Anleger machen Kasse

Stand: 10.08.2009, 20:05 Uhr

Gewinne realisieren war am Montag das Gebot der Stunde für viele Investoren. Die US-Börsen rutschten bis zum Ende des deutschen Parketthandels noch ein Stück weiter abwärts und zogen den Late-Dax mit sich.

Immerhin konnte die Marke von 5.400 Punkten zum Ende des Frankfurter Parketthandels verteidigt werden. Gegenüber dem Schlussstand auf Xetra büßte der L-Dax noch ein paar Punkte ein. Ursache dafür waren eher schwache US-Börsen, sowohl der Dow Jones-Index als auch der Index der Computerbörse Nasdaq gaben am Abend weiter nach.

"Wir sind in einem Modus milder Gewinnmitnahmen", sagte ein Händler in New York" dazu, der zudem darauf verwies, dass der Monat September bevorsteht, ein historisch schlechter Monat für Aktien.

Freddie erfreut, Nortel in Nöten

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,22
Differenz relativ
+3,09%

Für einen positiven Ausschlag hatte kurz vor Börseneröffnung der staatliche gestützte US-Immobilienfinanzierers Freddie Mac gesorgt. Das Unternehmen hat den ersten Quartalsgewinn seit zwei Jahren gemeldet, die Freddie Mac-Aktie legte um bis zu zwei Drittel zu. Verdruss bescherte dagegen wieder einmal der Netzwerkkonzern Nortel seinen Anlegern. Das Unternehmen, das seit Januar unter Gläubigerschutz steht, hat im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 274 Millionen Euro geschrieben. Nortel-Chef Mike Zafirovski nahm inzwischen seinen Hut.

Bankaktien mit "Nachholbedarf"
Finanzwerte wie die Aktien der Deutschen Bank, der Deutschen Börse und der Münchener Rück fanden am Montag am meisten Anklang bei Anlegern, sie gewinnen zwischen einem und 1,5 Prozent hinzu. Laut Analysten gibt es bei den Vertretern der Branche nach den Quartalszahlen der vergangenen Woche nun "Nachholbedarf".

VW in der Optionsklemme

Unter Druck waren bis zum Handelsschluss vor allem Autoaktien. Vor allem bei Volkswagen weiteten sich die Verluste bis auf rund sieben Prozent aus. Stein des Anstoßes waren der Analysten von HSBC: Sie stuften VW-Stammaktien von "neutral" auf "underweight" zurück. Ihre Begründung ist am Markt eigentlich längst bekannt: Es könne weiterer Verkaufsdruck bei VW-Aktien entstehen, wenn der Investor Katar die Optionen auf die VW-Aktien übernehme und ausübe.

Siemens gibt Kalifornien Kraft

Leicht im Minus, aber noch besser als der Gesamtmarkt, schloss die Siemens-Aktie. Das Unternehmen hat am Montag einen Großauftrag aus Kalifornien gemeldet: Kraftwerkskomponenten im Wert von 140 Millionen Euro hat die Northern California Power Agency (NCPA) bestellt.

Heideldruck mit Erleichterungsrally

Im MDax hatte die Aktie des Druckmaschinen-Hersteller jede Menge Rückenwind und legte mehr als 14 Prozent zu. Die Aktie profitierte von der finanziellen Stützung durch den Staat, die bereits am Freitag bekannt geworden war. Zudem ist das Papier postwendend von den Analysten von Merrill Lynch hochgestuft worden.

Fehlspekulation mit Gildemeister?

Bei Gildemeister könnte nach Händlerangaben ein "short squeeze" im Gange sein. Investoren, die bei dem Papier auf fallende Kurse gesetzt hatten, müssten nach den besser als erwarteten Quartalszahlen des Unternehmens nun kaufen. Die Gildemeister-Aktie schloss acht Prozent im Plus.

Gagfah auch spät verkauft

Die Aktie des Immobilienkonzerns Gagfah verlor auch im Parketthandel weiter an Boden. Neben den schwachen Quartalszahlen drückte am Abend noch die Spekulation, die Investmentbank Goldman Sachs habe eine große Stückzahl Gagfah-Papiere platziert. Gagfah ist im zweiten Quartal in die roten Zahlen gerutscht Die Deutsche Bank hat zwar ihre Kaufempfehlung für das Papier dennoch bekräftigt, der Aktie half dies am Montag aber nichts.

Tui geht über Kreuz

Leicht ins Plus kann sich am Nachmittag die Aktie des Reisekonzern Tui schieben. Das Unternehmen rechnet nach den Anschlägen auf Mallorca nicht mit einem Einbruch bei den Reisen auf die Balearen-Insel. Es habe bislang keine Welle von Reisestornierungen eingesetzt, betonte eine Tui-Sprecherin.

An Nachmittag berichtete die Nachrichtenagentur Reuters noch, dass sich Tui mit der Fluggesellschaft Air Berlin auf eine Überkreuzbeteiligung in Höhe von 9,9 Prozent geeinigt hat. Dies wäre eine geringere gegenseitige Beteiligung, als die 19,9 Prozent, die bislang geplant waren.

Escada auf der Kippe

Das ehemalige SDax-Unternehmen Escada ist offenbar weiter von einer Insolvenz bedroht. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters könnte der Vorstand des Modeunternehmens noch in der laufenden Woche wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag stellen. Dies wäre dann der Fall, wenn die Anleihegläubiger der geplanten Entschuldung des Unternehmens nicht zustimmen würden. Die Aktie beendete den Handel fast unverändert bei 2,49 Euro.

Buffett wieder in der Profitzone

Die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway der Investorenlegende Warren Buffett macht wieder Gewinne. Der Überschuss des Konzerns kletterte im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar. Zuvor hatte das Unternehmen eine Verluste-Serie von sechs Quartalen hinter sich gebracht. Das Quartalsergebnis lag allerdings unter den Erwartungen des Marktes, die Berkshire-Aktie verlor an der Wall Street am Nachmittag rund vier Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"