Anleger gehen auf Nummer sicher

Stand: 10.02.2012, 19:58 Uhr

Das Theater um die Rettung Griechenlands zerrt an den Nerven der Investoren. Ein anderes Stück wird derzeit aber nicht gespielt, also kehrten einige Anleger dem Aktienmarkt den Rücken. Nach sieben Wochen in Folge mit Kursgewinnen jetzt ein Stückchen Alltag: Der Dax verliert.

Der Dax ging mit einem Minus von 1,4 Prozent bei 6.692,96 Punkten aus dem Handel. Zeitweise hatte der Leitindex knapp zwei Prozent eingebüßt und bei 6.649,56 Zählern den tiefsten Stand des Tages markiert. Damit hat der Dax 1,1 Prozent im Vergleich zur Vorwoche verloren. Seit Jahresbeginn liegt er aber immer noch mit mehr als 13 Prozent im Plus.

Wiederaufkeimende Ängste vor einer Pleite Griechenlands haben auch die Wall Street in die Verlustzone gedrückt. Der Dow Jones lag am Abend mehr als ein Prozent im Minus. Der Late Dax verlor 1,7 Prozent auf 6.685,36 Punkte.

Nägel mit Köpfen oder: Gewinnmitnahmen
Die Sorge um die Rettung Griechenlands beschäftigt die Finanzmärkte weiter. Die Investoren reagierten sensibel auf Nachrichten aus der Politik des Landes: Der Vorsitzende der kleinen rechten Regierungspartei LAOS, Giorgos Karatzaferis, will im Parlament seine Zustimmung zum Sparpaket verweigern - diese Ankündigung belastete die ohnehin angeschlagene Stimmung.
"Der Markt hätte gerne endlich Nägel mit Köpfen gemacht", sagte Kapitalmarktexperte Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Nun sei aber die weiter ungeklärte Lage vor dem Wochenende für Gewinnmitnahmen genutzt worden.

Am Devisenmarkt fiel der Euro bis auf 1,3153 Dollar und verlor damit zu seinem Zwei-Monats-Hoch vom Vortag mehr als anderthalb Cent. Am Rentenmarkt schnellten dagegen die Kurse der als sicher geltenden Bundesanleihen nach oben.

Verbraucherstimmung etwas trüber
Das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan enttäuschte: Der Index fiel von 75,0 auf 72,5 Punkte. Experten hatten mit 74,8 Zählern gerechnet. Die Finanzlage der Konsumenten bleibe schwach, hieß es. "Die Verbraucher sind derzeit weiter sehr skeptisch, was die Erholung angeht", sagte Analyst Boris Schlossberg von GFT Forex.

Interessante Zahlen bot die US-Handelsbilanz für das Jahr 2011. Die US-Unternehmen haben im vergangenen Jahr so viel ins Ausland verkauft wie nie zuvor. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen legten um 14,5 Prozent auf 2,1 Billionen Dollar zu. Die Importe stiegen um 13,8 Prozent und erreichten mit 2,7 Billionen Dollar ebenfalls eine neue Höchstmarke. Die Importe aus China übertrafen die Exporte um 295,5 Milliarden Dollar.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,59
Differenz relativ
+0,55%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,55
Differenz relativ
-0,57%

Anleger verkaufen Finanztitel
Die Titel der Commerzbank lagen mit kräftigen Verlusten um mehr als fünf Prozent im Minus, auch die Aktien der Deutschen Bank fielen deutlich zurück. Fachleute geben als Grund die Hängepartie in Griechenland an. Grämen sollten sich die Investoren aber nicht: Titel der Deutschen Bank haben im Jahresverlauf mehr als 14 Prozent zugelegt, Aktien der Coba sogar mehr als 50 Prozent. Auch im EuroStoxx 50 fielen Banken zurück und belegten geschlossen die letzten Plätze.

Nur wenige Titel im Dax legten zu. In der Gewinnzone hielten sich die Anteile von Infineon nach einem positiven Kommentar von Goldman Sachs. Die Analysten setzten die Papiere auf ihre Liste mit dem schönen Namen "Pan-Europe Conviction Buy List" und erhöhten das Kursziel auf 11,50 von zuvor 8,30 Euro. Die Halbleiter-Industrie erhole sich schneller als gedacht, hieß es in dem Kommentar. Ansonsten waren defensive Titel wie Fresenius und FMC gefragt.

Bilfinger baut in Berlin
Der im MDax gelistete Baukonzern hat von den Berliner Verkehrsbetrieben Aufträge im Gesamtvolumen von 230 Millionen Euro erhalten. Dabei soll der Baukonzern unter anderem im Herzen Berlins die bestehende U-Bahn-Linie 5 verlängern. Der Konzern, der am 13. Februar seine Jahreszahlen präsentiert, hat nach der Meinung von Analysten sein Ziele erfüllt und kann mit einer leichten Ergebnissteigerung rechnen. Die Aktie schloss etwa ein halbes Prozent leichter.

Sky sammelt Geld und Abonnenten
An der Spitze der mittelschweren Werte standen die Titel von Sky. Die jüngste Kapitalerhöhung kommt gut an am Markt. Der Bezahlsender hat dabei 155,8 Millionen Euro eingenommen. Insgesamt wurden 71 Millionen Aktien zu 2,20 Euro platziert. Die Spanne lag nach Händlerangaben zwischen 2,12 und dem Schlusskurs von 2,23 Euro. Sky muss für die Fortsetzung des Expansionskurses investieren und braucht dafür Geld. Zuletzt hatte der Sender erstmals mehr als drei Millionen Abonnenten - nach Angaben des Managements die erforderliche Zahl, um profitabel wirtschaften zu können.

Fraport mit Passagierplus
Der Flughafenbetreiber hat im Januar bei den Passagierzahlen zugelegt, aber im Frachtbereich Rückgänge hinnehmen müssen. Im Konzern stieg die Passagierzahl um 6,6 Prozent, das Frachtaufkommen sank hingegen um 13,8 Prozent. Auf dem Frankfurter Flughafen, dem größten des Unternehmens, wurden 5,5 Prozent mehr Passagiere abgefertigt. Das Frachtaufkommen sank hingegen um 15,9 Prozent. Dort herrscht bis zur endgültigen Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts im März ein absolutes Nachtflugverbot ab 23:00 Uhr. Fracht wird überwiegend nachts transportiert. Das MDax-Papier gibt leicht nach.

Schwacher Ausblick bei Aurubis...
... dennoch legt die Aktie gegen den Trend zu. Der Kupferkonzern rechnet nach einem Gewinnsprung im ersten Quartal im weiteren Verlauf des Jahres mit einem schwächeren Geschäft. Das starke Ergebnis zum Auftakt des Geschäftsjahres 2011/2011 resultiere aus dem für das Unternehmens noch sehr guten Marktumfeld und hoher Produktion, teilte das Unternehmen mit. Eine Fortsetzung der Ergebnisse auf diesem sehr hohen Niveau sei aktuell nicht zu erwarten. In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres erzielte Aurubis ein unerwartet hohes Ergebnis Gewinn vor Steuern von 190 Millionen Euro nach 135 Millionen im Vorjahr.

Süss Microtec steigert Umsatz und Ergebnis
Das im TecDax notierte Unternehmen hat 2011 Gewinn und Umsatz gesteigert. Die Erlöse steigen um 26 Prozent auf 175,4 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legt um 30 Prozent auf 18,6 Millionen Euro zu. Allerdings ging der Auftragseingang im vierten Quartal zurück, Süss hatte bereits im Dezember die Märkte darauf eingestellt. Das Papier büßt mehr als zwei Prozent ein.

Total: Ölbranche läuft prächtig
Gute Nachrichten gibt es vom französischen Ölmulti Total. Das Unternehmen hat im vierten Quartal sein bereinigtes Nettoergebnis um sieben Prozent auf 2,72 Milliarden Euro gesteigert. Im Gesamtjahr 2011 stand ein Plus von elf Prozent auf 11,42 Milliarden Euro in den Büchern. Profitiert hat Total vor allem im Schlussquartal vom gestiegenen Ölpreis.

Alcatel-Lucent springt nach oben
Einen mächtigen Satz machten die Titel des französisch-amerikanischen Netzwerkausrüsters. Zwar fielen das operative Ergebnis im vierten Quartal um 20 und der Umsatz um 13 Prozent, die Ergebnisse waren aber besser als von Analysten erwartet. Unter dem Strich stand auf Jahressicht ein Gewinn von 868 Millionen Euro, das ist rund das Fünffache dessen, was prognostiziert worden war. Zudem ist es, bezogen auf das Gesamtjahr, das erste Mal, dass das fusionierte Unternehmen seit 2006 einen Überschuss erwirtschaftet.

Michelin profitiert vom Autoboom
Der französische Reifenhersteller hat den Gewinn um 39 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro gesteigert und damit die Marterwartungen übertroffen. Das Unternehmen profitiert von der hohen Autonachfrage, vor allem im Erstausrüstungsgeschäft bei den Neuwagen lief es gut. Auch der Absatz von Winterreifen legte zu. Höhere Rohstoffkosten konnten durch höhere Preise abgefangen werden. Die Dividende soll bei 2,10 Euro liegen. Auch im laufwenden Jahr erwartet das Management stabile Erlöse.

Barclays kürzt Boni
Mit Kurssteigerungen von zeitweise mehr als drei Prozent reagierten die Investoren an der Londoner Börse auf das angekündigte Sparprogramm der britischen Bank. Dazu gehört nach Angaben von Bankchef Bob Diamond auch, die Bonuszahlungen um ein Drittel auf 1,5 Milliarden Pfund zu senken. Zuvor hatte Diamond sein bisheriges Renditeziel von 13 Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital in Frage gestellt. Diamond reagiert damit auf eine enttäuschendes Zahlenwerk 2011. Vor allem aufgrund der Finanzmarkt-Turbulenzen und eines schwachen Investmentbankings sank der Überschuss um 16 Prozent auf drei Milliarden Pfund.

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