Anleger geben Zurückhaltung auf

Stand: 11.11.2011, 19:54 Uhr

Zum Wochenschluss ließen die Anleger noch einmal alle Vorsicht beiseite und suchten das Risiko. Die Hoffnung auf frisches Regierungspersonal in Italien gab ihnen neuen Mut.

Der Dax schloss um 3,2 Prozent fester bei 6057,03 Punkten. Das Tageshoch erreichte der deutsche Leitindex bei 6065,29 Zählern. Auf Wochensicht legte der Leitindex um 1,5 Prozent zu. Der EuroStoxx 50 stieg um 3,10 Prozent auf 2324,81 Punkte, der Late-Dax kletterte um

"Hoffnungsvolle Nachrichten aus Italien sorgen für aufkeimenden Optimismus an den Aktienmärkten", schreibt Gregor Kuhn von IG Markets. Der italienische Senat hatte gegen Mittag ein neues Sparpaket verabschiedet. Die Abstimmung in der großen Kammer, dem Abgeordnetenhaus, wird für diesen Samstag erwartet.

Danach könnte Ministerpräsident Silvio Berlusconi zurücktreten und Ex-EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti mit der Regierungsbildung beauftragt werden, berichten italienische Medien. "Die jüngsten politischen Entwicklungen in Europa sind ermutigend", sagte Philippe Gijsels, Chef-Analyst bei BNP Paribas Fortis Global Markets. "Sie reichen aus, um den Markt zu stabilisieren."


Michigan-Vertrauen überraschend stark
Der Dow Jones machte aufgrund der Nachrichten aus Italien ebenfalls einen Satz nach vorn, notierte am Abend mehr als zwei Prozent fester und nahm dabei die Marke von 12.200 Punkten ins Visier. Die anhaltende Entspannung am italienischen Anleihemarkt treibe die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks, stellten Marktteilnehmer fest.

Unterstützung brachte auch das US-Konsumklima. Der Index der Universität Michigan stieg von 60,9 Punkten im Vormonat auf 64,2 Zähler. Volkswirte hatten mit 61,5 Punkten gerechnet.

Der Euro steigt kräftig
Der Euro beschleunigte seine Erholung. Er verteuerte sich auf 1,3738 Dollar und lag damit rund eineinhalb US-Cent über dem New Yorker Vortagesschluss. Im Augenblick scheint also wieder die Sonne über den Finanzmärkten. Dennoch wollen auch warnende Stimmen nicht verstummen und die Erfahrungen der vergangenen Wochen zeigen deutlich, wie kurzlebig scheinbare Erfolge, Durchbrüche, Problemlösungen derzeit sind.

"Im Moment sieht es nach Entspannung aus. Das kann aber bei der momentanen Lage sehr schnell wieder anders aussehen", warnte ein Händler. "Das Umfeld für die Aktienmärkte stellt sich weiter fragil und sehr anfällig dar", schreiben die Experten der Landesbank Berlin. Am Montag begibt Italien neue Anleihen - das Ergebnis dürfte aufmerksam beobachtet werden.

Allianz-Aktie springt nach vorn
Die Anteile der Allianz schlossen mit plus 5,6 Prozent an vierter Stelle, nachdem sie lange den Dax angeführt hatten. Dabei trafen die jüngsten Marktturbulenzen den Versicherer im dritten Quartal 2011 viel härter als gedacht. Der Überschuss brach um 85 Prozent ein. Analyst Philipp Häßler von Equinet lobte gleichwohl vor allem die überraschend starke Entwicklung im operativen Geschäft.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,53
Differenz relativ
+0,45%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,26
Differenz relativ
-0,54%

Banken im Aufwind
Auch andere Finanzwerte wie Deutsche Bank oder Commerzbank erfreuten die Investoren mit deutlichen Kursgewinnen. Die Aareal-Bank legte im MDax fast zweistellig zu und belegte den Spitzenplatz. Die Entspannung in Italien helfe den Finanzwerten allgemein und auch der Allianz, hieß es unter Marktteilnehmern. Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade meinte: "Mit der abnehmenden Rendite bei den italienischen Staatsanleihen weicht auch der Druck von den deutschen Finanzkonzernen allgemein."

Salzgitter bei Anlegern beliebt
Anteile des MDax-Werts Salzgitter legen um fast fünf Prozent zu. Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern hat im dritten Quartal 21 Millionen Euro verdient. Gewinn und Umsatz legten im Jahresvergleich zu. Doch wegen der sich eintrübenden Stahlkonjunktur, des Preisdrucks und der üblichen saisonalen Abschwächung lief es nicht so gut wie im Sommerquartal. Der Gewinn lag leicht unter den Markterwartungen, der Umsatz hingegen darüber.

HHLA bereitet sich auf Krise vor
Auch die Aktie von HHLA gewinnt fast fünf Prozent. Trotz der Turbulenzen in der Weltwirtschaft knüpfte das Unternehmen an seinen Wachstumskurs an. Der Umsatz stieg um16 Prozent auf 893 Millionen Euro, der Gewinn um gut ein Fünftel auf 61 Millionen Euro. Bei der Vorlage des Quartalsberichts warnte die HHLA-Spitze allerdings um Vorstandschef Klaus-Dieter Peters vor einer "merklichen Konjunkturabkühlung". Der Vorstand rüstet sich für eine veritable Krise.

IVG macht Anlegerträume wahr
Im SDax sorgt die Aktie von IVG Immobilien für Furore. Der Kurs schoss zeitweise um mehr als 30 Prozent in die Höhe. Die IVG hat zwei Kredite über insgesamt zwei Milliarden Euro vorzeitig verlängert. Dabei dürfte sie zumindest längerfristig Kosten sparen. Die Geschäfte des kriselnden Immobilienkonzerns lassen aber noch zu wünschen übrig. IVG kämpfte sich im dritten Quartal nur mühsam in die Gewinnzone zurück. Unter dem Strich verdiente das Bonner Unternehmen drei Millionen Euro, doch wegen des verlustreichen ersten Halbjahres bleibt die Neunmonats-Bilanz rot.

Wacker Neuson mit Gewinnsprung
Gefragt ist auch die Aktie von Wacker Neuson. Der Baumaschinenhersteller spürt keine Anzeichen einer nahenden Krise, wie die Quartalsbilanz zeigt. Der Gewinn verdreifachte sich auf nahezu 27 Millionen Euro, der Umsatz kletterte um 27 Prozent. Optimistisch fällt auch der Ausblick auf das Jahr 2012 aus.

SKW: Robuste Stahlkonjunktur
Beim Stahlzulieferer SKW Stahl-Metallurgie sind bislang ebenfalls noch keine Spuren einer Konjunkturkrise zu sehen. In den ersten neun Monaten 2011 stieg der Umsatz dank der hohen Nachfrage nach Stahlveredelungsstoffen und neuer Werke um 14 Prozent auf 325 Millionen Euro. Der Gewinn kletterte sogar um knapp 40 Prozent auf acht Millionen Euro.

SMA Solar zweitstärkster TecDax-Titel
Dabei verzeichnete das Unternehmen angesichts von Überkapazitäten und einer Nachfrageflaute in der Photovoltaikbranche eine deutliche Gewinneinbuße. Trotzdem schlug sich die Gesellschaft auf Neunmonatssicht im Branchenvergleich noch gut. Der Umsatz ging um 17 Prozent auf 1,19 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) und der Überschuss fielen um je 58 Prozent.

Rote Zahlen für Beate Uhse
Außerhalb der Indizes gibt es noch Geschäftszahlen von Beate Uhse. Der angeschlagene Erotikkonzern ist per Ende September noch nicht raus aus den roten Zahlen, der Verlust sank aber. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei minus 4,8 Millionen Euro bei Umsätzen in Höhe von 109,4 Millionen Euro. Anleger lassen die Aktie heute fallen, der Kurs sackt sechs Prozent abwärts.

Asian Bamboo setzt Prognose herab
Auch Asian Bamboo kommt mit seinem Zahlenwerk nicht gut an. Zwar wächst die chinesische Firma - der Umsatz kletterte im dritten Quartal um 55, der Gewinn um 28 Prozent - das Umsatzziel wurde jedoch zurückgenommen.

Zapf spart sich in die Gewinnzone
Der Puppenhersteller Zapf Creation verdiente im abgelaufenen Quartal trotz Umsatzschwund sechs Millionen Euro. Das ist doppelt so viel wie vor Jahresfrist. Auf Basis der ersten neun Monate habe Zapf erstmals seit 2004 wieder schwarze Zahlen erreicht. Die Einnahmen seien im dritten Quartal um ein Zehntel auf 25,3 Millionen Euro zurückgegangen, teilte Zapf mit.

Telefonica mit Problemen
Im Gesamtkonzern wuchs der Umsatz in den Monaten von Juli bis September um 3,7 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erwirtschafteten die Spanier 2,9 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand jedoch ein Verlust von 429 Millionen Euro - mehr als Analysten erwartet hatten. Die Aktie ging etwas fester aus dem Handel.

Caterpillar stärkt China-Geschäft
Der weltgrößte Baumaschinenhersteller Caterpillar will sein China-Geschäft mit der Übernahme des in Hongkong notierten Spezialausrüster ERA Mining Machinery stärken. Das US-Unternehmen, das den Bergbau als eine der Wachstumsindustrien ausgemacht hat, bietet dafür nach eigenen Angaben 887 Millionen. Caterpillar-Titel stiegen an der Wall Street um rund zwei Prozent.

Walt Disneys Geschäfte laufen prächtig
Steigende Werbeeinahmen beflügelten den Gewinn im vierten Geschäftsquartal überraschend kräftig, teilte der weltgrößte Unterhaltungskonzern mit. Unter dem Strich blieben Walt Disney 1,1 Milliarden Dollar, das sind 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf knapp 10,5 Milliarden Dollar. Die Aktie notiert in Frankfurt fast neun Prozent teurer.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr