Anleger hoffen auf gute deutsche Berichtssaison

Stand: 25.07.2011, 20:03 Uhr

Der Dax zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig. Weder Kursverluste an den europäischen Börsen und der Wall Street noch der US-Schuldenstreit konnten ihn zum Wochenbeginn bremsen. Die Hoffnung auf gute Quartalsergebnisse der deutschen Firmen trieb die Anleger an. Für Furore sorgte am Abend die Deutsche Bank.

Nach dem guten Auftakt der US-Berichtssaison hoffen die Anleger auf ähnlich gute Bilanzen der deutschen Konzerne. Die Deutsche Bank läutet am Dienstag die deutsche Quartalszahlenflut ein. Am Mittwoch folgen SAP, Merck und Daimler, und am Donnerstag veröffentlichen gleich acht Dax-Konzerne ihre Bilanzen. Die Vorfreude auf positive Überraschungen trieb zu Wochenbeginn den Dax um 0,25 Prozent in die Höhe auf 7.344 Punkte. Im späten Parketthandel ging es noch vier Zähler weiter nach oben. Damit setzt sich die Erholung fort. Seit fünf Tagen hat der deutsche Leitindex kontinuierlich zugelegt - um rund drei Prozent.

Dabei hatte es am Morgen noch nach einem verpatzten Wochenauftakt ausgesehen. Zu Handelsbeginn fiel der Dax um fast ein Prozent nach unten. Bis zum Mittag erholte er sich aber dann und drehte ins Plus. Die meisten anderen europäischen Börsen verzeichneten dagegen Kursverluste. Selbst die schwache Wall Street konnte den Dax nicht ausbremsen. Der Dow büßte bis zum Abend 0,3 Prozent ein.

Schuldenkrimi in den USA

Nach dem Drama um Griechenland hält nun der US-Schuldenstreit die Anleger in Atem. Sollten sich die beiden politischen Lager nicht einigen, damit bis zum 2. August ein Gesetz über die Anhebung der Schuldengrenze verabschiedet wird, droht den USA die Zahlungsunfähigkeit. Das ist ein unvorstellbares Szenario, das sich am Markt keiner wirklich ausmalen will, sagte ein Börsianer. Viele Marktteilnehmer geben aber doch davon aus, dass in letzter Minute noch eine Lösung gefunden wird.

Bevor nicht klar ist, was passiert, flüchten einige Anleger lieber in den sicheren Hafen Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um bis zu 1,5 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 1622,49 Dollar je Feinunze. Silber legte ähnlich stark auf 40,61 Dollar zu. Der Dollar fiel auf ein Rekordtief zum Schweizer Franken. Er notierte bei 0,8655 Franken. Für einen Euro bekamen Anleger 1,1555 Franken.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
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-0,05%

Deutsch-indisches Duo löst Ackermann ab
Im Blickpunkt stand am Abend die Deutsche Bank. Das führende deutsche Geldinstut gab nach Börsenschluss bekant, dass ab Mai 2012 der indische Investmentbanker Anshu Jain und der Deutschland-Chef Jürgen Fitschen als Duo die Deutsche Bank führen sollen. Die Entscheidung für die beiden fiel einstimmig. Der bisherige Chef, Josef Ackermann, räumt seinen Posten und soll an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln. Dafür nimmt der bisherige Aufsichtsratschef Clemens Börsig seinen Hut. Mit der Doppelspitze ist das wochenlange Gezerre um die Macht bei Deutschlands größter Bank entschieden. Am Dienstag legt die Deutsche Bank ihre Quartalszahlen vor.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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73,74
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Gerüchte treiben BMW
Ganz oben auf den Kaufzetteln im Dax standen Auto- und Industriewerte wie BMW, Linde, Henkel und BASF. Besonders begehrt waren die BMW-Titel. Sie sausten um fast drei Prozent nach oben und erreichten ein neues Rekordhoch von 73,50 Euro. Zeitweise gab es Gerüchte um eine Aufstockung der Anteile der Familie Quandt bei BMW auf über 50 Prozent. "Alles Quatsch", erklärte am Nachmittag ein Sprecher der Quandt-Familie. Darüber hinaus beflügelte eine Studie von JP Morgan die Papiere von BMW. Die Analysten hoben ihr Kursziel auf 94 Euro an von zuvor 88 Euro.

Vorschusslorbeeren für Daimler und MAN
Neben BMW erhöhten die JP-Morgan-Experten auch bei Daimler das Kursziel leicht auf 78 Euro. Zudem gab am Montagabend Daimler grünes Licht für die gemeinsame Übernahme des Motorenherstellers Tognum mit Rolls Royce. Die Daimler-Aktien legten ein Prozent zu. Ähnlich hohe Gewinne verzeichneten die Titel von MAN. Im Anlegermagazin "Platow Brief" wird spekuliert, dass der Nutzfahrzeugkonzern am kommenden Donnerstag seine Jahresprognose anheben könnte, wenn die Quartalszahlen vorgelegt werden.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Positive Studie beflügelt Bayer
Positive Studiendaten aus Japan gaben Bayer Auftrieb. Die Aktie stieg um gut 1,5 Prozent. Nach Angaben des Konzerns sei die Sicherheit von Xarelto bei japanischen Patienten mit Vorhofflimmern vergleichbar mit der Standardtherapie Warfarin. Xarelto gilt als einer der größten Hoffnungsträger von Bayer mit Blockbuster-Potenzial.

Griechenland und USA lasten auf Bankenwerten
Auf der Verkaufsliste standen dagegen zu Wochenbeginn die Finanzwerte. Die Commerzbank-Aktien waren mit einem Minus von vier Prozent Dax-Schlusslicht, die Papiere der Allianz und der Deutschen Bank verbilligten sich um gut ein Prozent. Als Gründe verweisen Händler auf den Schuldenstreit in den USA sowie eine weitere Herabstufung Griechenlands, Die Ratingagentur Moody's verschlechterte die Bonitätsnote des Landes um drei Stufen auf "Ca".

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Bahn kommt...mit RWE-Ökostrom
Der wegen seiner Atompolitik heftig in die Kritik geratene RWE-Konzern sorgte am Montag endlich mal wieder für positive Schlagzeilen. Die Essener liefern für 1,3 Milliarden Euro Ökostrom aus Wasserkraft an die Deutsche Bahn, die Ersatz für den wegfallenden Atomstrom benötigt. Dank RWE kann die Bahn ihren Anteil an erneuerbaren Energien von derzeit knapp 20 Prozent auf rund 28 Prozent ab 2014 steigern. Die RWE-Aktie schloss 0,4 Prozent niedriger.

Applaus für Leoni
Aus dem MDax ragte Leoni heraus. Die Aktie schoss um über fünf Prozent nach oben. Der Autozulieferer erzielte im zweiten Quartal mit rund 943 Millionen Euro Umsatz und etwa 67 Millionen Euro Ebit ein neues Rekordniveau. Angesichts der guten Entwicklung erhöhte der Kabel- und Bornetzspezialist seine Jahresprognose und stellt für 2011 einen Konzernumsatz von rund 3,6 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis (Ebit) von etwa 230 Millionen Euro in Aussicht. Zuletzt war ein Umsatz von 3,4 Milliarden Euro und ein Ebit von 210 Millionen Euro angepeilt worden.

Sky braucht keine Murdoch-Hilfe
Knapp ein Prozent büßten hingegen die Aktien von Sky ein. Sky-Finanzchef Steven Tomsic hat gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärt, dass der Bezahlsender ohne weitere Kapitalspritzen von Großaktionär Robert Murdoch in die schwarzen Zahlen kommen will. Um das zu schaffen, muss Sky aber mindestens drei Millionen Pay-TV-Kunden haben. Derzeit sind es nur 2,73 Millionen. Wann diese Schwelle überschritten wird, ließ Tomsic offen. In drei Wochen werde es einen neuen Ausblick zusammen mit den Halbjahreszahlen geben, erklärte der Finanzchef.

Lanxess bläst Milliarden-Übernahme ab
Der Spezialchemie-Konzern Lanxess hat die Verhandlungen zur Übernahme des belgischen Konkurrenten Taminco abgebrochen - wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen. Das meldete die "Financial Times Deutschland" am Montag vorab. Die Transaktion wäre der größte Zukauf von Lanxess in seiner Geschichte gewesen. Lanxess hatte laut "FTD" rund eine Milliarde Euro für die Chemiefirma geboten.

Dialog überzeugt
Spitzenreiter im TecDax waren die Aktien von Dialog Semiconductor mit Kursgewinnen von über vier Prozent. Der Schaltkreis-Hersteller legte am Morgen seine Zahlen für das zweite Quartal vor und schnitt dabei etwas besser ab als von Börsianern erwartet. Der Umsatz stieg um fast 70 Prozent auf 116 Millionen Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie im zweiten Quartal 2011 belief sich auf 24 Cent - ein Anstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Sartorius hebt Prognose an...
Um mehr als vier Prozent aufwärts ging es mit der Aktie des Göttinger Labor- und Prozesstechnikanbieters Sartorius. Das Unternehmen hat seine Prognose für das laufende Jahr erhöht und geht nun von einem währungsbereinigten Umsatzwachstum zwischen acht Prozent und zehn Prozent (bisher: sechs bis acht Prozent) aus. Dementsprechend dürfte die Ebita-Marge auf 14,5 bis 15,5 Prozent (bisher: rund 14 Prozent) steigen.

...und Norma auch
Ebenfalls die Prognose für das laufende Jahr angehoben hat der hessische Industrie und Autozulieferer Norma. Der Börsenneuling peilt für 2011 ein Umsatzwachstum von zehn bis zwölf Prozent und eine Ebita-Marge von 17,4 bis 18.0 Prozent an. Bisher war ein Umsatzplus von knapp zehn Prozent und eine Ebita-Marge von 17,4 Prozent in Aussicht gestellt worden. Die Aktie schloss drei Prozent höher.

Neue Strategie von Bob Mobile
Dagegen brach die Aktie von Bob Mobile gut zehn Prozent ein. Das Unternehmen will sich künftig auf Online-Games konzentrieren. Dafür investierte Bob Mobile kräftig und musste im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn-Rückgang von 1,7 Millionen auf 1,2 Millionen Euro hinnehmen. Das Ebit fiel auf 2,7 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 40,7 Millionen Euro.

Pfleiderer peilt 2012 Wende an
Der angeschlagene bayerische Holzverarbeiter Pfleiderer erwartet nach der nun beschlossenen Sanierung im kommenden Jahr wieder einen Gewinn. "2012 wird das erste Jahr mit schwarzen Zahlen sein", sagte Sanierer Hans-Joachim Ziems der Zeitung "Welt". Er bekräftigte, operativ solle das nur knapp der Pleite entgangene Unternehmen bereits im laufenden Jahr wieder ein positives Ergebnis erwirtschaften. Die Aktie stieg erneut zweistellig, nachdem sie bereits am Freitag mehr als 50 Prozent zugelegt hatte.

Colexon will sich gesund sparen
Ebenfalls steil nach oben ging es mit der Aktie von Colexon. Sie katapultierte sich um gut neun Prozent auf über 0,47 Euro. Die Photovoltaik-Firma will mit einem radikalen Personalabbau und der Schließung von Standorten in Mainz und im italienischen Imola Kosten senken.

Systaic-Aktien brechen ein
Um rund 30 Prozent auf zehn Cent stürzten die Aktien von Systaic im späten Parketthandel ab. Der Insolvenzverwalter hat bei der Frankfurter Wertpapierbörse den Antrag auf Widerruf der Zulassung der Aktien von Systaic zum regulierten Markt
gestellt.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"