Anleger freunden sich mit Hollande an

Stand: 07.05.2012, 20:01 Uhr

Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine. Das zeigt auch die radikale Trendwende an diesem Montag. Nachdem die Wahlen in Frankreich und Griechenland zunächst herbe Verluste verursachen, setzt der Dax im Tagesverlauf zur Erholung an - und dreht am Ende sogar ins Plus.

Der deutsche Leitindex geht schließlich bei 6.569 Punkten aus dem Handel, acht Punkte über dem Schlusskurs vom Freitag, nachdem er am Morgen noch um 2,3 Prozent auf 6.410 Zähler abgerutscht war. Im Abendhandel schafft der Dax sogar ein Plus von fast einem halben Prozent auf 6.595 Punkte.

Auch der Euro erholt sich, nachdem er am Morgen noch um mehr als zwei US-Cent bis auf ein Tief von 1,2957 Dollar gefallen war. Bei Xetra-Schluss liegt der Kurs bei 1,3050 Dollar.

Börsianern zufolge sei die Reaktion auf die Wahlen in Frankreich und Griechenland vollkommen überzogen gewesen und der Wahlausgang in Paris sei bereits in der vergangenen Woche größtenteils eingepreist worden.

Einige Marktteilnehmer konnten sich zudem mit der Ankündigung Hollandes anfreunden, nicht allein auf eine strikte Sparpolitik setzen zu wollen. Rückenwind lieferten zudem die Auftragszahlen der deutschen Industrie, die im März mit einem Plus von 2,2 Prozent deutlich besser ausfielen als erwartet.

"Der Sieg von Hollande bietet Europa die Chance, auf eine wachstumsorientierte Politik umzuschwenken und nicht nur auf Sparmaßnahmen zu beharren", kommentierte John Bennett von Henderson Global Investors. Die Medizin der Politik von Nicolas Sarkozy und Angela Merkel sei ohnehin auf Deutschland ausgerichtet gewesen und habe verkannt, dass sie den schwächeren Eurozonen-Patienten eine zu hohe Dosis zugemutet habe. "Ein Kurswechsel wird zwar an den Märkten zu erhöhter Volatilität führen, ist aber notwendig, um das Wirtschaftswachstum zu fördern."

Problematische Lage in Griechenland
Als problematischer gilt die Lage in Griechenland. Dort haben die bisherigen Regierungsparteien ihre absolute Mehrheit verloren. Dies ist ein Ergebnis der massiven und emotionalen Proteste gegen die harten Sparmaßnahmen und das Konzept zur Sanierung des Staatshaushaltes. Allerdings erwarten die Gläubiger des Landes, dass sich bis Ende Mai eine stabile Regierung gebildet hat.

Zu leichten Verlusten kommt es anfangs auch an der New Yorker Börse. Bei Börsenschluss in Frankfurt ist aber auch der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte leicht ins Plus gedreht auf 13.043 Zähler.

SEB Immoinvest wird abgewickelt
Wie erwartet wird auch der seit langem kriselnde Offene Immobilienfonds SEB Immoinvest abgewickelt. Die verfügbare Liquidität des am heutigen Montag für einen Tag geöffneten Fonds habe bei weitem nicht ausgereicht, um alle Wünsche nach Rückgabe der Anteile erfüllen zu können, teilten die Fondsverwalter mit: "Mit Blick auf die Gleichbehandlung aller Anleger wird somit das Fondsmanagement keine Order ausführen und in Abstimmung mit der BaFin den Fonds bis zum 30. April 2017 auflösen."

In dem Fonds mit einem Volumen von rund 6,3 Milliarden Euro sind rund 350 000 Kleinanleger investiert. Sie sollen im Juni 2012 eine erste Auszahlung in Höhe von etwa 20 Prozent des Fondsvermögens bekommen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
Differenz relativ
-0,05%

Banken auf Erholungskurs
Angeführt wird der Dax von den Aktien der Commerzbank. Auch die Deutsche Bank legt zu. Die Titel können sich im Tagesverlauf immer deutlicher erholen, nachdem die anfänglichen Sorgen um den Ausgang der Wahlen in Griechenland und Frankreich die Finanztitel zunächst ins Minus gedrückt hatten.

DZ Bank hilft Adidas
Auch die Adidas-Aktien gehören zu den Favoriten im Dax. Damit nehmen die Papiere des Sportartikelherstellers wieder Kurs in Richtung des in der Vorwoche bei 64,30 Euro markierten Rekordhochs. Stützend wirkte eine Studie der DZ Bank, in der Analyst Herbert Sturm seinen fairen Wert von 65 auf 68 Euro aufstockt.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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73,74
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-0,62%

Chinesen stehen auf BMW und Audi
Zu den Kursgewinnern im Dax gehört auch die Aktie von BMW. Das Unternehmen hat auch im April in China deutlich mehr Autos verkauft. Insgesamt ergibt sich ein Zuwachs von fast 31. Seit Jahresbeginn verkaufte der Konzern 107.211 Autos in China, gut 35 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die in China traditionell starken Rivalen aus Ingolstadt legten noch deutlicher zu und setzten im April 34.221 Autos ab, 44 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Dagegen hatte Daimler bereits am Freitag von einem deutlichen Rückgang seiner Absatzzahlen im Reich der Mitte berichtet.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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20,15
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+0,30%

Lufthansa-Aktie auf Sinkflug
Dagegen ist die Lufthansa-Aktie unter Druck geraten. Bis zum Nachmittag ist sie sogar der größte Verlierer im Dax. Börsianer konnten einen Tag vor der Hauptversammlung am morgigen Dienstag zunächst keinen Grund für den Sinkflug ausmachen. Sie verweisen aber darauf, dass die Commerzbank ihr Kursziel für die Airline auf 13,50 Euro gesenkt habe, den Titel aber weiter zum Kauf empfehle.

Linde ex Dividende
Schwächster Wert ist die Aktie des Industriegase-Spezialisten Linde. Sie wird am Montag mit einem Dividendenabschlag von 2,50 Euro gehandelt. Ohne diesen würde der Titel also nur rund ein Prozent verlieren.

Rheinmetall-Tochter vor Börsengang
Im MDax gehören die Aktien des Rüstungskonzerns Rheinmetall zu den schwächsten Werten. Laut der Nachrichtenagentur "Bloomberg" wird der Aufsichtsrat von Rheinmetall am heutigen Montag den Börsengang der Autosparte absegnen. Rund 50 Prozent der Kolbenschmidt.

QSC stürzt ab
Im TecDax bricht die Aktie der Telekom-Firma QSC um acht Prozent ein. Damit reagieren die Anleger auf den Gewinneinbruch um zwei Drittel im ersten Quartal. Vor allem die Ausgaben für die Einstellung von neuen Computer-Fachkräften hätten die Bilanz belastet. Zudem habe zu Buche geschlagen, dass die im Vorjahr übernommene Hamburger Beratungsfirma Info AG noch an der Börse notiert sei, was ebenfalls koste.

Pfeiffer Vacuum empfohlen
Unterstützt von einem positiven Kommentar der WestLB legen Pfeiffer Vacuum im TecDax kräftig zu. Die Zahlen zum ersten Quartal hätten gezeigt, dass der Vakuumpumpen-Hersteller auf einem guten Weg sei, hieß es in der WestLB-Einschätzung. Die Analysten erhöhten das Kursziel auf 104 von 99 Euro und bekräftigten ihre "Add"-Empfehlung.

Tipp24 hat gewonnen
Um mehr als drei Prozent aufwärts geht es mit der im SDax notierten Aktie des Hamburger Wettanbieters Tipp24. Die Erlöse des Unternehmens sind im ersten Quartal um sechs Prozent auf 35,4 Millionen Euro gestiegen. Der Gewinn kletterte um 16 Prozent auf 8,7 Millionen Euro. Die Prognose für das laufende Jahr - ein Umsatz von mindestens 130 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von mindestens 35 Millionen Euro - behält Tipp24 bei.

Koenig & Bauer steigt in China ein
Ebenfalls im SDax gehören auch die Aktien des Druckmaschinen-Herstellers Koenig & Bauer zu den Favoriten. Das Unternehmen kauft laut einem Interview von Vorstandschef Claus Bolza-Schünemann mit der "Financial Times Deutschland" einen chinesischen Konkurrenten und will damit ins Massengeschäft in China einsteigen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"