Marktbericht 20:02 Uhr

Gewinnmitnahmen auch am Freitag Anleger gehen auf Nummer sicher

Stand: 12.09.2014, 20:02 Uhr

Neue Sanktionen gegen Russland, die drohende Abspaltung der Schotten von Großbritannien und nicht zuletzt die Unsicherheit vor der Sitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche: Gründe genug für weitere Kursrückgänge am Freitag.

Zwar schaffte es der Dax am Vormittag kurz die Schwelle von 9.700 Punkten zu überschreiten, doch schon bald setzten neuen Gewinnmitnahmen ein. Nach den guten US-Konjunkturdaten und den damit verbundenen Ängsten vor einer baldigen Zinswende in den USA rutscht der deutsche Leitindex gar bis auf 9.617 Punkte ab, sein Tagestief. Anschließend kommt es wie in den Vortagen zu einer leichten Erholung, doch schließt der Leitindex am Ende 0,41 Prozent tiefer bei 9.651 Punkten. Das ist auf Wochensicht ein Minus von knapp einem Prozent.

Auch an der Wall Street kommt es am Freitag zu Kursverlusten. Der Dow Jones-Index eröffnet leicht im Minus, weitet im Handelsverlauf seine Verluste aber aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert er ein halbes Prozent tiefer bei 16.955 Punkten. Statt neuer Kaufimpulse haben die am Nachmittag veröffentlichten US-Konjunkturdaten die Anleger weiter verunsichert, haben sie doch der Debatte um eine frühzeitige Anhebung der amerikanischen Leitzinsen neue Nahrung verschafft.

Tatsächlich ist der US-Einzelhandelsumsatz im August zum Vormonat wie erwartet um 0,6 Prozent gestiegen. Ohne Autos beträgt das Plus 0,3 Prozent. Das von der Uni Michigan gemessene Verbrauchervertrauen stieg im August von 82,5 Punkten im Vormonat auf 84,6 Zähler. Dies ist der höchste Wert seit Juli 2013. Analysten hatten lediglich mit einem Anstieg auf 83,3 Punkte gerechnet.

Geht die Lethargie weiter?

Analysten befürchten deshalb, dass die derzeitige Mischung aus Gewinnmitnahmen und Zurückhaltung sich bis Mitte der kommenden Woche fortsetzen wird. Dann kommt nämlich das Führungsgremium der Federal Reserve zu seiner monatlichen Sitzung zusammen, um über die weitere Geldpolitik zu beraten. Zuletzt hatten enttäuschende Arbeitsmarktdaten Hoffnungen auf eine spätere Leitzinserhöhung geschürt, die aber schnell wieder abebbten.

Euro und Öl leicht gestiegen

Der Euro hat nach den US-Einzelhandelszahlen leicht zugelegt. Bei Börsenschluss in Frankfurt notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,2946 Dollar. Die EZB hattte den Referenzkurs auf 1,2931 Dollar festgelegt.

Dagegen ist der Ölpreis nach zuletzt deutlichen Verlusten wieder etwas gestiegen. Ein Fass der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am Nachmittag 98,26 Dollar. Das waren 18 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für Nordseeöl war am Donnerstag zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen. Die neuen EU-Sanktionen gegen Russland könnten die Preise etwas gestützt haben, meinen die Experten der Commerzbank.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1269
Differenz relativ
+0,43%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
65,79
Differenz relativ
-6,39%

Eon rauf, RWE runter

Bei den Einzeltiteln im Dax machten heute Analysten Kurse. JPMorgan hat Eon von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel deutlich von 14 auf 17 Euro erhöht. Der Konkurrent RWE wird negativer gesehen: JPMorgan stufte die Titel von "Neutral" auf "Underweight" herab und bestätigte das Kursziel von 26 Euro. Eon ist daraufhin zweitgrößter Dax-Gewinner, RWE zweitweiße sogar größter Dax-Verlierer. Schwächster Wert im Dax ist zum Handelsende aber die Fresenius-Aktie.98

Conti bekommt grünes Licht

Verluste verzeichnet auch die Conti-Aktie. Dabei hat der Autozulieferer für den geplanten milliardenschweren Kauf des US-Unternehmens Veyance Technologies von der Carlyle Group grünes Licht vom Bundeskartellamt erhalten. Allerdings werde das Vorhaben derzeit noch von einer Reihe anderer Wettbewerbsbehörden weltweit geprüft, darunter auch noch in den USA selbst. Der Dax-Konzern will sich mit der 1,4 Milliarden Euro teuren Übernahme unabhängiger vom Auf und Ab der Autoindustrie machen.

Lufthansa leidet unter möglichen Gegensanktionen

Schwächer als der Gesamtmarkt präsentiert sich auch die Lufthansa-Aktie. Sollte Wladimir Putin Ernst machen und als Reaktion auf härtere EU-Sanktionen die Region Sibirien mit einem Überflugverbot für westliche Airlines belegen, wäre dies ein harter Schlag für die Kranichlinie, überfliegt die Lufthansa doch den Norden Russlands 180 mal pro Woche. Belastet wird die Aktie auch von der anhaltenden Streikdrohung der Piloten.

Münchener Rück: Aktie dümpelt weiter vor sich hin

Die Aktie der Münchener Rück notiert ebenfalls etwas schwächer als der Markt, obwohl JPMorgan das Papier auf "Overweight" mit einem Kursziel von 185 Euro belassen hat. Leicht belastet wird die Aktie durch einen Bericht im "Handelsblatt", demzufolge die Polizei im Zuge der Betrugsvorwürfe gegen den Finanzdienstleister Infinus die Konzernzentralen der Versicherer Ergo und Gothaer durchsucht hat. Ergo gehört zur Münchner Rück.

VW: Wachstum verlangsamt

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,96
Differenz relativ
+1,45%

Zu den Verlierern im Dax gehört erneut auch die VW-Aktie. Das Unternehmen hat auch im August mehr Autos verkauft als vor einem Jahr. Allerdings fiel das Wachstum von Europas größtem Autobauer mit 2,7 Prozent auf 740.500 Neuwagen nur knapp halb so stark aus wie im bisherigen Jahresverlauf.

Gerry Weber enttäuscht

Gerry Weber: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
2,25
Differenz relativ
-6,05%

Im MDax richten sich die Augen der Investoren auf Gerry Weber. Anleger reagieren enttäuscht auf die am Morgen vorgelegten Zahlen für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres. Die Aktie verliert fast fünf Prozent und ist damit der größte Verlierer im MDax. Umsatz und Ergebnis des Modekonzerns lägen unter den Analystenerwartungen, sagte ein Händler. Da reiche auch die Ankündigung von Konzernchef Gerhard Weber nicht aus, die Ziele für das vierte Quartal zu erreichen.

Skeptisches Analystenvotum drückt Südzucker

Überdurchschnittlich abwärts geht es auch mit der Südzucker-Aktie. Die Analysten der Berenberg Bank haben ihre Gewinnschätzungen für den Konzern gesenkt, vor allem wegen der Aussicht auf weiter fallende Zuckerpreise. Sie reduzierten das Kursziel für die Papiere von 12,00 auf 10,50 Euro und bekräftigten ihre Kaufempfehlung.

TAG drehen ins Minus

Aktien von TAG-Immobilien müssen bis zum Nachmittag ihre Gewinne wieder abgeben und drehen sogar ins Minus. Zuvor hatte das MDax-Unternehmen angekündigt, angesichts seiner hohen Geldbestände im großen Stil eigene Aktien zurückzukaufen. Zugleich bereitet sich Unternehmenschef Rolf Elgeti auf einen Wechsel in den Aufsichtsrat vor. Die Aktie drehte daraufhin auf und gehörte kurz zu den größten MDax-Gewinnern.

Grünes Licht für Sky-Deutschland-Verschiebung

Die EU-Wettbewerbshüter haben auch für die Übernahme von Sky Deutschland und Sky Italia durch die britische Sky Broadcasting Group grünes Licht gegeben. Bisher gehörten Sky Deutschland zu 57 Prozent und Sky Italia zu 100 Prozent zu Rupert Murdochs US-Konzern 21st Century Fox, der wiederum BSkyB kontrolliert.

BVB: Mutiges Kursziel

Klotzen, nicht kleckern, scheint die Devise von Hauck & Aufhäuser zu sein. Die Privatbank hat für die BVB-Aktie eine in einer Ersteinschätzung eine Kaufempfehlung ausgesprochen und das Kursziel auf 7,00 Euro festgeschrieben. Das würde im Vergleich zum aktuellen Kurs ein Aufwärtspotenzial von 50 Prozent bedeuten! Die im SDax notierte Fußball-Aktie legt leicht zu.

Homag beschert DBAG

Die ebenfalls im SDax notierte Aktie der Deutschen Beteiligungs AG reagiert äußerst unaufgeregt auf die Zahlenvorlage zum dritten Geschäftsquartal. Dank des erfolgreichen Ausstiegs beim Maschinenbauer Homag konnte der Finanzinvestor den Überschuss von 2,4 auf 21,5 Millionen Euro steigern. Für das Geschäftsjahr 2013/14 wird nun ein Ergebnis angepeilt, das etwa zehn Millionen über dem Vorjahreswert liegt.

Icahn macht Druck bei Hertz

Unter den ausländischen Titeln lohnt ein Blick auf die Hertz-Aktie. Diese kletterte im nachbörslichen US-Handel um 3,8 Prozent. Der für sein aggressives Finanzgebaren bekannte Investor Carl Icahn hat nach seinem Einstieg bei dem US-Autovermieter drei Sitze im Aufsichtsrat erhalten. Ziel sei nun die Ernennung eines neuen Unternehmenschefs, der Hertz wieder zu altem Glanz verhelfen könne, so Icahn.

Wolford geht es besser

In Wien weiß die Wolford AG Positives zu berichten. Der österreichische Strümpfe- und Wäsche-Hersteller ist im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres in die Gewinnzone zurückgekehrt und hat erstmals in den saisonal bedingt eher schwachen Monaten Mai bis Juli einen Nettogewinn von 1,49 Millionen Euro erwirtschaftet.

HP muss Millionenstrafe zahlen

Derweil ist Hewlett-Packard wegen Bestechung russischer Regierungsbeamter mit einer Strafe von 45,4 Millionen Euro belegt worden. Das Technologieunternehmen habe den Verstoß gegen das entsprechende Bundesgesetz zuvor eingeräumt, teilte die US-Börsenaufsicht SEC am Donnerstag mit.

Rena Lange ist insolvent

Am Anleihemarkt sorgt die Insolvenz des traditionsreichen Münchner Modehauses Rena Lange für Entsetzen. Die erst im März emittierte Anleihe brach daraufhin auf 11 Prozent ihres Nominalwertes ein. Mittlerweile notiert sie bei nur noch 10 Prozent.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr