Anleger ergreifen die Flucht

Stand: 17.05.2011, 20:02 Uhr

Die Nachrichten des Tages überforderten auch den Gleichmut der entspannten Investoren: Die Schuldenkrise in Griechenland steuert auf einen neuen Höhepunkt zu und die konjunkturelle Lage bietet auch keinen rechten Trost mehr.

Erst vor rund zwei Wochen am 2. Mai hatte der Dax bei 7600 Punkten sein Jahreshoch markiert, heute sackte er zeitweise bis auf 7.253 Punkte ab. Zum fünften Mal in Folge büßte der Dax Punkte ein und ging mit einem Abschlag von 1,8 Prozent bei 7256,65 Punkten aus dem Handel.

Wenig ermutigend für den kommenden Tag ist vor allem die Tatsache, dass der Leitindex fast auf seinem Tagestief schloss. Der Blick auf die Nebenwerte hellte die Stimmung ebenfalls nicht auf: Sowohl TecDax als auch MDax verloren mehr als ein Prozent. Der Late-Dax verlor 1,3 Prozent auf 7270 Punkte.

Der Tag fing bereits schlecht an: Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker sprach von der Notwendigkeit einer "weichen" Umschuldung Griechenlands. Dass Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen anschließend von einer freiwilligen Beteiligung privater Gläubiger redete, verstärkte das Entsetzen der Anleger.

Insgesamt ist der Markt angeschlagen: Marktstratege Thilo Müller von MB Fund Advisory sagte: "Nach den guten Quartalszahlen, der positiven Dividendenentwicklung scheinen die Pfeile aus dem Köcher verschossen", sagte der Experte. Daher rückten Themen wie die Schuldenkrise verstärkt in den Vordergrund.

Neue Gründe für Konjunktursorgen
Aktuelle Konjunkturdaten zwangen den Dax noch tiefer in die Verlustzone: Der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen enttäuschte. Auch aus den USA kamen Schwächesignale, frische Daten vom Immobilienmarkt sorgten für Ernüchterung. "Es bleibt dabei, dass die Neubauaktivität in den USA am Boden liegt", schreiben die Postbank-Experten. Auch die Industrieproduktion stagnierte. Die Zahlen lassen befürchten, dass die konjunkturelle Dynamik in der Industrie ihren Zenit überschritten hat, schreibt Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Einen vorsichtigen Standpunkt vertreten auch die Experten der US-Bank Morgan Stanley. Sie gehen davon aus, dass der weitere Nachrichtenfluss im Makrobereich voraussichtlich den Risikoappetit der Investoren zügeln dürfte: "Wir bleiben kurzfristig relativ vorsichtig, was die Aktienmärkte betrifft", schreiben sie in einer aktuellen Analyse. Deshalb favorisieren sie aktuell defensive Titel.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,09
Differenz relativ
-1,65%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,77
Differenz relativ
-1,14%

Gewinner sind Mangelware
Die Gewinnerliste blieb fast vollständig verwaist. Lediglich die Aktien der Commerzbank retteten sich ins Plus und verteuerten sich um knapp 0,2 Prozent. Zweitstärkster Wert war die Deutsche Bank mit einem Abschlag von 0,5 Prozent. Händler begründeten die relative Stärke mit den starken Verlusten des Vortages. Außerdem hatte sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei einem Dinner mit Analysten zuversichtlich gezeigt, berichteten Händler.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,00
Differenz relativ
-1,03%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,16
Differenz relativ
-0,78%

Weniger frische Autos
Schwächelt bald auch die Autobranche? In der Europäischen Union sind die Autoverkäufe im April weiter zurückgegangen. Die Zahl der Neuzulassungen sank im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent auf 1.089.118 Fahrzeuge. Das gab der europäische Branchenverband ACEA bekannt. Deutsche Autohersteller schlugen sich allerdings besser als der Markt.

Aixtron zweitstärkster TecDax-Titele
An der TecDax-Spitze liegt die Aixtron-Aktie. Der auf Leuchtdioden-Anlagen spezialisierte Maschinenbauer hat einen Großauftrag von Samsung erhalten. Aixtron soll mehrere Anlagen liefern, mit denen LEDs hergestellt werden können. Die Investmentbank Equinet schätzt das Auftragsvolumen auf mehr als 20 Millionen Euro.

Oesterle rät: einkaufen
Der Pharmagroßhändler Celesio will in Zukunft weniger abhängig vom staatlich regulierten Arzneimittelgeschäft sein."Das übergeordnete Ziel heißt, bis 2015 den Anteil des nicht preis- und nicht margenregulierten Geschäfts auf mindestens 50 Prozent zu erhöhen", sagte der scheidende Celesio-Chef Fritz Oesterle auf der heutigen Hauptversammlung in Stuttgart. "Dies ist nur durch Akquisitionen und Transaktionen in größerem Umfang möglich", ergänzte Oesterle. Die Aktie schloss mit plus 0,4 Prozent stärker als der Gesamtmarkt.

SAF Holland erhöht Prognose
Der Lkw-Zulieferer SAF Holland hebt nach einem Umsatzsprung im ersten Quartal seine Wachstumsziele für dieses Jahr an. Die Erlöse dürften demnach um bis zu 25 Prozent anziehen, teilte das fränkische Unternehmen mit. Bisher hatte das Management einen Zuwachs von bis zu 20 Prozent gegenüber den 631 Millionen Euro aus dem Jahr 2010 in Aussicht gestellt. Auch der Gewinn soll sich erhöhen. SAF Holland führte den SDax an.

Curasan lässt Federn
Die im General Standard der Deutschen Börse AG notierte Curasan AG erwirtschaftete im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011 einen Umsatzerlös von 1,0 Million Euro - 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Nett verbuchte das Biotech-Unternehmen ein Minus von 622.000 Euro. Die Aktie ging dennoch mit Abschlägen aus dem Handel.

Rekordquartal für Softing
Im besten Quartal der 32-jährigen Unternehmensgeschichte von Softing ist das EBIT von 0,15 auf 0,94 Millionen Euro und der Jahresüberschuss von 0,2 auf 0,7 Millionen Euro gestiegen. Der Auftragsbestand stieg um 23 Prozent.

In Japan liegt Dürrs Zukunft
Der Anlagenbauer Dürr will stärker auf dem japanischen Markt Fuß fassen. Dürr übernimmt zehn Prozent an dem japanischen Lackieranlagenbauer Parker Engineering. Mittelfristig sollen rund 100 Millionen Euro Umsatz mit der japanischen Automobilindustrie gemacht werden. Parker Engineering erlöste im vergangenen Jahr 60 Millionen, der Dürr-Konzern 1,26 Milliarden Euro. Der Aktie half die Ankündigung nicht.

HP senkt Jahresprognose
Belastet von einem schwachen PC-Geschäft und dem verheerenden Erdbeben in Japan hat der weltgrößte Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr gesenkt. Im zweiten Quartal verbuchte HP einen Umsatz von 31,63 Milliarden Dollar. Damit übertraf der Konzern die Markterwartungen von durchschnittlich 31,52 Milliarden Dollar. Die HP-Aktie brach nach US-Börsenstart um mehr als neun Prozent ein.

Home Depot steht im Regen
Schlechtes Wetter hat der US-Baumarktkette Home Depot zu Jahresbeginn die Geschäfte verdorben. Der Umsatz ist im am 1. Mai beendeten ersten Quartal um 0,2 Prozent auf 16,82 Milliarden Dollar gesunken. Damit blieb Home Depot hinter den Erwartungen von Analysten zurück, die Erlöse von 17,02 Milliarden Dollar prognostiziert hatten.

Walmart: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
86,41
Differenz relativ
-1,00%

Wal-Mart schwächelt in der Heimat
Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart hat zu Jahresbeginn mehr verdient und umgesetzt als erwartet. Der Umsatz stieg um 4,4 Prozent auf 103,4 Milliarden Dollar. Dabei entwickelte sich aber das wichtige US-Geschäft das achte Quartal in Folge rückläufig. Die Erlöse auf dem Heimatmarkt seien auf vergleichbarer Basis und ohne Treibstoffe um 1,1 Prozent gesunken, teilte der Konzern mit.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 17. August

Unternehmen:

Grand City Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Volkswagen: Absatz 07/18
Maersk: Halbjahreszahlen
Schindler: Halbjahreszahlen, 6:30 Uhr

Konjunktur
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe 06/18, 8 Uhr
EU: Verbraucherpreise 07/08 endgültig, 11:00 Uhr
USA: Frühindikatoren 07/18, 16 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr