Anleger entscheiden sich für Pessimismus

Stand: 16.06.2009, 20:05 Uhr

Am deutschen Aktienmarkt dominierten auch am Dienstag die Verluste. Der Dax schloss mit Ach und Krach im Plus, allerdings zog die schwache Wall Street den späten Parketthandel noch kräftig nach unten.

Die Sorgen um den Zustand der amerikanischen Volkswirtschaft belasteten am Dienstag die Aktienmärkte in Europa und in New York. Nachdem bekannt wurde, dass die Industrieproduktion in den USA mit einem Mai-Minus von 1,1 Prozent die Erwartungen verfehlt hatte, drehte die zuvor unentschlossene Tendenz in's Trostlose. Der Xetra-Dax schloss immerhin noch 0,02 Prozent im Plus, der L-Dax gab dank schwacher amerikanischer Indizes noch 20 Punkte ab und schloss bei 4.870 Zählern. Die US-Indizes notierten da bereits deutlich im Minus.

Dabei gab es am Dienstag durchaus auch gute Nachrichten. Die amerikanischen Baubeginne im Monat Mai waren deutlich stärker gestiegen als erwartet, und der ZEW-Index, der die Konjunkturerwartung von Finanzmarktprofis abbildet, fiel abermals besser aus als prognostiziert.

Im Dax fiel die Aktie des Pharma- und Chemiekonzerns Merck auf. Das Papier verlor am Dax-Ende 4,3 Prozent, nachdem Merrill Lynch die Anlageempfehlung auf "Neutral" gesenkt hatte. Die Aktie der Deutschen Börse setzte sich mit einem Plus von vier Prozent an die Dax-Spitze, ohne dass es kursbewegende Nachrichten gegeben hätte. Und die beiden Stahlkonzerne Salzgitter und ThyssenKrupp erholten sich deutlich von ihren gestrigen Verlusten, die Aktien legten 0,8 und 1,4 Prozent zu.

Auffällige Gewinner im Dax
Die Metro-Aktie profitierte von den Zahlen des britischen Einzelhändlers Tesco, die außerordentlich gut waren. Metro-Papiere stiegen um 1,5 Prozent. Ebenfalls gefragt waren die defensiven Titel von Fresenius, sie legten um 1,8 Prozent zu.

Heftige Verluste bei Tui und Arcandor
Die Aktien von Tui und Arcandor setzten sich souverän, mit Kursverlusten von 18 und 7,8 Prozent, an das Ende des MDax. Die Deutsche Bank empfahl die Tui-Papiere am Morgen zum Verkauf, die Anleger gehorchten. Der insolvente Handelskonzern Arcandor hatte am Mittag bekannt gegeben, dass die Tochter Quelle einen Finanzbedarf von 50 Millionen Euro habe. Noch nicht entschieden sei, teilte die Firma weiter mit, ob man nun einen so genannten Massekredit beantrage oder nicht.

Drägerwerk senkt die Prognose
Im TecDax verlor die Aktie des Sicherheits- und Medizintechnikherstellers Drägerwerk 11,7 Prozent. Die Firma hatte gestern Abend ihre Prognose gesenkt und ein Kostensparprogramm bekannt gegeben.

170 Millionen für Vossloh
Die Vossloh-Aktie legte 4,5 Prozent zu. Der Verkehrstechnik-Konzern gab einen Großauftrag bekannt. Das chinesische Eisenbahnministerium bestellte nach Vossloh-Angaben Schienenbefestigungen im Wert von rund 170 Millionen Euro.

Milliardenaufträge für Airbus
Der Flugzeughersteller Airbus hat auf der Flugzeugmesse in Le Bourget zwei Großaufträge an Land gezogen. AirAsia habe zehn Exemplare des in Entwicklung befindlichen A350 geordert, teilte die EADS-Tochter mit. Der Auftrag habe einen Wert von 2,4 Milliarden Dollar. Für 1,9 Milliarden Dollar soll Airbus zudem insgesamt 18 Flugzeuge an Vietnam Airlines liefern. Die EADS-Aktie beendete den Handelstag mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent.

Fraport schrumpft weiter
Der Flughafenbetreiber Fraport hat im Mai erneut weniger Passagiere abgefertigt. In Frankfurt ging das Passagieraufkommen im Jahresvergleich um 6,6 Prozent auf 4,4 Millionen zurück. Das Frachtvolumen sank um mehr als 17 Prozent. Die Aktie stieg, da diese Zahlen besser waren als erwartet, um 4,3 Prozent.

Schering-Plough verlängert Vertrag mit Morphosys
Gute Nachrichten kommen auch vom Biotech-Unternehmen Morphosys. Der amerikanische Pharmakonzern Schering-Plough hat den Vertrag mit dem TecDax-Unternehmen um ein weiteres Jahr verlängert. Morphosys-Aktien kletterte um 2,1 Prozent.

SGL wieder mit weniger Aufträgen
Schwach laufen die Geschäfte beim Kohlenstoffspezialisten SGL aus dem MDax. Zum Auftakt des laufenden Quartals meldete das Unternehmen wieder weniger Aufträge als zuvor. Die Aktie verlor 3,6 Prozent.

Gea baut für die Milchwirtschaft
Der Maschinenbaukonzern Gea hat zwei kleinere Aufträge aus der Milchindustrie erhalten. In Deutschland wird Gea eine Käsefabrik errichten, die Anfang 2010 ihre Produktion aufnehmen soll. Nach Irland liefert Gea Maschinen, die in einer milchverarbeitenden Fabrik eingesetzt werden sollen. Die Gea-Aktie aus dem MDax stieg im Tagesverlauf um 2,7 Prozent.

Baywa übernimmt Lukta
Der im SDax notierte Agrarkonzern Baywa meldet einen Zukauf. Die österreichische Baywa-Tochter Ybbstaler habe den polnischen Fruchtsaftkonzentrathersteller Lukta übernommen, meldete die Firma am Mittag. Lukta soll unter der Regie von Ybbstaler einen Jahresumsatz von bis zu neun Millionen Euro erzielen. Die Baywa-Aktie verlor 2,2 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)