Marktbericht 20:20 Uhr

Dax nahe 11.000 Punkte Anleger heute nicht so stürmisch

Stand: 18.11.2015, 20:20 Uhr

Nach dem Kursfeuerwerk vom Vortag ging es heute deutlich langsamer zu, auch weil die Terrorängste wieder hochkamen. Insgesamt hielt sich der Dax aber tapfer. In den USA wird eine Zinserhöhung derweil wahrscheinlicher.

Am Ende schloss der Dax leicht um 0,1 Prozent schwächer bei 10.959 Punkten. Im Tageshoch hatte das Börsenbarometer am Nachmittag schon bei 10.989 Punkten gelegen. Der Sprung über die wichtigen charttechnischen Widerstandsmarken bei 11.000 beziehungsweise dem Verlauf der 200-Tage-Durchschnittslinie bei 11.069 Punkten hat der Index damit erneut nicht geschafft. Sie bleiben aber in Reichweite. Vor allem ein Überwinden der 200-Tage-Linie wäre ein starkes Kaufsignal. Das Tagestief lag bei 10.877 Zählern. Nachbörslich tat sich nicht mehr viel. Der Späthandel beendete den Handel bei 10.966 punkten.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 17.00 Uhr

So ganz wollten die Anleger dann doch nicht auf "business-as-usual" umschalten angesichts der herrschenden Terrorangst in Europa. "Die Schießerei in Paris heute Morgen macht viele nervös", sagte ein Händler mit Blick auf die Suche französischer Sicherheitskräfte nach Komplizen der Selbstmordattentäter vom Freitag.

Zudem war der Dax am Vortag deutlich gestiegen, so dass einige Marktteilnehmer heute wohl einen Gang zurückschalteten. Anders als sonst folgten sie dieses Mal auch nicht den freundlich tendierenden US-Märkten, wo sich die Investoren hauptsächlich auf das Zinsszenario der US-Notenbank fokussieren.

Tagessieger unter den Einzelwerten waren heute VW-Vorzüge, die ohne neue fundamentale Nachrichten den technischen Widerstand bei 100 Euro überwanden. Das Papier legte 2,80 Prozent zu und schloss bei 101,40 Euro. Gesucht waren auch Infineon. Schwächer tendierten Linde und FMC.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.210,55
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-0,22%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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138,74
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-0,50%

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,02
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+0,12%

US-Zinsszenario wird konkreter

In Amerika wird derweil die Aussicht auf eine erste Zinserhöhung im Dezember konkreter. Der Präsident der Fed von Atlanta, Dennis Lockhart, sprach von ermutigenden Konjunkturdaten und davon, dass es bald angemessen sei, von der Nullzinspolitik abzurücken. Sein Kollege Kaplan aus Texas sprach aber von einer psychologischen Hürde. Er wolle nicht in der Position sein, wo man erst den Zins anhebt, um ihn dann wieder auf Null zu senken.

"Minutes" deuten Zinserhöhung an, Dow Jones steigt

Aus dem Protokoll der jüngsten Notenbanksitzung, im Fachjargon "Minutes" genannt, von Ende Oktober geht derweil hervor, dass die meisten Teilnehmer der Sitzung davon ausgehen, dass die Konjunkturlage und der Ausblick eine Zinserhöhung im Dezember erfordern könnten. Zudem sahen die meisten Mitglieder des Gremiums verringerte Abwärtsrisiken durch die weltweite Wirtschafts- und Finanzentwicklung.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.669,32
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+0,43%

Es riecht also stark nach Zinserhöhung im Dezember in den USA, womit die Markterwartungen erfüllt wurden. Der Leitindex Dow Jones baute nach dem Protokoll seine Gewinne aus und liegt derzeit über ein Prozent im Plus. Die Börse dürfte vor allem das Ende der langen Unsicherheit um die Geldpolitik der Fed begrüßen.

Euro taucht schon wieder ab

Nach deutlichen Rückgängen in den vergangenen drei Handelstagen legte der Euro anfangs zwar zu, sackte am Nachmittag aber wieder ab. Der Kurs file bis auf 1,0622 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit April. Der starke Dollar hatte die Gemeinschaftswährung schon am Vortag im Tief bis auf 1,0631 Dollar gedrückt. Gegen Handelsende erholte sich der Euro leicht auf 1,0644 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1438
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+0,56%

Das Wechselspiel zwischen den Erwartungen einer baldigen Zinswende in den USA einerseits und weiterer geldpolitischer Lockerungen durch die EZB andererseits stärkt den Dollar und schwächt den Euro. Die EZB legte den Referenzkurs für den Euro am Nachmittag noch bei 1,0666 Dollar fest nach 1,0670 Dollar am Vortag.

Rubel und Russlands Aktien profitieren

Es gibt in der ganzen Sache noch ein andere Überlegung, die auf den Devisenmarkt schlägt. Der gemeinsame Kampf gegen den Terrorismus könnte ein Tauwetter im Verhältnis Russlands und der westlichen Staaten einleiten, sagte Analyst Igor Kowalew vom Brokerhaus InstaForex. Die Hoffnung auf ein Ende der Eiszeit in den Beziehungen Russlands mit dem Westen gab dem Rubel am Mittwoch Auftrieb. Dies drückte Dollar und Euro zeitweise jeweils ein knappes Prozent ins Minus. Die russische Währung konnte die Gewinne aber nicht behaupten und ging wenig verändert aus dem Handel.

Metro und Stada mit Russland-Bonus

Auch russische Aktien waren aus dem gleichen Grund gefragt. Der Moskauer Leitindex RTS legte gegen den europäischen Trend kräftig zu. Die Spekulationen fanden sogar ihren Weg zu deutschen Aktien: Metro und Stada waren bei Investoren gefragt - beide mit umfangreichen Geschäften in Russland. Die Experten der Rosbank warnten allerdings vor überzogenen Erwartungen. "Eine komplette Aufhebung der Sanktionen ist schwer vorstellbar."

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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6,42
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Stada: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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81,30
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Lufthansa schlägt runden Tisch vor

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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23,15
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Nach Informationen des Magazins "der Spiegel" will LH-Chef Carsten Spohr den Tarifkonflikt mit einem Spitzengespräch lösen. Der Vorstoß sehe vor, das Thema Altersversorgung von allen anderen offenen Tariffragen abzutrennen und an einem runden Tisch mit der Geschäftsführung und den drei Gewerkschaften Verdi, Ufo und der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) gemeinsam zu verhandeln. Der Streik der Stewardessen und Stewards endete vorigen Freitag, die Lufthansa musste rund 4700 Flüge streichen. Betroffen waren mehr als eine halbe Million Passagiere. Lufthansa-Aktien gehörten heute zu den größten Verlierern im Dax und gaben 1,31 Prozent nach.

Vonovia weiter im Kaufrausch

Der Immobilienkonzern kauft weiter zu, dieses Mal wird mit dem Zukauf der IVV Immobiliengruppe das Dienstleistungsgeschäft gestärkt. IVV ist ein Hausverwalter mit Sitz Trosidorf im Rheinland und hat 70 Mitarbeiter. Schwerpunkt sind 16.000 Wohnungen in Köln, Bonn und Düsseldorf. Künftig werde man rund 80.000 Wohnungen und 10.000 Gewerbeobjekte verwalten. Ein Kaufpreis wurde noch nicht genannt.

Vonovia besitzt bereits 367.000 Wohnungen und will den Konkurrenten Deutsche Wohnen übernehmen. Die Finanzierung soll über eine Kapitalerhöhung gestemmt werden. Eine a.o. Hauptversammlung hierzu ist für den 30. November einberufen. Anfang Dezember soll bei einem positiven Votum den Deutsche-Wohnen-Aktionären dann ein Angebot vorgelegt werden.

Linde-Rivale Air Liquide will auf den Thron

Ein wichtiges Thema an der Börse war die sich anbahnende Milliardenübernahme in der Industriegase-Branche. Die französische Air Liquide - weltweit die Nummer 2 der Branche - will den US-Konzern Airgas kaufen, der mit 13,4 Milliarden Euro bewertet wird. Damit macht man dem deutschen Rivalen Linde seinen globalen Spitzenplatz streitig. Linde-Aktien verloren 1,54 Prozent und waren größter Dax-Verlierer.

Die Air Liquide-Anleger waren jedenfalls wenig begeistert über die teure Übernahme, die Aktie gab über sieben Prozent nach. Die Franzosen zahlen nämlich nicht nur eine hohe Prämie von 50 Prozent, bezogen auf den Durchschnittskurs im Monat vor der Ankündigung. Zudem braucht Air Liquide von seinen Aktionären im Rahmen einer Kapitalerhöhung frisches Geld, um den Zukauf zu stemmen. Im Raum stehen drei bis vier Milliarden Euro.

Sixt Leasing dreht auf

Im SDax schlossen Sixt-Leasing zwar 0,83 Prozent besser bei 18,20 Euro, konnten aber ihr Tageshoch bei 18,84 Euro nicht verteidigen. Die Leasing-Tochter des Autovermieters Sixt verbuchte dank hoher Verkaufszahlen von Leasing-Fahrzeugen ein Umsatzplus für die ersten drei Quartale von 71 Prozent.

Gute Aussichten bei Zooplus

Ein konkretisiertes Gewinnziel von Zooplus beförderte die Aktie deutlich um 7,22 Prozent nach oben, und damit klar an die SDax-Spitze. Der Onlinehändler für Heimtierbedarf visiert nach der "soliden Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten" ein Vorsteuerergebnis (EBT) 2015 von rund 12 Millionen Euro an - mehr als Analysten bisher erwarteten.

Wirecard wird optimistischer

Auch Wirecard bringt etwas mehr Optimismus in seine Prognose. Der anhaltende Boom beim Online-Handel gibt dem Zahlungsabwickler Auftrieb. Für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liegt die Messlatte nun bei 223 bis 232 Millionen Euro. Bislang hatte das untere Ende bei 220 Millionen Euro gelegen. Die Aktie schafft es mit einem Plus von 1,66 Prozent weit nach oben im TecDax-Gewinnerfeld.

Capital Stage kauft Windpark

Der Solar- und Windparkbetreiber aus dem SDax kauft für rund 70 Millionen Euro einen deutschen Küstenwindpark bei Bremerhaven. Der Park hat eine Erzeugerleistung von 38,5 MegaWatt (MW). Die Anlage profitiert von einer staatlich garantierten Einspeisevergütung mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Capital Stage diversifiziert damit sein Portfolio. Der Windenergieanteil soll bei maximal einem Viertel liegen, erläuterte Firmenchef Klaus-Dieter Maubach.

Ströer-Aktien schwer gebeutelt

Aktien von Ströer standen unter heftigem Abgabedruck, weil die Gründerfamilien Anteile am Markt platziert haben. Am Ende stand ein Minus von 11,63 Prozent auf 55,99 Euro an der Anzeigetafel. Die Familien Ströer und Müller haben gut fünf Millionen Aktien für 58 Euro an einen Großinvestor verkauft. Der Zuteilungspreis lag 8,5 Prozent unter den 63,36 Euro, mit denen Ströer am Dienstag geschlossen hatten.

TLG holt sich frisches Geld

Schwach tendierten auch TLG. Das Immobilien-Unternehmen aus dem SDax hat sich über eine Kapitalerhöhung frische Mittel besorgt. Es platzierte gut sechs Millionen neue Aktien und sammelte damit bei institutionellen Investoren rund 100 Millionen Euro ein. Mit dem Erlös will TLG weitere Immobilienkäufe stemmen. Die TLG-Aktie verlor knapp zwei Prozent.

Wüstenrot will in den SDax

Deutschlands zweitgrößte Bausparkasse will im kommenden Jahr in den SDax einziehen. Die Muttergesellschaft W&W schuf am Mittwoch die Voraussetzungen für einen Wechsel der Aktie vom General Standard in den strenger regulierten Prime Standard der Deutschen Börse. Dieser Wechsel ist Bedingung für den Einzug in einen großen Börsenindex.

Wüstenrot will mehr Aufmerksamkeit bei privaten und institutionellen Kunden erreichen. Nach dem Ausstieg der Großaktionäre Swiss Re, L-Bank, und HypoVereinsbank liegt der Streubesitz bei rund 20 Prozent, die Marktkapitalisierung bei 1,7 Milliarden Euro. Damit stünden die Chancen nicht schlecht. Größte Aktionäre bleiben die Wüstenrot-Stiftung mit 66,3 Prozent sowie der Investor Lutz Helmig mit 13,4 Prozent. Die Pläne kamen an der Börse gut an, das Wüstenrot-Papier legte deutlich zu.

Wagt Monsanto neuen Vorstoß Richtung Syngenta?

Auch Syngenta rückte wieder in den Fokus. Denn Monsanto könnte ein neues Übernahmekapitel bei den Schweizern aufschlagen. Firmenintern würden die Vorzüge eines erneuten Angebots für Syngenta diskutiert, sagte Chief Operating Officer Brett Begemann. Monsanto hatte erst Ende August eine geplante Übernahme von Syngenta im Volumen von 47 Milliarden Dollar abgeblasen. Syngenta-Aktie legten an der Züricher Heimatbörse 3,31 Prozent zu und zogen den ganzen Markt mit nach oben. Der Swisss Market Index (SMI) legte um 0,36 Prozent zu.

Apple steht bei Goldman hoch im Kurs

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
189,57
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+0,88%

Apple-Aktien führen derzeit den Leitindex Dow Jones an. Das Papier profitiert davon, dass die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs die Aktie auf ihre 'Conviction-Buy-List' gesetzt haben. Bis zum Kursziel auch noch reichlich Luft, es liegt bei 163 Dollar. Aktuell notiert die Aktie bei 117 Dollar. Analystin Simona Jankowski erwartet, dass die Investoren Apple bald nicht mehr nur als Hardware-Hersteller wahrnehmen werden, sondern zunehmend auch als Dienstleister. Der Konzern könne in den kommenden Jahren unter anderem stark von TV-, Musik- und Bezahldienstleistungen profitieren.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.