Anleger hoffen auf Lösung im Schuldenstreit

Stand: 21.10.2011, 19:58 Uhr

Im Wochenvergleich hat sich der Dax kaum von der Stelle bewegt. Doch kurz vor dem EU-Gipfel sorgt die Hoffnung auf einen Kompromiss im Streit zwischen Deutschland und Frankreich zur Reform des Euro-Rettungsschirms für kräftige Kursgewinne.

Dass der Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs an diesem Sonntag bereits zu einer Art Vorgipfel herabgestuft wurde, weil bei dem Treffen keine gravierende Entscheidung in Sachen Schuldenkrise zu erwarten ist, scheint die Anleger heute nicht zu interessieren. Ganz so als gäbe es bereits eine Einigung, schießt der Dax am Nachmittag um 3,5 Prozent in die Höhe auf 5.970 Punkte. Alle 30 Dax-Werte sind im Tagesverlauf auf die Gewinnerseite gewechselt und können zulegen. Auch im Abendhandel kommt es erneut zu überdurchschnittlichen Kursgewinnen.

Für Hoffnung auf eine Lösung der Schuldenkrise bis zum kommenden Mittwoch hatte vor allem Wolfgang Schäuble gesorgt. Er sagte: "Die Lage ist ernst, wir haben eine große Verantwortung."Er rechnet bis spätestens zum G20-Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer mit einem Lösungspaket. "Wir wissen alle, dass wir die notwendigen Entscheidungen für Europa vor dem G20-Gipfel in Cannes am 3. und 4. November abschließend zustande bringen müssen." Zudem wies Schäuble vor dem Treffen der 17 Finanzminister am Abend in Brüssel zurück, dass es Streit mit Frankreich gebe.

Zwar brauche man noch ein wenig Zeit, doch die Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und Frankreich in Sachen Hebel beim EFSF-Rettungsfonds seien nicht so gravierend, dass nicht doch ein Kompromiss gefunden werden könne, verlautete aus Berliner Regierungskreisen.

Hilfstranche wird ausgezahlt
Am Abend wurde zudem bekannt, dass die nächste Hilfstranche von acht Milliarden Euro an Griechenland bis Sonntag freigegeben wird. Fortschritte gab es nach den Angaben auch bei der Frage, wie kapitalschwache Banken ohne Pleite durch die Schuldenkrise gebracht werden können.

Geholfen hat den Märkten auch Aussagen der Ratingagentur Fitch, wonach sie keine Rating-Änderungen wegen des EU-Gipfels erwartet. "Die Veränderungen am Rettungsmechanismus EFSF würden das Rating von Frankreich nicht gefährden", sagte der Leiter der Abteilung Staatsanleihen, David Riley. Zudem würde eine starke EU-Lösung Italien und Spanien vor einer Herabstufung schützen. Dass Standard & Poor's am Morgen genau das Gegenteil verkündet hatte, interessiert die Anleger nun nicht mehr.

Auch in New York sorgte die Hoffnung auf eine Lösung der Euro-Schuldenkrise für steigende Kurse. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 1,4 Prozent, rund 160 Punkte, höher bei 11.700.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,64
Differenz relativ
-3,04%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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7,85
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-0,15%

Banken wieder ganz vorn
Bank- und Versicherungswerte wie Commerzbank- und Deutsche Bankprofitieren in diesem Zusammenhang natürlich am meisten von der Hoffnung auf einen Durchbruch in der Schuldenproblematik und sind deshalb die Spitzenreiter im Dax.

General Electric bleibt zuversichtlich
Der Mischkonzern General Electric hat so viele Bestellungen wie noch nie in den Büchern stehen. "Wir sind mit einem Rekord-Auftragsbestand von 191 Milliarden Dollar aus dem Quartal gegangen", sagte Konzernchef Jeff Immelt am Mittag. "Und wir bleiben zuversichtlich für unseren operativen Rahmen im Jahr 2011." Im dritten Quartal konnte GE seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf unterm Strich 2,3 Milliarden Dollar steigen. Der Sprung wäre sogar noch höher ausgefallen, hätte das Unternehmen nicht Finanzinvestor Warren Buffett seine milliardenschwere Finanzspritze aus Zeiten der Wirtschaftskrise zurückgezahlt.

Auch McDo spürt Krise nicht
Auch McDonald's hat im dritten Quartal bei Umsatz und Gewinn weiter zugelegt. Neben Burgern und Fritten kamen vor allem die Kaffee-Getränke und Fruchtsmoothies gut an. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 7,2 Milliarden US-Dollar. Ohne Neueröffnungen wuchs er um fünf Prozent. Der Überschuss verbesserte sich um neun Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Damit hat der Konzern die Erwartungen leicht übertroffen. McDonald's zeigte sich auch für das Geschäft im laufenden Monat zuversichtlich. Und die Anleger? Sie kaufen zu.

Merck rudert zurück
Enttäuscht reagieren die Anleger auf eine Entscheidung des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck, sämtliche Rechte an dem ehemaligen Hoffnungsträger, dem Parkinsonmittel Safinamid an Newron Pharmaceuticals zurückzugeben. Durch den Schritt rechnet Merck mit Sonderbelastungen von etwa 40 Millionen Euro.

MTU leidet unter Safran
Die Aktie des Münchner Turbinenherstellers MTU aus dem MDax verliert gegen den Trend gut zwei Prozent. Grund sind schlechte Nachrichten des französischen Rüstungskonzerns Safran. Die Franzosen hatten bei Vorlage ihrer Zahlen gemeldet, dass die Nachfrage nach Ersatzteilen für Flugzeuge in den bisherigen neun Monaten nur das untere Ende ihrer Zielspanne erreicht habe. Die Aktie von Safran fiel im Pariser Handel daraufhin um zwischenzeitlich bis zu 8,9 Prozent.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,72
Differenz relativ
-1,32%

Scania vor Holperstrecke
Der schwedische Lastwagenbauer Scania bereitet sich auf einen Abschwung vor. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit seien die Kunden bei Aufträgen zurückhaltender geworden und bestellten eher kurzfristig, berichtete Vorstandschef Leif Östling bei der Präsentation der Bilanz für das abgelaufene dritte Quartal. Vor allem im von der Schuldenkrise betroffenen Südeuropa habe sich die Nachfrage zuletzt abgeschwächt. Auch im Nahen Osten verliere das Geschäft an Schwung.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,37
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-0,36%

Daimlers US-Pläne begrüßt
Mit einem Zugewinn von 2,5 Prozent begrüßen die Anleger Pläne von Daimler, die Produktion in den USA auszubauen. Neben den Fahrzeugen der M-, GL- und R-Klasse sowie dem 2014 erwarteten Anlauf der C-Klasse soll ab 2015 ein weiteres, ganz neues Mercedes-Modell in Tuscaloosa vom Band laufen, wie das Unternehmen mitteilte. Daimler will daher 350 Millionen Dollar zusätzlich investieren.

Groupon plant mit einer halben Milliarde
Das Internet-Rabattportal Groupon rechnet bei seinem geplanten Börsengang mit Einnahmen von bis zu 540 Millionen Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Chicago will 30 Millionen Aktien für 16 bis 18 Dollar pro Stück an den Markt bringen, wie es heute veröffentlichten Antrag an die US-Börsenaufsicht hieß. Groupon hatte im Juni ein Volumen von bis zu 750 Millionen Dollar angemeldet. Der Zeitpunkt des Börsengangs ist offen.

Aixtron: Anleger gehen in Deckung
Die Aktien von Aixtron haben ihre Talfahrt fortgesetzt und rutschen ans TecDax-Ende. Zeitweise sackten die Papiere sogar bis auf 8,685 Euro ab und markierten damit ihren tiefsten Stand seit Juli 2009. Ein Händler machte dafür erneut die schwachen Vorgaben des US-Konkurrenten Cree verantwortlich. Dessen Papiere waren nach enttäuscht aufgenommenen Zahlen deutlich gefallen. Darüber hinaus hatten sich an den vergangenen Tagen mehrere Banken negativ zu den am 28. Oktober anstehenden Quartalszahlen von Aixtron geäußert.

Pon veröffentlicht Kaufangebot
Die Pon Holding hat heute die Angebotsunterlagen zum Übernahmeangebot sämtlicher Aktien des Fahrradherstellers er Derby Cycle veröffentlicht. Pon ist bereits im Besitz von 53,8 Prozent der Anteile von Derby Cycle. Die Annahmefrist des Übernahmeangebots beginnt heute und soll am 18. November 2011 enden. Der gebotene Kaufpreis beträgt 28,00 Euro je Derby Cycle Aktie.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr