Marktbericht 20:00 Uhr

Dax-Erholungsrally gerät ins Stocken Anleger drosseln das Tempo

Stand: 04.07.2016, 20:00 Uhr

Bis zum Freitag hatte der Dax die Hälfte seines zehnprozentigen Brexit-Verlusts wieder wettgemacht. Am Montag entschieden sich die Investoren deshalb dafür, die Früchte der Rally zu genießen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.338,00
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Der Dax schloss mit einem Abschlag von 0,7 Prozent auf 9.709,09 Punkten. Der EuroStoxx50 verlor ebenfalls 0,7 Prozent auf 2.862,21 Punkte. Der Londoner Auswahlindex FTSE kletterte zunächst zwar noch auf ein Elf-Monats-Hoch von 6612,13 Zählern, schloss aber 0,8 Prozent im Minus. Der Pariser CAC 40 verlor 0,9 Prozent auf 4.234,86 Punkte. Der L-Dax gab um 0,4 Prozent auf 9.727,37 Punkte nach.

Ohne die US-Börsen, die wegen eines Feiertages geschlossen blieben, verlief der Handel hierzulande weitgehend impulslos. In der vergangenen Woche hatte der Dax zeitweise sogar die Marke von 9.800 Punkten übersprungen. Ist die Jagd nur unterbrochen oder geht es nun wieder in die andere Richtung?

EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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3.191,36
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Konstantin Oldenburger von CMC Markets, ist optimistisch. "Für die kommenden Wochen stehen die Chancen auf eine Fortsetzung der in der vergangenen Woche gestarteten Erholung nicht schlecht. Der Börsenmonat Juli ist statistisch gesehen noch der beste Monat in den historisch eher mittelmäßigen Sommermonaten."

Die Auswirkungen einordnen

Laut Niall Delventhal, Experte bei DailyFX, hielt sich der Dax heute dank der Notenbanken noch relativ fest: Die wachsenden Spekulationen, dass von der EZB ein weiterer Rettungsring ausgeworfen wird, der die Konjunktur vor dem Abtauchen bewahrt, erweisen sich zurzeit noch als Stütze." 

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 17.00 Uhr

Die Unsicherheit über die Brexit-Folgen bleibt das Thema am Aktienmarkt. "Die Brexit-Entscheidung dürfte die Aktienmärkte – zumindest noch in den ersten Wochen der zweiten Jahreshälfte – in Atem halten, da die Anleger das Votum zunächst einmal hinsichtlich der Auswirkungen einordnen müssen", schreibt Philipp Dobbert, Chefvolkswirt der Quirin Bank. Weitere kräftige Kursverluste erwartet Dobbert nicht.

"Erst mal Nummer sicher!"

Die Experten der Investmentbank JPMorgan Cazenove mahnen zur Vorsicht. Die politische Krise in Großbritannien sorge für Verunsicherung. Daher müsse jederzeit mit Kursrückschlägen gerechnet werden. Gregor Kuhn von IG Markets fasst die aktuelle Lage so zusammen: "Nachdem der Dax in der vergangenen Woche rund fünf Prozent der Brexit-bedingten Talfahrt wieder gutmachen konnte, die ungewissen politischen, rechtlichen und ökonomischen Folgen eines britischen EU-Austritts Großbritanniens aber weiterhin für große Unsicherheit sorgen, gehen Investoren also erst einmal auf Nummer sicher."  

Die Unsicherheit der Anleger lässt sich auch ganz gut am Beispiel Gold und Silber ablesen, denn aus Furcht vor einer politischen und wirtschaftlichen Krise in Folge des Brexit-Votums flüchten Anleger zunehmend in Edelmetalle. Gerade Silber ist derzeit eine gute Wahl. Am Montag war es so teuer wie zuletzt Mitte 2014. Am Morgen kostete eine Feinunze (circa 31 Gramm) zeitweise mehr als 21 US-Dollar. Vor einer Woche hatte der Preis noch unter 18 Dollar gelegen.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.219,28
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Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.067,30
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Versorger sehr beliebt

Im Dax lagen Eon und RWE vorn. Sie sind derzeit gefragt, nachdem in der vergangenen Woche Analyst Lüder Schumacher von der Société Générale mit einer Kaufempfehlung für RWE-Aktien Papiere für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, in der er die Papiere als "sicheren Hafen" für Anleger nach dem Brexit bezeichnet hatte.

ThyssenKrupp im Rückwärtsgang

Titel von ThyssenKrupp fielen bei den Investoren dagegen durch. Der Stahl- und Technologiekonzern will seine Sparte Industrial Solutions umbauen. Hintergrund sei ein verschärfter Wettbewerb etwa im Anlagenbau, sagte Spartenchef Jens Michael Wegmann am Montag in Essen. "Wir haben den Druck dort", so der Manager.

Deutsche Börse: LSE-Aktionäre stimmen für Fusion

Der geplante Zusammenschluss der Börsen von Frankfurt und London hat eine erste Hürde genommen. Die Aktionäre der London Stock Exchange (LSE) votierten heute bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in der britischen Hauptstadt mit 99,92 Prozent für die Fusion. Erforderlich waren 75 Prozent Zustimmung. Auf dem Weg zur geplanten europäischen Superbörse galt das Votum der LSE-Anteilseigner als eines der kleinsten Hindernisse. Nach dem Nein der Briten zur Europäischen Union steht der gesamte Deal auf der Kippe.

Starker Montag für Lufthansa

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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20,66
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Konzernchef Carsten Spohr bekräftigte heute die Jahresprognose eines Betriebsgewinns von leicht mehr als 1,8 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt weniger erwartet. Das überraschende Brexit-Votum der Briten belaste Spohr zufolge die Nachfrage bislang nicht.

VW: Absatz in den USA bricht ein

Volkswagen ist auf dem amerikanischen Markt im Juni mächtig unter die Räder gekommen. Der Absatz brach um 21,8 Prozent ein. Daimler verkaufte hingegen 2,3 Prozent mehr Autos, der BMW-Absatz sackte um 11,9 Prozent ab. Derweil warnte VW-Chef Matthias Müller, eine Entschädigung der europäischen Kunden nach US-Vorbild könnte den Konzern finanziell überfordern.

Deutsche Bank: Brauchen keine Kapitalspritze

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,64
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Das größte deutsche Geldhaus kommt nach eigener Aussage auf absehbare Zeit ohne eine Kapitalspritze aus. "Ich rechne damit, dass wir unser Kapital organisch aufbauen können, was wir bedauerlicherweise über viele Jahre nicht getan haben", sagte Vorstandschef John Cryan dem "Spiegel". Die Aktie war in der Vorwoche auf ein frisches Rekordtief von 12,05 Euro gefallen. Auch heute gehörte sie zu den Verlierern im Dax.

Kaufempfehlung für Rheinmetall

Im MDax hielt sich die Rheinmetall-Aktie besser als der Markt. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat den Titel von "Hold" auf "Buy" hochgestuft, das Kursziel aber von 75 auf 70 Euro gesenkt. Der Markt habe zu große Bedenken hinsichtlich des weiteren Wachstums der Automotive-Sparte. Auch das Umfeld für das Rüstungsgeschäft verbessere sich.

Zalando: Angeblich attraktiv bewertet

Bei den Aktien von Zalando könnte sich nach Einschätzung der Deutschen Bank ein Einstieg wieder lohnen. Nach den deutlichen Kursverlusten im bisherigen Jahresverlauf sei die Bewertung des Online-Modehändlers relativ zum Umsatz auf das niedrigste Niveau seit dem Börsengang gefallen, so Analyst Warwick Okines. Der Experte stufte die Papiere von "Hold" auf "Buy" hoch.

Leoni und Hella auf der Verkaufsliste

Eine negative Studie von Kepler Cheuvreux belastete die Aktien von Zulieferern im MDax. Am schwächsten zeigten sich die Papiere von Leoni und Hella. Die Papiere des Zulieferers von Kabelsystemen Leoni gehören zu den von Kepler am schwächsten eingeschätzten Werten ("least preferred list").

Kuka: Großaktionäre verkaufen an die Chinesen

Die Kuka-Aktie zieht einmal mehr die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich. Chinesische Investoren sind der geplanten Übernahme des deutschen Roboterbauers einen großen Schritt näher gekommen. Der deutsche Technologiekonzern und Kuka-Großaktionär Voith wird nach eigenen Angaben seine Kuka-Anteile an den chinesischen Investor Midea verkaufen.

Kuka: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
67,90
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-1,16%

Und ein weiterer Kuka-Großaktionär hat dem Roboterbauer den Rücken gekehrt. Neben Voith hat auch der Unternehmer Friedhelm Loh sein Aktienpaket von zehn Prozent am vergangenen Wochenende an den chinesischen Midea-Konzern verkauft. "Ich habe am Donnerstag die Entscheidung zum Verkauf des Aktienpakets gefällt und am Freitag umgesetzt", sagte Loh dem "Handelsblatt".

Morphosys: Meilensteinzahlung von Novartis

Der Biotech-Konzern Morphosys erhält von Novartis eine Meilensteinzahlung für den Start einer Phase-1-Studie zur Prävention von Thrombose mit einem neuartigen Antikörper. Das Programm ist bereits der zwölfte therapeutische Antikörper basierend auf Morphosys-Technologien, den Novartis in klinischen Studien untersucht. Finanzielle Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Metric: Insolvenz in Eigenverwaltung genehmigt

Der Ticketautomaten-Spezialist Metric darf nach eigenen Angaben sein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchziehen. Das Amtsgericht Hannover habe einen entsprechenden Antrag zugelassen, teilte die Metric Mobility Solutions AG (früher: Höft & Wessel) aus Hannover am Freitag mit. Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Rainer Beckert.

Novartis: Ausstieg bei Roche noch in diesem Jahr?

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will einem Zeitungsbericht zufolge seine milliardenschweren Beteiligung am Wettbewerber Roche noch dieses Jahr verkaufen. Die Anteile sollten an institutionelle Investoren veräußert werden, berichtete die Schweizer "SonntagsZeitung" ohne Angabe von Quellen.

Tesla: Probleme bei der Auslieferung

Den US-Elektroautobauer Tesla plagen das zweite Quartal in Folge Probleme mit den Auslieferungen. In den abgelaufenen drei Monaten wurden 14.370 Fahrzeuge an die Kunden geliefert. Damit wurde aber das Ziel von 17.000 Autos verfehlt. Tesla war zum Wochenschluss wegen des tödlichen Unfalls mit einem vom Tesla-Autopiloten gesteuerten Wagen in die Schlagzeilen geraten.

ts

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"