Marktbericht 20:02 Uhr

US-Arbeitsmarktbericht und Zinsängste Anleger nehmen wieder Reißaus

Stand: 04.09.2015, 20:02 Uhr

Nach dem am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktbericht hat die Aussicht auf eine Zinswende in den USA wieder zugenommen. Auch bleibt die Unsicherheit über die Konjunktur in China. genug Gründe für die Anleger dem Aktienmarkt den Rücken zuzukehren.

Nachdem EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag kurzzeitig für ein Kursfeuerwerk gesorgt hatte, sind die Anleger am Freitag wieder in Deckung gegangen. Der deutsche Leitindex knickt um 2,7 Prozent auf 10.038 Zähler ein - auf Wochensicht verliert er damit rund 2,5 Prozent.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Grund ist der jüngste US-Arbeitsmarktbericht. In den Vereinigten Staaten sind im August zwar weniger neue Stellen gschaffen worden als erwartet (173.000 statt den erwarteten 220.000), doch sank die Arbeitslosigkeit auf 5,1 Prozent, den tiefsten Stand seit sieben Jahren. Das schürt die Erwartung einer ersten und zaghaften Zinsanhebung. Dies könnte bereits auf der nächsten Fed-Sitzung am 16./17. September der Fall sein.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Zudem halten sich zahlreiche Marktteilnehmer vor dem Wochenende zurück, insbesondere bevor am Montag die chinesischen Börsen wieder öffnen. Immerhin habe die Euro-Abwertungsrede von Mario Draghi am Donnerstag fast die Hälfte der jüngsten Yuan-Abwertung rückgängig gemacht, erklärt Andreas Paciorek, Marktanalyst von CMC Markets. Damit sei auch ein Teil der wiedergewonnen Wettbewerbsfähigkeit vom Währungsstandpunkt wieder abgegeben worden. tatsächlich ist der Euro am Freitag zeitweise unter die Marke von 1,11 Dollar gerutscht.

"Für die US-Notenbank gibt es inzwischen eigentlich keinen Grund mehr, die Zinsen nicht zu erhöhen", sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. "Allerdings ist es trotzdem fraglich, ob es im September noch dazu kommt, weil vor allem die jüngsten Turbulenzen in China aus Sicht der Fed dagegen sprechen könnten."

Dax

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Für den Präsidenten der Fed von Richmond, Jeffrey Lacker, sind die schwachen Augustzahlen kein Grund länger auf die Zinswende zu warten. Er ist überzeugt, dass es weiterhin starke Argumente für eine Anhebung der Zinsen gibt und die von der Notenbank gewünschten Verbesserungen - allen voran der Rückgang der Arbeitslosenquote - bereits eingetreten sind.

Verluste an der Wall Street

Auch an der Wall Street geht es bergab. Die ultralockere Geldpolitik in den USA hatte die Märkte in den vergangenen Jahren stark nach oben getrieben. Viele Anleger fürchten nun, dass die Aktienkurse nun unter der von der Notenbank angekündigten Zinswende weiter unter Druck geraten werden. So weitet der Dow Jones seine Verluste im Handelsverlauf weiter aus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend 1,9 Prozent tiefer bei 16.060 Punkten. Damit steuert der US-Leitindex auf einen Wochenverlust von mehr als drei Prozent zu.

Lufthansa mit glänzendem Sommer

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Im Dax sind die Aktien der Lufthansa der einzige Gewinner. War es zunächst ein Analystenkommentar, der den Anlegern Mut gemacht hat, sorgen im weiteren Verlauf Aussagen von Konzernchef Carsten Spohr für Zuversicht. "Wir hatten den besten Sommer überhaupt", sagte Spohr gegenüber Reuters TV. "Das Geschäft ist im Juli und August deutlich besser gelaufen als wir erwartet haben." Den angepeilten bereinigten Gewinn von mehr als 1,5 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde die Lufthansa "komfortabel erreichen".

Infineon: JPMorgan hebt den Daumen

Die Infineon-Aktie profitiert von einem positiven Analystenkommentrar. JPMorgan hat die Aktie auf "Overweight" hochgestuft. Das Kursziel hob Analyst Sandeep Deshpande von 9,10 auf 12,50 Euro an. Infineon sei einer der größten Gewinner mit Blick auf den wachsenden Einsatz von Halbleitern in der Autobranche, schrieb Deshpande. Wegen eines möglicherweise schwächeren Wachstums in China seien mittlerweile aber sinkende Gewinnerwartungen in den Kurs für das Geschäftsjahr 2016 eingepreist.

Daimler glänzt in China

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Ihre gestrigen Kursgewinne wieder abgeben muss dagegen die Daimler-Aktie. Dabei haben die Stuttgarter im August in China soviele Autos verkauft wie noch nie: Insgesamt 32.763 Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz - ein Plus von 53,1 Prozent. Daimler profitiert von einer Art Sonderkonjunktur, weil der Hersteller später als seine Konkurrenz auf den wichtigsten Automarkt der Welt gekommen war. Besonders erfolgreich seien die in China produzierten Modelle gewesen, berichteten die Stuttgarter.

Bayer wird bei Kunststoffsparte konkret

Auch die Bayer-Aktie gehört zu den größten Verlierern im Dax. Zum geplanten Börsengang der Kunststoffsparte, jetzt Covestro genannt, werden die Leverkusener allerdings konkret. Noch im vierten Quartal soll die ungeliebte Tochter notiert sein. Angeboten werden ausschließlich neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung. "Wir haben den besten Weg für die Verselbstständigung des MaterialScience-Geschäfts gesucht und sind zu der Überzeugung gelangt, dass ein IPO klare Vorteile sowohl für Bayer und Covestro als auch für ihre jeweiligen Stakeholder bietet", sagte Bayer-Chef Marijn Dekkers.

BASF und Gazprom: Das Eis taut

Das Ende 2014 geplatzte Milliardengeschäft zwischen dem Ludwigshafener Chemiekonzern BASF und dem russischen Gasriesen Gazprom soll nun doch umgesetzt werden. Der Vollzug der Transaktion werde bis zum Jahresende 2015 erwartet. Die Öl- und Gastochter Wintershall soll das hiesige Gashandels- und Gasspeichergeschäft vollständig an Gazprom abgeben. Dafür soll BASF im Gegenzug mehr Anteile an großen Erdgasfeldern in Sibirien erhalten.

Deutsche Börse sammelt Geld ein

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Die Deutsche Börse hat mit der Platzierung eigener Aktien rund 200 Millionen Euro erlöst. Die Anteilsscheine seien in einem beschleunigten Verfahren an institutionelle Investoren losgeschlagen worden, teilte der Dax-Konzern mit. Mit dem Erlös will die Börse die Übernahme der Devisenhandelsplattform 360T finanzieren. Die Deutsche Börse hatte Ende Juli angekündigt, die in Frankfurt beheimatete Plattform für 725 Millionen Euro zu schlucken. Ein Großteil des Deals wird durch Anleihen finanziert.

Ciao Lanxess, hallo Vonovia

Der Immobilienboom in Deutschland wird sich künftig auch im Dax niederschlagen. Wie von Experten erwartet schaffte der Immobilienkonzern Vonovia, die frühere Deutsche Annington, den Aufstieg. Im Gegenzug muss der Chemiekonzern Lanxess nach nur knapp drei Jahren seinen Platz räumen, teilte die Deutsche Börse mit. Umgesetzt werden die Änderungen zum 21. September.

Software AG kauft zurück

Im TecDax können sich die Aktien der Software AG dem allgemeinen Abwärtstrend widersetzen und legen kräftig zu. Das Unternehmen will erneut eigene Aktien zurückkaufen. Bis zum 31. Dezember 2015 sollen über die Börse Anteilsscheine im Wert von bis zu 70 Millionen Euro erworben werden, wie das TecDax-Unternehmen mitteillte. Gemessen am Schlusskurs vom Mittwoch entspreche dies einem Volumen von bis zu rund 2,9 Millionen Aktien. Grund für den Rückkauf seien ausreichende Bar-Bestände und der niedrige Aktienkurs.

RIB Software holt sich Kapital

Unter Druck steht dagegen die Aktie des Softwareherstellers RIB Software. Der besorgt sich mit einer Kapitalerhöhung frisches Geld für einen Ausbau seines Auslandsgeschäfts. Die Ausgabe neuer Aktien spüle 46,5 Millionen Euro in die Kasse, teilte das Unternehmen mit. Für einen Anteilsschein erhält RIB Software 14,25 Euro und liegt damit am oberen Ende der von Händlern erwarteten Spanne. Der Verkauf der Papiere soll am 11. September abgeschlossen sein.

ts

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr