Anleger in Wartestellung

Stand: 09.10.2009, 20:00 Uhr

Vor der großen Zahlenflut in der kommenden Woche haben die Anleger heute eine Pause eingelegt. Der Dax kann die Marke von 5.700 Punkten aber verteidigen. Und auf Wochensicht legt der Leitindex sogar 4,5 Prozent zu. Wie es weitergeht an den Märkten hängt nun entscheidend von den US-Banken.ab.

Mit JP Morgan, Citigroup, Goldman Sachs und der Bank of America werden in der kommenden die wichtigsten US-Geldinstitute ihre neuesten Zahlen präsentieren. Auch andere Großkonzerne öffnen ihre Bücher, zudem gibt es neue Konjunkturdaten. Die Anleger erwarten also jede Menge neue Impulse, die an der Börse wieder für Bewegung sorgen dürften. Heute dagegen bleiben die meisten Investoren erst einmal in Deckung. Der Dax beendet den Abendhandel nahezu unverändert bei 5.710.

Die New Yorker Börse notiert dagegen bei Handelsschluss in Deutschland leicht im Plus, gut 40 Punkte höher als gestern bei 9.828. Beflügelt wird die Wall Street vom Ölkonzern Chevro, der wegen der gestiegenen Ölpreise wieder höhere Erträge erwartet. Zudem stufte ein Finanzhaus die Titel des Blackberry-Herstellers Research In Motion (RIM) hoch. Dies habe die Technologiewerte insgesamt gestützt, betonten Händler. Unbeeindruckt zeigten sich die Anleger allerdings von dem US-Handelsbilanzdefizit, das etwas geringer ausgefallen ist als erwartet.

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz betrachtet die Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten weiter mit Skepsis. Zur Schaffung neuer Arbeitsplätze würden in den USA Wachstumsraten von drei bis 3,5 Prozent gebraucht, die Prognosen für 2009 und 2010 lägen aber nur bei etwa einem Prozent. Deshalb werde die Arbeitslosigkeit weiter steigen, sagte. Stiglitz befürchtet gar, dass die USA in eine "japanische Malaise" verfallen könnten, in Anspielung auf die lange Stagnation der japanischen Wirtschaft.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Heideldruck bleibt in der Krise
Der angeschlagene Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck sieht kein Ende der Durststrecke. Nach einer Umsatzstagnation im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 sei auch in den kommenden Quartalen nicht mit einer Belebung zu rechnen, teilte die Firma am Abend mit. Das Auftrags- und Umsatzniveau werde sich nicht wesentlich erhöhen und damit unter den eigenen Erwartungen liegen. Der Vorstand erwartet einen Vorsteuerverlust von 110 Millionen bis 150 Millionen Euro.

Salzgitter unter Druck Verlierer
Salzgitter gehören heute zu den größten Verlierern im Dax. Grund sind erneut aufgekommene Spekulationen, der Stahlkonzern könne seinen Anteil an der Kupferhütte Aurubis erhöhen.

Bayer beendet Kurzarbeit
Bayer beendet die krisenbedingte Arbeitszeitverkürzung bei seiner Kunststoff-Tochter in Deutschland. Bayer Materialscience (BMS) kehre am ersten November an seinen deutschen Standorten zur normalen tariflichen Arbeitszeit von 37,5 Wochenstunden zurück, teilte der Konzern am Nachmittag mit. Mit der normalen Arbeitszeit werden die Tarifentgelte von rund 4.100 Beschäftigten wieder auf das reguläre Niveau angehoben. Grund für die Aufhebung der Sondermaßnahme sei eine derzeit verbesserte Auftragslage. Die Aktie verharrt dennoch im Minus.

K+S fallen
Der Aufwärtstrend der K+S-Aktie wird heute wieder einmal jäh unterbrochen. Grund sind Spekulationen über sinkende Kalipreise bei den Lieferungen nach China. Statt den zuletzt gezahlten 460 Dollar je Tonne würden nur noch 340 bis 350 Dollar erzielt. "Das ist deutlich unter dem Preis, der zuletzt mit Indien vereinbart wurde und erhöht damit die Sorge vor dem anhaltenden Preisdruck am Markt", sagte ein Marktbeobachter.

Lufthansa bleibt pessimistisch

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dank der jüngsten Übernahmen hat die Lufthansa im September mehr Fluggäste befördert als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Passagiere stieg um ein Viertel auf knapp acht Millionen. Die verkaufte Flugstrecke stieg um 14,6 Prozent, während die Auslastung der Flugzeuge konzernweit bei 80,2 Prozent konstant blieb. Dennoch stellt sich die Airline in den bevorstehenden Wintermonaten auf eine schwache Nachfrage ein und dünnt ihren Flugplan aus.

Auch DWS ist mit VW unzufrieden
Nach einem norwegischen Pensionsfonds hat auch die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, mehr Transparenz von der Führungsriege des Volkswagen-Konzerns gefordert. "Management und Aufsichtsrat tun gut daran, Vermutungen über einen Interessenskonflikt rasch mit Fakten aus dem Weg zu räumen", sagte DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt dem Handelsblatt."Denn natürlich legt ein solcher Deal den Vorwurf nahe, dass es Interessenkonflikte zwischen den Porsche-Familien als VW-Großaktionär sowie den freien Minderheitsaktionären geben könnte", ergänzte er.

Tognum konzentriert sich

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Großmotorenhersteller Tognum verkauft seine Produktion von Gelenkwellen an den ostdeutschen Autozulieferer IFA. Tognum will sich für fünf Jahre mit 25 Prozent an dem Unternehmen beteiligen, in dem die Gelenkwellen-Produktion von Ifa und Tognum gebündelt wird, und dann ganz aussteigen. Mit dem Verkauf will sich das MDax-Unternehmen ganz auf das Geschäft mit großen Dieselmotoren und Notstromaggregaten konzentrieren.

Daimler leidet unter LKW-Schwäche
Der Autokonzern Daimler bereitet sich in den USA auf eine lange Flaute auf dem Lkw-Markt vor. "Wir haben den Boden jetzt erreicht", sagte Spartenchef Martin Daum der "Financial Times Deutschland". Von einer Erholung sei man aber noch weit entfernt. Außerdem hat die Societe Generale die Titel von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 31 auf 40 Euro angehoben.

MAN sieht noch keine Trendwende
Auch der Chef des Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzerns MAN, Hakan Samuelsson, sieht noch keine Erholung der Branche. Auf eine Verbesserung müsse man leider noch warten, sagte der Manager in einem Gespräch mit der "Financial Times". Die Branche erlebt zurzeit eine Bodenbildung auf niedrigem Niveau. Der Absatz werde wohl erst im kommenden Jahr wieder zulegen.

Leoni wird zuversichtlicher
Klaus Probst, Chef des Autozulieferers Leoni sieht dagegen einen Silberstreif am Horizont. Leoni sei besser unterwegs als bislang gedacht, sagte er der Börsen-Zeitung. So dürfte der Umsatz im Gesamtjahr am oberen Ende der erwarteten Spanne liegen und der Nettoverlust könnte geringer als bislang befürchtet ausfallen. Auch für 2010 ist der Manager sehr zuversichtlich.

Douglas mit neuem Großaktionär
Die Schweizer Bank Sarasin hat sich mit knapp elf Prozent am Handelskonzern Douglas beteiligt. Man wolle mit seiner Beteiligung Handelsgewinne erzielen, aber keinen Einfluss auf die Besetzung von Posten im Aufsichtsrat nehmen, teilte Sarasin mit. Zumindest am Freitag halten sich die Handelsgewinne in Grenzen.

Stada profitiert von Merrill
Kräftig nach oben geht es für die Stada-Aktie. Die Analysten von Merrill Lynch haben den Wert zum Kauf empfohlen und ein Kursziel von 24 Euro ausgegeben. Das Generikageschäft dürfte den Tiefpunkt hinter sich haben und in Deutschland ab 2010 wieder wachsen, schrieb der zuständige Analyst. Außerdem wurden das Russlandgeschäft und mögliche weitere Kostensenkungen hervorgehoben.

Hornbach im SDax
An ihrem ersten Handelstag im SDax verliert die Aktie der Hornbach Holding AG mehr als zwei Prozent. Der Obergesellschaft der Baumarktkette Hornbach ersetzt die Hypo Real Estate, die in Kürze verstaatlicht wird

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr