Anleger nehmen Gewinne mit

Stand: 03.05.2011, 20:01 Uhr

Der rasante Kursanstieg der letzten Wochen verlangte seinen Tribut. Mit einem leichten Minus von 0,4 Prozent beendete der Dax den Dienstag, trotz guter Bilanzen und Konjunkturzahlen. Aus dem Dax legten drei Konzerne ihre Berichte vor.

Am Ende des Tages schaffte der Dax immerhin den Erhalt der 7.500-Punkte-Marke, zumindest im elektronischen Xetra-Handel. Um 0,4 Prozent ging es im Tagesverlauf abwärts, auf 7.501 Zähler. Im späten Parketthandel hingegen gab der Dax noch etwas weiter nach, da sich im Abendverlauf auch an der Wall Street die Kursverluste ausweiteten. Übereinstimmend begründeten Händler die Kursschwäche mit der Kursrally seit Mitte März. Viele Anleger würden nun ein paar Verlaufsgewinne mitnehmen, hieß es.

Keine Sorge also, soll das wohl heißen. Die Nachrichten des Tages gaben dieser Einschätzung Recht. Gute oder zumindest erwartete Bilanzen von Dax-Unternehmen sowie der deutlich besser als erwartete Auftragseingang der amerikanischen Industrie zeugen von der weiterhin robusten Konjunkturentwicklung.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%

Autoaktien waren in den vergangenen Wochen durchaus gefragt, und so waren sie am Dienstag unter den Dax-Verlierern zu finden. Am Abend berichteten die globalen Autokonzerne über ihr monatliches und auch im April sehr gutes US-Geschäft. Der Absatz von VW verbesserte sich um ein Viertel, Porsche legte um 82 Prozent zu und BMW und 20 Prozent. Auch die amerikanischen Hersteller verkauften im April wieder deutlich mehr Autos.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
Differenz relativ
+1,60%

Deutsche Bank verklagt
Die Aktie der Deutschen Bank ging mit einem Minus von 2,1 Prozent aus dem Handel. Am Nachmittag wurde bekannt, dass die US-Regierung Klage gegen des Bankhaus erhebt. Es gehe um die Geschäfte der Deutschen Bank mit Hypothekenpapieren, wurden Gerichtsunterlagen zitiert. Die Staatsanwaltschaft erklärte am Abend, dass es allerdings keine Beweise für kriminelles Verhalten von Einzelpersonen bei der Deutschen Bank gebe.

Die Börse in New York tendierte ebenfalls schwächer, obwohl gute Konjunkturdaten Anlass für Optimismus gaben. Der Auftragseingang der Industrie entwickelte sich mit einem Plus von 3,0 Prozent im März deutlich besser als gedacht. Die Zahlen des Pharmakonzerns Pfizer fanden keine positive Reaktion. Der weltgrößte Vertreter seiner Branche meldete für das erste Quartal einen leichten Umsatzrückgang auf 16,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn fiel mit 0,6 Dollar pro Aktie fast so aus wie erwartet, die Pfizer-Aktie verliert mehr als drei Prozent.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,10
Differenz relativ
-1,37%

Dax-Bilanzen: Metro, Infineon und MAN
Drei Dax-Konzerne berichteten am Dienstag über ihre Geschäfte in den abgelaufenen drei Monaten. Der Einzelhändler Metro meldete einen stagnierenden Umsatz von 15,5 Milliarden Euro, vor allem wegen des fehlenden Ostergeschäftes im März. Das operative Ergebnis legte leicht auf 145 Millionen Euro zu, dennoch verlor die Aktie 2,2 Prozent. An der Dax-Spitze findet sich die Aktie des Chipkonzerns Infineon. Die Firma verbesserte nicht nur den Umsatz um fast ein Drittel auf 994 Millionen Euro und den Gewinn um mehr als das Doppelte auf 572 Millionen Euro, sondern erhöhte auch noch die Umsatzprognose und das Ziel für die operative Rendite.

MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
93,45
Differenz relativ
-0,11%

Die Aktie des Lkw-Herstellers MAN hingegen gehörte zu den Dax-Verlierern. Was allerdings nicht an der Bilanz lag: Hier schaffte MAN im ersten Quartal ein Umsatzplus von einem Fünftel auf 3,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte von 128 auf 325 Millionen Euro zu. Händler erklärten das Kursminus von 0,7 Prozent daher mit Gewinnmitnahmen.

Hannover Rück und MTU legten vor
Die Konzernberichte der beiden MDax-Firmen MTU und Hannover Rück waren solide. MTU erzielte bei Umsatz und Gewinn zwar nur geringe Fortschritte (665 Millionen Euro und 40,4 Millionen Euro). Die Firma begründete dies aber mit hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung, was Aktionäre mit Verkäufen quittierten. Die Hannover Rück übertraf hingegen - mit einem Nettogewinn von 52,3 Millionen Euro - die Anforderungen der Analysten. Die Firma litt im ersten Quartal jedoch, wie ihre Konkurrenten, unter den Naturkatastrophen in Japan, Australien und Neuseeland. Deshalb korrigierte die Hannover Rück ihre Jahresgewinnprognose nach unten, die Aktie verlor ein Prozent.

TecDax-Bilanzen: Stratec, Pfeiffer und Bechtle
Auch der TecDax belieferte seine Aktionäre mit Quartalsberichten. Bei den Investoren kam zumindest die des IT-Dienstleisters Bechtle gut an. Die Firma sprach von hervorragenden Geschäften zum Jahresbeginn und meldete einen deutlich verbesserten Umsatz von 450 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis verdoppelte sich fast auf 18 Millionen Euro.

Der Spezialpumpenhersteller Pfeiffer Vacuum verdreifachte dank einer Übernahme im ersten Quartal seine Erlöse - auf 143,6 Millionen Euro. Der Gewinn legte weniger kräftig auf 13,7 Millionen Euro zu. Und auch das Medizintechnikunternehmen Stratec Biomedical berichtete über steigende Umsätze und Gewinne, wenngleich sich die Erlöse "nur" um neun Prozent auf 22,1 Millionen Euro verbesserten und das operative Ergebnis von 3,7 auf rund 4 Millionen stieg.

Verdoppelt: Info AG-Aktie
Die Aktie des IT-Dienstleisters stieg um mehr als Doppelte. Der Grund war ein Kaufangebot durch die im TecDax notierte Netzwerk-Firma QSC. QSC hat sich bereits 58 Prozent der Anteile gesichert, zu 14,35 Euro vom Info-Großaktionär MZ Vermögensverwaltungsgesellschaft. Die QSC-Aktionäre halten von dem hohen Preis offenbar nicht allzu viel, die TecDax-Aktie verliert mehr als vier Prozent.

Deutz gewinnt, Dürr verliert
Zwei SDax-Bilanzen sind ebenfalls noch erwähnenswert. Der Motorenbauer Deutz schaffte es im ersten Quartal zum ersten Mal seit Jahren, wieder einen Gewinn zu machen. 13,7 Millionen Euro blieben Ende März übrig, nach einem Verlust von 8,7 Millionen Euro vor einem Jahr. Die Aktie steigt um 2,9 Prozent. Auch der Lackieranlagenhersteller Dürr schaffte im ersten Quartal den Turnaround. Der Umsatz kletterte um 56 Prozent auf 359 Millionen Euro, das Ergebnis gab Dürr mit 1,8 Millionen Euro an. Dennoch verlor die Aktie leicht.

Neue Analystenstudien
Einige hohe Kursgewinne und -verluste finden ihre Erklärung in der Neubewertung durch die Fachleute aus den Banken. Dass die Aktie von Centrotherm aus dem TecDax beispielsweise mehr als vier Prozent nachgab, muss die HSBC verantworten. Sie hatte die Einschätzung auf "Underweight" gesenkt und dies mit der Erwartung einer geringeren Auftragseinganges begründet.

Im MDax legte die Wacker-Aktie 3,6 Prozent zu. Cheuvreux und die Deutsche Bank haben am Morgen das Kursziel für die Chemieaktie auf 200 Euro angehoben, Wacker verteuert sich um drei Prozent. Auch Bertrandt-Aktien waren gefragt. Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel für Papiere des Ingenieursdienstleisters auf 60 Euro angehoben und die Aktien zum Kauf empfohlen. Die Aktie stieg um 9,3 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen