Anleger halten inne

Stand: 11.04.2011, 20:02 Uhr

Nachdem der Dax in der vergangenen Woche 0,5 Prozent zulegen konnte, halten die Anleger heute erst einmal inne. Wie es morgen weitergeht hängt entscheidend von der am Abend startenden US-Bilanzsaison ab.

Der Leitindex rutscht am Abend auf 7.202 Zähler, 17 weniger als am Freitag. Am Vormittag hatte die Nachricht über ein neues Beben im Nordosten Japans das Börsenbormeter zeitweise auf 7.157 Punkte abrutschen lassen. Weil sich die durch das Beben verursachten Schäden aber in Grenzen halten, klettert der Dax anschließend wieder über die Marke von 7.200.

Auch an der Wall Street schmelzen die Kursgewinne bis zum Börsenschluss in Frankfurt wieder ab. Energie- und Rohstoffwerte belasteten den Handel. Der Aluminiumkonzern Alcoa, der den Zahlenreigen nach Börsenschluss eröffnen sollte, gab nach anfänglichen Gewinnen 0,8 Prozent nach. Es sei offen, ob die Konzerne die optimistischen Erwartungen erfüllen könnten, sagte John Carey von Pioneer Investment Management. "Es gibt Raum für Enttäuschung, aber wenn die Firmen die Markterwartungen treffen oder sogar überbieten, könnte der Markt eine Rallye erleben."

Der Dow-Jones-Index der amerikanischen Standardwerte notiert bei Börsenschluss in Frankfurt nur noch drei Punkte über dem Stand von Freitag bei 12.383.

Derweil hat sich die Vize-Chefin der US-Notenbank (Fed), Janet Yellen, für eine unveränderte Geldpolitik ausgesprochen. Vor dem Hintergrund der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit und einer "fest verankerten" Inflationserwartung sei die Geldpolitik weiterhin angemessen", sagte die Stellvertreterin von Notenbankchef Ben Bernanke am Abend im New Yorker Wirtschaftsclub.

Der Euro hat sich zu Wochenbeginn auf hohem Niveau über der Marke von 1,44 Dollar gehalten. Bei Börsenschluss kostete die Gemeinschaftswährung 1,4446 Dollar.

Wieder Hoffnung für Deutsche Börse
Um knapp ein Prozent steigt die Aktie der Deutschen Börse und ist damit einer der Favoriten im Dax. Damit begrüßen die Anleger die Entscheidung des Börsenbetreibers NYSE Euronext das Gegenkaufangebot der Technologiebörse Nasdaq abzulehnen. NYSE Euronext favorisiert dagegen weiter die Fusionspläne mit der Deutschen Börse. Damit sind die Chancen des Eschborner Börsenbetreibers, doch noch zum Zug zu kommen, wieder gestiegen.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

Daimler schickt Autoaktien ins Minus
Die hintersten Plätze im Dax belegen dagegen die Daimler-Aktien. Ein Analystenkommentar und die Absatzzahlen für China haben die Papiere belastet. Credit-Suisse-Experte Arndt Ellinghorst hatte die Aktien des Autobauers zuvor von "Outperform" auf "Neutral" und das Kursziel von 75,00 auf 65,00 Euro gesenkt. Er sehe kaum Gründe, warum man die Papiere gegenüber dem Sektor übergewichten sollte, schrieb er. In China war der zudem Daimlers Autoabsatz im März zwar gestiegen, das Wachstum hat aber deutlich an Schwung verloren.

Auch die Aktien von Volkswagen und BMW geben überdurchschnittlich nach. Nach Ansicht eines Marktteilnehmers färbte die Herabstufung von Daimler auf den kompletten Sektor ab und war für die Kursverluste mitverantwortlich.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
Differenz relativ
+0,30%

Lufthansa enttäuscht
Zu den größten Verlierern gehört auch die Aktie der Lufthansa. Die Airline hat im März deutlich unter den Katastrophen in Japan und den Unruhen in Nordafrika gelitten. Einschließlich ihrer Töchter Swiss, Austrian Airlines (AUA), British Midland (BMI) und Germanwings kam die Lufthansa auf knapp 8,2 Millionen Fluggäste, 0,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslastung der Maschinen ging hingegen um 5,3 Prozentpunkte auf 73,5 Prozent zurück.

Henkel kann nicht punkten
Auch die Henkel-Aktie muss abgeben. Statt seine Jahresprognose anzuheben hat der Konsumgüterkonzern nach Ablauf des ersten Quartals seine Prognosen für das laufende Jahr lediglich bestätigt. 2011 erwartet der Konzern ein Umsatzwachstum zwischen drei und fünf Prozent. Die bereinigte Umsatzrendite soll auf etwa 13 Prozent zulegen.

Commerzbank verliert weiter
Mehr als zwei Prozent tiefer notiert auch die Aktie der Commerzbank. Sie fällt bis nahe an die psychologisch wichtige Marke von fünf Euro. Grund für das Minus ist die geplante Kapitalerhöhung von 11 Milliarden Euro, ein Großteil davon durch die Ausgabe neuer Aktien.

Hochtief stürzt ab
Größter Verlierer im MDax ist erneut die Hochtief-Aktie. Der Abgang von Konzernchef Herbert Lütkestratkötter und eine Gewinnwarnung wegen Problemen bei der australischen Tochter Leighton hat die Hochtief-Aktie auf Talfahrt geschickt.

Intercell im freien Fall
Der der im Prime Standard der Frankfurter Börse notierte Wiener Impfstoffhersteller Intercell hat überraschend eine klinische Studie ausgesetzt und damit seine Aktie auf Talfahrt geschickt. Das Intercell-Papier verliert knapp 30 Prozent an Wert. Bei dem unterbrochenen Test handelt es sich um eine klinische Studie mit einem Impfstoff zum Schutz vor schwer zu behandelnden MRSA-Infektionen.

Roth & Rau hebt ab
Die Aktie des Solar-Maschinenbauers springt im TecDax um mehr als zwölf Prozent an: Roth & Rau wird vom Schweizer Unternehmen Meyer Burger übernommen. Meyer Burger will den Roth & Rau-Aktionären im Rahmen eines freiwilligen Übernahmeangebots 22 Euro je Aktie zahlen. Firmenchef Dietmar Roth und die Gründerfamilien von Roth & Rau haben ihre Anteile von insgesamt 11,3 Prozent bereits an Meyer Burger verkauft.

Süss Microtec Schlusslicht im TecDax
Die Titel der im März in den Technologie-Index aufgestiegenen Halbleiterfirma Suess Microtec verlieren gut fünf Prozent und sind damit der schwächste Wert im TecDax. Die Analysten von Equinet hatten die Aktie am Freitag auf "Hold" von "Accumulate" heruntergestuft. Die pessimistischere Prognose des taiwanischen Chipherstellers TSMC infolge des verheerenden Erdbebens in Japan lasse die Skepsis gegenüber den Aussichten für die Halbleiterbranche steigen, begründeten die Analysten ihre Einschätzung.

Powerland auf Ausgabekurs
Die Aktie des chinesischen Taschenherstellers Powerland, die heute zum ersten Mal in Frankfurt notiert wurde, schließt bei 14,96 Euro und damit leicht unter dem Ausgabekurs von 15 Euro. Im Tagesverlauf war das Papier zeitweise bis auf 16,50 Euro vorgerückt.

MLP spart noch mehr
Der im MDax notierte Finanzdienstleister MLP will sein Sparprogramm früher als geplant bereits in diesem Jahr abschließen. Dadurch entstehe im laufenden Geschäftsjahr 2011 eine Sonderbelastung von 30 Millionen Euro, teilte das Unternehmen nach Börsenschluss mit. Danach solle sich das Programm positiv auswirken: Ab Ende 2012 werde mit einer Senkung der jährlichen Fixkosten um mindestens 30 Millionen Euro gerechnet. Seine für 2012 geltende Prognose einer Ebit-Marge von 15 Prozent bestätigte das Unternehmen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"