Marktbericht 20:02

Warten auf neue Impulse Anleger gehen in Deckung

Stand: 26.07.2013, 20:02 Uhr

Vor dem Wochenende, der Quartalszahlenflut und den Sitzungen der Notenbanken in der kommenden Handelswoche haben sich die Anleger am Freitag mit neuen Engagements zurückgehalten oder Gewinne mitgenommen. Dabei hatte es am Morgen noch gut ausgesehen.

Der Dax kletterte kurz nach Handelsbeginn auf 8.362 Punkte, musste seine Gewinne aber bereits am Vormittag wieder abgeben und drehte ins Minus. Nach einem kurzen Rutsch am Nachmittag auf ein Tagestief von 8.217 Punkten, geht der deutsche Leitindex schließlich bei 8.245 Punkten aus dem Handel, 0,65 Prozent oder 54 Punkte weniger als am Donnerstag. Damit hat der Dax auf Wochensicht etwas mehr als ein Prozent eingebüßt.

Am Nachmittag hat das Börsenbarometer seine Verluste wegen der guten Stimmung der amerikanischen Verbraucher kurz auf 0,4 Prozent reduzieren können, bevor es wieder abwärts ging. Laut der monatlichen Umfrage der Universität Michigan ist das Vertrauen der US-Verbraucher im Juli um einen Punkt auf 85,1 Zähler gestiegen ist. Analysten hatten lediglich mit 84,0 Zählern gerechnet.

An der Wall Street sorgen allerdings negativ aufgenommene Quartalszahlen bei sommerbedingt niedrigen Umsätzen alsbald wieder für fallende Kurse - und beschleunigen damit auch die Talfahrt der Aktienmärkte in Europa. Zeitweise büßt der Dow Jones-Index 0,8 Prozent ein. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow noch 0,34 Prozent tiefer bei 15.502 Punkten. Vor allem Aktien des Spielentwicklers Zynga und des Online-Reisepoartals Expedia müssen zweistellige Verluste hinnehmen.

Vorsicht vor dem Wochenende

Damit scheint die Aufwärtsbewegung der vorletzten Handelstage nun auszulaufen, erklärt Gregor Kuhn von IG Markets. Als Belastung erweisen sich neben einigen US-Firman auch die zuletzt eher durchwachsen ausgefallenen Unternehmensnachrichten aus Deutschland. Zudem halten sich vor dem Wochenende und der Quartalszahlenflut der kommenden Handelswoche viele Investoren mit neuen Engagements zurück und/oder nehmen Gewinne mit.

Auch sorgen die Notenbanksitzungen in der kommenden Woche für Vorsicht. Die EZB wird am Donnerstag zusammenkommen, die Fed berät am Dienstag und Mittwoch. Spekulationen, die US-Notenbanker könnten noch länger als bislang gedacht an ihrer Nullzinspolitik festhalten, haben am Freitag den Dollar zunächst gedrückt. Dadurch ist der Euro im Tagesverlauf bis auf 1,3298 Dollar geklettert. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert die Gemeinschaftswährung wieder etwas schwächer bei 1,3269 Dollar.

Deutsche Börse kommt nicht in die Gänge

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
116,95
Differenz relativ
+1,39%

Schwächster Wert im Dax ist die Aktie der Deutschen Börse. Sie büßt 3,7 Prozent ein. Das Unternehmen ist auch im Frühjahr nicht in die Gänge gekommen. Unter dem Strich schrumpfte der Gewinn im zweiten Quartal im Jahresvergleich um acht Prozent auf 171 Millionen Euro. Das Ergebnis fiel damit etwas schwächer aus als von Analysten erwartet. Eine konkrete Jahresprognose gibt es auch nicht.

Zitterpartie für ThyssenKrupp

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,27
Differenz relativ
-0,93%

Auch ThyssenKrupp-Aktien müssen abgeben. Denn der Verkauf der verlustreichen Übersee-Stahlwerke in Brasilien und den USA gestaltet sich schwieriger als gedacht. Dadurch sei es gut möglich, dass es im Geschäftsjahr 2012/13 (per Ende September) nicht mehr zu einem Deal für die Werke komme, so das Wall Street Journal. Die Verhandlungen seien schwierig, von einem Scheitern könne aber keine Rede sein, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen dagegen der Nachrichtenagentur Reuters.

Daimler in Frankreich blockiert

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,13
Differenz relativ
-2,57%

Mehr als zwei Prozent abwärts geht es auch mit der Daimler-Aktie. Die französische Regierung will am Zulassungsstopp für einige Mercedes-Modelle festhalten. Es würden die dazu nötigen formalen Schritten eingeleitet, teilte die Regierung in Paris mit. Damit geht der Streit um ein Klimaanlagen-Kältemittel, das den Anlass für die Zulassungs-Blockade liefert, in die nächste Runde. Am Donnerstag hatte das Verwaltungsgericht in Versailles den verhängten Zulassungsstopp für einige Baureihen von Mercedes-Benz ausgesetzt.

Siemens-Aktie profitiert von Gerüchten

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehören dagegen die in den letzten tagen arg unter Druck geratenen Aktien von K+S sowie von Siemens. Während es sich bei K+S Hänldern zufolge um eine technische Reaktion handelt, haben bei Siemens Spekulationen über die Zukunft von Vorstandschef Peter Löscher für eine Kehrtwende der Aktie gesorgt. Insidern zufolge wird sich der Siemens-Aufsichtsrat bereits an diesem Wochenende mit der Zukunft von Löscher befassen.

Fuchs zu hoch bewertet?

Im MDax ist die Aktie des Mannheimer Schmierstoffherstellers Fuchs unter Druck geraten. Die Privatbank Berenberg hat das Kursziel vor Veröffentlichung der Quartalszahlen von 58 auf 54 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Hold" belassen. Die Vorteile auf der Rohstoffkostenseite wirkten sich noch nicht so deutlich auf die Gewinne aus wie zunächst von ihm erwartet, schrieb Analyst John Philipp Klein. Der Experte reduzierte daher seine Schätzungen für den Schmierstoffhersteller.

Krones bleibt auf Klettertour

Weiter aufwärts geht es dagegen mit der Aktie von Krones. Der Hersteller von Getränkeabfüllanlagen hatte am Donnerstag seine Geschäftsprognose angehoben. Die Aktien nimmt nun Kurs auf das Allzeithoch bei rund 65 Euro.

Praktiker-Tochter auch pleite

Kräftig Federn lassen muss erneut die Aktie von Praktiker, nachdem nun auch die als profitabel geltende Tochter Max Bahr Insolvenz anmelden musste. "Eine zuverlässige Warenversorgung der Max-Bahr-Märkte ist damit nicht mehr gewährleistet", erklärte Praktiker. Mit der Nachricht mehren sich die Zeichen, dass die Praktiker-Aktie nur noch einen ideellen Wert für börsenverrückte Heimwerker hat.

Samsung kein Selbstläufer mehr

Bremsspuren weist die Bilanz des weltweit größten Handy-Herstelles Samsung auf. Davon waren vor allem die Sparte mit mobilen Geräten wie Tablets, Smartphones und einfacheren Handys betroffen, die bei Samsung für zwei Drittel des gesamten Geschäfts steht. Hier fiel der Gewinn zum Vorquartal um 3,5 Prozent, obwohl das Unternehmen Ende April das vielbeworbene Flaggschiff-Smartphone Galaxy S4 auf den Markt brachte. An der Börse in Seoul gaben die Aktien, die seit Anfang Juni schon 14 Prozent verloren haben, weiter nach.

Total spürt schwachen Ölpreis

Europas drittgrößter Ölkonzern Total hat wegen sinkender Preise weniger verdient. Der bereinigte Überschuss fiel im zweiten Quartal um drei Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Freitag in Paris mit. Die Preise für Rohöl der Sorte Brent waren zu Quartalsbeginn unter die Marke von 100 Dollar und damit auf ein Neun-Monats-Tief gefallen.

Renault im Niedergang

Während Daimler & Co Milliarden scheffeln hat der französische Autobauer Renault im ersten Halbjahr des laufenden Jahres unter dem Strich nur noch 39 Millionen Euro verdient. Als Gründe gelten die schwierige Umstrukturierung in Frankreich sowie die De-facto-Einstellung des Geschäfts im Iran. Allein dafür musste Renault Rückstellungen in Höhe von 512 Millionen Euro bilden.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen