Marktbericht 20:15

Dax schon wieder im Minus Anleger brauchen starke Nerven

Stand: 09.10.2013, 20:15 Uhr

Der "Yellen-Effekt" hat an der Börse nur kurz für Rückenwind gesorgt. Die Investoren blicken weiter mit Sorge auf das Politik-Drama in Washington. Zumindest nachbörslich ist die Stimmung dann aber wieder gestiegen.

Wie angespannt die Lage derzeit ist zeigt sich daran, dass selbst die Aussicht auf eine Fortsetzung der ultraexpansiven Geldpolitik der US-Notenbank nicht für eine nachhaltig bessere Stimmung am Markt sorgt.

Eine Fortsetzung des bisherigen geldpolitischen Kurses der Fed zeichnet sich nämlich mit der bevorstehenden Berufung der geldpolitischen "Taube" Janet Yellen als Nachfolgerin des scheidenden Fed-Chefs Ben Bernanke ab. Präsident Barack Obama wird seine Entscheidung über die Nachfolge des scheidenden Fed-Chefs Ben Bernanke heute um 21:00 Uhr deutscher Zeit offiziell bekanntgeben.

Dax nachbörslich wieder erholt

Der deutsche Leitindex, der nach den Nachrichten um Janet Yellen zunächst Fahrt aufgenommen hatte, konnte das positive Momentum nicht behaupten. Dabei verstärkte sich der Abwärtstrend vor allem im späten Xetra-Geschäft, ähnlich wie am Vortag.

Der Schluss lag bei 8.516 Punkten, ein Tagesverlust von 0,46 Prozent. Das Tagestief lag dabei mit 8.489 Zählern sogar unter der Marke von 8.500 Punkten und genau 100 Punkte unter dem Tageshoch. Hoffnung kam dann aber nach Börsenschluss auf, der L/E-Dax folgte der Wall Street, die ins Plus drehte. Der Index schloss bei 8.541 Punkten deutlich über dem Xetra-Schluss.

Wall Street dreht ins Plus

Nachdem sich in New York zunächst ein ähnlich trübes Bild wie beim Dax ergeben hatte, dreht der Aktienmarkt aktuell ins Plus, ohne das es konkrete Ankündigungen gegeben hätte. Zumindest die Standardwerte legen zu, Dow-Jones und S&P-500-Index liegen 0,4 und 0,2 Prozent im Plus. Am Abend werden noch die Sitzungsprotokolle der Fed-Sitzung von Mitte September erwartet, auf der überraschenderweise keine Drosselung der Wertpapierkäufe beschlossen wurde.

Trotz der Personalie Yellen und den unerwartet gut ausgefallenen Zahlen des als Konjunkturindikators angesehenen Aluminiumherstellers Alcoa kann sich die Weltleitbörse aber nicht wirklich befreien. Das Damoklesschwert der Staatspleite lastet unverändert drohend über dem Markt und verhindert einen nachhaltigen Aufschwung.

Auch zur Wochenmitte zeichnet sich nämlich weiterhin kein Ende des lähmenden Streits zwischen Republikanern und Demokraten im Kongress ab. Die Politiker müssen bis Mitte Oktober einen neuen Haushalt beschließen und die Schuldengrenze des Landes erhöhen, sonst droht die Zahlungsunfähigkeit der USA.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.743,50
Differenz relativ
+0,32%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.929,67
Differenz relativ
-0,04%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.986,96
Differenz relativ
-0,51%

Euro gibt nach

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1741
Differenz relativ
-0,04%

Der Euro steht nur noch knapp über der Marke von 1,35 Dollar, rund ein Dollar-Cent weniger als am Vortag. Damit trotzt die Weltleitwährung der Aussicht auf die Fortsetzung der ultraexpansiven Geldpolitik der Fed.

Diese Kursreaktion erscheine auf den ersten Blick überraschend, sagte Volkswirt Ayako Sera von der Sumitomo Mitsui Trust Bank. Entscheidend sei hier die Erleichterung darüber, dass die Nachfolge-Frage endlich gelöst sei. Längerfristig dürfte die Weltleitwährung aber durch diese Politik weiter belastet werden.

Alcoa schreibt schwarz

Die Quartalsberichtssaison in Amerika ist eröffnet. Als erstes Unternehmen aus dem S&P 500 hat der Aluminiumkonzern Alcoa Rechenschaft zum September-Quartal abgelegt. Das Unternehmen ist im dritten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Die Alcoa-Aktie, die allerdings nicht mehr im Dow-Jones-Index vertreten ist, steigt aktuell 4,4 Prozent.

Versorger schon wieder die Gewinner

Im Dax legten die Aktien von RWE und besonders Eon erneut zu und setzten damit ihre jüngsten Avancen fort. Grund dürften erneut Spekulationen um angebliche Änderungen beim EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) sein, das in der jetzigen Form die Geschäfte der Energiekonzerne bremst. Auch Commerzbank waren nach den jüngsten Verlusten wieder gefragt, schlossen allerdings bei 8,82 Euro unter Tageshoch. Zu den Verlierern gehörten zyklische Titel, allen voran Linde, aber auch Henkel und Infineon nach einem negativen Analystenkommentar.

Bayer erringt Erfolg

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDAden Zulassungsbescheid für das Lungenhochdruck-Mittels Riociguat erhalten. "Früheren Angaben von Bayer zufolge hat das Mittel ein Umsatzpotenzial von 500 Millionen bis eine Milliarde Euro", sagte ein Händler. Die Aktie, die lange Zeit im Plus lag, konnte ihre Gewinne nicht verteidigen und fiel mit dem Markt zurück. Am Ende stand ein enttäuschendes Minus von 0,25 Prozent.

Telekom weitet Verkäufe aus

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,90
Differenz relativ
+0,43%

Die Deutsche Telekom hat den Verkauf von Anleihen der Tochter T-Mobile US wegen der hohen Nachfrage deutlich ausgeweitet. Geplant war ein Verkaufsvolumen von 3,1 Milliarden Euro, das auf 5,6 Milliarden Euro ausgeweitet wurde. Die T-Aktie wechselte heute mehrmals das Vorzeichen, am Ende stand ein Minus von 0,22 Prozent.

Metro steigt in Celesios Windschatten

Celesio-Aktien müssten mit einem Minus von 2,6 Prozent einen Teil ihrer gestrigen Kursgewinne wieder abgeben. Am Dienstag hatten Gerüchte über ein angebliches Kaufangebot des US-Pharmahändlers McKesson den Wert um über 20 Prozent nach oben katapultiert.

Im Windschatten von Celesio stiegt die ebenfalls zur Haniel-Gruppe gehörende Metro-Aktie auf den höchsten Stand seit März 2012. "Die Entschuldung des Mutterkonzerns ist immer positiv für Unternehmen", sagte ein Börsianer. Außerdem spekuliere vielleicht der eine oder andere darauf, dass Haniel das Geld aus dem möglichen Celesio-Verkauf in Metro investiere.

Springer hat Kartellprobleme

Die Aktie des Medienhauses gehörte zu den schwächsten Werten im MDax. Grund ist die Bekanntgabe des Bundeskartellamtes, sich den Verkauf großer Teile des Printgeschäftes an die Funke-Gruppe genauer ansehen zu wollen. Dafür will sich die Behörde drei zusätzliche Monate Zeit nehmen, bis zum 10. Januar 2014.

DZ-Bank-Analyst Harald Heider sagte, dadurch könnten gemeinsame Projekte gefährdet werden. Insgesamt bleibt der Experte aber weiter positiv für die Springer-Aktie.

TAG-Chef geht in die Offensive

Firmenchef Rolf Elgeti will trotz der gegen ihn erhobenen Vorwürfe weiter an der Spitze des im MDax notierten Wohnimmobilienunternehmens stehen. "Ich werde nicht zurücktreten", erklärte Elgeti am Nachmittag in einer Telefonkonferenz.

Er wes den Vorwurf von Interessenkonflikten zurück, räumte aber Kommunikationsdefizite ein. TAG-Immobilien will die Vorwürfe gegen den Firmenchef nun von einem neutralen Gutachter prüfen lassen. Der Aufsichtsrat ließ verlauten, er stehe hinter Elgeti. Die Aktie, die nach einem entsprechenden Pressebericht zuletzt unter Druck geraten war, holte heute auf und gehörte in einem schwachen Marktumfeld zu den größten Gewinnern im Index der mittelgroßen Werte.

Gagfah refinanziert sich

Nach Börsenschluss gab das Immobilienunternehmen aus dem MDax bekannt, dass es sich erfolgreich refinanziert hat. Diese Refinanzierung besteht aus einer mit Hypotheken unterlegten, verbrieften Anleihe (CMBS) mit einem Kupon von 2,71 Prozent nach bisher 5,17 Prozent und einem Volumen von 700 Millionen Euro. Darüber hinaus wurden weitere Kredite gesichert. Der Refinanzierunbgsprozess ist damit weitgehend abgeschlossen, teilte das Unternehmen mit.

Gewinnwarnung von Kabel Deutschland

Ebenfalls nachbörslich gab der im MDax notierte Münchener Kabelnetzbetreiber eine Gewinnwarung sowie Eckdaten zum zweiten Quartal bekannt. Kabel wird mehrheitlich vom britischen Telekom-Erzrivalen Vodafone beherrscht, der 75 Prozent der Anteile hält. Nachbörslich gab die Aktie, die während des regulären Handels leicht zugelegt hatte, nach.

CropEnergies mit geringerem Ergebnis

Der Bioenergiehersteller CropEnergies hat im ersten Halbjahr seines Geschäftsjahres 2013/14 seinen Umsatz um 16 Prozent auf 372 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging nach den endgültigen Zahlen um 21 Prozent auf 42 Millionen zurück. Grund waren höhere Rohstoffpreise.

Tom Tailor expandiert kräftig

Aktien der Modekette Tom Tailor bauten am Nachmittag ihre Gewinne weiter aus und waren größter Gewinner im SDax. Das Unternehmen hat im dritten Quartal ein flächenbereinigtes Umsatzwachstum von 6,2 Prozent erreicht. Ein Händler wertete die Entwicklung als ermutigend, schränkte zugleich aber ein, dass das vierte Quartal das entscheidende im Einzelhandel sei.

Bastei Lübbe fängt sich

Nach dem durchwachsenen Börsendebut vom Vortag legte die Aktie des Verlags Bastei Lübbe am Mittwoch gut zwei Prozent zu. Sie liegt damit knapp über ihrem Ausgabepreis von 7,50 Euro.

Hewlett Packard legt kräftig zu

Die Aktie des Computerbauers ist an der New Yorker Börse stark gefragt und liegt aktuell über sechs Prozent im Plus. Getrieben wird das Papier von Aussagen von Firmenchefin Meg Whitman vor Analysten. Whitman erwartet für das kommende Jahr eine Stabilisierung des Umsatzes und ab 2015 eine Beschleunigung. Hewlett Packard macht vor allem der Siegeszug der mobilen Anwendungen zu schaffen.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen