Marktbericht 20:00

Abschied von der 11.000? Anleger haben den Montagsblues

Stand: 09.02.2015, 20:00 Uhr

Die Griechenland-Krise wirft einen Schatten auf die frische Börsenwoche. So langsam werden die Investoren ein wenig nervös. Deshalb sind natürlich Gewinnmitnahmen die Taktik der Stunde.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
12.765,94
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+0,82%

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 1,7 Prozent auf 10.663,51 Punkten. Damit ist die Rekordjagd vorerst vorbei. Die unsichere Situation in Griechenland bot einen willkommenen Grund, um die Gewinne der vergangenen Tage einzustreichen: Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras lehnte eine Verlängerung des europäischen Hilfsprogramms strikt ab. Die Euro-Finanzminister werden am Mittwoch über den Streit beraten.

"Rally zu heiß gelaufen"

"Das Hin und Her der griechischen Regierung hinsichtlich des Schuldenschnitts sowie die verschärfte Lage in der Ostukraine, waren der Startschuss für die derzeitige Konsolidierung" kommentierte Christian Henke von IG Markets. Die aktuellen Kursverluste könnten durchaus der Beginn einer Trendwende sein.

"Diese Rally scheine jetzt zu heiß gelaufen zu sein und die Anleger sichern zunehmend ihre Gewinne", meint Andreas Paciorek, Marktanalyst bei CMC Markets. Gründe gebe es genug, gleich mehrere Konfliktherde gewönnen aktuell an Brisanz.

"Im Schatten der Griechenland-Diskussion könnte die schwerer einzuschätzende Situation in der Ukraine zu einer stärkeren Belastung für die Stimmung an den Aktienmärkten werden", meint der Fachmann. Der Dow Jones lag bei Handelsschluss in Deutschland rund 0,3 Prozent im Minus.

"Die Nervosität steigt"

Der Eurostoxx50 büßte 1,5 Prozent auf 3.347,75 Punkte ein. In Paris hingegen hielten sich die Abschläge mit einem Minus von knapp einem Prozent etwas in Grenzen. In London schloss der FTSE 100 sogar nur leicht in der Verlustzone.

Der Dow Jones lag am Abend um 0,4 Prozent im Minus. Die Nervosität wegen eines möglichen Euro-Austritts Griechenlands steige, sagte Analyst Andre Bakhos vom Broker Janlyn Capital. Der RTS-Interfax-Index in Moskau stieg hingegen um 1,7 Prozent auf 840,48 Punkte und knüpfte damit an seine starke Entwicklung aus der Vorwoche an. Der Late Dax sackte um 1,3 Prozent auf 10.648,54 Punkte.

Dax runter, Ölpreis rauf

Erdölförderanlage

Erdöl: Geht der Preis wieder rauf oder nochmal runter.

Die Ölpreise zogen dagegen an. Händler führten dies zum einen auf Aussagen der Opec zurück, wonach die Nachfrage nach ihrem Öl im laufenden Jahr steigen und die Produktion aus Ländern außerhalb des Kartells sinken werde. Die Ölpreise hatten sich seit dem Sommer bis Ende Januar mehr als halbiert. Als Hauptgrund gilt der Ölboom in den USA, der mehr Öl auf den Weltmarkt geschwemmt hat, als nachgefragt wurde. Am Freitag veröffentlichte Daten hatten gezeigt, dass die Zahl der Ölbohrungen in den USA weiter abnimmt.

Die US-Großbank Citi hält trotzdem einen Ölpreis-Rückgang um nochmals mehr als die Hälfte auf bis zu 20 Dollar pro Fass (159 Liter) für denkbar. Es sei unmöglich, einen Tiefpunkt für den Preis vorherzusagen, schrieben Citis Ölmarktexperten.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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68,69
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+0,41%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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73,00
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+0,56%

Lanxess führt den Dax an

Lanxess stemmte sich gegen den Trend. Der Spezialchemiekonzern kommt bei der Suche nach Partnern für sein Synthese-Kautschukgeschäft voran. Der Konzern sei mit möglichen Partnern "in Gesprächen", teilte der Konzern mit. Lanxess prüfe verschiedene strategische Optionen für das Kautschukgeschäft beziehungsweise Teilen davon. Dabei werde insbesondere das Eingehen eines Gemeinschaftsunternehmens als "eine Option" angesehen.

Autobauer litten unter JPMorgan

Kaum ein Unternehmen schaffte den Sprung in die Gewinnzone, aber zu den Schwächsten der Schwachen gehörten die zuletzt gut gelaufenen deutschen Autowerte. Papiere von VW, Daimler und BMW gehören zu den größten Dax-Verlierern. Eine negative Studie von JPMorgan heizt die Gewinnmitnahmen an. Demnach dürften sich sowohl Euro als auch Ölpreise stabilisieren, womit wichtige Stützen für die Autowerte wegfallen würden.

Adidas: Hainer lässt sich nicht lumpen

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
189,25
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+1,88%

Um Adidas wieder in die Offensive zu bringen, investiert Konzernchef Herbert Hainer laut der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" einen dreistelligen Millionenbetrag. Das Geld fließt in eine gemeinsame Kollektion mit Rapper Kanye West und eine globale Marketingkampagne mit Argentiniens Superstar Lionel Messi.

Nordex: Gewinnmitnahmen und negative Studie

Im TecDax steht die Nordex-Aktie unter Druck. Nach dem am vergangenen Freitag markierten Sechs-Jahres-Hoch bei 18,37 Euro lasten Gewinnmitnahmen auf dem Titel. Zudem hat die Deutsche Bank die Nordex-Aktie von "Buy" auf "Hold gesenkt und ihr Kursziel von 19 auf 17 Euro nach unten korrigiert.

Stada will mit Ebola-Test punkten

Stada: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,90
Differenz relativ
+0,07%

Im Kampf gegen die tödliche Ebola-Seuche bringt der Pharmakonzern Stada einen Schnelltest auf den Markt. Ab März wird das MDax-Unternehmen den von der Weimarer Senova entwickelten und produzierten Test weltweit vertreiben. Stada will den Test an Hilfsorganisationen kostendeckend für 3,20 Euro das Stück verkaufen.

Metro: Ein Handelskonzern und ein unzufriedener Großaktionär

Der MDax-Konzern Metro bekommt Druck von seinem größten Aktionär, der Duisburger Haniel-Gruppe. "Ich kann nicht sagen, dass wir zufrieden sind", sagte Haniel-Chef Stephan Gemkow der "Welt am Sonntag". Die Wertentwicklung bei Metro entspreche seit Jahren nicht Haniels Erwartungen. Die Metro-Aktie ist mit knapp 30 Euro aktuell nur noch halb so viel wert wie vor fünf Jahren.

BVB mal an der Spitze

Nach dem Auswärtssieg (3:0) beim SC Freiburg haussiert die Aktie von Borussia Dortmund im SDax. "Wir waren zuletzt die einzige Fußball-Mannschaft der Welt, die sich nicht mehr richtig freuen konnte", sagte Trainer Jürgen Klopp. Bei den Anlegern dürfte die Freude mit Blick auf den Langfrist-Chart allerdings nur von kurzer Dauer sein.

Corning verspricht kratzfestere Smartphone-Displays

Dem Spezialglas-Hersteller Corning ist nach eigenen Angaben ein Durchbruch beim Schutz für Smartphone-Bildschirme gelungen. Ein neues Material sei so kratzfest wie Saphir, aber zugleich auch so bruchsicher wie das aktuell in vielen Smartphones eingesetzte "Gorilla Glass" von Corning. Die Corning-Aktie hat in Frankfurt binnen Jahresfrist 54 Prozent hinzugewonnen.

Ford will in Europa profitabel werden

Ford: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,87
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+0,09%

Ford lässt weiter offen, wann der Autobauer in Europa wieder in die schwarzen Zahlen fährt. "Wir haben uns kein fixes Zeitziel gesetzt", sagte Ford-Chef Mark Fields der "Wirtschaftswoche". "Wir werden den Verlust in diesem Jahr weiter verringern und wollen, so schnell es geht, wieder profitabel sein."

HSBC und die Regelkonformität

Nach Berichten über mutmaßliche Steuervergehen ihrer Kunden hat die britische Bank HSBC Versäumnisse bei ihrer Schweizer Tochter eingeräumt. Es habe laut HSBC in der Vergangenheit Fehler bei der Aufsicht und beim Thema Regelkonformität (Compliance) gegeben - so klingt eine PR-Abteilung bei der Arbeit. In Medienberichten wurde anders formuliert: Das Internationale Konsortium für Investigativen Journalismus hatte auf Grundlage bankeninterner Dokumente berichtet, dass HSBC Millionen Dollar für Drogendealer, Waffenhändler und Prominente versteckt und ihnen durch das Bankengeheimnis geholfen habe, Steuern zu umgehen.

Qualcomm vor Milliardenstrafe

Der US-Chiphersteller Qualcomm wird Reuters-Informationen zufolge in China wegen Kartellverstößen wahrscheinlich eine Rekordstrafe von einer Milliarde Dollar zahlen. Eine solche Strafe wäre das höchste Bußgeld, das je gegen ein Unternehmen in China verhängt wurde.

Weitere Zulassung für Roche-Kassenschlager

Der Schweizer Pharmakonzern Roche kann dank einer weiteren Zulassung für das Augenmedikament Lucentis auf mehr Umsatz mit dem Mittel hoffen. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat Lucentis für die Therapie eines Augenleidens von Diabetikern zugelassen. Eine Herabstufung durch die Citigroup lastet allerdings auf den Titeln.

Nissan hebt Jahresprognose an

Der japanische Renault-Partner Nissan hat nach einem starken Quartal seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben. Wie Japans Nummer Zwei am Montag nach Börsenschluss bekannt gab, dürfte zum Bilanzstichtag 31. März unter dem Strich ein Gewinn von 420 Milliarden Yen (3,1 Milliarden Euro) anfallen.

Hasbro bärenstark dank Hulk

Gute Geschäfte mit Spider Man- und Hulk-Figuren haben dem US-Spielzeughersteller Hasbro einen kräftigen Gewinnzuwachs beschert. Unter dem Strich verdiente der Konzern im abgelaufenen Quartal mit 169,9 Millionen Dollar 31 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Hasbro steigerte den Umsatz um 1,3 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar.

Alibaba wagt Smartphone-Experiment

Der chinesische Online-Händler Alibaba ist für 590 Millionen Dollar bei dem kleinen Smartphone-Anbieter Meizu eingestiegen, um sein eigenes mobiles Betriebssystem nach vorne zu bringen. Analysten schätzen den Marktanteil des bislang eher unbedeutenden Smartphone-Herstellers in China auf unter zwei Prozent.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr