Marktbericht 20:10 Uhr

Dax erreicht neues Rekordhoch Anleger in Sektlaune

Stand: 05.12.2014, 20:10 Uhr

Waren die Investoren gestern noch angesichts einer zögerlichen EZB enttäuscht, haben sie heute dafür um so mutiger zugegriffen. Der Dax erklimmt ein neues Rekordniveau. Weiter abwärts geht es dagegen mit dem Euro.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Vor allem im späten Geschäft gaben die Anleger vor dem Wochenende nochmal richtig Gas. Am Ende schloss der Dax bei 10.087 Punkten nur ganz knapp unter seinem Tageshoch bei 10.093 Zählern. Das war ein Wochengewinn von 1,1 Prozent.

Der Tagesgewinn lag bei satten 2,4 Prozent und damit rund doppelt so viel, wie der Index gestern verloren hatte. Der Dax hat damit die Nachwehen von gestern hinter sich gelassen, nachdem die EZB den Einstieg in den Kauf von Staatsanleihen zunächst verschoben hatte. Im Späthandel gaben die Kurse nach, der L/E-Dax schloss bei 10.064 Punkten.

US-Arbeitsmarktdaten überraschend stark

Richtig in die Gänge kam der deutsche Leitindex nach den überraschend gut ausgefallenen amerikanischen Arbeitsmarktdaten für den November.

Diese lagen mit einem Beschäftigungszuwachs von 321.000 Stellen deutlich höher als die prognostizierten 230.000 neuen Arbeitsplätze. "Die Erholung am US-Arbeitsmarkt setzt sich mit hoher Dynamik fort und sie unterstreicht die robuste Konjunkturentwicklung in den USA", kommentiert Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Neue Rekorde an der Wall Street

Auch an der Wall Street steigen die Kurse. Wie zuletzt sind die Ausschläge aber bei weitem nicht so hoch wie in Frankfurt. Trotzdem, sowohl der Leitindex Dow Jones mit bisher 17.991 Punkten als auch der breiter gefasste S&P-500-Index bei 2079 Punkten haben neue Rekordstände erreicht. Beim Dow bleibt damit die 18.000-Punkte-Marke in enger Reichweite. An der Technologiebörse Nasdaq legt der Composite-Index aktuell 0,3 Prozent zu und bewegt sich damit im selben Rahmen wie die Standardwerteindizes.

Deutsche Industrie beschleunigt

Gute Fundamentaldaten kamen am Morgen auch aus Deutschland. Der Auftragseingang der Industrie ist im Oktober erheblich stärker gestiegen als erwartet. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Bestellungen saison- und arbeitstäglich bereinigt 2,5 Prozent höher als im Vormonat. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet. Auch im Vormonat fiel der Anstieg stärker aus als zunächst gemeldet. Grund für die positive Überraschung waren vor allem viele Aufträge aus dem Inland.

Rating-Agentur mit Lob und Tadel

Besser sieht es auch für das einstige Eurokrisenland Irland aus. Die Ratingagentur Standard and Poor`s stufte die Bonität des Landes von A- auf A um eine Stufe hoch. Für Italien können sich die Analysten jedoch wenig erwärmen. Die Kreditwürdigkeit wurde von S&P von BBB auf BBB- gesetzt - damit ist Italien nur noch eine Stufe vom Ramsch-Niveau entfernt. Die S&P-Experten sehen in Italien "wiederkehrende Schwächen" bei der konjunkturellen Entwicklung. Außerdem habe die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im internationalen Wettbewerb nachgelassen. Für beide Länder ist der Ausblick stabil, so dass kurzfristig nicht mit weiteren Änderungen zu rechnen ist.

Euro und Öl auf Talfahrt

Die guten Fundamentaldaten aus Deutschland haben dem Euro hingegen nicht geholfen. Im Gegenteil, die Gemeinschaftswährung gab schon bis zum Mittag ihre Gewinne vom Vortag wieder ab. Der gestrige Kursanstieg war bei Experten sowieso auf wenig Verständnis gestoßen. Schließlich habe EZB-Chef Mario Draghi die Tür für eine sogenannte quantitative Lockerung weit auf gemacht, meint Lutz Karpowitz von der Commerzbank.

Von den US-Arbeitsmarktdaten hat sich der Euro jedenfalls bisher nicht mehr erholt. Er sackt weiter kräftig durch und behauptet nur mit Mühe die Marke von 1,23 Dollar. Das ist fast ein ganzer Cent weniger als am Vortag.

Der Ölpreis ist derweil nach einer weiteren Preissenkung des weltgrößten Förderers Saudi-Arabien weiter auf dem Rückzug. Die Nordseesorte Brent kostete am Mittag 69,14 Dollar, rund 50 Cents weniger als am Vortag.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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"Der Kampf um mehr Marktanteile scheint sich zu verschärfen, nachdem Saudi-Arabien Rabatte verkündet hatte", kommentierte Rohstoffanalyst Michael Poulsen vom Versicherungsunternehmen Global Risk Management. Experten erwarten daher, dass sich der Preis so schnell nicht wieder erholen wird.

Continental an der Dax-Spitze

Im Dax gab es bis auf Lanxess nur Gewinner. Tagessieger waren ohne neue Nachrichten Continental mit einem Plus von gut vier Prozent. Insgesamt gingen die Gewinne quer durch alle Branchen. Daimler legte nach guten Absatzzahlen ebenfalls kräftig zu. "Bereits im November haben wir den Gesamtabsatz des Vorjahres übertroffen", sagte Vertriebsvorstand Ola Källenius. Damit werde 2014 ein Rekordjahr für Mercedes-Benz.

Stark heute auch Deutsche Bank, die 3,65 Prozent vorrückten und hinter Conti auf Platz zwei der Siegerlsite standen. Im späten Geschäft schoben sich auch noch RWE nach vorne.

Merck kommt bei Sigma-Aldrich voran

Die Aktionäre des amerikanischen Laborausrüsters haben dem Verkauf an die Merck KGaA auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zugestimmt. 78 Prozent votierten dafür, erklärte Merck am Freitag. Die Übernahme kostet die Darmstädter 13 Milliarden Euro und ist damit der größte Zukauf der Unternehmensgeschichte. Abgeschlossen sein soll das Geschäft Mitte 2015. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Neue Gesichter im Linde-Vorstand

Der Aufsichtsrat hat Christian Bruch (49) und Bernd Eulitz (44) zum 1. Januar 2015 in den Vorstand berufen. Sie folgen auf Aldo Belloni, der in den Ruhestand tritt. Aufsichtsratschef Manfred Schneider würdigte die Verdienste Bellonis, der seit 1980 dem Unternehmen angehört. Bruch übernimmt von Belloni die Engineering Division. Eulitz wird zukünftig für das Gasgeschäft im Segment EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) zuständig sein.

Frank Appel hat ein Herz für Kinder

Der Chef der Deutschen Post ist angesäuert angesichts der Tatsache, dass es am Freitag nahezu flächendeckend Betriebsversammlungen in den mehr als 30 Paketzentren des Unternehmens gibt. "Mich wundert schon, dass man ausgerechnet vor dem Nikolaustag, an dem alle Kinder auf ihre Geschenke warten, eine Betriebsversammlung abhält", sagte Appel der Zeitung "Tagesspiegel". Hintergrund des Unmutes bei den Beschäftigten ist die hohe Quote befristeter Arbeitsverhältnisse im Unternehmen. Diese wird von der Gewerkschaft Verdi kritisiert.

VW-Bank in China auf Wachstumskurs

Die Wolfsburger berichten über ein stark wachsendes Bank- und Leasinggeschäft in China. Denn immer mehr Chinesen kaufen ihre Autos bei VW auf Pump, in diesem Jahr rund 400.000. Das sind fast drei Viertel mehr als im Vorjahr.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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"Die Entwicklungsschritte, die der Markt in China nimmt, sind rasant", sagte Spartenchef Frank Witter am Donnerstagabend in Hannover. Bevorzugte Zahlungsmethode im Reich der Mitte ist aber immer noch die Barzahlung. Lediglich rund 30 Prozent finanzieren ihren Autokauf, in Deutschland sind es 75, in den USA sogar 90 Prozent.

Telekom-Werte gefragt

Aktien von Drillisch und United Internet gehörten nach einer positiven Branchenstudie von Goldman Sachs zu den größten Gewinnern im TecDax. Das Mobilfunkgeschäft werde sich in Deutschland erholen. Davon dürften demnach vor allem die Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz profitieren - allen voran Drillisch und United Internet.

Bei Drillisch setzte Goldman ein Kursziel von 40 Euro. Das Unternehmen bewege sich nach dem Kauf des Anbieters Yourfone von Telefonica Deutschland in neuen Sphären.

United-Internet-Aktien stiegen mit dem Kursplus auf ein Allzeithoch. Der Konzern ist damit an der Börse mit rund 7,5 Milliarden Euro bewertet und damit mehr als so manches im Dax notierte Unternehmen. Goldman hat das Kursziel von 40 auf 49 Euro erhöht.

Leoni: Neuer Chef kommt gut an

Der Chefwechsel mit Autozulieferer Leoni wird von der Börse positiv aufgenommen. Die Aktiue legte ...Prozent zu und war damit mit Abstand größter Gewinner im MDax. Der bisherige Finanzvorstand Dieter Bellé soll sein Amt im Mai 2015 antreten und damit dem amtierenden Vorstandschef Klaus Probst nachfolgen. "Wir begrüßen diese Entscheidung als ein Zeichen der Kontinuität in der Unternehmensführung", schrieb DZ-Bank-Analyst Michael Punzet in einer Studie.

Comdirect-Chef verlässt die Bank

Auch der Chef der Commerzbank-Tochter räumt seinen Stuhl. Der seit dem Jahr 2010 amtierende Thorsten Reitmeyer wird die Direktbank aber bereits zum Jahresende verlassen, teilte das Institut am Nachmittag mit. "Hintergrund ist ein Wechsel auf eigenen Wunsch mit Blick auf veränderte berufliche Perspektiven", hieß es weiter. Über einen Nachfolger solle kurzfristig entschieden werden. Die Aktie reagiert kaum. 18,87 Prozent der Aktien sind im Streubesitz, der Rest gehört der Commerzbank. Die Comdirect agiert erfolgreich am Markt und schreibt schwarze Zahlen.

Kuka fällt in Ungnade

Die Aktien des Roboterbauers Kuka setzen ihre Talfahrt auch am Freitag fort, konnten sich allerdings im späten Geschäft von ihren Tiefstkursen lösen. Das Bankhaus Lampe hat die Papiere von "Halten" auf "Verkaufen" abgestuft. Der Einstieg des Großaktionärs Voith, der seine gut 25-prozentige Beteiligung wohl nicht weiter aufstocken wolle, dürfte Übernahmespekulationen den Nährboden entziehen, hieß es. Zudem sei der Wert hoch bewertet.

Bieterkampf um Club Med

Im Kampf um den französischen Reiseanbieter hat der italienische Investor und Wirtschaftsmagnat Andrea Bonomi sein Angebot auf 24 Euro je Anteilsschein aufgestockt. Er bietet damit 0,50 Euro mehr als der chinesische Milliardär Guo mit seinem Mischkonzern Fosun.

Guo hatte im Mai mit 17 Euro je Aktie den Anfang gemacht, mittlerweile ist es die siebte Erhöhung. Einen solchen Bieterstreit hat es in Frankreich bisher noch nicht gegeben. Beide Bieter waren bei Club Mediteterranee zuletzt mit je einem Fünftel beteiligt. Der Handel war an der Pariser Börse kurzzeitig ausgestezt. Die französische Börsenaufsicht hatte Bonomi bis zum 17. Dezember Zeit gegeben, um auf die jüngste Offerte von Guo zu antworten.

Starbucks hat große Pläne

Nach dem Ende des regulären Börsenhandels in den USA meldete sich die Kaffeehauskette Starbucks zu Wort. Der Konzern will den Umsatz außerhalb des Kerngeschäfts mit Kaffee kräftig steigern. Dabei hat Starbucks Produkte wie Snacks, Bier und Wein im Visier. Bis zum Jahr 2019 will Starbucks seinen jährlichen Umsatz um fast 90 Prozent auf 30 Milliarden Dollar ausbauen und die Anzahl der Filialen von 21.000 auf 30.000 erhöhen. Die Starbucks-Aktie reagierte mit Kursgewinnen im nachbörslichen Handel.

Jamie Dimon hat den Krebs überwunden

JPMorgan Chase: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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JPMorgan-Chef Jamie Dimon erklärte am Freitag, dass jüngste medizinische Tests keinen Hinweis mehr auf eine Erkrankung geben würden. Dimon hatte im Juli bekanntgegeben, dass er an Kehlkopfkrebs leide. Er gehört zu den wichtigsten Köpfen der amerikanischen Bankenbranche und der Wall Street. Die Ungewissheit um seine Gesundheit hatte zuletzt auch immer wieder die Aktie der im Dow-Jones-Index enthaltenen US-Großbank belastet. Die Investoren sind nun erleichtert, das Papier steigt in New York derzeit über zwei Prozent.

rm

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr