Anleger halten inne

Stand: 28.10.2011, 19:52 Uhr

Mehr als sechs Prozent hat der Dax dank der gestrigen Freude über den Euro-Gipfel zugelegt. Vor dem Wochenende gingen einige Investoren aber lieber auf Nummer sicher und machten Kasse.

Der Dax hat den letzten Tag der Woche nur mit moderaten Gewinnen beendet. Zum Handelsschluss rückte der Leitindex um 0,13 Prozent auf 6.346 Punkte vor. Am Abend büßt der Leitindex sogar ein paar Punkte ein. Auf Wochensicht schafft der Dax, vor allem dank des kräftigen Anstiegs um 5,35 Prozent gestern, ein kräftiges Plus von 6,28 Prozent. Am Vormittag sah es sogar danach aus, als ob die Erleichterungsrally vom Vortag weiter gehen werde. Der Index kletterte in der Spitze auf 6.430 Punkte und markierte damit ein neues 12-Wochen-Hoch.

Angesichts zahlreicher noch offener Fragen gingen einige Investoren dann aber auf Nummer sicher und machten Kasse. Darüber hinaus trübte eine als enttäuschend gewertete Emission italienischer Staatsanleihen die Stimmung. Die Rendite für zehnjährige Anleihen war auf 5,984 Prozent gestiegen.

" Das Fehlen von Details gibt Anlegern nicht gerade ein Gefühl von Sicherheit", sagte Fredrik Nerbrand, der bei HSBC das Portfolio-Management verantwortet. Auch die Analysten der Landesbank Berlin äußerten sich zurückhaltend. Im Prinzip würden mit den verkündeten Maßnahmen weiterhin nur die Symptome bekämpft, betonten sie. Auch fragen sich viele Anleger wie die geplanten Maßnahmen zur Euro-Rettung konkret umgesetzt werden sollen.

Auch an der Wall Street halten die Anleger erst einmal inne. Der Dow-Jones- Index notiert auch am Abend nahezu unverändert bei 12.210 Punkten. "Die wichtigste Nachricht der Woche kam gestern und heute sehen wir die typische Kursreaktion darauf", sagte Wayne Kaufman, Marktanalyst bei John Thomas Financial. "Vielleicht gibt es in der kommenden Woche eine Konsolidierung des Marktes. Aber danach wird eine nachhaltige Rallye folgen."

Der Euro notiert etwas unter der Marke von 1,42 Dollar bei 1,416 Dollar.

Merck & Co in Höchstform
Der zweitgrößte US-Pharmakonzern Merck & Co hat im dritten Quartal dank Kosteneinsparungen und der Nachfrage nach Kernprodukten den Reingewinn fast verfünffacht, auf 1,69 Milliarden Dollar. Im letzten Jahr war der Gewinn wegen Abschreibungen und Restrukturierungskosten in Zusammenhang mit der Übernahme des Wettbewerbers Schering-Plough noch um rund 90 Prozent auf 372 Millionen Dollar eingebrochen. Der Merck-Kurs legt zu.

Auch der zweitgrößte US-Ölkonzern Chevron hat dank steigender Rohstoffpreise deutlich mehr verdient. Der Überschuss lag im dritten Quartal bei 7,8 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor waren es 3,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie lag mit 3,92 Dollar über der Analystenerwartung von 3,48 Dollar.

Finanzwerte machen Rolle rückwärts
Nach den zweistelligen Kurszuwächsen gestern müssen die Finanzwerte heute einen Teil ihrer Gewinne wieder abgeben und gehören zu den schwächsten Werten im Dax. Größter Dax-Verlierer ist die Aktie der Commerzbank mit einem Minus von gut vier Prozent.

Linde bleibt Outperformer
Der Gasehersteller Linde sieht sich auch bei einer Konjunkturabschwächung 2012 auf stabilem Wachstumskurs. Die weiter steigende Nachfrage vor allem in Asien und Südamerika werde dieses Jahr und wahrscheinlich auch nächstes Jahr für mehr Umsatz und Gewinn sorgen, sagte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Reitzle am Freitag in München. Analysten äußerten sich positiv. Der Experte Stephan Kippe von der Commerzbank etwa sprach von einem "robusten Quartal im Rahmen der Erwartungen" und blieb in seinem ersten Kommentar auf "Buy" mit dem Kursziel 129,00 Euro.

Wacker rutscht an MDax-Ende
Um fast zehn Prozent bergab geht es dagegen mit der Aktie des vorwiegend für die Solarindustrie tätigen Chemieunternehmens Wacker. Das Unternehmen hat die Umsatz- und Ergebnisprognosen (Ebitda) gesenkt, weil in den Sparten Siltronic und Polysilicium das Geschäft schwächer als erwartet verlaufen ist. Die Umsätze und Gewinne dürften nun in etwa auf Niveau des Vorjahres liegen. Das belastet die Aktie.

Morphosys warnt
Bergab geht es auch mit der Morphosys-Aktie. Das Biotech-Unternehmen hat im dritten Quartal rote Zahlen geschrieben und seine Umsatzprognose für 2011 kassiert. Grund waren niedrigere Meilensteinzahlungen von Pharmakonzern.

Porsche bleibt in Fahrt
Porsche behält sein hohes Wachstumstempo bei. Der Sportwagenbauer steigerte in den ersten neun Monaten sein operatives Ergebnis um 25 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Wie Porsche am Vormittag berichtete, legte der Umsatz um 20 Prozent auf 7,93 Milliarden Euro zu. Finanzvorstand Lutz Meschke sagte, dieser Zuwachs belege die hohe Ertragskraft des Unternehmens.

Centroterm warnt
Der Solarzulieferer Centrotherm aus dem TecDax warnt vor einer sinkenden Gewinnmarge. Zwar steige der Jahresumsatz an, doch das Betriebsergebnis dürfte nur noch leicht positiv ausfallen. Die angespannte Branchensituation, vor allem im asiatischen Raum, mache sich in der Ergebnisentwicklung von Centrotherm Photovoltaics bemerkbar, schreibt die Firma in einer Mitteilung. Die Reaktion der Anleger folgt auf dem Fuß: die Aktie stürzt zeitweise um mehr als zehn Prozent ab.

PSI enttäuscht die Anleger
Bergab geht es auch mit der Aktie des im TecDax notierten Softwareherstellers PSI. Die Firma hat in den ersten neun Monaten zwar Umsatz und Ebit gesteigert, doch hat sie ihre Ebit-Prognose für das Gesamtjahr von dreizehn auf zehn bis elf Millionen Euro gesenkt.

Manz bricht ein
Auch der auf die LCD- und Solarindustrie spezialisierte Maschinenbauer Manz hat eine Umsatz- und Ergebniswarnung ausgesprochen. Die Erlöse werden im Gesamtjahr nur noch 220 bis 230 Millionen Euro erreichen, statt 240 bis 250 Millionen Euro. Das Ebit soll nur noch ausgeglichen sein. Die Aktie verliert mehr als sechs Prozent.

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