Anleger machen Kasse

Stand: 20.01.2011, 20:02 Uhr

Trotz insgesamt positiv ausgefallener US-Daten haben einige Anleger heute erneut Gewinne mitgenommen. Besonders die im vergangenen Jahr gut gelaufenen Autoaktien büßen überdurchschnittlich ein und ziehen den gesamten Dax nach unten.

Die Vorzüge von Volkswagen verlieren 4,6 Prozent und sind die größten Verlierer im Dax. Auch die anderen Autowerte BMW, Daimler und MAN geben bis zu vier Prozent ab. Hintergrund ist die Sorge vor nachlassenden Absätzen in China.

Dort ist die Wirtschaft im vierten Quartal um fast zehn Prozent gewachsen. Das schürt die Angst vor weiteren Zinsanhebungen und der damit verbundenen Drosselung der Konjunktur, was sich zuerst auf die exportorientierten deutschen Unternehmen auswirken dürfte. Zudem sorgen gewinnmitnahmen, etwa bei K+S, zu Kursrückgängen. Dagegen können die im letzten Jahr vernachlässigten Versorger RWE und Eon zulegen. "Viele Anleger haben inzwischen das Gefühl, dass der Markt für eine Konsolidierung reif ist", erklärte ein Händler.

Im Abendhandel kann der Dax seine Verluste aber etwas begrenzen. Statt wie auf Xetra 58 Punkte verliert das Börsenbarometer auf dem Parkett nur noch 44 Zähler und schließt bei 7.041. Auch an der Wall Street verlangsamt sich der Abwärtstrend etwas. Bei Börsenschluss in Deutschland notiert der Dow Jones-Index nur noch 10 Zähler (0,1 Prozent) auf 11.816.

Für positive Impulse sorgen der Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche um 37.000 auf 404.000. Gleichzeitig verbessert sich die Lage auf dem US-Hausmarkt. Im Dezember wurden deutlich mehr bestehende Eigenheime verkauft als erwartet. Der Sammelindex der Frühindikatoren ist ebenfalls stärker gestiegen als prognostiziert.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

Ölpreise und Euro schwächer
Die Ölpreise haben belastet von Nachrichten aus China und den USA Verluste verzeichnet. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Februar kostete zuletzt 88,58 US-Dollar und damit 2,28 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im März sank um 1,59 Dollar auf 96,57 Dollar.

Auch der Euro ist nach den US-Konjunkturdaten wieder unter die Schwelle von 1,35 Dollar gefallen.

Morgan Stanley über Erwartungen
Die Geschäfte bei der US-Großbank Morgan Stanley sind am Jahresende überraschend gut gelaufen. Das Institut vermeldete am Nachmittag für das vierte Quartal einen Gewinn von 0,41 Dollar je Aktie, während Analysten im Schnitt nur 0,35 Dollar erwartet hatten. Auch die Einnahmen fielen mit 7,8 Milliarden Dollar überraschend hoch aus. Deshalb legten Morgan-Stanley-Aktien vorbörslich rund drei Prozent zu. Trotzdem liefert das schwächste Quartalsergebnis aller Wall-Street-Größen ab.

Commerzbank sehr fest
Mit einem Kursplus von 2,4 Prozent gehören die Commerzbank-Papiere zu den größten Gewinnern im Dax. Händler machen dafür unterschiedliche Gründe aus. So habe der Chef des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling, gesagt, dass er keinen Bedarf für eine Umschuldung Griechenlands sehe. Zudem betrachten die Händler den Kurs-Anstieg als Reaktion auf die Schwäche der vergangenen Tage. Die Aktien der Deutschen Bank können von dem Trend allerdings nicht profitieren.

Versorger holen auf
Versorgeraktien wie Eon und RWE befinden sich dagegen auf der Überholspur. Die Stimmung für die Versorger bessere sich, sagte ein Händler. Anleger schichteten offenbar ihr Geld von den großen Gewinnern des vergangenen Jahres um. Eon und RWE hatten 2010 gegen den Trend über 20 Prozent an Wert eingebüßt.

US-Pläne beflügeln Deutsche Telekom
Die Aktien der Deutschen Telekom können dagegen kräftig zulegen. Grund sind Aussagen von Philipp Humm, dem Chef der amerikanischen Mobilfunktochter des Konzerns. Demnach will T-Mobile USA mit günstigen Tarifen und Verbesserungen des Netzes die Abwanderung von Vertragskunden zu AT&T und Verizon Wireless abmildern und wieder Marktanteile gewinnen. Zudem erwägt T-Mobile USA, Vermögenswerte zu verkaufen, die nicht zum Kerngeschäft gehören.

KlöCo lässt Anleger jubeln
Kräftig zulegen kann auch die Aktie von Klöckner & Co (KlöCo). Der Stahl- und Metallhändler will das Stahl-Service-Unternehmen Macsteel Service Center kaufen und dadurch seinen Umsatz im US-Markt auf einen Schlag mehr als verdoppeln. Mit einem Abschluss des Kaufvertrages wird zu Beginn des zweiten Quartals 2011 gerechnet.

IVG kommt gut an
Zum Jahresende 2010 hat die unter Druck geratene Immobiliengesellschaft IVG rund 120 Millionen Euro Schulden zurückgezahlt. Insgesamt hatte sich das MDax-Unternehmen 1,3 Milliarden geliehen, um dringende Verbindlichkeiten zu begleichen. Die IVG war zuvor wegen Abwertungen auf seine Immobilienbestände tief in die roten Zahlen gerutscht. Seitdem steckt das Unternehmen im Umbau. Die Anleger begrüßen die Meldung mit einem Kursplus.

Citigroup drückt ProSiebenSat.
Die Citigroup hat den ProSiebenSat1 von "Buy" auf "Hold" abgestuft, das Kursziel aber von 17,50 auf 25 Euro angehoben. Bei dem Unternehmen gebe es das Risiko, dass die Interessen der Besitzer von Vorzugs- und Stammaktien kollidierten, erklärten die Citigroup-Analysten. Die aktuelle Bewertung sei angesichts der Risiken zu hoch. Die Aktie schmiert um gut fünf Prozent ab.

Conergy bald ohne Ammer?
Der Anteil des Conergy-Mitbegründers Dieter Ammer an dem Solarkonzern ist unter drei Prozent gesunken. Wie die ums Überleben kämpfende Hamburger Firma mitteilte, hält der noch im Aufsichtsrat sitzende Ex-Chef über seine Firma Coco Beteiligungen noch 2,93 Prozent der Anteile. Zuvor waren es knapp vier Prozent gewesen. Die im TecDax notierte Conergy-Aktie rutscht um knapp fünf Prozent ab.

Schlott bald wieder flott?
Einen Freudensprung macht die Aktie des Druckkonzerns Schlott. Der könnte laut einem "FAZ"-Bericht doch noch gerettet werden. Es gebe Interesse aus der Branche, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Siegfried Beck laut dem Bericht. Da es um zwölf Gesellschaften gehe, werde es aber kein schnelles Verhandlungsergebnis geben.

Easyjet-Aktie stürzt ab
Die britische Fluggesellschaft hat im vergangenen Quartal stark unter Flugausfällen wegen Schnee und Eis gelitten. Im ersten Halbjahr dürfte daher der Verlust mehr als doppelt so hoch ausfallen wie im Vorjahr. Die Easyjet-Aktie steht daher an der Börse mächtig unter Druck.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"