Marktbericht 20:02 Uhr

Yellen treibt Dax an Anleger haben eine (Zins-)Sorge weniger

Stand: 07.06.2016, 20:02 Uhr

Eine mögliche Verschiebung der geplanten Zinserhöhung in den USA hat den Börsen am Dienstag Auftrieb gegeben. Im Dax gab es nur Gewinner. Dagegen rutschte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf ein Rekordtief - wegen der Brexit-Angst.

Danke, Frau Yellen! Die US-Notenbankchefin hat die Befürchtungen vor einer weiteren Zinsanhebung im Juni oder Juli zerstreut. Die US-Notenbankchefin Yellen stellte zwar weitere Zinsanhebungen in Aussicht, nannte aber keinen Zeitplan. Vor zwei Wochen hatte sie noch von einem Zinsschritt "in den nächsten Monaten" gesprochen. Viele Analysten und Aktienstrategen werten das als Zeichen, dass die zweite US-Zinserhöhung nach dem Dezember 2015 frühestens im September bevorsteht.

Dax macht Satz nach vorn

Dax

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Die Yellen-Aussagen brachten Europas Aktienmärkte kräftig in Schwung. Der Dax machte einen Sprung von rund 1,7 Prozent und schloss bei 10.287 Punkten. Damit hat er die Verluste seit Monatsbeginn wieder ausgebügelt. Laut einem Marktbeobachter sei in den zuvor lustlosen Handel nun wieder Leben gekommen. Auch der europäische Leitindex, der EuroStoxx50, präsentierte sich in starker Verfassung. Er stieg um 1,4 Prozent.

Dow über 18.000

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Etwas Schützenhilfe kam am Nachmittag von der Wall Street. Die US-Börsen setzten ihren gestrigen Höhenflug fort. Zwei Stunden vor Handelsschluss lag der Dow 0,4 Prozent höher. Zeitweise hatte er erstmals seit Ende April die Marke von 18.000 Punkten übersprungen. Der marktbreite S&P 500 rückte um rund 0,4 Prozent auf 2.116 Zähler vor und näherte sich dem im Juli 2015 erreichten Rekordhoch von 2.132 Punkten.

Ölpreise ziehen an

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Unterstützung kam von den Ölpreisen: Dank der Dollar-Schwäche und dank Produktionsausfällen in Nigeria verteuerte sich die Nordseesorte Brent um 1,5 Prozent auf 51,30 Dollar je Barrel. Das ist der höchste Stand seit acht Monaten. Das US-Öl WTI kletterte auf über 50 Dollar. Ein schwacher Dollar macht das meist in Dollar gehandelte Öl für viele Anleger billiger und stärkt dadurch die Nachfrage.

Zehnjährige Bundesanleihen auf Rekordtief

An den Devisen- und Anleihemärkten dominierte derweil weiter die Angst vor einem Brexit, einem Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Anleger flüchteten verstärkt in sichere Häfen wie Bundesanleihen und den Schweizer Franken. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf ein Rekordtief von 0,045 Prozent. Der Schweizer Franken kletterte auf den höchsten Stand seit einem Monat. Der Euro fiel unter die Marke von 1,10 Franken. Gegenüber dem Dollar behauptete sich der Euro. Am Abend notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1360 Dollar. Die Wirtschaft in der EU ist im ersten Quartal um 0,6 Prozent gewachsen und damit stärker als erwartet.

Bayer größter Dax-Gewinner

Im Dax gab es nur Gewinner. Mit einem Plus von über drei Prozent ragte Bayer positiv heraus. Seit Tagen warten die Börsdianer gespannt auf eine mögliche Aufstockung des Übernahmeangebots von Bayer für Monsanto. Laut US-Medienberichten könnte der Monsanto-Deal platzen. Bayer müsste wohl sein Angebot für Monsanto auf 150 Dollar je Aktie anheben. Es erscheine ungewiss, ob die Deutschen so viel zahlen wollen.

Stahl-Titel im Aufwind

Die ThyssenKrupp-Aktie zählte mit zu den größten Gewinnern im Dax. Im MDax präsentiert sich die Salzgitter-Aktie stark. Hintergrund sind Produktionskürzungen in China, die dem Stahlpreis am Dienstag Auftrieb gegeben haben.

Übernahmefantasie beflügelt Infineon

Infineon-Aktien kletterten auf den höchsten Stand in diesem Jahr. Händler verwiesen auf Spekulationen, dass sich der taiwanesische Auftragsfertiger TSMC womöglich für den Halbleiterhersteller aus Deutschland interessieren könnte.

T-Mobile US will Kunden Aktien schenken

Für Gespürächsstoff sorgte die Deutsche Telekom mit einer ungewöhnlichen Aktion. Die Telekom-Tochter T-Mobile US will alle Kunden mit festen Verträgen am Unternehmen beteiligen. Sie sollen jeweils eine Aktie des Unternehmens geschenkt bekommen. "Das hat es noch nie gegeben", sagte Unternehmenschef John Legere.

Adidas-Trikot ein Ladenhüter?

Das offizielle Fan-Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft von Adidas ist ein beliebter Fan-Artikel. Eigentlich. Doch kurz vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich sind die Trikots der deutschen Nationalmannschaft laut "Handelsblatt" kaum gefragt. Dennoch kletterte die Adidas-Aktie auf ein neues Rekordhoch.

Betriebsrat der Deutschen Börse kritisiert Fusion

Unerwartet Widerstand aus den eigenen Reihen gibt es gegen die Fusion der Deutschen Börse mit der LSE. Der Betriebsrat der Deutschen Börse verlangt umfassende Änderungen und Zusicherungen. Das fusionierte "Super-Börse" müsse in Frankfurt und nicht wie geplant in London angesiedelt werden, fordern die Arbeitnehmervertreter in einer Stellungnahme. Aus Sicht des Betriebsrats klinge die betriebswirtschaftliche Logik eines Zusammenschlusses zwar überzeugend, die Fusion sei aber nicht "gottgeben", wie Vorstandschef Carsten Kengeter kürzlich sagte. Der Betriebsrat pocht auf Personal- und Standortgarantien für mindestens 20 Jahre.

K+S hat eine juristische Baustelle weniger

Zu den Favoriten im MDax gehörte die K+S-Aktie mit einem Plus von über vier Prozent. Die Staatsanwaltschaft Kassel hat das seit Dezember 2015 anhängige Ermittlungsverfahren gegen K+S-Verantwortliche wegen versuchter Gewässerverunreinigung mangels Tatverdacht eingestellt.

Großauftrag treibt ElringKlinger an

Im SDax haussierte die ElringKlinger-Aktie mit einem Plus von über sechs Prozent. Der Autozulieferer hat einen Großauftrag über die Lieferung von Türmodul-Trägern für die Kompaktklasse eines globalen Automobilherstellers erhalten. Das Auftragsvolumen umfasst mehr als 100 Millionen Euro bis zum Jahr 2024.

Porsche trotz Gewinneinbruch gefragt

Wegen des VW-Dieselskandals hat der Großaktionär Porsche rund ein Viertel weniger verdient. Das Konzernergebnis nach Steuern fiel auf 661 Millionen Euro von 870 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Gesellschaft wird von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert.

Optische Täuschung bei Singulus

Wer den Aktienkurs von Singulus in dieser Woche anschaut, dürfte sich seinen Augen nicht trauen. Die Aktie ist kein Pennystock mehr, sondern notiert bei 24 Euro. Am Montag war die Notierung der Aktien im Verhältnis 160 zu 1 umgestellt worden. Der Spezialmaschinenbauer will mit diesem optischen Effekt neue Anleger anlocken.

Shell tut was

Im Ausland erfreute der Ölkonzern Royal Dutch Shell die Anleger mit guten Nachrichten. Der Ölkonzern will zehn Prozent seiner Aktivitäten verkaufen, um die 54 Milliarden Dollar teuzre Übernahme der Rivalin BG Group zu finanzieren. Zudem verspricht sich Shell höhere Effizienzgewinne als bisher gedacht. Statt 3,5 Milliarden Dollar dürften die Synergien aus dem Deal mit BG 4,5 Milliarden erreichen. Die Shell-Aktien legten um über zwei Prozent zu.

Kerviel siegt vor Gericht gegen SocGen

Die französische Bank Société Générale (SocGen) muss ihrem wegen Milliardenverlusten entlassenen Angestellten Jérôme Kerviel eine Entschädigung von rund 450.000 Euro zahlen. Das Pariser Arbeitsgericht begründete seine Entscheidung am Dienstag damit, dass Kerviels Kündigung ungerechtfertigt gewesen sei. Der Anwalt der Bank sprach von einer "skandalösen" Entscheidung und kündigte Berufung an. Der Fall Kerviel ist einer der größten Skandale der Finanzgeschichte: Die Société Générale hatte 2008 bekanntgegeben, wegen dessen Spekulationsgeschäften einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro gemacht zu haben.

Verizon: Gebot für Yahoos Internetgeschäft?

Der US-Telekom-Konzern Verizon will laut dem gewöhnlich gut informierten "Wall Street Journal" für das Kerngeschäft des Internet-Pioniers Yahoo ein Gebot über rund drei Milliarden Dollar abgeben. Die Frist für die zweite Bieterrunde läuft am kommenden Montag ab.

Valeant und Biogen stürzten ab

Um 15 Prozent sackten die Aktien von Valeant ab. Der Pharmakonzern hat seine Gewinnziele im abgelaufenen Quartal verfehlt und seine Jahresprognose gekappt. Auch die Aktien des Biotech-Firma Biogen stürzten um knapp zwölf Prozent ab. Eine Studie zu einem Medikament gegen Multiple Sklerose brachte nicht die erhofften Ergebnisse.

Zweiter IPO des Jahres in der Schweiz

Die Schweizer Immobiliengesellschaft Investis peilt Firmenangaben vom Dienstag zufolge in den kommenden Monaten den Gang aufs Parkett an. Investis verfüge über ein überwiegend aus Wohnliegenschaften in der Genfersee-Region bestehendes Portfolio im Wert von 857 Millionen Franken.

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Auf diese IPOs dürfen wir uns freuen Philips, Didi, Eon- und RWE-Töchter, Postbank, SpaceX

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Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen