Marktbericht 20:00 Uhr

Dax taucht ab Anleger im Krisenmodus

Stand: 10.07.2014, 14:50 Uhr

Ohne einen überragenden Konter am Freitag wird der Dax diese Woche wohl mit einem Minus beenden. Die Sorge um Portugals Banken belastet die Stimmung. Auch die Konjunktur in Asien und in Europa läuft nicht so wie erhofft. Für Gold-Fans gibt es aber Grund zu jubeln.

Zeitweise hatte der Dax rund zwei Prozent im Minus gelegen, bei Handelsende sah es immerhin etwas besser aus. Der deutsche Leitindex schloss bei deutlich überdurchschnittlichen Umsätzen mit einem Minus von 1,5 Prozent auf 9.659,13 Zählern. Das ist der niedrigste Schlusskurs seit dem 20. Mai. Immerhin rund 350 Punkte hat der Dax seit dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag eingebüßt.

"Die Gründe für diese überfällige Korrektur sind vielfältig und lassen sich ohne Schwierigkeiten ins Feld führen", fasst Jens Klatt, Experte bei DailyFX, die Lage zusammen. "Schwache Daten zur Industrieproduktion aus Frankreich und Italien, in Japan enttäuschten die Maschinenaufträge, die möglicherweise Zweifel an der Wirksamkeit der ultralockeren Geldpolitik der BoJ aufkeimen lassen."

Hinzu hätte sich laut Klatt die drohende Eskalation im Nahen Osten gesellt. "Und dass die Fed in ihrem Sitzungsprotokoll weiter Risiken am Arbeitsmarkt sieht und dennoch plant ihre Anleiheaufkäufe im Oktober auf Null zurückzufahren", so seine Analyse.

Gold sehr gefragt

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Außerdem wiegt noch die Krise der portugiesischen Bank Espirito Santo schwer auf den Märkten. "Die Situation in Portugal hat das Potenzial, das ganze europäische Bankensystem wieder schwer ins Wanken zu bringen", sagten die Experten vom Broker ETX Capital. "Die Angst vor einem neuen Ausbruch der Schuldenkrise in Europa geht um", sagte ein anderer Marktteilnehmer. In dieser Lage ist natürlich Sicherheit Trumpf, deshalb ist insbesondere Gold heute gefragt gewesen.

Auch andere europäische Indizes gaben nach. Der EuroStoxx 50 ging mit minus 1,6 Prozent auf 3.150,59 Punkte aus dem Handel und weitete damit seine jüngste Korrektur aus. Der französische CAC 40 schloss 1,3 Prozent tiefer bei 4301,26 Punkten. Der Londoner FTSE 100 verlor 0,7 Prozent auf 6. 672,37 Punkte. Am Abend gab der Dow Jones 0,3 Prozent auf 16.936 Punkte nach. Der Late Dax verlor 1,3 Prozent auf 9.686,73 Punkte.

Schwacher Tag für Lufthansa

Die Lufthansa-Aktie fiel ans Dax-Ende, nachdem die Papiere zur Wochenmitte noch von Plänen für neue Billigangebote profitiert hatten. Ein Händler sah einen Grund für die erneute Kursschwäche dann auch in womöglich doch etwas verfehlten Erwartungen bei der neuen Strategie. Investoren hätten sich eventuell mehr erhofft, insbesondere konkretere Zahlen. Vor rund einem Monat hatte die Airline ihre Aktien mit gesenkten Unternehmensprognosen auf Talfahrt geschickt. Die Titel stehen seither unter Druck und haben mittlerweile mehr als ein Viertel ihres Wertes eingebüßt.

Auch Commerzbank zählten zu den größten Verlierern nach Gerüchten über eine möglicherweise höhere Strafe in Amerika als zunächst gedacht. Im Gespräch sind nun bis zu 800 Millionen Dollar. Kein Titel schaffte es in die Gewinnzone.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Airbus vor neuem Großauftrag

Der Flugzeugbauer Airbus kann sich nach Berichten beteiligter Kreise über einen neuen Großauftrag freuen. Die größte indische Fluglinie IndiGo will danach 200 Maschinen des Verkaufsschlagers A320neo kaufen - der Auftrag hätte einen Listenwert von 20,6 Milliarden Dollar, Preisabschläge sind aber üblich. Das Geschäft könnte bereits auf der anstehenden Luftfahrtschau im irischen Farnborough perfekt gemacht werden.

Der Konkurrent Boeing rechnet in den kommenden zwei Jahrzehnten mit einer stärker wachsenden Nachfrage nach neuen Verkehrsmaschinen. In den Jahren 2014 bis 2033 dürften 36.770 neue Passagier- und Frachtjets benötigt werden, berichtete Boeing. Insgesamt kämen die Maschinen auf einen Wert von 5,2 Billionen US-Dollar (3,8 Billionen Euro). Vor einem Jahr hatte der US-Rivale des europäischen Flugzeugbauers Airbus für die folgenden beiden Dekaden noch einen Bedarf von 35.280 Maschinen für 4,8 Billionen Dollar vorausgesagt.

Boeing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Großauftrag für MTU

Der Triebwerksbauer MTU Aero Engines hat einen Großauftrag an Land gezogen. Das Unternehmen werde sich am Triebwerk GE9X von General Electric (GE) beteiligen, teilte MTU mit. Der MDax-Konzern werde das Turbinen-Zwischengehäuse für das Langstreckenflugzeug 777X von Boeing fertigen. MTU übernehme einen Programmanteil von vier Prozent. Für die MTU bedeute der Einstieg über die gesamte Programmlaufzeit einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro.

Gerresheimer bestätigt Prognose

Das Papier des Verpackungsspezialisten aus dem MDax tendierte nach einem gut aufgenommenen Zahlenwerk gegen den Gesamtmarkt besser und führte den Index an. Gerresheimer hat im ersten Halbjahr Umsatz und Ergebnis gesteigert, gleichzeitig bestätigte Firmenchef Uwe Röhrhoff die Jahresprognose.

Gewinneinbruch bei Südzucker

Das ebenfalls im MDax notierte Unternehmen vermeldet für sein erstes Geschäftsquartal eine Halbierung des operativen Ergebnisses auf 96 Millionen Euro. Der Umsatz mit Zucker, Fruchtzubereitungen, Fertigessen oder Bioethanol sank gegenüber dem Vorjahresquartal um zehn Prozent auf 1,77 Milliarden Euro. Der Umsatz habe zwar unter den Erwartungen gelegen, die Gewinne seien dagegen besser ausgefallen, sagte ein Händler.

Fraport auf Expansionskurs

Der Flughafenbetreiber Fraport verzeichnete im Juni ein Passagierplus von 3,4 Prozent auf knapp 5,6 Millionen Reisende. Im ersten Halbjahr lag der Zuwachs bei 2,4 Prozent auf fast 27,8 Millionen Fluggäste. Im Gesamtjahr soll das Plus bei drei Prozent liegen. Das Frachtaufkommen ist im Juni hingegen um 3,8 Prozent gesunken.

Kritische Analyse drückt Wincor

Aktien von Wincor Nixdorf gehörten zu den schwächsten Werten im MDax. Analyst Stefan Augustin von Kepler Cheuvreux hält die Erwartungen für das zweite Geschäftshalbjahr für zu ambitioniert. Der Hersteller von Geldautomaten und Kassensystemen müsse nun wohl die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr senken. Bereits im Mai hatte der Ausblick für das Ende September auslaufende Geschäftsjahr nach einem schwachen zweiten Quartal gewackelt, war aber noch bestätigt worden.

Orad erwartet Wachstum

Das im Prime Standard der Frankfurter Börse notierte israelische Unternhemn erwartet im laufenden Jahr ein kräftiges Umsatzwachstum zwischen 22 und 26 Prozent. Das würde zwischen 39 und 40 Millionen Dollar ergeben. Die Marge für das Betriebsergebnis (Ebit) soll dabei sechs bis acht Prozent erreichen. Im Vorjahr war sie noch negativ. Orad ist ein Hight-Tech-Spezialist für 3D-Technologie mit einer breiten Produktpalette.

Jetzt auch Raiffeisen International

Nach dem Branchenprimus Erste Group hat jetzt auch die österreichische Raiffeisen International Alarm geschlagen und die Erwartungen für das Geschäftsjahr zurückgenommen. Grund ist eine geplante Gesetzesänderung in Ungarn, die den Banken zusätzliche Kosten aufbürdet und zu einmaligen Belastungen wischen 120 und 160 Millionen Euro führen wird.

In Ungarn hatten sich viele Menschen vor der Finanzkrise vermeintlich günstige Fremdwährungskredite - etwa in Schweizer Franken - besorgt. Nun können sie diese wegen des Verfalls der heimischen Währung Forint jedoch nicht mehr zurückzahlen. Die Regierung will ihren Bürgern auf Kosten der Banken aus dieser Falle heraus helfen.

Gewinnwarnung bei Verbund

Ein zweites österreichisches Unternehmen macht negative Schlagzeilen: Für das laufende Jahr erwartet die Verbund AG nunmehr ein operatives Ergebnis (Ebitda) von rund 690 Millionen Euro. Bisher waren 850 Millionen Euro anvisiert worden. Das Konzernergebnis soll nunmehr bei 70 statt 150 Millionen Euro liegen. Als Grund führt das Unternehmen das schwierige Wettbewerbsumfeld, niedriger als erwartet liegende Wasservorräte sowie Kosten für Stilllegungsbeschlüsse diverser Kraftwerke an. Die im Auswahlindex ATX der Wiener Börse notierte Aktie gab deutlich nach.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
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