Anleger fassen wieder Mut

Stand: 19.07.2011, 19:51 Uhr

Der Leitindex hat nach den Verlusten der Vortage zur Erholung angesetzt. Befeuert wurde der Dax dabei von erfreulichen Quartalszahlen großer US-Konzerne.

Goldman enttäuscht, Bank of America erfreut
Mit heftigen Abschlägen von bis zu 3,4 Prozent reagierten die Anleger auf die Quartalszahlen von Goldman Sachs. Zwar stiegen die Erträge aus dem Investmentbanking um 54 Prozent, doch dem steht ein ebenso hoher Rückgang im Handel mit Wertpapieren und Devisen entgegen. Der Gewinn je Aktie von 1,85 Dollar fällt daher deutlich niedriger aus als von die von den Analysten erwarteten 2,27 Dollar.

Hohe Verluste vermeldete die Bank of America . Sie hatte die Anleger bereits gewarnt, dass wegen Abschreibungen im zweiten Quartal ein Milliardenverlust anfallen würde. Er beläuft sich wie erwartet auf 8,83 Milliarden Dollar oder 0,90 Cent je Aktie.

Gute Zahlen präsentierte dagegen die im Geschäft mit Privatkunden dominierende US-Bank Wells Fargo. Sie erzielte dank kräftig gesunkener Risikovorsorge im zweiten Quartal einen Überschuss von 3,9 Milliarden Dollar, 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die Aktien der deutschen Banken müssen nach den Warnungen von Angela Merkel vor einer schnellen Einigung im Griechenland-Konflikt und nach den enttäuschenden Zahlen von Goldman Sachs ihre Gewinne größtenteils wieder abgeben. Besonders betroffen ist die Commerzbank. Sie dreht sogar ins Minus.

Johnson & Johnson gerät unter Druck
Kostspielige Medikamentenrückrufe und der Rückzug aus dem Geschäft mit Stents haben dem US-Konzern Johnson & Johnson im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang eingebrockt. Wie der Hersteller von Konsumgütern, Arzneimitteln und Medizintechnik mitteilte, sank der Überschuss im Vergleich zum Vorjahr um annähernd ein Fünftel auf 2,78 Milliarden Dollar .Bereinigt um die Kosten für Rückrufe und Restrukturierungen legte der Gewinn zu und sogar etwas stärker als von Analysten erwartet worden war. Die Aktie verliert.

Chinesen mögen Coca-Cola
Zulegen kann auch die Aktie von Coca-Cola. Der Getränkehersteller hat im zweiten Quartal dank der Nachfrage aus Ländern wie China, Russland oder Mexiko den Überschuss um 18 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar gesteigert. Der Umsatz legte unter anderem wegen der Übernahme des Getränkeabfüllers CCE um 47 Prozent auf 12,7 Milliarden Dollar zu, wie das Unternehmen in Atlanta mitteilte.

IBM beflügelt Infineon & Co
Die überraschend guten Quartalszahlen von IBM haben auch den deutschen IT-Werten Auftrieb verschafft. Besonders die in den letzten Tagen arg gebeutelte Aktie von Infineon legt um 4,6 Prozent zu und ist damit der stärkste Wert im Dax. Auch die Titel des Softwarekonzerns SAP gewinnen überdurchschnittlich. Im MDax springt die Aktie der kürzlich wegen einer Gewinnwarnung unter Druck geratenen Software AG um mehr als sieben Prozent in die Höhe.

IBM habe seine Prognose sowie die Erwartungen des Marktes umsatz- und ergebnisseitig übertroffen, schrieb Analyst Chris Whitmore von der Deutschen Bank. IBM profitiere von steigenden IT-Ausgaben der Unternehmen, deren wachsendem Aufholbedarf nach Investitionszurückhaltung sowie starken Produkten. Daher habe er die Gewinnprognosen erhöht.

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
195,50
Differenz relativ
-2,25%

Adidas bestätigt Prognose
Zu den wenigen Verlierern im Dax gehören heute erneut die Anteilsscheine von Adidas. Sie verlieren um mehr als drei Prozent. Analysten zufolge dürften die Umsätze im zweiten Quartal wegen der gestiegenen Rohstoffkosten zurückgegangen sein. Dem hat Adidas am Abend widersprochen. Das Unternehmen bestätigte seine Gesamtjahresprognose. Der Sportkonzern legt seine Quartalszahlen am 4. August vor.

Symrise leidet unter JP Morgan
Das Schlusslicht im MDax bildet Symrise. Die Aktie des Duftherstellers leidet unter negativen Analystenkommentar von JP Morgan. Die Margen dürften im zweiten Quartal unter den gestiegenen Rohstoffkosten und der schwächelnden Nachfrage gedrückt worden sein, schrieb Analyst Martin Evans in einer Studie. Damit sei das Ziel in Gefahr, 2011 eine Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) von 20 Prozent zu erzielen. Evans erneuerte seine "Neutral"-Empfehlung, senkte aber das Kursziel von 25 auf 22 Euro.

Drägerwerk springen hoch
Im TecDax schnellen die Vorzugsaktien von Drägerwerk um gut neun Prozent in die Höhe. Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern erhöht nach einem starken ersten Halbjahr seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr. Auch charttechnisch sehe die Aktie nach dem Sprung auf ein neues Rekordhoch gut aus, hob ein Händler hervor.

Solon bricht ein
Wie ein Stein fällt die Aktie der vormals im TecDax gelisteten Solon. Der Solarkonzern senkte wegen einer schwachen Nachfrage seine Umsatzerwartung für das laufende Geschäftsjahr um mehr als 100 auf nunmehr 500 Millionen Euro. Statt eines ausgeglichenen Nettoergebnisses erwartet Solon nun einen deutlichen Verlust

Delticom kann nicht punkten
Die Aktie des Internetreifenhändlers Delticom aus dem SDax reagiert kaum auf die Quartalszahlen. Die Bilanz entsprach im Großen und Ganzen den Erwartungen. Der Internet-Reifenhändler rüstet sich nach Lieferengpässen im vergangenen Jahr mit einem neuen Großlager für die umsatzstarke Wintersaison. Das kostet allerdings rund sechs Millionen Euro. Entsprechend sinkt die Marge um einen Prozentpunkt.

Novartis geht es prächtig
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis kann sich dank neuer Medikamente und der Übernahme des US-Konzerns Alcon vom Abwärtstrend der Arzneimittelbranche abkoppeln. Jüngst auf den Markt gebrachte Präparate sorgten im zweiten Quartal 2011 für einen Umsatzsprung von 27 Prozent auf 14,92 Milliarden Dollar.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr