Anleger machen Kasse

Stand: 18.04.2012, 20:00 Uhr

Nach dem starken Kursplus am Vortag ist es am Mittwoch zu einer Gegenreaktion gekommen. Gewinnmitnahmen, enttäuschende US-Quartalszahlen und die Sorge um die Entwicklung in Spanien drücken den Dax ins Minus.

Der Leitindex pendelt zwischen 6.812 und 6.718 Punkten hin und her. Am Ende steht ein Verlust von gut einem Prozent (69 Punkte) und der Dax schließt bei 6.732 Zählern. Ähnliche Einbußen gibt es auch im Abendhandel.

Auch an der Wall Street kommt es nach dem gestrigen Hoch zu leichten Abschlägen. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt gut ein halbes Prozent (80 Punkte) tiefer bei 13.034.

Der Euro ist am Mittwoch ebenfalls leicht gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wird am Abend mit 1,3105 Dollar gehandelt. Im asiatischen Handel hatte sie noch 1,3141 Dollar gekostet. Händler sprachen von einem insgesamt impulsarmen Handel.

Zudem bleiben die Marktteilnehmer weiter sehr nervös. Sie stellen sich die Frage, ob sich Spanien dauerhaft am Kapitalmarkt finanzieren kann oder ob es nicht doch noch unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen muss. Vor der für morgen geplanten neuen Auktionsrunde Spaniens warteten viele Anleger daher erst einmal ab. Sollte die Emission von zwei- und zehnjährigen Anleihen ähnlich gut laufen wie die Auktion am Dienstag, könnte das den Börsen durchaus neuen Auftrieb geben, prophezeien Marktteilnehmer.

IBM und Intel enttäuschen
Sorgen bereitet auch die Berichtssaison in den USA. Am morgigen Donnerstag berichtet unter anderem die Wall Street-Bank Morgan Stanley sowie der Telekomanbieter Verizon. Die am Dienstag nach Börsenschluss vorgestellten Zahlen der Technologieriesen Intel und IBM wurden von den Börsianern mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen.

Die Intel-Aktie gibt in New York kräftig nach. Der weltweit größte Chipkonzern stellte zwar in Aussicht, dass die Umsätze im zweiten Halbjahr wieder stärker anziehen würden, allerdings warnte das Unternehmen auch davor, dass die Modernisierung der Produktion zeitweise an den Marken nagen könne. Bei IBM enttäuschte der stagnierende Umsatz.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,85
Differenz relativ
-3,06%

ThyssenKrupp rauf, Siemens runter
An der Börse in Frankfurt sorgen die Aktien von Siemens und ThyssenKrupp für Bewegung. Angeführt wird der Dax von ThyssenKrupp mit einem Plus von fast drei Prozent. Laut Händlern lockt der Stahlkonzern Schnäppchenjäger an, da sich die Papiere deutlich schlechter als der Gesamtmarkt entwickelt haben. Andere Börsianer verwiesen auf eine Hochstufung durch einen irischen Broker und die gestern angehobene Wachstumsprognose des IWF für die Weltwirtschaft. Davon profitiere Thyssen als "zyklisches Papier".

Die Verliererseite wird von Siemens angeführt, dessen Aktie 2,5 Prozent einbüßt und wegen ihres Gewichts den gesamten Dax mit ins Minus drückt. Händlern zufolge hängen noch Berichte vom Vortag nach, wonach verpatzte Windkraftprojekte dem Technologiekonzern die Jahresprognose verhageln könnten.

LVMH schiebt Douglas an
Größter Favorit im MDax ist die Douglas-Aktie. Die Titel profitieren von Spekulationen, denen zufolge der französische Luxusgüterhersteller LVMH ein Auge auf den deutschen Handelskonzern geworfen haben soll. Ein Douglas-Sprecher wollte die Gerüchte nicht kommentieren.

Derweil berichtet LVMH von weiter steigenden Erlösen im ersten Quartal. Sie kletterten um ein Viertel auf 6,6 Milliarden Euro - dank der starken Nachfrage aus Asien und den USA. Zu LVMH gehören Marken wie Louis Vuitton, Tag Heuer, Givenchy und Moet & Chandon.

SGL enttäuscht
Auf der Verliererseite im MDax stehen die Aktien von SGL weit oben. Grund ist die Ausgabe einer Wandelanleihe. Zudem enttäuschte das Wiesbadener Unternehmen mit seinen Quartalszahlen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stagnierte bei 36 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich lediglich um fünf Prozent auf 382 Millionen Euro. Mittelfristig will SGL den Umsatz um zehn Prozent pro Jahr steigern.

GSW braucht frisches Geld
Noch kräftiger abwärts geht es mit den Aktien von GSW Immobilien. Hier lässt eine Kapitalerhöhung die Titel abschmelzen. Mit neuen Aktien aus genehmigtem Kapital will das Unternehmen netto 190,3 Millionen Euro einsammeln, um Zukäufe finanzieren zu können. Der Bezugspreis liegt bei 21,30 Euro und damit deutlich unter dem gestrigen Schlusskurs.

Neuer Blick auf Sky
Wie gewonnen so zerronnen. Nach dem gestrigen Kurssprung verliert die Sky-Aktie heute fast neun Prozent. "Nach der Euphorie wegen des Zuschlags für die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga folgt nun der nüchterne Blick auf die betriebswirtschaftliche Realität", sagte Analyst Jan Christian Görhman von der NordLB.

Praktiker verschiebt HV
Abwärts geht es auch mit der Aktie von Praktiker im SDax. Wegen der laufenden Sanierungsgespräche hat Praktiker seine für den 31. Mai geplante Hauptversammlung verschoben. Das Treffen soll in der zweiten Juni-Hälfte stattfinden. Damit soll eine außerordentliche HV vermieden werden.

Commerzbank empfielt KWS Saat
Größter Gewinner im SDax ist dagegen die Aktie von KWS Saat. Nach den Zahlen von gestern hat die Commerzbank das Kursziel für KWS Saat angesichts gestiegener Unternehmensprognosen für 2011/12 von 193,00 auf 201,00 Euro angehoben und die Einstufung auf "Add" belassen. Das Unternehmen profitiere von der Ersatznachfrage für durch Frostschäden zerstörtes Saatgut, schrieb Analyst Dennis Schmitt. Der Experte lobte die starke Marktposition in Europa und Nordamerika ebenso wie die anhaltende Expansion in Schwellenländer.

Solarworld im Sinkflug
Im TecDax kommt es ebenfalls zu Einbußen. Der Index gibt 0,5 Prozent nach. Größter Verlierer ist Solarworld mit einem Abschlag von über zehn Prozent. Im Sog schwacher Quartalszahlen des US-Konkurrenten Cree müssen auch die Papiere von Aixtron kräftig Federn lassen. Cree hat im abgelaufenen Quartal 20 Cents je Aktie verdient - ein Cent weniger als erwartet. Die schleppende Nachfrage nach Leuchtdioden und der harte Wettbewerb seien schuld.

Syngenta im Agrarboom
Stark anziehende Saatgutverkäufe in Lateinamerika und Asien sowie Preiserhöhungen haben dem weltgrößten Agrarchemiekonzern Syngenta zu einem soliden Jahresauftakt verholfen. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, stiegen die Verkäufe von Syngenta-Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemitteln um insgesamt sieben Prozent auf 4,30 Milliarden Dollar, lagen damit aber leicht unter den Schätzungen der Analysten. Das sorgt für Enttäuschung, die Aktie gibt nach.

Haliburton bohrt erfolgreich
Neue Projekte zur Ölförderung in den USA haben dem zweitgrößten Ölfeld-Ausrüster Halliburton deutlich mehr Geld in die Kasse gespült. Der Umsatz kletterte im ersten Quartal um 30 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar Der Überschuss lag mit 627 Millionen Dollar gut 20 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Gasgeschäft verbuchte der Branchenzweite nach Schlumberger wegen der stark gefallenen Preise jedoch einen Geschäftsrückgang. Börsianer waren mit den Zahlen hochzufrieden: Die Aktie legte in New York um mehr als vier Prozent zu.

Pfizer vor Milliardenverkauf
Der US-Pharmariese Pfizer steht offenbar kurz vor dem Verkauf seiner Babynahrung-Sparte an den Schweizer Lebensmittel-Konzern Nestle. Eine Einigung auf einen Preis von bis zu zehn Milliarden Dollar sei schon bald möglich, hieß es. Mit der Übernahme könnte Nestle seine Stellung auf dem Wachstumsmarkt China ausbauen und sein Geschäft mit Babymilch stärken. Der weltgrößte Lebensmittelkonzern gilt seit längerem als Favorit in dem Bieterkampf gegen ein Bündnis des französischen Rivalen Danone und des amerikanischen Babynahrung-Herstellers Mead Johnson.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr