Marktbericht 20:02 Uhr

Dax tritt auf der Stelle Anleger gehen in Wartestellung

Stand: 13.12.2013, 20:02 Uhr

Lässt Ben Bernenke kommende Woche die Katze aus dem Sack und verkündet eine Drosselung der Geldpolitik oder lässt er die Anleger weiter im Ungewissen? Diese Frage sorgt seit Tagen für Verunischerung und bestimmte auch am Freitag das Geschehen an den Finanzmärkten.

Zunächst sah es am Freitag danach aus, als ob der Dax seine Verlustserie der vergangenen Tage unterbrechen könnte. In der Spitze kletterte der Leitindex bis auf 9.046 Zähler, 30 mehr als am Vortag. Doch am Nachmittag wendete sich das Blatt wieder und der Dax drehte erneut ins Minus.

Zeitweise rutschte er sogar unter die psychologisch wichtige Schwelle von 9.000 Punkten. Im weiteren Verlauf konnte er aber seine Verluste wieder eingrenzen und schloss bei 9.006 Zählern, 0,12 Prozent weniger als am Vortag. Auf Wochensicht bleibt ein Minus von 1,8 Prozent. Damit hat sich das Börsenbarometer von seinem am zweiten Dezember markierten Allzeithoch von 9.424 Punkten ein weiteres Stück entfernt.

Auch an der Wall Street kamen die Anleger am Freitag kaum voran. Nach dreitägiger Talfahrt eröffnete der Dow Jones-Index zunächst leicht im Plus, drehte dann aber ins Minus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der amerikanische Leitindex 0,2 Prozent höher bei 15.772 Punkten. "Die Märkte reagieren kaum, da am kommenden Mittwoch die geldpolitische Sitzung der Fed bevorsteht, und aller Augenmerk ist darauf gerichtet. Erst dann ist wieder mit volatilen Märkten zu rechnen", sagte Kornelius Barczynski, Marktanalyst beim Brokerhaus GKFX.

Tatsächlich hängt die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten von der Frage ab, wann und in welchem Umfang die US-Notenbank ihre Anleihenkäufe zurückschrauben wird. Das billige Zentralbankgeld wird von vielen als Grund für die starken Kursgewinne an den Börsen gesehen.

Tapering kommt

Bis dahin dürfte die Verunsicherung andauern, befürchten Experten. Von Reuters befragte Analysten erwarten mehrheitlich, dass die US-Notenbank erst im März vom Gaspedal gehen wird. Andere gehen jedoch davon aus, dass die Fed bereits bei ihrer Ratssitzung in der kommenden Woche eine Drosselung ihrer Wertpapierkäufe im Volumen von derzeit 85 Milliarden Dollar monatlich ankündigen wird. Angesichts der jüngsten Serie starker Konjunkturdaten gebe es eine begründete Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Fed bereits bei ihrer Ratssitzung in der kommenden Woche eine Straffung der Geldpolitik ankündigen werde, glaubt Alan Higgins vom Vermögensverwalter Coutts.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1381
Differenz relativ
-0,62%

Auch Devisenanleger stellen sich auf eine baldige Straffung der US-Geldpolitik ein und fragen verstärkt den Greenback nach. Im Gegenzug fällt der Euro auf zuletzt 1,3719 Dollar, nachdem er am Vortag noch über 1,38 Dollar geklettert war. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Freitagabend notiert der Euro bei 1,3717 Dollar.

Allianz hoch gelobt

Im Dax hebt eine Empfehlung von Morgan Stanley die Allianz-Aktie auf einen der vordersten Plätze. Die amerikanische Investmentbank hat das Kursziel für Allianz von 118 auf 139 Euro angehoben, aber die Einstufung auf "Equal-weight" belassen. Der steigende Spielraum für Aktionärsausschüttungen und die weiter sinkenden Eigenkapitalkosten dürften die Aktien der Versicherungsbranche im nächsten Jahr treiben, schrieb Analyst Jon Hocking in einer Branchenstudie vom Freitag. Die Allianz zähle dabei zu den Werten mit dem größten Spielraum bei der Bilanz.

K+S profitiert von Kartellfantasie

Zu den Gewinnern gehört auch die Aktie von K+S. Grund sind Spekulationen über eine Wiederbelebung eines russisch-weißrussischen Kali-Konsortiums. Händler sprachen von Gerüchten, wonach der russische Kaliproduzent Uralkali und die weißrussische Belaruskali ihr Handelskonsortium wiederbeleben könnten: "Das hört sich so an, als ob alles wieder so wie früher sein wird."

RWE und Eon im Blick von Goldman

Dagegen führt RWE die Liste der Verlierer an, nachdem Goldman Sachs die Aktie zurücknimmt. Nach der jüngsten Kursrally sei eine "Buy"-Einstufung nicht mehr angebracht, begründete Analystin Deborah Wilkens ihr neues "Neutral"-Votum für den Titel. Dennoch blickt sie grundsätzlich positiv auf den Konzern.

Deutlich besser hält sich die Eon-Aktie, nachdem die Analystin das Kursziel von 17 auf 19 Euro angehoben hat. Sie sehe wegen der Schließung weiterer alter Kohlekraftwerke Aufwärtspotenzial für die deutschen Energiepreise, schrieb Wilkens. Die Aktie habe mehr Aufwärtspotenzial als die des Konkurrenten RWE, die diese Preisentwicklung nach der jüngsten Kursrally bereits teilweise einpreise.

Evotec sackt ab

Im TecDax rauscht die Aktie von Evotec in den Keller und verliert 11,8 Prozent. Auf Jahressicht steht bei den Titeln aber immer noch ein Plus von mehr als einem Drittel zu Buche. Bei einer vorklinischen Studie mit einem Wirkstoffkandidaten gegen Depressionen lief nicht alles wie erhofft. Daher wird eine bedeutende Meilensteinzahlung an Evotec im Jahr 2013 nicht geleistet. In der Folge kassierte das Unternehmen seine Umsatzprognose.

SAG Solarstrom stellt Insolvenzantrag

Um mehr als 60 Prozent abwärts geht es mit der Aktie von SAG Solarstrom. Der Freiburger Hersteller von Wechselrichtern ist das nächste Opfer der Solarkrise. Nach dem Scheitern wichtiger Refinanzierungsgespräche mit den Banken sieht die Firma "keine Chance mehr, eine kurzfristige Sanierung außerhalb eines Insolvenzverfahrens zu realisieren." Das Verfahren will das Unternehmen in eigener Regie stemmen.

Magix bietet Rückkauf an

Das Softwareunternehmen Magix bietet den freien Aktionären den Rückkauf ihrer Aktien für drei Euro pro Stück an. Die Angebotsfrist beginnt am Montag und endet eine Woche später am 23.12. Der Rückkauf eigener Aktien über die Börse werde bis dahin ausgesetzt, erklärte das Berliner Unternehmen. Magix ist ein Anbieter von Software, Online-Diensten und digitalen Inhalten.

PSA eine Milliarde weniger wert

Nachdem der General Motors (GM) seine Beteiligung an dem französischen Autohersteller Peugeot (PSA) zum Stückpreis von 10 Euro auf den Markt warf, stürzt der Kurs weiter ab. Die PSA-Aktien verlieren zeitweise knapp zwölf Prozent. In den vergangenen vier Tagen beläuft sich das Minus damit sogar auf 23 Prozent. Peugeot ist am Kapitalmarkt gerade noch 3,4 Milliarden Euro wert - fast eine Milliarde weniger als noch Montagabend.

Celesio-Aktionäre halten sich zurück

Der US-Konzern McKesson kommt mit seiner milliardenschweren Offerte für den Pharmahändler Celesio bislang nur schleppend voran. Bis zum frühen Nachmittag des Donnerstag seien McKesson im Rahmen der am 05. Dezember vorgelegten Übernahmeofferte 15.952 Celesio-Aktien angedient worden, teilte die McKesson-Gesellschaft Dragonfly mit. Dies entspreche rund 0,01 Prozent des Aktienkapitals. Es ist allerdings üblich, dass sich Aktionäre zu Beginn einer Übernahmeofferte zurückhalten. Die Amerikaner bieten den Celesio-Aktionären 23 Euro je Aktie.

Twitter-Aktie nicht zu bremsen

Die Twitter-Aktie eilt von Rekord zu Rekord. Am Freitag markierte das Papier an der New Yorker Börse ein Hoch von 57,50 Dollar. Zum Börsenstart vor wenigen Wochen notierte die Aktie bei nur 26 Dollar. Hänldern zufolge hat vor allem die Möglichkeit, über das Online-Netzwerk jetzt auch Fotos verschicken zu können, für Begeisterung gesorgt.

United Technologies kann nicht begeistern

Abwärts geht es dagegen mit der Aktie des Mischkonzerns United Technologies. Das Unternehmen prognostiziert zwar für das kommende Jahr Wachstum, bleibt dabei aber hinter den Erwartungen zurück. Für 2014 wurde bei einem Analystentreffen als Ziel ein Umsatz von 64 Milliarden Dollar und ein Gewinn je Aktie von 6,55 bis 6,85 Dollar angekündigt. Die Experten haben bisher im Schnitt 66,2 Milliarden Dollar Umsatz und 6,85 Dollar je Aktie erwartet.

Adobe warnt

Auch beim Software-Hersteller Adobe laufen die Geschäfte schlechter als erwartet. Der Umsatz im laufenden Quartal werde zwischen 950 Millionen und einer Milliarde Dollar liegen. Analysten haben bislang im Schnitt mit 1,02 Milliarden gerechnet. Für den Gewinn sagte Adobe pro Aktie 22 bis 28 Cent voraus. Hier haben die Experten bislang 34 Cent vorhergesagt.

lg

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat