Anleger fassen wieder Mut

Stand: 24.02.2012, 20:02 Uhr

Finanzminister Wolfgang Schäuble schließt eine dritte Geldspritze für Griechenland nicht aus. Doch davon wollten die Anleger am Freitag nichts hören. Sie griffen nach drei Verlusttagen in Folge wieder zu.

Der Dax schließt 0,8 Prozent höher bei 6.864 Punkten. Auch im Abendhandel kann der Leitindex entsprechend zulegen. Auf Wochenbasis ergibt sich damit ein hauchdünnes Plus von lediglich 16 Punkten. Auf Jahressicht beträgt der Zuwachs stolze 16 Prozent.

Am Morgen war der Dax noch bis auf 6.890 Zähler geklettert, musste danach in einem relativ orientierungslosen Handel einen Großteil seiner Gewinne wieder einbüßen und sank schließlich bis auf 6.826 Punkte.

Doch dann sorgten besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten für neuen Schwung. Das von der Universität Michigan ermittelte Konsumklima im Februar ist überraschend deutlich nach oben revidiert worden. Der Index stieg von 75,0 Punkten im Vormonat auf 75,3 Zähler. Eine Erstschätzung hatte noch einen Rückgang auf 72,5 Punkte ergeben. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 73,0 Punkte gerechnet. Zudem waren die Verkäufe neuer Häuser im Januar höher ausgefallen als von Volkswirten vorhergesagt.

Dow kratzt an der 13.000-Punkte-Marke
Der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte kommt nur mühsam voran. Zwar haben die erfreulichen Konjunkturdaten den Leitindex kurz über die Marke von 13.000 Punkten getrieben, doch das bedeutet lediglich ein Plus von knapp 20 Punkten.

Der Euro ist im Tagesverlauf deutlich über die Marke von 1,34 Dollar geklettert und notiert am Abend bei 1,346 Dollar.

Auftrieb erhoffen sich die Anleger von der nächsten Liquiditäts-Offensive der Europäischen Zentralbank (EZB): Am Mittwoch können sich die Geschäftsbanken des Euroraums zum zweiten Mal für den ungewöhnlich langen Zeitraum von drei Jahren unbegrenzt Mittel bei der EZB leihen - und das zum günstigen Zins von aktuell 1,0 Prozent. Wie bereits beim ersten derartigen Refinanzierungsgeschäft im Dezember dürfte die Nachfrage groß sein - damals wurden fast 500 Milliarden Euro abgerufen. Ökonomen rechnen diesmal mit einer ähnlichen Größenordnung.

Derweil können die Aktien der großen Dax-Unternehmen BASF und Volkswagen, die heute brillante Zahlen vorgelegt haben, nicht von der entspannten Stimmung profitieren.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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VW-Aktie schwächelt trotzdem
Volkswagen hat im vergangenen Jahr sein Ergebnis mehr als verdoppelt auf 15,8 Milliarden Euro und will den Anlegern nun eine um 80 Cent auf 3,06 Euro je Vorzugsaktie angehobene Dividende zahlen. Doch weil die Zahlen so in etwa erwartet waren und die Anleger sich fragen wie es in diesem Jahr weitergehen wird, tritt die VW-Aktie am Freitag auf der Stelle.

BASF macht Mut
Auch die Aktie von BASF schließt praktisch unverändert auf Vortagesniveau, nachdem sie zunächst kräftig zugelegt hatte. Der weltgrößte Chemiekonzern hat sein Betriebsergebnis (Ebit) um knapp vier Prozent auf 8,45 Milliarden Euro gesteigert. Der Umsatz weitete sich sogar um gut 15 Prozent aus auf 73,5 Milliarden Euro aus. Auch der Ausblick für 2012 fällt überraschend positiv aus. Die Prognose sei zwar nicht überwältigend, aber eben doch besser, als manch einer gedacht habe, urteilte auch Marktexperte Ian King von Legal & General.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank an Dax-Spitze
Mächtig im Kommen ist dagegen die Aktie der Deutschen Bank. Sie ist mit einem Kursplus von 4,5 Prozent der unangefochtene Spitzenreiter im Dax. Grund ist ein positiver Kommentar der Bank of America/Merrill Lynch. Sie stufte die Papiere hoch auf "Buy" von "Neutral" und nahm sie auf die "Europe 1 List". Die Deutsche Bank sei im aktuellen Marktumfeld sowohl im Investment- als auch im deutschen Geschäft gut positioniert, schrieben die Analysten in einem Kommentar.

Die Aktie der Commerzbank muss dagegen ihre frühen Gewinne fast vollständig wieder abgeben. Zudem bleibt das Papier nach der Enttäuschung über die gestrige Kapitalerhöhung unter der Marke von zwei Euro.

SAP beglückt die Aktionäre
Überdurchschnittlich zulegen kann auch die Aktie von SAP. Der Softwarekonzern will die Dividende deutlich erhöhen auf 1,10 Euro, nach 60 Cent im Vorjahr. Dies beinhaltet eine Sonderdividende in Höhe von 0,35 Euro je Anteilsschein, die anlässlich des 40-jährigen Firmenjubiläums ausgeschüttet werden soll.

RWE-Aktie im Aufwind
Gefragt ist auch die RWE-Aktie. Vor der im Juli geplanten Übernahme des Führungspostens von Jürgen Großmann bereitet der designierte Vorstandschef Peter Terium den Stromriesen auf "substanzielle Desinvestments ", vor. Die Zeit der Großinvestitionen sei vorbei. Das Geschäft mit Ökostrom will er vorantreiben, Partnerschaften mit Stadtwerken ausbauen und die Organisation straffen.

Merck-Konzern will sparen
Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck will sparen. In allen Geschäftsbereichen und Regionen solle die Effizienz gesteigert werden, voraussichtlich komme es zu einem Abbau von Arbeitsplätzen, teilte das Dax-Unternehmen am Freitag mit. Insgesamt hat der Konzern weltweit mehr als 40 000 Beschäftigte. Zum möglichen Abbau von Stellen gab es zunächst keine genauen Angaben. Die Aktie gehört dennoch zu den schwächsten Werten im Dax.

Heuschrecken verlassen Brenntag
Mit einem Abschlag von gut drei Prozent notieren die Anteile von Brenntag am MDax-Ende. Grund ist der beschleunigte Rückzug des Finanzinvestor BC Partners aus dem Kapital des Chemikalienhändlers. BC Partners, bis zum Börsengang vor zwei Jahren Mehrheitseigentümer des Mülheimer Unternehmens, und seine Co-Investoren Bain Capital und Goldman Sachs, schlugen am Freitag innerhalb weniger Stunden sieben Millionen weitere Brenntag-Aktien für rund 578 Millionen Euro los. Wegen der hohen Nachfrage verkauften sie zwei Millionen Aktien mehr als ursprünglich geplant. Damit halbierten sie ihre Brenntag-Beteiligung auf rund 13,7 Prozent.

Solarworld schmiert ab
Die Titel von Solarworld haben ihre Verluste am Freitag deutlich ausgeweitet und büßen mehr als acht Prozent ein. Heute sind es aber keine Schreckensmeldungen über Subventionskürzungen, die das Papier auf Talfahrt schicken, sondern die 233 Millionen Euro Verlust, die das Bonner Unternehmen aus dem TecDax im vergangenen Jahr gemacht hat.

Neue Fantasie bei Balda
Im SDax springen die Titel von Balda um über 13 Prozent in die Höhe. Der Anbieter von Elektronik für die Medizintechnik hat 20 Millionen Aktien der TPK Holding in Taiwan veräußert und erwartet daraus Erlöse von rund 238 Millionen Euro. Ein Marktteilnehmer sagte: "Die Fantasie auf eine hohe Ausschüttung treibt nun den Kurs. Allerdings arbeite Balda noch defizitär und dürfte daher auch weiterhin mit einem Wertabschlag gehandelt werden.

KWS Saat stockt
Kaum voran geht es dagegen mit der Aktie des ebenfalls im SDax notierten Unternehmens KWS Saat. Dabei hat der Saatguthersteller im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2011/12 bessere Zahlen erwirtschaftet als erwartet. Auch hob er die Prognose für das Gesamtjahr leicht an.

Borussia legt zu
Kräftig voran geht es dagegen mit der Aktie von Borussia Dortmund. Der Fußball-Bundesligist hat im ersten Geschäftshalbjahr die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro übertroffen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern hat sich sogar verdreifacht auf 15,6 Millionen Euro.

Telefonica verringert Ergebnis
Die hohe Arbeitslosigkeit im Heimatmarkt Spanien hat den Telekomkonzern Telefonica schwer getroffen. Da Kunden zunehmend zu Billiganbietern abwanderten, schrumpfte das operative Ergebnis vor Abschreibungen (OIBDA) 2011 im Vergleich zum Vorjahr von 25,8 auf 20,2 Milliarden Euro, wie Telefonica am Freitag in Madrid mitteilte. Damit blieb das Unternehmen auch unter der Marktprognose von 21 Milliarden Euro.

Totgesagte AIG lebt wieder
Milliardenschwere Steuervergünstigungen blasen die Profite des vom Staat geretteten US-Versicherungsriesen AIG mächtig auf. Allein im vergangenen Quartal verdiente der einstige weltweite Branchenprimus vor allem deshalb nach eigenen Angaben knapp 20 Milliarden Dollar. Wegen der gigantischen Verluste, die der Allianz -Rivale in der Finanzkrise an den Rand des Ruins brachten, kann er nun von einem erheblichen Steuervorteil profitieren. AIG muss in den kommenden Jahren wahrscheinlich viele Milliarden nicht an den Fiskus überweisen.

Youniq wertet ab
Die auf studentisches Wohnen spezialisiert Immobilienfirma Youniq hat ihren nicht zum Kerngeschäft zählenden Wohnungsbestand abgewertet. Dadurch sinkt der Net Asset Value (NAV) pro Aktie um 17,3 Prozent auf 8,50 Euro pro Aktie. Das Papier bricht um 7,5 Prozent ein.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr