Marktbericht 20:00 Uhr

Dax rückt in Rekordnähe vor Anleger jubeln über US-Konjunkturschwäche

Stand: 07.04.2015, 20:00 Uhr

Noch rund 100 Punkte bis zum Allzeithoch: Die Hoffnung auf eine Verschiebung der Zinswende in den USA hat dem Dax und Europas Leitbörsen einen kräftigen Schub verliehen. Jetzt müssen nur noch Griechenland und die US-Berichtssaison mitspielen.

Der Dax rückt um rund 1,3 Prozent auf 12.123,52 Punkte vor. Den höchsten Stand des Tages erreichte er bei 12.149,31 Zählern. Das Rekordhoch bei 12.219,05 Punkten geriet also zeitweise wieder in Reichweite. Der EuroStoxx 50 schloss mit einem Plus von 1,4 Prozent auf 3.768,72 Punkten auf dem höchsten Stand seit gut sieben Jahren. In Paris gewann der CAC 40 1,5 Prozent auf 5.151,19 Punkte und für den Londoner FTSE 100 ging es um 1,9 Prozent auf 6.961,77 Punkte nach oben. Der Late Dax stieg um 1,2 Prozent auf 12.118,52 Punkte.

Der Grund für die Wiederentdeckung der Kauffreuden kam aus den USA: Im Zusammenhang mit den schwachen US-Arbeitsmarktdaten von Freitag, auf die der deutsche Leitindex aufgrund des Feiertags nicht reagieren konnte, scheine es, als würden die Marktteilnehmer doch eine später als bis jetzt erwartete Zinswende der US-Notenbank Fed erwarten, meint Jens Klatt von DailyFX.

ARD-Börsenstudio: Samir Ibrahim
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Börse 19.00 Uhr

"In Verbindung mit dem geldpolitisch voll durchgetretenen Gaspedal der EZB führt ausgehend hiervon kein Weg an renditetechnisch attraktiven deutschen Aktien, besonders in Europa, vorbei", urteilt der Experte Klatt. "Die Fed ist immer noch datengesteuert und jeder konjunkturelle Dämpfer ist gleichbedeutend mit weiter fließendem billigen Geld", sagte Marktanalyst Naeem Islam vom Broker Avatrade.

Die US-Berichtssaison beginnt

Der Dow Jones lag am Abend rund 0,5 Prozent im Plus. Es könnte wieder verstärkt zu der eigenartigen Situation kommen, dass schlechte Konjunkturdaten positiv aufgenommen werden, da sie eine spätere Zinswende implizieren könnten, kommentierte ein Marktteilnehmer. Allerdings sollten die Investoren auch die beginnende US-Berichtssaison nicht vergessen, denn völlig abkoppeln werden sich die Aktienkurse von den Unternehmensdaten eher nicht.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 3 Monate
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25.414,77
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Der gestiegene US-Dollar, schwächere Rohstoffpreise und ein ungünstiges Wetter in den ersten drei Monaten des Jahres dürften auch bei den US-Unternehmensgewinnen Spuren hinterlassen haben, sagte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda. Morgen abend wird der Alukonzern Alcoa die Berichtssaison eröffnen.

Robuste Konjunktur in der Eurozone

Die Eurozone sendet unterdessen Erholungssignale. Konjunkturdaten deuteten abermals auf eine anziehende Konjunktur hin. Die Einkaufsmanagerindizes für Industrie und Dienstleister, eine Umfrage unter leitenden Angestellten, stiegen zum vierten Mal in Folge und auf den höchsten Stand seit fast einem Jahr.

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"Für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends gibt es allerdings keine Garantie", warnte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "Denn die Griechenland-Krise stellt nach wie vor eine ernsthafte Bedrohung für die Stabilität der Euro-Zone dar." Der Euro sackte wieder unter die Marke von 1,09 Dollar.

Versorger holen auf

Titel von RWE und Eon legten um jeweils mehr als vier Prozent zu und führten den Dax an. Marktteilnehmer sprachen von Nachholeffekten. Bis Mitte März hinkten RWE- und Eon-Papiere dem Dax deutlich hinterher. Seitdem holen die Aktien aber langsam auf. Börsianer sehen nun die Chance auf eine nachhaltige Trendwende.

Fedex bandelt mit TNT Express an

Der amerikanische Paketdienst Fedex will den niederländischen Logistikkonzerns TNT Express kaufen. Fedex bietet acht Euro je TNT-Aktie. Damit wird TNT Express mit 4,4 Milliarden Euro bewertet. Das TNT-Management empfiehlt seinen Aktionären die Annahme der Offerte. Bereits UPS hatte schon einmal versucht TNT zu kaufen, war aber am Einspruch der Kartellbehörden gescheitert. Die Aktie der Deutschen Post gehörte zu den größeren Gewinnern im Dax.

Adidas hat ein Dollar-Problem

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
204,70
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-0,39%

Adidas-Aktien liefen schlechter als der Markt. Die US-Investmentbank Raymond James hat die Papiere des Unternehmens von "Marketperform" auf "Underperform" abgestuft. Die Stärke des US-Dollars werde Adidas das Ergebnis verhageln. Immerhin fallen demnach 90 Prozent der Kosten bei Zulieferern in US-Währung an.

Telekom erreicht Jahreshoch

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,13
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+1,34%

Die Aktie der Deutschen Telekom erreichte bei 17,41 Euro ein neues Jahreshoch. Auf vergleichbarem Niveau hatte sie zuletzt im März 2002 notiert. Seit Jahresbeginn hat sich das Papier um mehr als 30 Prozent verteuert. Im gleichen Zeitraum legte der Dax um etwa 23 Prozent zu.

Anleger trennen sich von Lufthansa

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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20,15
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+0,30%

Zu den wenigen Verlierern im Dax gehörte die Lufthansa-Aktie. JPMorgan hat den Dax-Titel von "Neutral" auf "Underweight" abgestuft und das Kursziel auf 12,00 Euro belassen. Die Analysten bevorzugen unter den europäischen Fluggesellschaften die Billigflieger gegenüber den traditionellen Airlines. Ryanair & Co. böten ein überlegenes Chance/Risiko-Verhältnis und ein kontinuierliches Wachstumspotenzial. Die traditionellen Unternehmen hingegen litten weiterhin unter dem unerbittlichen Wettbewerb mit den Konkurrenten aus dem Nahen Osten.

Ryanair wächst kräftig

Ryanair: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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12,12
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+2,45%

Die bereits angesprochene Billigfluggesellschaft Ryanair ist auch im März kräftig gewachsen. Die Zahl der Passagiere wuchs um 28 Prozent auf 6,67 Millionen. Dazu trug insbesondere auch die Auslastung bei. Der Ladefaktor wuchs um zehn Prozentpunkte auf 90 Prozent.

Wacker Chemie empfohlen

Aktien von Wacker Chemie liefen deutlich überdurchschnittlich. Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für den Wert von 128 auf 140 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Die Trennung vom Halbleitergeschäft Siltronic werde eine immer realistischere Option, hieß es. Die "neue Wacker" werde dann auch neue Investoren anlocken.

Boeing hängt Airbus ab

Der US-Flugzeughersteller Boeing hat seinen europäischen Konkurrenten Airbus im ersten Quartal bei Bestellungen und Auslieferungen übertrumpft. Nach aktuellen Zahlen verzeichnete Airbus in den ersten drei Monaten netto 101 Bestellungen und Boeing 110. Auch bei den Auslieferungen hatte Boeing die Nase vorn. Waren es bei Airbus 134 Flugzeuge, lag die Zahl bei dem US-Hersteller bei 184. Im gesamten vergangenen Jahr hatte Airbus netto 1.456 Bestellungen verbucht und Boeing 1.432.

Anleger interessieren sich für SMA Solar

Die im TecDax gelisteten Titel legten um mehr als vier Prozent zu. Seit Jahresbeginn haben sie jedoch rund 20 Prozent eingebüßt. "Da sich nun die Kostenoptimierungen langsam auszahlen, sind sie von der Bewertung her unwiderstehlich", urteilten die Analysten der Citigroup und bestätigten die Kaufempfehlung. Die Solarfirma steckt mitten in einer Restrukturierung. Doch die Citigroup sieht Licht am Ende des Tunnels: Das Management habe mit seiner Fokussierung auf das Thema Kosten im momentanen Umfeld genau richtig entschieden.

Sixt und Swisscom verbünden sich

Der im SDax notierte Autovermieter Sixt und der Schweizer Telekommunikationsanbieter Swisscom wollen gemeinsam die Firmenfahrzeuge anderer Unternehmen verwalten. Die beiden Konzerne gaben die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zum Fuhrparkmanagement bekannt. Sixt und Swisscom seien zu je 50 Prozent an der Managed Mobility AG mit Sitz in Urdorf bei Zürich beteiligt. Das Joint Venture habe es auf die Autoflotten von kleinen Unternehmen bis hin zu internationalen Konzernen abgesehen.

Burda senkt Zooplusanteil

Der Medienkonzern verringerte seinen Anteil auf knapp 19 Prozent, wie Zooplus mitteilte. "Für uns ist das erfreulich", sagte Zooplus-Finanzvorstand Andreas Grandinger der Nachrichtenagentur Reuters. Das stärke den Streubesitz und die Liquidität der Aktie. Das Papier legte mehr als sieben Prozent zu und war größter Gewinner im SDax. Im Februar, als Burda noch gut 30 Prozent der Aktien hielt, hatte Digitalvorstand Stefan Winners im Reuters-Interview einen Ausstieg angekündigt.

Samsung macht auf Optimismus

Samsung GDR: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
863,46
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-1,49%

Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung rechnet für das erste Quartal damit, dass das operative Ergebnis um mehr als 30 Prozent auf 5,9 Billionen Won (5,4 Milliarden Dollar) zurückgeht. Dennoch wäre es das höchste Ergebnis seit Mitte 2014. Analysten hatten nur mit 5,3 Billionen Won gerechnet.

Vivendi will Dailymotion

Der französische Medienkonzern Vivendi hat ein Angebot für die Videoplattform Dailymotion vorgelegt. Nach Informationen der Tageszeitung "Le Monde" soll die Offerte 250 Millionen Euro für praktisch die gesamte Plattform betragen. Mit dem Angebot soll sich nun die Muttergesellschaft von Dailymotion, France Télécom-Orange, befassen. Dabei redet indirekt auch die französische Regierung mit, die 27 Prozent der Anteile am Mutterkonzern hält. Der US-Konzern Yahoo wollte Dailymotion bereits vor zwei Jahren zu 75 Prozent übernehmen, war aber am Widerspruch der französischen Regierung gescheitert.

Kanada verkauft GM-Anteil

Die Papiere von General Motors fallen. Kanada hatte angekündigt, sich von seinen restlichen GM-Anteilen zu trennen. 73,4 Millionen GM-Aktien gehen in den Besitz von Goldman Sachs über. Einen Preis nannte die kanadische Regierung nicht. Sie war bei der Rettung des Autobauers mit Milliarden eingesprungen.

ts

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"