Marktbericht 20:06 Uhr

Kleines Plus zum Wochenschluss Anleger müssen Rekorde verdauen

Stand: 22.11.2013, 20:06 Uhr

In der deutschen Wirtschaft hat sich die Stimmung überraschend deutlich aufgehellt. Die Nachricht gab vor allem dem Euro Auftrieb. Die Börsen kamen dagegen nur schleppend voran. Unterm Strich bleibt die Bilanz der Börsenwoche positiv.

Der Dax hat in den letzten fünf Handelstagen gut 0,5 Prozent gewonnen und seinen Höhenflug - wenn auch mit angezogener Handbremse fortgesetzt. Er beendete die Woche so wie er sie am Montag begonnen hatte:  mit einem Plus. Der deutsche Leitindex ging auf Xetra 0,25 Prozent fester bei 9.219 Punkten ins Wochenende. Im späten Parketthandel bröckelten die Gewinne etwas: Der L-Dax schloss bei 9.207 Zählern.

Wall Street macht Pause bei der Rekordjagd

Von der Wall Street kam nur ein bisschen Rückenwind. Der Dow erreichte zeitweise ein neues Rekordhoch von 16.036 Punkten, notierte zwei Stunden vor Handelsschluss aber wieder nahezu unverändert. Dem S&P 500 gelang erneut der Sprung über die Marke von 1.800 Zählern. Zwiespältige Signale kamen mal wieder von führenden US-Notenbank-Vertretern: Fed-Mitglied Dennis Lockhart sagte, die Drosselung der Anleihenkäufe werde Thema auf den nächsten Sitzungen der Notenbank sein. Dennoch werde die stimulierend wirkende Geldpolitik wohl noch jahrelang anhalten.

Anleger so gelassen wie seit Jahren nicht mehr

Auch wenn die Höhenluft an den Aktienmärkten dünner geworden ist, könnte es bald noch weiter nach oben gehen. "Es scheint, als würden jegliche Gewinnmitnahmen sofort von denjenigen genutzt, die die Rally bislang verpasst haben und zum Jahresende nicht mit leeren Händen da stehen wollen", erklärte Analyst Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM. Ein Indiz für die Sorglosigkeit der Anleger ist der europäische Volatilitäts-Index. Er stieg zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2007.

Prima Klima in der deutschen Wirtschaft

Die gute Stimmung in den deutschen Chefetagen wurde an den Aktienmärkten mit einem leichten Achselzucken registriert. Der überaschende Anstieg des Ifo-Index von 107,4 auf 109,3 Punkten brachte dagegen den Euro kräftig in Schwung. Die Gemeinschaftswährung kletterte auf bis 1,3550 Dollar. Auch gegenüber anderen Währungen legte der Euro zu. Experten sprachen von guten Nachrichten für die ganze Euro-Zone. "Wenn Deutschland an Schlagzahl zulegen kann, hilft das auch Frankreich, Spanien und Italien", sagte Unicredit-Analyst Andreas Rees.

Draghi verteigit Nullzins-Politik

Selbst die Rede von EZB-Chef Mario Draghi auf der Bankenkonferenz in Frankfurt konnte dem Euro nichts anhaben. Er verteidigte abermals die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank. Derzeit gebe es keine Hinweise, dass die niedrigen Zinsen die Finanzstabilität gefährdeten. Der Italiener warnte vor nationalistischen Untertönen. "In ihren Beratungen und Entscheidungen sind die Mitglieder des EZB Rats weder Deutsche, noch Franzosen, noch Spanier, noch Italiener, sondern sie agieren als Europäer nach Maßgabe eines europäischen Mandats."

Conti auf der Pole Position

Im Dax lief es vor allem für die Conti-Aktie rund. Mit einem Plus von über zwei Prozent war sie Spitzenreiter vor RWE. Der neue Vorstand Frank Jourdan hatte sich in einem Interview optimistisch zum Geschäft mit Fahrerassistenzsysteme wie ABS, ESP oder der elektronischen Parkbremse geäußert. "Das Geschäft explodiert regelrecht", sagte er. Bereits 2016 statt wie bisher geplant 2020 soll mehr als eine Milliarde Euro mit den Fahrerassistenzsystemen umgesetzt werden.  

Streit um Banken-Auffangnetz geht weiter

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
Differenz relativ
+1,60%

Die Aktien der Deutschen Bank gingen mit einem Plus von einem Prozent aus dem Handel. Auf einer Banken-Konferenz in Frankfurt nannte Co-Chef Jürgen Fitschen die nächsten zwölf Monate für die europäischen Banken als die "vielleicht entscheidendsten seit der Finanzkrise 2008". Rückendeckung bekam er von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Streit um ein gemeinsames Auffang-Netz für strauchelnde Banken in Europa. Ehe es eine europäische Haftung gebe, seien die Nationalstaaten gefordert, sagte er. Den Rettungsschirm ESM dafür heranzuziehen, sei "jenseits aller Realität". EZB-Chef Draghi sagte, es müssen nationale Auffangnetze ebenso zur Verfügung stehen wie eine Gesamtlösung für die Euro-Zone.

Lanxess ganz unten

Dax-Schlusslicht war Lanxess. Die Aktien sackten um 2,6 Prozent ab. Ein Händler verwies auf eine negative Studie von JP Morgan zum europäischen Chemiesektor, die Lanxess belaste.

Hessische Koalitionsspiele belasten K+S und Fraport

Politische Nachrichten belasteten die Kurse von K+S und Fraport. In Hessen hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) den Grünen eine Koalition angeboten. Die Papiere von K+S und Fraport gaben um je 1,5 Prozent nach. Für K+S könnte es bei einer Regierungsbeteiligung der Grünen schwerer werden, auch in Zukunft salzige Abwässer in die Werra einzuleiten. Und auch Fraport muss zittern: Die Grünen hatten im Wahlkampf ein ausgeweitetes Nachtflugverbot für den größten Flughafen in Deutschland von 22 bis sechs Uhr gefordert. Derweil wurde bekannt, dass Fraport bei der Ausschreibung für den Flughafen in Rio de Janeiro leer ausging. Das Rennen machten der Flughafenbetreiber Changi aus Singapur und der brasilianische Infrastruktur-Konzern Odebrecht.

UBS mag Osram

Im MDax setzte Osram seinen Höhenflug fort und legte 0,4 Prozent zu. Die Analysten der UBS hoben ihren fairen Wert für das Osram-Papier von 42 auf 50 Euro und bekräftigten ihre Kaufempfehlung. Nach drei von Überkapazitäten geprägten Jahren dürfte das mittlerweile knappe Angebot im LED-Markt die Profitabilität des Leuchtspezialisten antreiben, glauben die UBS-.Experten.

"Schokoladen-Drama" um Symrise

Zeitweise kräftig unter Druck gerieten die Titel von Symrise, schlossen aber deutlich im Plus. Die Stiftung-Warentest hatte die Ritter-Sport-Sorte "Voll-Nuss" mit mangelhaft bewertet, da die Schokolade den chemisch hergestellten Aromastoff Piperonal enthalte. Der Aromenhersteller wies die Vorwürfe zurück. Piperonal sei auf natürlicher Basis geliefert. Ein Analyst vermutete unpräzise Laborergebnisse der Stiftung-Warentest natürlicher Basis geliefert. Ein Analyst spekulierte über unpräzise Laborergebnisse der Stiftung-Warentest.

Juristisches Nachspiel für Rhön-Klinikum

Am privaten Klinikmarkt rumort es indes weiter. Der Medizintechnik-Konzern B. Braun reichte überraschend eine Klage gegen den geplanten Verkauf von 43 Rhön-Krankenhäusern durch Fresenius ein. B. Braun hält knapp elf Prozent an Rhön-Klinikum. Fresenius und Rhön-Klinikum sehen nun keine Basis mehr, um die erst vor kurzem aufgenommen "Friedensgespräche" mit den streitlustigen Rhön-Anteilseignern B. Braun und Asklepios fortzuführen. Die Rhön-Aktien beendeten den Tag drei Prozent tiefer.

Südzucker im freien Fall

Noch härter traf es Südzucker. Die Aktien setzten ihre Talfahrt nach der gestrigen Gewinnwarnung fort und brachen um acht Prozent auf 19,15 Euro ein. Die Commerzbank nahm ihre Kaufempfehlung zurück und stuft die Titel jetzt nur noch auf "Reduce" ein. Zudem senkte das Geldhaus das Kursziel um neun Euro auf 18 Euro.

GSW raus, SGL rein?

Für die Aktie des Wohnimmobilienkonzerns GSW hat das letzte Stündchen im MDax geschlagen. Wegen der Übernahme durch die Deutsche Wohnen wird sie voraussichtlich in der kommenden Woche aus dem Index fliegen. Rund 91 Prozent der GSW-Aktionäre haben ihre Papiere in Deutsche-Wohnen-Anteilsscheine umgetauscht. Als möglicher Nachrücker gilt der Graphit-Spezialist SGL, der erst im September aus dem MDax abgestiegen war. Die SGL-Aktie schoss um neun Prozent in die Höhe und ragte aus dem SDax heraus. Zusätzlicher Kurstreiber war ein Medienbericht. Laut der "Welt" verdoppelt SGL die Produktionskapazitäten für Kohlefasern in einem US-Werk, um der stärkeren Nachfrage für das Elektrofahrzeug i3 von BMW gerecht zu werden.

Fredriksen stockt bei Tui auf

Um knapp acht Prozent brachen die Aktien von Tui Travel in London ein. Großaktionär John Fredriksen verkauft seine komplette Beteiligung an dem Reiseveranstalter, um seine Anteile am Mutterkonzern Tui auf über 20 Prozent aufzustocken. Ein Vertrauter des norwegischen Investors sagte, Fredriksen wolle die künftige Tui-Strategie stärker beeinflussen. Offenbar liebäugelt er mit einer Fusion des Tui-Konzerns mit der Reisetochter Tui Travel.

Renault vor Liaison mit Chinesen

Aus Frankreich machten Gerüchte die Runde, dass Renault als letzter großer Autobauer endlich den Sprung nach China schaffen wolle. Laut der Wirtschaftszeitung  "Les Echos" steht Renault unmittelbar vor einer Allianz mit dem chinesischen Autobauer Dongfeng. Bisher hatte Renault seinem Partner Nissan den Wachstumsmarkt Chiba überlassen und sich auf die anderen Bric-Länder konzentriert. Die Renault-Aktien schlossen um zwei Prozent höher.

Erweiterter Patentschutz beflügelt Biogen

Im US-Handel waren vor allem die Aktien von Biogen gefragt. Die Biotech-Titel schossen um über zehn Prozent in die Höhe. Der Biotech-Konzern hat für sein wichtigstes Medikament Tecfidera gegen Multiple Sklerose (MS) einen erweiterten Patentschutz in Europa erhalten. Für zehn Jahre ist Biogen vor Nachahmermitteln geschützt. Nun kann der Konzern sein MS-Mittel auf den lukrativen europäischen Märkten einführen.

Hilton bereit großes IPO vor

Unterdessen arbeitet die Hotelkette Hilton mit Hochdruck an ihrem Börsengang. Mit einem Volumen von 2,25 Milliarden Dollar wäre es das drittgrößte IPO in den USA in diesem Jahr. Es wäre selbst größer als der jüngste Börsengang von Twitter. Mit der Preisfestsetzung wird in der ersten Dezember-Woche gerechnet.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen