Marktbericht 20:05

Sonnige Stimmung am Aktienmarkt Anleger füllen ihre Depots

Stand: 09.07.2013, 17:45 Uhr

Im Augenblick kann nichts die Stimmung trüben: Die schwache Konjunktur in China, die Krise in Ägypten und die gesenkte Wachstumsprognose des IWF lassen die Investoren kalt. Der Dax hat die 8.000er-Hürde wieder übersprungen.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 1,1 Prozent bei 8.057,75 Punkten. Der Late Dax notierte 1,3 Prozent fester bei 8.071,13 Punkten. Am Abend lag der Dow Jones knapp ein halbes Prozent im Plus. In Paris rückte der CAC 40 um 0,5 Prozent auf 3.843,56 Zähler vor, und der Londoner FTSE 100 stieg um ein Prozent auf 6.513,08 Punkte.

"Länger als ein Jahr"

Gregor Kuhn von IG Markets begründet den Rückenwind mit technischen Faktoren: "Weniger Nachrichten dienen als Impulsgeber, vielmehr sind die Anschlusskäufe technischer Natur. Mit dem Überwinden der Widerstandsregion bei rund 8.040 Punkten scheint dem Dax der Ausbruch aus der hoch volatilen Sägezahnphase der letzten Wochen glücken zu wollen", meint Kuhn.

Der Fokus der Investoren richte sich wieder verstärkt auf die Unternehmensgewinne, sagte Darren Clarke von Gekko Markets. Außerdem werden sich die meisten Investoren mit der Zinspolitik der EZB wohlfühlen. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) will ihren Leitzins offenbar für länger als ein Jahr auf dem Niveau von 0,5 Prozent belassen. EZB-Direktor Jörg Asmussen unterstrich, die Notenbank gehe von einem Zeitraum aus, der auf jeden Fall länger als ein Jahr sei. Der Euro gab nach.

Ein Markt will nach oben

"Es ist ganz offensichtlich, dass die Mehrheit im Markt weiter nach oben will", sagte ein Händler. "Negative Nachrichten werden gerade weggedrückt, die werden irgendwann später zur Kenntnis genommen." Aber gleichwohl gibt es sie: Die sich abzeichnende Erholung der Weltwirtschaft verliert nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) schon wieder an Schwung. Zum fünften Mal seit Anfang vergangenen Jahres nahm der Fonds seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft zurück.

Auch aus China hörte - wer hören wollte - nicht nur Gutes. Dort steigt die Inflation schneller als erwartet. Das bestätigt die Politik der Zentralbank, die Geldpolitik trotz schwächerer Konjunkturlage nicht weiter zu lockern. Experten rechnen daher nicht mit einer Senkung der Leitzinsen, obwohl die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt an Dampf verliert.

Osram-Aktie geht durch die Decke

Die Aktie des Lichttechnik-Herstellers Osram geht durch die Decke. Das seit Montag nach der Abspaltung von Siemens börsennotierte Unternehmen profitiert von zwei Kaufempfehlungen von UBS und HSBC. Letztere haben ein Kursziel von 34 Euro ausgerufen.

Siemens-Aktien profitierten von der erfolgreichen Abspaltung der Leuchtmittel-Tochter. Ein positiver Analystenkommentar, ein höheres Gewicht der Aktien im Dax und ein Kurssprung bei den Osram-Titeln bescherten den Siemens-Papieren ein Plus von rund einem Prozent.

Gagfah nachbörslich unter Druck

Die Aktien von Gagfah haben im späten Handel bei Lang & Schwarz unter einer angekündigten Kapitalerhöhung gelitten. Sie fielen um 6,5 Prozent auf 8,75 Euro. Im Xetra-Kernhandel waren die Titel des Immobilienunternehmens noch um 1,2 Prozent gestiegen. Gagfah will 10,5 Millionen eigene Aktien und 9,5 Millionen neu ausgegebene Aktien verkaufen, und zudem verkauft Großaktionär Fortress noch 20 Millionen Aktien. Laut Bloomberg liegt die Preisspanne für die angebotenen Papiere zwischen 8,85 und 9,15 Euro pro Stück. "Das belastet natürlich, denn das ist etwa das 10-fache des Tagesumsatzes von heute", sagte ein Börsianer.

VW mit Absatzrekord

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,24
Differenz relativ
+2,60%

Der Volkswagen-Konzern hat noch nie so viele Fahrzeuge der Kernmarke VW in einem ersten Halbjahr verkauft wie in diesem Jahr. Insgesamt wurden 2,91 Millionen VWs losgeschlagen - ein Plus 4,4 Prozent. Im Juni verlangsamte sich das Wachstum allerdings auf nur noch 0,5 Prozent. "Die Herausforderungen auf den schwierigen Weltmärkten, insbesondere aber die erheblichen Unsicherheiten in Europa, werden uns auch im zweiten Halbjahr maßgeblich begleiten", sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler.

Lufthansa-Aktien im Angebot

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,91
Differenz relativ
+0,22%

Lufthansa-Aktien leiden am Dienstag etwas - als einziges Dax-Unternehmen fällt die Fluglinie in die Verlustzone. Laut Agenturberichten hat die Schweizer Bank Credit Suisse 6,5 Millionen Papiere der Fluggesellschaft für je 15 Euro platziert. Nach positiv aufgenommenen Verkehrszahlen konnte die Fluggesellschaft die zunächst hohen Kursverluste etwas minimieren. Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher sprach von "sehr guten Zahlen" der Fluggesellschaft, was sowohl die Preistrends als auch die Volumenentwicklung angehe

MüRü sieht hohe Flutkosten

Die Münchener Rück befürchtet, dass das Hochwasser in Ostdeutschland und Bayern im Juni möglicherweise die Naturkatastrophe mit den kostspieligsten Schäden aller Zeiten in Deutschland war. "Die endgültige Schadenhöhe steht noch nicht fest, aber es ist gut möglich, dass es die teuerste Naturkatastrophe in der deutschen Geschichte wird", sagte Peter Höppe, Leiter der Georisikoforschung des weltgrößten Rückversicherers, dem Blatt "Süddeutsche Zeitung". Für alle betroffenen Länder in Europa zusammen rechnet der Konzern mit mehr als zwölf Milliarden Euro ökonomischen Flutschäden, davon drei Milliarden Euro versicherten Schäden.

Continental sammelt mit Anleihe 750 Millionen Euro ein

Der Autozulieferer Continental kann durch die Ausgabe einer 750 Millionen Euro schweren Anleihe seine Zinskosten drücken. Der bis 2018 laufende Bond wird jährlich mit 3,0 Prozent verzinst. Die Mittel nutzt Conti, um eine im September 2010 begebene Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen, die mit einem Coupon von 7,5 Prozent ausgestattet ist. "Es ist uns gelungen, das günstige Umfeld auf dem Kapitalmarkt zu nutzen, um unsere Zinskosten zu reduzieren und gleichzeitig die Fälligkeitenstruktur unserer Finanzverbindlichkeiten weiter zu verbessern", sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer.

CropEnergies ist gut in Form

Der Bioenergiehersteller CropEnergies hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 Umsatz und Ergebnis verbessert. Der Umsatz wuchs um 16 Prozent auf 186 Millionen Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um fünf Prozent auf 15,6 Millionen Euro. Die Südzucker-Tochter verwies auf höhere Erlöse bei Bioethanol und eiweißhaltigen Lebens- und Futtermitteln.

Evotec kommt mit Dow Chemical ins Geschäft

Das Biotech-Unternehmen Evotec wird für die Pflanzenschutzsparte des amerikanischen Chemieriesen Dow Chemical Forschungs-Dienstleistungen erbringen. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Die Evotec-Aktie legte knapp drei Prozent zu.

Aixtron fällt zurück

Das Analysehaus Warburg Research hat die Einstufung für Aixtron vor Zahlen zum zweiten Quartal auf "Sell" mit einem Kursziel von 9 Euro belassen. Eine baldige Geschäftserholung bei dem Spezialanlagenbauer sei nicht in Sicht, schrieb Analyst Malte Schaumann. Der Experte reduzierte seine Umsatzprognosen für 2013 und 2014 um 7,3 respektive 8,1 Prozent. Die Schätzung für das operative Ergebnis (EBIT) 2014 senkte er um 62,5 Prozent. Aixtron belegte den letzten Platz im TecDax.

Compugroup expandiert

Der Anbieter von Software für den Gesundheitsbereich Compugroup kauft in Italien zu. Das Unternehmen übernimmt einen Großteil an den beiden Firmen Studiofarma und Qualità in Farmacia für einen nicht genannten Betrag in bar. Laut Compugroup betrug der Gesamtumsatz beider Firmen im vergangenen Jahr 17,0 Millionen und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebitda) etwa ein Million Euro.

Takkt-Boss nicht zu Celesio

Den Vorstandschef der Haniel -Tochter Takkt, Felix Zimmermann, zieht es nach der überraschenden Abberufung des Celesio -Vorstandsvorsitzenden Markus Pinger nicht auf den Chefsessel der Konzernschwester. "Meine Aufgabe macht mir Spaß und Freude", sagte Zimmermann am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters auf die Frage nach einem möglichen Wechsel an die Spitze von Celesio.

Dialog weit vorn

Die Papiere von Dialog Semiconductor gehörten zu den besten Technologiewerten. Eine negative Studie zu Apple konnte den Aktien des Halbleiterherstellers zunächst nichts anhaben. Laut Händlern rechnen Apple-Zulieferer - zu denen auch Dialog gezählt wird - derzeit mit einem 20-prozentigen Auftragsrückgang. Zuletzt hatte Dialog indes seine Abhängigkeit vom iPhone-Hersteller verringert, unter anderem mit der Übernahme des amerikanischen Ladegerät-Spezialisten iWatt.

BASF baut Kapazitäten aus

BASF will wegen der steigenden Nachfrage in Nord- und Südamerika sowie China seine Produktion wichtiger Ausgangschemikalien für Kunststoffe, Lösemittel und Kunstfasern ausbauen. In den nächsten zwei Jahren will BASF seine Kapazitäten zur Herstellung der Zwischenprodukte Butandiol (BDO) und PolyTHF kräftig erweitern. Nach dem Ausbau werde BASF künftig weltweit 650.000 Tonnen BDO im Jahr produzieren können, bislang sind es 535.000 Tonnen.

Deutsche Annington: Rückzieher vom Rückzieher

Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern Deutsche Annington will nun doch an die Börse gehen, nachdem der Börsengang erst in der vergangenen Woche abgesagt worden war. Das Unternehmen bietet nur heute und morgen bis zu 38,85 Millionen Aktien in einer auf 16,50 bis 17,00 Euro reduzierten Preisspanne an. Zeichnen können aber nur professionelle Investoren. Beim letzten Versuch hatte der Angebotspreis noch bei mindestens 18 Euro gelegen. Am Donnerstag soll die Erstnotiz an der Frankfurter Börse stattfinden.

Shell: Ben van Beurden wird neuer Vorstandschef

Der Niederländer Ben van Beurden wird im kommenden Jahr neuer Vorstandschef des niederländisch-britischen Ölkonzerns Shell. Der 55-jährige Shell-Manager soll zum Jahreswechsel Nachfolger des Schweizers Peter Voser werden. Van Beurden arbeitet seit 30 Jahren in verschiedenen Funktionen im Konzern, seit Anfang dieses Jahres leitet er das Geschäft mit den Raffinerien. Voser (54) hatte im Mai seinen Abschied angekündigt. Er stand seit 2009 an der Unternehmensspitze.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr