Anleger in Angst

Stand: 10.04.2012, 20:05 Uhr

Die Korrektur an den Aktienmärkten geht auch nach Ostern weiter. Der Dax musste am Dienstag weitere herbe Rückschläge hinnehmen. Sorgen um die Konjunktur und um ein erneutes Aufflammen der Euro-Krise lähmten die Anleger.

Keine günstige Gemengelage für die Aktienmärkte. Schwache US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag hallten auf dem Parkett auch am Dienstag noch nach und sorgten für Befürchtungen, die US-Wirtschaft könne lahmen. Am Dienstag überraschten geringe Wachstumsraten beim Import Chinas negativ.

Euro-Krise reloaded?

Nicht zuletzt sorgten auch steigende Risikoaufschläge bei spanischen und italienischen Staatsanleihen für Sorgen, die Euro-Schuldenkrise könne bald in die nächste Runde gehen.

Die US-Aktienindizes kamen am Abend deutscher Zeit weiter ins Rutschen. Den Late-Dax zogen sie unter die Marke von 6.600 Punkten, der Xetra-Handel hatte noch knapp über dieser geschlossen.

Alcoa läutet Zahlenreigen ein

Vor der Eröffnung der Berichtssaison zum ersten Quartal 2012 durch den Aluminium-Konzern Alcoa wollten sich Investoren nicht aus der Deckung wagen. Nicht nur an den Aktienmärkten kamen am Dienstag die Notierungen unter Druck. Auch die Ölpreise sanken weiter. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich um mehr als zwei Dollar auf rund 121 Dollar.

Yahoo setzt auf Bewährtes

Am Nachmittag stellte in den USA der Internet-Konzern Yahoo eine neue Strategie zur Neuausrichtung vor. Yahoo will sein Kerngeschäft der Internet-Suche starken und sich dabei gegen die Konkurrenz aus Google und Facebook zur Wehr setzen. Die Yahoo-Aktie konnte von den Aussagen nicht profitieren.

Sony mit Mega-Miesen

Technologiewerte hatten am Dienstag ohnehin einen schwachen Stand. Dafür sorgten desaströse Zahlen des Elektronik-Herstellers Sony, der im abgelaufenen Geschäftsjahr umgerechnet fast fünf Milliarden Euro Verlust gemacht hatte. Auch blendende Zahlen des koreanischen Konkurrenten Samsung konnten an der Branchenstimmung wenig ändern. Das bekam auch die Infineon-Aktie im Dax zu spüren, die mit 4,5 Prozent Verlust einer der schwächsten Werte war.

Finanzaktien im Stress

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,08
Differenz relativ
-1,40%

Noch deutlicher unter Druck kam aber die Commerzbank-Aktie, die fast sechs Prozent verlor und stellvertretend für die deutlich verschlechterte Stimmung im Banken- und Finanzsektor stand.

Autotitel auf Verliererstraße

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%

Im Dax konnten sich nur defensive Werte aus der Konsum- und Pharmabranche wie Henkel oder Beiersdorf mit kleineren Verlusten aus dem Handelstag retten. Trotz guter Absatzzahlen von BMW in China kamen die Autoaktien ebenfalls deutlich unter die Räder. Spitzenverlierer war hier die Daimler-Aktie, die knapp fünf Prozent einbüßte.

SAP will Datenbank durchsetzen

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
91,70
Differenz relativ
-0,49%

Im Dax-Mittelfeld hielten sich Papiere des Software-Konzern SAP. Das Unternehmen gab am Abend in San Francisco bekannt, man wolle den Absatz der neuen Datenbank Hana durch finanzielle Anreize für Kunden ankurbeln. Dazu soll ein 337 Millionen Dollar schwerer Fonds eingerichtet werden.

Siemens hofft auf Osram-IPO

Auch Aktien des Elektrokonzerns verbuchten am Dienstag Verluste. Siemens-Finanzchef Joe Kaeser hatte sich in einem Interview mit dem Magazin "Euro am Sonntag" zu Wort gemeldet. Darin hatte er gesagt, er könne sich den Herbst als "Zeitfenster" für den Börsengang der Lichttochter Osram vorstellen.

SGL-Manager kaufen SGL

Klar im Plus behaupten konnte sich im MDax nur das Papier des Kohlenstoff-Spezialisten SGL Group. Anleger reagierten positiv auf die Aktienkäufe des Managements. Alle fünf Vorstände haben Papiere des Unternehmens im Wert von insgesamt 1,75 Millionen Euro gekauft.

Bilfinger setzt auf Windkraft

Um zwei Prozent tiefer schloss dagegen die Aktie des zweitgrößten deutschen Baukonzerns BilfingerBerger. Das Unternehmen will im Rahmen eines Gemeinschaftsunternehmens Stahlfundamente für Offshore-windkraftanlagen produzieren.

Drillisch-Margen machen Laune

An der TecDax-Spitze rangierte die Drillisch-Aktie. Die WestLB hat den Wert von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und ein Kursziel von 10,90 Euro gesetzt. Das bessere Anlageurteil begründeten die Analysten mit der Erwartung höherer Umsätze und steigender Gewinnmargen wegen eines höheren Anteils von Vertragskunden.

Nordex mit China-Brise

Die Aktie des Windkraft-Spezialisten Nordex konnte sich dem fallenden Markt am Dienstag nicht entziehen. Das Unternehmen hat einen Auftrag aus China an Land gezogen. Dort will das Unternehmen Turbinen für einen 30-Megawatt-Park liefern.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"