Anleger fürchten Griechen-Pleite

Stand: 20.05.2011, 20:02 Uhr

Die Unsicherheit um die Zukunft der immer akuter werdenden griechischen Schuldenproblematik haben die Anleger am letzten Handelstag der Woche in die Flucht getrieben.

Der Dax schließt am Abend knapp 100 Punkte (1,3 Prozent) tiefer bei 7.279. Im elektronischen Handel hatte das Börsenbarometer 91 Punkte (1,2 Prozent) eingebüßt und schloss bei 7.266. "Kurzfristig orientierte Investoren haben vor dem Wochenende die Risiken reduziert und daher ihre Aktienpositionen zurückgefahren", sagte ein Börsianer.

Für Verunsicherung sorgte die erneute Herabstufung Griechenlands durch die Ratingagentur Fitch. Sie senkte die Bonitätsnote des Landes auf "B+" und begründete diesen Schritt mit den großen Herausforderungen bei der Sanierung der Staatsfinanzen. Zuvor hatte der neue Bundesbank-Chef Jens Weidmann einen kompromisslosen Kurs im Umgang mit dem klammen Mittelmeer-Anrainer gefordert, sich aber gegen eine Umstrukturierung ausgesprochen. Norwegen setzte seine Finanzhilfen für Griechenland aus.

Zuvor hatte das kleine Verfallsdatum im Dax um 13.00 Uhr für Unterstützung gesorgt und den Leitindex bis auf 7.410 Punkte gehoben. Offenbar hätten sich die Investoren für einen Stand um die 7.400 Zähler herum positioniert, sagte ein Händler. Nach dem Verfallsdatum gab es aber keine unterstützenden Nachrichten mehr, was den Dax schnell ins Minus drehen ließ.

LinkedIn stützt Dow
Der Dow Jones-Index kann am Abend seine Verluste deutlich reduzieren. Nachdem er im Handelsverlauf mehr als 100 Punkte einbüßte, notiert er bei Börsenschluss in Deutschland nur noch 28 Zähler tiefer bei 12.577.

Gestützt wird der New Yorker Handel durch die geplante Übernahme des Buchhändler Barnes & Noble, dessen Aktie um gut 30 Prozent in die Höhe sprang. Am zweiten Tag nach dem Börsendebüt legten auch die Anteilsscheine des Online-Karrierenetzwerkes LinkedIn weiter zu. der Kurs stieg zeitweise um sechs Prozent auf fast 100 Dollar pro Papier. Am Tag zuvor waren die Titel für 45 Dollar ausgegeben worden.

Euro wieder etwas stärker
Auch der Euro klettert am Abend wieder über die Schwelle von 1,42 Dollar, einen Cent höher als am Nachmittag. Zuvor war er noch über 1,43 Dollar wert.

Auch beim Ölpreis geht es bergab. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete mit 96,70 Dollar 1,8 Prozent weniger als gestern. Brent-Öl verbilligte sich um 1,9 Prozent auf 109,29 Dollar. Die Auslastung der europäischen Raffinerien lag dem Datenanbieter Euroilstock zufolge im April mit 78,61 Prozent den zweiten Monat in Folge unter der wichtigen Marke von 80 Prozent.

Siemens muss zahlen
Größter Verlierer im Dax ist die Siemens-Aktie. Das Unternehmen muss dem französischen Atomkraftwerksbauer Areva 648 Millionen Euro zuzüglich Zinsen zahlen. Das hat ein Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer festgelegt.Damit verhängten die Schiedsrichter die höchstmögliche Zahlung in dem Verfahren. Die Zahlung wird im dritten Quartal ergebniswirksam. Die französische Investmentbank Cheuvreux hat den Dax-Titel nach der Schiedsgerichtsentscheidung mit einem Kursziel von 116,00 Euro auf der "Selected List" belassen.

Eon-Tochter macht Sorgen
Zu den schwächsten Werten im Dax gehört am Nachmittag auch die Aktie von Eon, nachdem sie zuvor noch deutlich gestiegen war. Deren Tochter Ruhrgas erwartet nach den Worten von Firmenchef Klaus Schäfer eine längere Durststrecke. Schäfer sprach gegenüber dem "Handelsblatt" davon, dass 2012 und 2013 zwei schwierige Jahre werden könnten. In diesem Jahr rechnet er mit einem Einbruch im Gashandel in der Größenordnung von einer Milliarde Euro.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
25,09
Differenz relativ
-0,95%

Deutsche Post trotzt Abwärtstrend
Besser als der Gesamtmarkt halten sich die Titel der Deutschen Post. Händlern zufolge äußerten sich die Analysten von JP Morgan Cazenove wohlwollend zu den Titeln des Bonner Konzerns. Die Deutsche Post sei gut positioniert, um vom Wachstum des internationalen Handels zu profitieren, zitierten Händler aus dem Kommentar der JP-Morgan-Analysten, die ihre Bewertung der Titel mit "overweight" und einem Kursziel von 18 Euro aufnahmen.

Gagfah-Aktie stürzt ab
Die Aktie des mit einer Milliardenklage konfrontierten Immobilienkonzerns Gagfah stürzt um mehr als zehn Prozent ab und ist damit der mit Abstand schwächste Wert im MDax. Schon in den vergangenen Wochen hatten viele Anleger das Papier aus ihren Depots geworfen. Hintergrund ist der ungewisse Ausgang des Rechtsstreits in Dresden. Die Stadt hat zwei Gagfah-Töchter auf über eine Milliarde Euro verklagt, weil sie gegen die Sozialcharta verstoßen haben sollen, die bei der Privatisierung von mehr als 45.000 Wohnungen zum Schutz der Mieter vereinbart worden war. Gagfah weist die Vorwürfe zurück.

Deutsche Bank lobt Rhön
Einer der größten Gewinner im MDax ist dagegen die Aktie von Rhön-Klinikum. Deutsche Bank-Analyst Holger Blum hat das Papier von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 16,80 auf 21,00 Euro angehoben. Die Aktien des Krankenhausbetreibers dürften den Tiefpunkt bald überwunden haben, urteilt er in einer Studie. Die Übernahme- und Privatisierungsaktivitäten sollten im zweiten Halbjahr wieder an Dynamik gewinnen und dadurch auch zu höheren Markterwartungen führen.

KlöCo wird vorsichtig
Der im MDax notierte Stahlhändler Klöckner will durch die geplante Kapitalerhöhung 500 bis 550 Millionen Euro einnehmen. Die Maßnahme soll bis Ende Juli durchgezogen werden "Wir sind aber nicht gezwungen, sie zum jetzigen Zeitpunkt durchführen zu müssen", sagte KlöCo-Chef Gisbert Rühl auf der Hauptversammlung. Tatsächlich ist die Aktie seit der Bekanntgabe am 11. April von 25,58 auf 22,55 Euro gefallen. Auch am Nachmittag notiert das Papier nach anfänglichen Gewinnen im Minus.

Stada gefällt
Die Ankündigung des Vilbeler Pharmakonzerns Stada, das Generika-Geschäft seines Schweizer Mitbewerbers Spirig übernehmen zu wollen, stößt bei den Anlegern auf Wohlwollen. Die Aktie von Stada legt gegen den Trend zu. Bei der Übernahme geht es den Angaben zufolge um ein Paket von gut 71 größtenteils verschreibungspflichtigen Produkten, die derzeit einen Umsatz von 45 Millionen Schweizer Franken (36 Millionen Euro) liefern.

Puma liebt Funktionswäsche
Zulegen kann auch die ebenfalls im MDax notierte Aktie von Puma. Der Sportartikelhersteller übernimmt den niederländischen Funktionswäsche-Hersteller Dobotex zum 1. Januar 2012 komplett. Bislang halten die Franken 50,1 Prozent der Anteile an ihrem Lizenznehmer, der für Puma Socken und Unterwäsche entwickelt, produziert und vertreibt. Zuständig für Dobotex wird übrigens die Puma-Direktorin Nina Nix.

BHF mag Wacker Neuson
Stärkster Wert im SDax sind die Aktien von Wacker Neuson. Die Titel des Baumaschinenherstellers legen um 3,9 Prozent zu. Die einzigartige Marktstellung von Wacker Neuson biete bei der aktuell starken Nachfrage dem Konzern deutliche Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten, urteilte BHF-Bank-Analyst Jens Jung in einer Kurzstudie. Die jetzige Bewertung der Aktie biete zudem Potenzial für weitere Kursaufschläge. Jung stufte die Titel herauf auf "Overweight" von "Market Weight" und erhöhte das Kursziel auf 14,70 von 13,60 Euro.

BP bleibt nicht allein
Kräftig zulegen kann die Aktie von BP: Der britische Öl-Konzern BP bleibt nicht alleine auf den milliardenschweren Kosten der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko sitzen. Das Unternehmen erzielte am Freitag eine Einigung mit dem japanischen Handelshaus Mitsui, dessen Tochter MOEX mit zehn Prozent an der Erschließung des Macondo-Ölfelds vor der US-Küste beteiligt war. Demnach zahlt Mitsui 1,1 Milliarden Dollar. Die Einigung ist für BP ein wichtiger Etappensieg bei den Bemühungen, die Verantwortung für die größte Ölpest in der US-Geschichte und damit auch die Kosten auf mehrere Schultern zu verteilen.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr