Anleger feiern Konjunktursignale

Stand: 17.01.2012, 19:55 Uhr

Positive ZEW-Konjunkturerwartungen, eine sanfte Landung in China und ermutigende Aussichten für die US-Wirtschaft haben die Stimmung der Anleger deutlich aufgehellt. Erfreuliche Nachrichten kommen auch vom Rettungsfonds EFSF.

Einen Tag, nachdem die Rating-Agentur Standard & Poor's dem Fonds seine Bestnote AAA entzogen hat, konnte der europäische Rettungsfonds EFSF mühelos für einen bescheidenen Zinssatz von nur 0,27 Prozent 1,5 Milliarden Euro aufnehmen.

Der Dax klettert im elektronischen Handel auf 6.332 Punkte, 113 Punkte oder 1,8 Prozent mehr als am Montag. Auch im Abendhandel kommt es zu kräftigen Kursgewinnen von mehr als 100 Punkten. "Die Daten reihen sich in die ermutigende Entwicklung der Stimmungsindikatoren der letzten Wochen ein", kommentierte Postbank-Experte Thilo Heidrich. "Wir werten dies als Zeichen, dass die Auswirkungen der Verschuldungskrise auf die reale Wirtschaft begrenzt bleiben, sofern es nicht zu einer erneuten Verschärfung kommt."

Euro wieder fester
Auch der Euro hat am Dienstag zugelegt und ist zeitweise über die Marke von 1,28 Dollar gestiegen. In der Spitze kostete die Gemeinschaftswährung 1,2808 Dollar und damit rund eineinhalb Cent mehr als im Tagestief. Bis zum Börsenschluss gibt der Euro einen Teil der Gewinne wieder ab, notiert mit 1,2740 Dollar aber immer noch im Plus. Händler begründeten dies mit Gewinnmitnahmen.

Befeuert wurde der Dax vom ZEW-Konjunkturindex. Danach hat sich die Stimmung der deutschen Finanzexperten im Januar so stark aufgehellt wie noch nie seit der Deutschen Wiedervereinigung. Bankvolkswirte werteten den starken Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen als Hoffnungsschimmer, dass die deutsche Wirtschaft trotz Schuldenkrise nicht in eine Rezession abgleiten wird.

Zuvor hatten bereits Nachrichten aus Fernost der Börse Auftrieb gegeben. Chinas Wirtschaft wuchs zwar im vierten Quartal so langsam wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Doch ist eine harte Landung ausgeblieben. Und Börsianer erwarten nun mehrheitlich, dass die Regierung in Peking Schritte zum Ankurbeln des Wachstums einleitet.

Steigende Kurse an der Wall Street
Auch an der Wall Street sorgen die Konjunkturdaten für gute Stimmung. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,8 Prozent höher bei 12.525 Punkten. Der New Yorker Konjunkturindex gewann im Januar deutlich an Fahrt und stieg von revidiert 8,2 Punkten im Vormonat auf 13,5 Punkte. Analysten hatten nur mit einem Anstieg auf 11,0 Punkte gerechnet.

Wells Fargo: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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47,25
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+1,90%

Citigroup enttäuscht, Wells Fargo erfreut
Wie bereits JP Morgan hat auch die US-Großbank Citigroup hat im vierten Quartal weniger verdient als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn ging auf 1,2 Milliarden Dollar von 1,3 Milliarden zurück. Je Aktie belief sich das Ergebnis auf 0,38 Dollar nach 0,43 Dollar vor einem Jahr. Damit verfehlte das Kreditinstitut die Erwartungen der Analysten, die im Durchschnitt mit 0,49 Dollar gerechnet hatten. Die Einnahmen sanken um zwölf Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar und lagen damit ebenfalls unter den Markterwartungen von 18,54 Milliarden Dollar. Die Aktie verliert.

Dagegen hat die US-Großbank Wells Fargo das vergangene Jahr trotz Schuldenkrise mit einem Rekordgewinn abgeschlossen. Von Januar bis Dezember verdiente das Institut unterm Strich 15,9 Milliarden Dollar und damit 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Finanzmarkt-Turbulenzen konnten der Bank aus San Francisco kaum etwas anhaben, wie die am Dienstag vorgelegte Bilanz zeigt. Die Aktie steigt.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,25
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Commerzbank will Eurohypo nicht verkaufen
Die Commerzbank hat nach Informationen aus Finanz- und Koalitionskreisen ihre Pläne aufgegeben, die Tochter Eurohypo beim Staat abzuladen. Stattdessen will Vorstandschef Martin Blessing das gesunde Immobilienfinanzierungs-Geschäft der Eurohypo in die Commerzbank integrieren und den Rest des Geschäfts einstellen.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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83,54
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Metro schafft Klarheit
Kräftig voran geht es auch mit der Aktie des Handelskonzerns Metro. Grund ist offenbar die Entscheidung des neuen Vorstandschefs Olaf Koch, die Verkaufsgespräche für die Warenhaustochter Kaufhof auf Eis zu legen. "Die aktuelle Lage am Kapitalmarkt bietet keine geeigneten Rahmenbedingungen für eine so wichtige Transaktion", sagte Koch.

Autobauer weiter Spitzenklasse
Zu den größten Gewinnern im Dax gehören auch die Aktien der Autobauer Daimler und BMW. Sie profitieren von positiven Analystenkommentaren und überraschend robusten Zulassungszahlen im Dezember.

Gerry Weber mit Umsatzrekord
Der ostwestfälische Modekonzern Gerry Weber will nach einem Umsatzrekord im vergangenen Geschäftsjahr erneut zweistellig wachsen. Nach den am Dienstag veröffentlichten vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz 2010/11 (31.Oktober) um 13 Prozent auf 702,7 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um fast 20 Prozent auf 99,6 Millionen Euro zu. Die Aktie lag am Mittag wie der Gesamtmarkt rund zwei Prozent im Plus.

Goldman drückt IVG
Größter Verlierer im SDax ist die Aktie von IVG. Grund ist eine Kursziel-Senkung durch Goldman Sachs. Analyst Julian Livingston-Booth halbierte das Kursziel auf 1,80 von 3,00 Euro und bekräftigte seine Verkaufsempfehlung. Dem Immobilienunternehmen IVG drohten niedrigere Mieteinnahmen und wachsende Risiken bei der Finanzierung.

Heideldruck mit schwachem Quartal
Gegen den Trend gehört die Aktie von Heidelberger Druck zu den Verlierern im MDax. Dabei hat der Druckmaschinenhersteller die Jahresziele bekräftigt. Allerdings ist im dritten Quartal das Betriebsergebnis (Ebit) auf rund zwei Millionen Euro gesunken, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Im Quartal zuvor hatte Heidelberger Druck fünf Millionen Euro verdient. Der Umsatz sank von 636 auf 630 Millionen Euro.

Schoeller-Bleckmann kann nicht punkten
Relativ unbeeindruckt reagieren die Anleger auf die Jahreszahlen des Ölfeldausrüsters Schoeller-Bleckmann. Der hat dank des starken Geschäfts der Ölindustrie im vergangenen Jahr einen Gewinnsprung verbucht auf 77 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um fast ein Drittel auf 407 Millionen Euro. Die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2011 will der österreichische Konzern am 8. März veröffentlichen.

Alno-Aktie springt an
Um mehr als vier Prozent legt die Aktie des Küchenherstellers Alno zu. Die Firma hat alle beschlossenen Maßnahmen zur Sanierungsvereinbarung erfüllt und fristgerecht umgesetzt. Das führe zu einer bilanziellen Entlastung in Höhe von 50 Millionen Euro und verbessere das Eigenkapital der Gesellschaft, teilte das Management mit. Der Umsatz betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011 nach vorläufigen Berechnungen 452 Millionen Euro nach 467 Millionen Euro im Vorjahr.

Dic Asset erfreut
Kräftig zulegen kann auch die im SDax notierte Aktie der Frankfurter Immobilienfirma DIC Asset. Sie hat ihr Gewinnziel im abgelaufenen Jahr erreicht und weist für das in der Branche maßgebliche operative Ergebnis (FFO) eine Spanne von 40 bis 42 Millionen Euro aus. Das Vermietungsgeschäft habe angezogen, so dass die Leerstandsquote im Portfolio auf deutlich unter 13 (2010: 14,3) Prozent gesunken sei.

Höft kehrt zu seiner Firma zurück
Michael Höft ist vom Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden der Höft & Wessel AG ernannt worden. Er übernimmt die Aufgabe von Hansjoachim Oehmen, der mit sofortiger Wirkung aus dem Unternehmen ausscheidet. Michael Höft hatte 1978 zusammen mit Rolf Wessel das gleichnamige Unternehmen gegründet. Aus dem einstigen Start-up formten sie ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen mit rund 500 Mitarbeitern.

Rio Tinto mit Rekordproduktion
Aktien von Rio Tinto haben am Dienstag nach Produktionszahlen zweitweise mehr als zwei Prozent dazugewonnen. Der britisch-australische Bergbaukonzern erzielte im vierten Quartal bei der Eisenerzproduktion einen neuen Rekord. Die Produktion sei etwas höher ausgefallen als erwartet, sagte Rohstoff-Analyst Lyndon Fagan von der Royal Bank of Scotland.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"