Anleger haben doppelten Grund zur Freude

Notker Blechner

Stand: 16.03.2010, 20:06 Uhr

Der schwache Start in die Börsenwoche ist verdaut. Der Dax erholte sich am Dienstag deutlich und sprang nahe an die 6.000-Punkte-Marke. Griechenland und die Fed machten die Anleger froh.

Die Zinsentscheidung der Fed am Abend sorgte an den Aktienmärkten für Erleichterung. Die US-Notenbank erteilte Spekulationen über eine Zinswende eine klare Absage und erneuerte die Aussage, den Leitzins für einen längeren Zeitraum auf "außergewöhnlich niedrigem Niveau" zu belassen. Für Ökonomen heißt das: der Leitzins wird zumindest in den nächsten sechs Monaten bei 0 bis 0,25 Prozent bleiben. Die meisten Experten rechnen damit, dass US-Notenbank-Chef Ben Bernanke erst gegen Ende des Jahres an der Zinsschraube dreht.

Die Fed zeigte sich über die Konjunkturentwicklung etwas optimistischer als noch Ende Januar. Die wirtschaftliche Aktivität habe sich weiter verstärkt, und auch der Arbeitsmarkt habe sich stabilisiert, schrieb die US-Notenbank. Im Januar hatte sie noch davon gesprochen, dass sich die Abwärtstendenz am Arbeitsmarkt abgeschwächt habe.

Griechischer Wein statt griechische Pein

Die US-Börsen bauten ihre Kursgewinne aus. Der Dow Jones stieg um 0,3 Prozent. Der L-Dax schloss bei 5.972 Punkten - und damit zwei Zähler höher als der Dax zum Xetra-Ende. Damit ist der Weg zur psychologisch wichtigen Marke von 6.000 Punkten nicht mehr all zu weit.

Einen entscheidenden Schub gab am Nachmittag die Ratingagentur S&P. Sie bestätigte ihre Bonitätsnote für das angeschlagene Griechenland bei "BBB+/ A-2" und löste Aufatmen an den Aktienmärkten aus. Einige Anleger hatten eine Herabstufung des Mittelmeer-Lands durch S&P befürchtet. Die Ratingagentur begrüßte das Sparpaket der Athener Regierung, das das Haushaltsdefizit bis 2012 auf unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken soll. Allerdings seien zusätzliche Maßnahmen notwendig.

Ordentliche Konjunkturdaten
Etwas Unterstützung lieferte auch der ZEW-Index am Vormittag, der nicht so stark zurückging wie erwartet. Trotz des Griechenland-Dramas habe sich die Stimmung nicht eingetrübt, freuten sich Börsianer. Die Erholung der Wirtschaft dürfte daher anhalten.

Konjunkturdaten aus den USA konnten den Aktienmärkten dagegen kaum Impulse geben. Dabei waren diese auch besser als erwartet. Die Zahl der Wohnbaubeginne sank wegen Eis, Schnee und Winterstürmen um fast sechs Prozent auf 575.000. Volkswirte hatten aber mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet.

Bankaktien in Erholungsphase

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gefragt waren am Dienstag vor allem Bankaktien. Die Titel der Commerzbank und Deutscher Bank stiegen um über zwei Prozent. Die Deutsche Bank kündigte in ihrem am Dienstag vorgelegten Geschäftsbericht eine Rückkehr zur Normalität an. Das lässt sich auch an der Gehaltsentwicklung des Managements ablesen. Demnach verdiente Vorstands-Chef Josef Ackermann im vergangenen Jahr fast zehn Millionen Euro und dürfte dank der Gewinne des Geldinstituts wieder hohe Bonuszahlungen vereinnahmt haben.

Daimler-Renault bringen Autoaktien in Fahrt

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Für Autoaktien gab's am Dienstag ebenfalls viel Rückenwind. Daimler und VW gewannen rund 2,3 Prozent. Nur BMW hinkte hinterher. Laut einem Pressebericht verhandeln Daimler und Renault über eine gegenseitige Beteiligung von maximal zehn Prozent und eine langfristige Partnerschaft. Renault-Chef Carlos Ghosn zeigte sich offen für solche Überkreuzbeteiligungen, bezeichnete aber eine Allianz mit Daimler als pure Spekulation. Daimler erklärte, die Stuttgarter würden im ersten Halbjahr entscheiden, ob und mit wem sie eine Kooperation bei Kompaktwagen eingehen.

Zudem zogen im Februar die Autoverkäufe in Europa an. Laut der Statistik des europäischen Automobilverbands ACEA stiegen die Neuzulassungen in Europa um 3,2 Prozent auf eine Millionen Fahrzeuge. In absoluten Zahlen war dies dennoch der niedrigste Wert seit mehreren Monaten.

Infineon macht Hoffnung

Die Dax-Spitze behauptete bis zum Xetra-Schluss die Aktie des Chipkonzerns Infineon. Der Titel legte knapp 3,5 Prozent zu. Das Unternehmen will seine Fertigungskapazitäten im Stammwerk Dresden bis Juli 2010 um zehn Prozent erweitern und dafür 18 Millionen Euro investieren. Am Markt wurde dies als klares Indiz dafür gewertet, dass die Nachfrage nach den Halbleiterprodukten von Infineon derzeit hoch ist.

Siemens behält Hörgerätesparte

Knapp hinter Infineon auf Platz zwei der Dax-Gewinner landete Siemens mit einem Plus von fast drei Prozent. Der Konzern wird seine Hörgerätesparte offenbar doch nicht verkaufen. Darauf deutet die Berufung eines neuen Chefs für das Geschäft hin. Roger Radke, der bereits bis 2004 das Geschäft leitete, soll diese Aufgabe übernehmen. Siemens gelang es angeblich nicht, einen Käufer für die Sparte zu finden, der bereit war, zwei Milliarden Euro hinzulegen. Die Siemens Hörgerätesparte ist zwar hochprofitabel, leidet aber zunehmend unter der Konkurrenz der schweizerischen Sonova.

Metro baut um

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das Gewinner-Trio im Dax komplettierte die Aktie von Metro - mit einem Plus von 2,6 Prozent. Der Konzern gab kurz vor Xetra-Schluss den Umbau seines Großhandelsgeschäfts bekannt. Das Cash&Carry-Geschäft soll künftig zweigeteilt werden. Ein Bereich soll sich auf Europa, der andere auf Asien und die neuen Märkte konzentrieren. Außerdem präsentierte Metro eine erste Kennzahl seiner Jahresbilanz: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag 2009 bei 2,024 Milliarden Euro und damit etwas höher als von Analysten erwartet. Am Mittwoch legt Metro die übrigen Bilanzzahlen sowie die neue Struktur vor.

Eon-Kraftwerk Datteln in Gefahr

Dax-Schlusslicht war die Eon-Aktie mit einem Minus von 0,2 Prozent. Börsianer verwiesen auf charttechnische Gründe und einen neuerlichen Rückschlag im Rechtsstreit um den Bau des Steinkohlekraftwerks Datteln. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wies eine Beschwerde von Eon im Zusammenhang mit dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zurück. Die Richter hatten den Bebauungsplan der Stadt Datteln wegen Verstößen gegen gesetzliche Vorgaben für unwirksam erklärt.

Freenet enttäuscht

Mit einem Minus von fast sieben Prozent war der Mobilfunkdienstleister schwächster TecDax-Wert. Freenet erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang gegenüber 2009. Das Vorsteuerergebnis soll dagegen steigen. Wie bereits im Februar gemeldet, will der TecDax-Konzern wegen eines höher als erwarteten Gewinns eine Dividende von 20 Cent je Aktie ausschütten.

Kizoo reduziert Anteile an United Internet

Zu den Verlierern zählte auch United Internet (UI). Laut Finanzkreisen hat Großaktionär Kizoo rund zwei Prozent Anteile an United Internet abgegeben - zu einem Preis von rund 11 Euro je Aktie. Die aus Web.de hervorgegangene Kizoo hält somit noch rund sieben Prozent an UI. Web.de hatte 2005 sein Kerngeschäft an UI verkauft und sich an dem Internet-Unternehmen beteiligt. Die Software-Entwicklung "Combots" floppte.

Kuka droht erneut Verlustjahr

Der Anlagenbauer Kuka ist im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht und hat einen Verlust von 75,8 Millionen Euro eingefahren. Auch 2010 werde es schwer sein, aus der Verlustzone zu kommen. Mit weiteren Sparmaßnahmen und Stellenabbau will Kuka das Minus im laufenden Jahr zumindest in Grenzen halten. Die Erlöse sollen "im mittleren einstelligen Prozentbereich" zulegen. Die Kuka-Aktie konnte nur leicht im SDax zulegen.

Claassen-Rückzug bei Solar Millennium schockt

Ex-Energie-Topmanager Utz Claassen hat als Chef von Solar Millennium nach wenigen Wochen das Handtuch geworfen. Die Aktie stürzte zunächst um mehr als 30 Prozent ab, erholte sich aber danach wieder auf minus 15 Prozent. In den vergangenen Wochen hatte es mehrfach Berichte über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung gegeben. Ein Sprecher von Solar Millennium nannte persönliche Gründe, die Claassen zum Rückzug veranlasst hätten. Die Anleger blieben skeptisch. "Der Rücktritt hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack", sagte WestLB-Analyst Sebastian Zank. Aus seiner Sicht verliert das Unternehmen mit Claassen eine Antriebsfeder, die Solar Millennium auf ein anderes Geschäftsniveau hätte heben können. Dass Solar Millennium am Dienstag ein Vertriebsunternehmen gründete, um die Kreditklemme zu lindern, konnte der Aktie nicht helfen.

Neuer Chef für Repower

Während Solar Millennium nun einen neuen Chef suchen muss, hat Repower ihn bereits gefunden: Andreas Nauen, Chef der Siemens Windkraftsparte, rückt spätestens im Oktober an die Spitze des Windanlagenbauers. Die Aktie gab leicht nach.

Bei Lindt & Sprüngli schmelzen die Gewinne

Aus der Schweiz meldete sich am Dienstag ein Traditionsunternehmen mit Jahreszahlen. Der Schokoladen-Hersteller Lindt & Sprüngli musste 2009 einen Gewinnrückgang um ein Viertel auf 193 Millionen Franken hinnehmen. Schuld daran war die Krise. Der gesamte Schokoladenmarkt sei geschrumpft. Zudem würden die Verbraucher vermehrt zu Billig-Schokolade greifen. Dennoch will das Unternehmen für 2009 eine um 11 Prozent höhere Dividende ausschütten. Im laufenden Jahr wollen die "Schoggi"-Spezialisten wieder wachsen - um fünf bis sieben Prozent. Der Ausblick kam an der Börse gut an. Die Aktie legte über acht Prozent zu.

Österreichische Post leidet

Die Krise machte auch der Österreichischen Post zu schaffen. 2009 schrumpfte der Umsatz um 3,5 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro. Unterm Strich verdiente die Post nur noch 79,7 Millionen Euro - ein Drittel weniger als im Vorjahr. Vor allem die Geschäftskunden liefen der Post weg. Den Aktionären der Post soll trotzdem eine recht üppige Dividende von 1,50 Euro je Aktie ausgeschüttet werden. Vor einem Jahr gab's noch 2,50 Euro. Anleger hatten mit mehr Dividende und Gewinn gerechnet. Die Aktie sackte an der Wiener Börse um 1,5 Prozent ab.

Wird Harley-Davidson übernommen?

Im S&P 500 waren die Aktien von Harley-Davidson stark gefragt. Sie stiegen rund fünf Prozent. Händler nannten als Grund Marktgerüchte über eine mögliche Übernahme des Kult-Motorradbauers durch den Finanzinvestor KKR.

Honda ruft 400.000 Autos in den USA zurück

Derweil hat erneut ein japanischer Autohersteller mit Gegenwind in den USA zu kämpfen. Honda muss mehr als 400.00 Fahrzeuge wegen möglicher Probleme mit dem Bremspedal zurückrufen. Betroffen seien Odyssey-Minivans und Element-Geländewagen der Baujahre 2007 und 2008. Den US-Behörden seien mehrere Unfälle gemeldet worden. Konkurrent Toyota hatte wegen diverser Probleme über 8,5 Millionen Autos zurückgerufen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen