Marktbericht 20:02

Warten auf neue Impulse Anleger machen Pause

Stand: 28.10.2013, 20:02 Uhr

Nach der jüngsten Rekordjagd auf über 9.000 Punkte haben die Aktienanleger zu Wochenbeginn erst einmal innegehalten. Die im Laufe der Woche in Fahrt kommende Berichtssaison sowie die Fed-Sitzung am Mittwoch dürften für neue Impulse sorgen.

Der Dax beendete den Handel 0,1 Prozent schwächer bei 8.978,65 Zählern. "Der Sprung über die 9.000 Punkte kam doch schneller als viele erwartet hatten", sagte ein Händler. Jetzt hätten einige Anleger Angst vor der eigenen Courage bekommen.

Am Vormittag war der Leitindex kurz bis auf 9.018 Punkte geklettert und hatte damit einen neuen Höchststand markiert. Doch dann setzten Gewinnmitnahmen ein. Auch an der Wall Street ging es gemächlich zu. Der Dow-Jones-Index eröffnet leicht schwächer und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend 0,13 Prozent höher bei 15.590 Punkten.

Die etwas besser als erwartet ausgefallenen Zahlen zur US-Industrieproduktion im September (plus 0,6 Prozent) bewegen die Märkte nicht, denn sie ändern nichts an der Erwartung einer unverändert expansiven Geldpolitik der Fed. Der Markt glaubt nicht, dass die obersten amerikanischen Notenbanker bei ihrem Zinsentscheid am Mittwoch eine Abkehr von ihrem Kurs verkünden werden, so ein Händler.

Verschnaufpause vor einer neuen Rally?

Nach Ansicht der Analysten von Sentix hat die in der vergangenen Woche erstmals erklommene Marke von 9.000 Punkte die Anleger weit weniger begeistert als die Medien. Vielmehr hätten die professionellen Investoren bereits vor Erreichen dieser Schwelle begonnen, Aktien zu veräußern.

Viele Händler gehen aber davon aus, dass die Kursrally noch lange nicht vorbei ist. "Gerade Aktien aus der Europäischen Union sind in vielen Portfolios untergewichtet", begründete Martin Skanberg, Fondsmanager bei Schroders diese Ansicht. Etliche Profi-Investoren seien nun dabei, ihre europäischen Beteiligungen aufzustocken.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1515
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+0,51%

Leichte Einbußen gibt es beim Euro. Er rutscht deutlich unter die Marke von 1,38 Dollar, nachdem er am Vormittag noch darüber notiert hatte. Bei Börsenschluss in Frankfurt ist die Gemeinschaftswährung 1,2785 Dollar wert. Trotzdem sehen Chartttechniker den Euro in Richtung 1,40 Dollar marschieren, nachdem er wichtige Widerstandslinien überschritten hat.

Merck & Co mit schwächelndem Blockbuster

Schrumpfende Geschäfte mit dem Top-Medikament gegen Diabetes haben dem US-Pharmakonzern Merck & Co im abgelaufenen Quartal zu schaffen gemacht. Zwar übertraf der Arzneimittel-Hersteller mit dem Gewinn für die Monate Juli bis September die Schätzungen der Analysten. Doch geringere Umsätze mit dem Kassenschlager Januvia nährten bei Investoren Sorgen um die künftigen Wachstumsaussichten des Unternehmens. Die Aktie verliert an der Wall Street mehr als zwei Prozent.

T-Aktie wieder entdeckt

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14,66
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Im Dax gehören die Aktien der Deutschen Telekom zu den stärksten Werten. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Dow Jones erwägt die Deutsche Telekom, sich sogar von der Mehrheit der Internet-Tochter Scout24 zu trennen. Bislang hieß es, dass die Telekom nur 30 Prozent zum Verkauf stellen will. Auch die Gebote bewegten sich nach oben.

Henkel gefällt

Ebenfalls stark präsentiert sich die Henkel-Vorzugsaktie. Die britische Investmentbank Barclays hat das Kursziel für den Wert von 83 auf 86 Euro angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Der zuständige Analyst rechnet bei der Vorlage von Geschäftszahlen für das dritte Quartal mit einer Anhebung der Jahresprognose.

Deutsche Börse kämpft

Zu den Verlierern gehören dagegen die Papiere der Deutschen Börse. Das unter einem schrumpfenden Geschäft leidende Unternehmen will wieder mehr Kleinanleger an die Frankfurter Wertpapierbörse locken. Um das zuletzt schwächelnde, aus dem Fernsehen bekannte Präsenz-Geschäft im Börsensaal zu stärken, soll dort ab 1. November eine Preisgarantie gelten.

ThyssenKrupp bleibt auf Werk sitzen

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,34
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-4,02%

Angeführt wird die die Liste der Verlierer im Dax von ThyssenKrupp. Das Unternehmen wird Medienberichten zufolge nämlich den Komplettverkauf seines brasilianischen Stahlwerks aufgeben. Stattdessen werde der Essener Konzern "mit hoher Wahrscheinlichkeit" einen strategischen Partner wie den Stahlproduzenten CSN oder den Stahlkonzern Arcelor-Mittal in das Unternehmen hereinholen und selbst an der brasilianischen Tochter beteiligt bleiben, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf informierte Kreise.

JPMorgan schwächt Auto-Aktien

Papiere von BMW, Conti, VW und Daimler laufen schlechter als der Markt. Die Investmentbank JPMorgan hat die europäischen Autobauer auf "Neutral" abgestuft, nachdem der Sektor in diesem Jahr bislang mit einem Kursplus von 31 Prozent am besten abgeschnitten hat. In einem Umfeld stagnierenden wirtschaftlichen Schwungs solle man laut den Analysten der Bank nun weniger Risiko eingehen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,64
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-0,65%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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143,98
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-1,10%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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51,39
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-1,95%

K+S muss sparen

Hinzugewinnen kann die Aktie von K+S. Der Salz- und Düngemittelkonzern will laut einem Reuters-Bericht ein umfangreiches Sparprogramm auflegen. Im Raum stünden jährliche Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe. Auch Stellenstreichungen könnten nicht ausgeschlossen werden.

Cancom im siebten Himmel

Mit einem Kurssprung feiern die Anleger Aussagen des IT-Dienstleisters Cancom zu den Geschäftsaussichten für den Rest des Jahres. Auch das Schlussquartal sei gut angelaufen, teilte die im TecDax notierte Gesellschaft mit. Dabei profitiere Cancom vor allem von der weiterhin hohen Nachfrage nach Cloud-Lösungen, also der Bereitstellung von Software und Daten im Internet.

Evotec schwimmt auf Erfolgswelle

Kräftig aufwärts geht es auch mit der ebenfalls im TecDax notierten Aktie von Evotec. Das Biotech-Unternehmen hat in der Forschungsallianz mit dem belgischen Biopharmaspezialisten UCB Erfolge verbucht. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Zudem hat Evotec vermutlich einen neuen Großaktionäre. Mit knapp zwölf Prozent gehört Morgan Stanley beziehungsweise deren Kunde derzeit zu den größten Anteilseignern des Unternehmens, das bereits Ende September mit dem US-Fonds Biotechnology Value Fund (BVF) einen neuen Investor an Land ziehen konnte.

Bauer erwartet Verlust

Der Tiefbauspezialist Bauer aus dem SDax erwartet für das laufende Jahr einen Verlust von 20 Millionen Euro. Grund sind erneute Verzögerungen bei Großprojekten im Ausland, vor allem in Jordanien. Ursprünglich hatte das Unternehmen aus dem bayrischen Schrobenhausen einen Gewinnanstieg auf 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Aktie verliert im nachbörslichen Handel deutlich.

Biogen hebt an

Deutlich besser als erwartet läuft es für das Biotechnologie-Unternehmen Biogen Idec. Das US-Unternehmen hebt erneut seine Erwartungen an. Für das laufende Jahr peilt Firmenchef George Scangos nun ein Ergebnis pro Aktie vor Sonderposten von 8,65 bis 8,85 US-Dollar an, wie Biogen am Montag mitteilte. Bisher wurden 8,25 bis 8,50 Dollar in Aussicht gestellt. Auch der Umsatz soll nun mit 23 bis 25 Prozent stärker zulegen als bislang geplant (22-23).

Epigenomics mit China-Fantasie

Das Krebsdiagnostik-Unternehmen Epigenomics und das US-Unternehmen BioChain wollen in Zukunft strategisch zusammenarbeiten. BioChain erwirbt eine Lizenz für einen Test zur Darmkrebs-Früherkennung für den chinesischen Markt von Epigenomics. Außerdem beteiligt sich BioChain mit knapp einer Million Euro an dem Berliner Unternehmen. Die Börse ist verzückt. Die Epigenomics-Aktie steigt zweistellig.

Loewe-Aktionäre gehen leer aus

Ganz anders sieht es dagegen bei Loewe aus. Der insolvente Frensehhersteller Loewe hat zwar ein Kaufangebot bekommen. Ein nicht näher benannter Investor will das operative Geschäft übernehmen. Eine Beteiligung an der oder Übernahme der Loewe AG selbst wird von dem Investor nicht angestrebt. Damit gehen die verbliebenen Anleger der Firma vermutlich leer aus. Entsprechend rauscht das Papier zweistellig in die Tiefe.

lg

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier