August gab es heftigen Gegenwind für unser globales Geschäft", sagte Firmenchef Don Thompson am Dienstag. Für den Rückgang machte Thompson die Probleme in China verantwortlich, wo ein Gammelfleisch-Skandal bei einem Partnerunternehmen Schlagzeilen gemacht hatte. Darunter dürtfe auch der Gewinn im dritten Quartal deutlich leiden, so Thompson. Die Aktie verliert aktuell an der New York Stock Exchange 0,8 Prozent.

Home Depot das nächste Hacker-Opfer

Die größte amerikanische Baumarktkette hat bestätigt, dass sie Opfer eines groß angelegten Hacker-Angriffes geworden ist. Die Sicherheitsvorkehrungen der Zahlungssysteme seien geknackt worden, teilte der Branchenprimus mit. Betroffen seien Kunden in den USA und Kanada. Details wurden noch nicht genannt. Solche Sicherheitslücken kommen bei den Kunden nicht gut an, wie jüngste Beispiele gezeigt haben. Die Aktie hat mittlerweile ihre Verluste ausgeweitet und liegt 1,45 Prozent schwächer im Markt.

rm

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"