Anleger flüchten vor möglicher Griechen-Insolvenz

Stand: 12.09.2011, 20:02 Uhr

Weitere Hiobsbotschaften in der Schuldenkrise und die Angst vor einer Pleite Griechenlands haben die Märkte zum Start in die Handelswoche weiter ins Minus gedrückt. Und noch ist kein Ende der Talfahrt in Sicht.

Es mehren sich Gerüchte, dass die deutsche Regierung ein Ende der Griechenland-Hilfe anstrebt", sagte Commerzbank-Experte Ulrich Leuchtmann. Er erwartet, dass das Urteil der am Mittwoch in Athen erwarteten Kontrolleure von IWF, EU und Europäischer Zentralbank (der "Troika")desaströs ausfallen dürfte. Geben sie kein grünes Licht für die Auszahlung der nächsten Tranche der Finanzhilfen von acht Milliarden Euro, ist das Land im Oktober pleite. Vor dem Hintergrund der immer stärkeren Rezession in Griechenland sei auch in nächster Zukunft nicht damit zu rechnen, "dass das Land die bisherigen Sparziele auch nur annähernd erreichen kann".

Kein Wunder also, dass die Anleger in Panik verfallen. Im Tagesverlauf brach der deutsche Leitindex zeitweise um mehr als vier Prozent auf 4.965 Zähler ein. Am Abend kann der Dax seine Verluste etwas eingrenzen, schließt dennoch 2,6 Prozent tiefer als am Freitag bei 5.064. Hoffnung machte ein Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ) wonach Griechenland die nächste Tranche des ersten Rettungspakets vermutlich doch erhalten werde. Die Zeitung beruft sich dabei auf ihrer Internetseite auf zwei ranghohe Mitarbeiter des IWF, die mit den Gesprächen zwischen der "Troika" und der griechischen Regierung vertraut seien. Zudem erholte sich der Dow Jones-Index an der New Yorker Börse deutlich von seinen zu Handelsbeginn erlittenen Abschlägen und auch dies habe den Dax gestützt.

Tatsächlich halten sich die Verluste an der Wall Street in Grenzen. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones gut ein Prozent tiefer als am Freitag bei 10.874.

Derweil hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren umstrittenen Kauf von Staatsanleihen trotz heftiger Kritik fortgesetzt. Sie erwarb in der abgelaufenen Woche Papiere im Wert von 13,96 Milliarden Euro am Kapitalmarkt, teilte die EZB am Montag in Frankfurt mit. In der Woche davor waren es 13,305 Milliarden Euro gewesen. Analysten hatten nur mit zehn Milliarden Euro gerechnet. Seit Mai 2010 hat die Zentralbank damit Bonds im Gesamtwert von 143 Milliarden Euro aufgekauft.

Euro wieder schwächer
Am Devisenmarkt fällt der Euro Abend wieder unter die Marke von 1,36 Dollar, liegt aber immer noch über seinem Tagestief von 1,351 Dollar.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,31
Differenz relativ
-0,39%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,49
Differenz relativ
-0,46%

Schwarzer Montag für Bank-Aktien
Die drohende Pleite Griechenlands und die damit verbundene Herabstufung der drei großen französischen Banken schicken auch die Aktien der hiesigen Banken und Versicherungen in den Abgrund. Deutsche Bank,Commerzbank und die Allianz sind die größten Kursverliererim Dax. Sie müssen Kursverluste von zeitweise zehn Prozent hinnehmen. Die Aktien von BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole brechen sogar zweistellig ein.

Die Experten der französischen Investmentbank Cheuvreux halten den Kursrutsch der Bankentitel wegen einer aktuellen Szenario-Analyse allerdings für überzogen. Frankreichs Banken verfügen über ein hohes Eigenkapitalpolster - und dürften im Notfall mit der Unterstützung des Staates rechnen, denn sie gelten als "systemrelevant". Für einen Einstieg sei es trotzdem zu früh, so die Analysten. Die höheren Finanzierungskosten, die sich in den Kursen widerspiegelten, seien eine Konsequenz der Staatsschuldenkrise und kein Zeichen einer drohenden Insolvenz der Banken selber.

VW in Asien ohne Partner
Auch die Vorzüge von Volkswagen können sich dem heutigen Kursdebakel nicht entziehen. Am Morgen wurde bekannt, dass der japanische Autohersteller Suzuki seine Partnerschaft mit den Wolfsburgern beenden will.

UBS hievt Infineon in Plus
Die Aktie von Infineon gehört neben Beiersdorf zu den zu den beiden einzigen Werten im Dax, die mit einem Plus aus dem Markt gehen. Händler verweisen auf eine Hochstufung durch die UBS von "Neutral" auf "Buy" als aktuell wichtigste Stütze, nachdem sich die Aktien des Halbleiterunternehmens bereits in den vergangenen Handelstagen auffällig gut gehalten hätten. Nun kommen einem Händler zufolge noch Medienberichte vom Wochenende hinzu, dass die Aktienrückkäufe von Infineon aktuell zügig umgesetzt werden.

Metro-Chef vor dem Abtritt
Beim Handelskonzern Metro könnte der Chefwechsel bereits in den kommenden Tagen anstehen. Vertreter des Großaktionärs Haniel hätten Metro-Chef Eckhard Cordes signalisiert, dass dieser möglichst noch im September auf seinen Posten verzichten solle, berichtet Reuters unter Berufung auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Darüber hatte auch das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet. Sprecher von Haniel und Metro wollten sich nicht äußern.

Bank of America will sparen
Die Bank of America will jährlich fünf Milliarden Dollar sparen und zuerst im Privatkundengeschäft den Rotstift ansetzen. Wie Konzernchef Brian Moynihan am Montag erklärte, prüfen 50 Manager etwa 150.000 potenzielle Einsparmöglichkeiten. Die fünf Milliarden Dollar an Ausgabenkürzungen sollen demnach bereits bis zum kommenden Jahr erreicht werden. In einer zweiten Sparrunde will das Unternehmen zudem im Geschäft mit Firmenkunden sparen. Dem Programm fallen 40.000 Arbeitsplätze zum Opfer.

Fraport unter Druck
Mehr als vier Prozent runter geht es heute mit der Aktie von Fraport. Der Flughafenbetreiber hat auf seinem wichtigsten Flughafen in Frankfurt am Main im August nur 2,5 Prozent mehr Passagiere abgefertigt als im Vorjahresmonat. Zudem sank das Frachtvolumen um sieben Prozent.

ElringKlinger kauft zu
Der Autozulieferer ElringKlinger übernimmt den Werkzeug- und Formenbauer Hummel mehrheitlich und stärkt damit sein Kunststofftechnik-Geschäft. Man habe 90 Prozent an der baden-württembergischen Firmengruppe Hummel von der Eignerfamilie für rund 13 Millionen Euro erworben, teilte die Firma mit.

ElringKlinger kauft zu
Der Autozulieferer ElringKlinger übernimmt den Werkzeug- und Formenbauer Hummel mehrheitlich und stärkt damit sein Kunststofftechnik-Geschäft. Man habe 90 Prozent an der baden-württembergischen Firmengruppe Hummel von der Eignerfamilie für rund 13 Millionen Euro erworben, teilte die Firma mit.

Auch der Softwarespezialist Mensch und Maschine baut seine Position weiter aus und hat für 25 Millionen Euro das Vertriebsnetz der Tech Data-Group übernommen. Damit will MuM nun in den Direktvertrieb einsteigen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)